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	<title>Roman &#8211; Jens Jürgen Korff</title>
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	<description>Historiker, Texter, Autor, Wanderer</description>
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	<title>Roman &#8211; Jens Jürgen Korff</title>
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		<title>Wasser bricht Stein</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jejko]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Sep 2021 07:44:14 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Das Romanprojekt mit diesem Titel habe ich umbenannt in »Vorwarnzeit«]]></description>
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<p>Das Romanprojekt mit diesem Titel habe ich umbenannt in <strong> <a href="http://jejko.de/vorwarnzeit" data-type="URL" data-id="jejko.de/vorwarnzeit">»Vorwarnzeit«</a></strong> </p>
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		<title>Vorwarnzeit: Kornelkirschen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jejko]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Jun 2021 16:02:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Projekte]]></category>
		<category><![CDATA[Freizeit]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[Kapitel aus dem Romanprojekt Vorwarnzeit Die Kornelkirsche (Cornus mas), auch Gelber Hartriegel oder Herlitze genannt, ist ein baumartiger Strauch aus der Gattung Hartriegel, der im Alter 8 Meter Höhe erreicht. Die Rinde der jungen Zweige ist gelbgrau. Die gelben Blüten erscheinen schon Ende März. Im August und September werden die Früchte reif. Sie sind länglich, &#8230; <a href="https://jejko.de/vorwarnzeit-kornelkirschen/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Vorwarnzeit: Kornelkirschen“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
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<p>Kapitel aus dem Romanprojekt <strong><a href="https://jejko.de/vorwarnzeit/" data-type="post" data-id="552">Vorwarnzeit</a></strong></p>



<p class="has-light-blue-background-color has-background"><em>Die Kornelkirsche (Cornus mas), auch Gelber Hartriegel oder Herlitze genannt, ist ein baumartiger Strauch aus der Gattung Hartriegel, der im Alter 8 Meter Höhe erreicht. Die Rinde der jungen Zweige ist gelbgrau. Die gelben Blüten erscheinen schon Ende März. Im August und September werden die Früchte reif. Sie sind länglich, kleiner als Kirschen, anfangs rot, später schwarzrot. Die Kornelkirsche ist nicht näher mit der Kirsche verwandt. Das Holz ist sehr hart und wurde in der Antike für Lanzen genutzt, später für Spazierstöcke. Die eingemachten Früchte werden seit Alters her gegessen, auch als Marmelade oder Gelee, und zu Likör oder Obstbrand verarbeitet.</em></p>



<p class="has-light-blue-background-color has-background has-small-font-size">Foto: Von Der ursprünglich hochladende Benutzer war Hanson59 in der Wikipedia auf Deutsch &#8211; Eigenaufnahme mit de:Casio QV-R40; im Botanischen Garten zu Berlin, CC BY-SA 3.0, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5948002">https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5948002</a></p>



<p>Nach der #Revolution muss Tutti ein Denkmal gesetzt werden! Das verkündete Till in seinen linken Aachener Freundeskreisen ein ums andere Mal. </p>



<span id="more-588"></span>



<p>Jeder seiner Freunde kannte Tutti, doch beliebt war sie unter #Jusos und #Kommunisten eher nicht. Tutti, bürgerlich Martina Haase, war die Seele des Widerstands gegen #Atomkraftwerke. Sie tauchte in den meisten Veranstaltungen linker Gruppen auf, ergriff bald das Wort und berichtete mit atemloser Stimme über eine neue Aktion gegen die Atomkraft, bei der aus diesem, jenem und vielen weiteren Gründen jede und jeder ganz unbedingt teilnehmen müsse, wenn er oder sie die Welt in letzter Sekunde retten wolle. Dazu verteilte sie meist ein Flugblatt mit handgeschriebener Überschrift, handgemalter Atomkraft-Nein-danke-Sonne, vollgetippt von links oben bis rechts unten, und weil danach immer noch etwas Wichtiges zu sagen war, hatte sie den verbliebenen Rand mit ihrer gut lesbaren, etwas kindlichen Handschrift spiralförmig mit weiteren Buchstaben ausgefüllt.</p>



<p>Das Tutti-Denkmal, das Till sich vorstellte, stand vor dem Elisenbrunnen, einem traditionellen Ort für Demos in #Aachen. Dort hatte Till Tutti auch zum ersten Mal gesehen; 1975 bei seiner ersten Demo, gegen eine Fahrpreis­erhöhung der ASEAG, des Aachener Verkehrsbetriebs. Die kleine, korpulente Frau, in zahlreiche Tücher gehüllt, bebend vor Botschaft und zugleich Bratsche spielend, hinter ihr zwei Mitstreiter mit Transparent. Denn sie trug ihre strophenreichen, selbst umge­dichteten Kampflieder, an jedes Demothema neu angepasst, mit leicht brüchiger Stimme und oft mit Bratschenzwischenspiel vor.</p>



<p>Bei Till hatte Tutti einen Stein im Brett, was Tutti bald merkte und gelegentlich ausnutzte. Politisch kamen sie aus unterschiedlichen Lagern, aber in der Praxis trafen sie sich oft. Der Kampf gegen Atomkraftwerke gehörte nicht zu den ersten Themen der Aachener Jusos und der Aachener Kommunisten, wohl aber zu Tills wichtigsten Themen. Anders als die meisten seiner Genossen hegte Till keinerlei Sympathie für sowjetisch-sozialistische Atomkraftwerke und konnte sich, genau wie Tutti, durchaus einen ostelbischen GAU vorstellen. Strontium-90 kümmert sich nicht um Volks- oder Privateigentum. Da Till gerne sang, erfreuten und belustigten ihn Tuttis ungewöhnliche Kampflieder, die stets kabarettistisches Niveau und meist einen schmissig-mitsingbaren Refrain hatten. Legendär war ihre Anarcho-Version von Mozarts Arie »Reich mir die Hand, mein Leben«: »Wir sind ’ne kriminelle Vereinigung und brechen hier gemeinsam das Recht…«</p>



<p>Tutti studierte offiziell Germanistik, bedichtete Mozart, spielte Bratsche und wohnte in der Beethovenstraße. Eines Tages schleppte Tutti Till in ihre bildungsbürgerliche Wohnung ab, die ihrer Mutter gehörte. Till bewunderte die Goethe-Gesamtausgabe in Novecento-Fraktur mit goldgeprägten Buchrücken; sie stand im Flurregal. In der Küche hatte Tutti den Siphon unter dem Spülbecken abgeschraubt und einen Eimer darunter gestellt, um das Spülwasser aufzufangen. Das schüttete sie regelmäßig in den Spülkasten der Toilette, um es dort zweitzunutzen. Till wurde sogleich in Tuttis Wasserwirtschaft und die Handhabung der damit verbundenen Umstände einge­wiesen.</p>



<p>Nachdem sie damit fertig war, sagte Tutti:</p>



<p>„Die Kornelkirschen sind reif und fallen schon runter und werden auf dem Bürgersteig plattgetreten. Das ist so eine Verschwendung, denn Kornelkirschen sind eine alte Heilpflanze und man kann prima Marmelade daraus machen, die sehr gesund ist. Wenn du mithilfst, können wir in zwei Stunden Kornelkirschen ernten und entkernen und Marmelade einkochen.“</p>



<p>Till hatte noch nie von Kornelkirschen gehört, ließ sich aber von Tuttis Tatendrang mitreißen, zumal ihn die Sommersonne nach draußen lockte. Sie suchten eine Straße in der Nachbarschaft auf, in der mehrere große Kornelkirschensträucher standen. Die Zweige hingen voller länglich-roter Früchte. Viele waren bereits zu Boden gefallen und hatten auf dem Gehweg eine marmeladig-rötliche Pfütze gebildet.</p>



<p>Till fragte mit vorsichtiger Skepsis:</p>



<p>„Sehen hübsch aus, die Kornelkirschen! Bist du dir sicher, dass man die essen kann?“</p>



<p>„Ja klar kann man die essen! Wusstest du das nicht?“ Tutti tat ein bisschen empört. „Die sind sogar eine alte Heilpflanze, gut für Magen und Darm! Aus der Rinde kann man auch Tee machen. Hildegard von Bingen hat im Mittelalter Rezepte dafür ausprobiert und aufge­schrieben. Meine Mutter hat oft Marmelade daraus gemacht. Letztes Jahr wollte ich schon Marmelade machen, aber dann kam mir die Aktion gegen Creys-Malville dazwischen und ich musste in der Zeit ins Elsass fahren, da war ein Hüttendorf.“</p>



<p>Till gehorchte der ewigen Aktivistin, sie pflückten die Früchte von den dünnen Zweigen ab, füllten drei mitgebrachte Eimer mit der klebrigen Ernte und schleppten sie nach Hause, wobei sich die Henkel der schweren Eimer tief in die Finger einschnitten. Zu Hause bei Tutti schütteten sie jeweils einen halben Eimer voll auf das Wachstuch des Küchentischs und fingen an, die Früchte zu entsteinen. Das stellte sich als mühsam heraus, denn das Fruchtfleisch löste sich bei vielen Früchten schlecht von den Kernen ab, vor allem bei den helleren. Die Prozedur zog sich in die Länge, es wurde Abend und Till verabschiedete sich mit etwas Mühe von der emsigen Kornelkirsche, bevor sie den Marmeladentopf auf die Gasflamme setzen konnte. Später übergab sie ihm ein hellrotes Glas der so mühsam produzierten Marmelade, und als Till es auf einem gebutterten Toastbrot probierte, überwog der Eindruck, dass er schon leckerere Marmelade gegessen hatte.</p>



<p>Den Kornelkirschen begegnete er zehn Jahre später in Köln noch einmal. Er arbeitete in einer Werbeagentur, und die hatte gerade ein neues Domizil bezogen, in einer 60er-Jahre-Villa mit Garten im Stadtteil Raderberg. Im Eingangsbereich der Villa stand ein hoher Strauch. An einem heißen Augusttag wollte Giulio Sinatra, sein Chef, mit Till zusammen zu einem Kunden fahren. Als sie in Giulios schwarzes Cabrio einsteigen wollten, das mit offenem Verdeck unter dem Strauch abgestellt war, kriegte Giulio einen Tobsuchts­anfall; denn auf den Sitzen und in den Fußräumen lagen ziemlich viele schwarzrote, sehr matschige und sehr klebrige Früchte. Till erkannte sie sofort: Es waren Kornel­kirschen. Und zwar diesmal die richtig reifen. Während er Giulio half, das klebrige Zeug aus dem Auto zu klauben, dachte er sich: Die hätten wahrscheinlich eine wohlschmeckendere Marmelade ergeben als Tuttis hellroter Versuch.</p>



<p><strong>Teil des Romanprojekts <a href="http://jejko.de/vorwarnzeit" data-type="URL" data-id="jejko.de/vorwarnzeit">»Vorwarnzeit«</a></strong></p>
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		<title>Vorwarnzeit: 81er</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jejko]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Jun 2021 14:56:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
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					<description><![CDATA[Kapitel aus dem Romanprojekt Vorwarnzeit Als 81er wird hier eine politisch aktive Generation in West- und Ostdeutschland bezeichnet, die in Soziologie, Geschichtswissenschaft und Publizistik bislang weitgehend igno­riert wurde. Der Begriff ist nicht etabliert. Gemeint sind Menschen, die als Mitgestalter der #Friedensbewegung der frühen 1980er Jahre (etwa mit der ersten Bonner Großdemonstration am 10. Oktober 1981) &#8230; <a href="https://jejko.de/vorwarnzeit-81er/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Vorwarnzeit: 81er“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Kapitel aus dem Romanprojekt <a href="https://jejko.de/vorwarnzeit/" data-type="post" data-id="552"><strong>Vorwarnzeit</strong></a></p>



<p class="has-light-blue-background-color has-background"><em>Als <strong>81er</strong> wird hier eine politisch aktive Generation in West- und Ostdeutschland bezeichnet, die in Soziologie, Geschichtswissenschaft und Publizistik bislang weitgehend igno­riert wurde. Der Begriff ist nicht etabliert. Gemeint sind Menschen, die als Mitgestalter der #Friedensbewegung der frühen 1980er Jahre (etwa mit der ersten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Friedensdemonstration_im_Bonner_Hofgarten_1981">Bonner Großdemonstration am 10. Oktober 1981</a>) erst­mals an die Öffentlichkeit getreten sind. Ihr Motiv, die Angst vor einem #Atomkrieg, bewegte zeitgleich auch viele gleichaltrige, politisch aktive Menschen in der DDR. Wenn wir annehmen, dass sie damals im Schnitt 22 Jahre alt waren, ergibt sich, dass die mittleren 81er den geburten­starken Jahrgängen 1958, 1959 und 1960 angehörten. Wenn wir weiter annehmen, dass ihre Eltern bei ihrer Geburt im Schnitt 27 Jahre alt waren, bekommen wir für die Eltern die ebenfalls geburtenstarken Jahrgänge 1931 bis 1933. Die Eltern der 81er waren Kriegskinder, bei Kriegsende 12 bis 14 Jahre alt. Deshalb gelten die 81er auch als sog. Kriegsenkel.</em></p>



<p>Am Rande des Waldwegs, halb im Graben, lag eine rund 20 Zentimeter lange Granate. Zuerst traute Till seinen Augen nicht. </p>



<span id="more-580"></span>



<p>Die Gruppe versammelte sich schweigend um den Fund, allen verschlug es die Sprache. Die Granate war fast siebzig Jahre alt, rostig, aber offenbar vollständig. Niemand traute sich, sie zu berühren. Der winterliche Waldboden der Hügel über #Verdun war pockennarbig: von zahllosen Trichtern gesprenkelt, von tiefen Wellen durchzogen. Die erdfarbe­nen Wellen waren anscheinend Reste von Schützengräben, in denen kräftige Fichten wurzelten. Till fand einen großen, zackigen Granatsplitter und ein Stückchen Stacheldraht. Der Splitter hatte vielleicht einem Mann das Bein abgerissen, ehe er in den Boden eingedrungen war. Hatte der Mann noch Zeit gehabt zu schreien? Sein Blut war in diesem Boden versickert, hatte diese Bäume gedüngt, als sie klein waren.</p>



<p>Jenseits des Waldes waren die Hügel hektarweit mit weißen Kreuzen bedeckt. Zwischen den Kreuzen entdeckten die deutschen Besucherinnen und Besucher ein Feld mit Grab­steinen, die anders aussahen: Ihr geschwungener Rand glich einer Kuppel. Sie erinnerten an die Überreste von Männern algerischer, tunesischer, marokkanischer und senegale­sischer Herkunft, die hier geholfen hatten, eine Festung ihrer französischen Kolonialmacht gegen anstürmende Deutsche zu vertei­digen, beim großen Bürgerkrieg der europäischen Stämme. Über dem Meer der Kreuze thronte der peinliche Marmorpimmel des Beinhauses von Verdun. Darin hatten die Franzosen sämtliche Knochen der toten Soldaten gesammelt. An jenem trüben Tag im Dezember 1984 waren die Geschichtsstudentinnen und ‑ten aus #Aachen dort unter sich. Franzosen waren nicht zu sehen.</p>



<p>»Weit in der Champagne im Mittsommergrün, / dort wo zwischen Grabkreuzen Mohnblümen blühn…« Hannes Waders klingende Sommererzählung nagelte Till am 10. Oktober 1981 in der Poppelsdorfer Allee fest. Er konnte nicht weitergehen, es war ohnehin alles voller Menschen, sang die Zeilen über den jungen Mann mit, der das Jahr 1916 nicht überlebt hatte.</p>



<p>»Hast du, toter Soldat, mal ein Mädchen geliebt? / Sicher nicht, denn nur dort, wo es Frieden gibt / Können Zärtlichkeit und Vertrauen gedeihn…« Auch Till hatte damals noch kein Mädchen geliebt. Lebte er in einem Land, in dem Zärtlichkeit und Vertrauen gedeihen konnten? Die Älteren mit ihren Kriegs­erlebnissen waren sich sicher, dass Till im Frieden aufgewachsen war. Till nicht.</p>



<p>Im Hofgarten sprach Heinrich #Böll. Bölls Geschichte von der Waage der Baleks hatte Till gelehrt, wie viel Mut erforderlich war, mit eigenen Händen nachzu­wiegen, was Herrschende ihren Untertanen gnädigst zugemessen hatten. Bölls Geschichte von dem abgeschnittenen Tafelspruch »Wanderer, kommst du nach Spa« hatte den Bogen geschlagen von der säulengeschmückten Kriegsverherr­lichung eines Lateinlehrers im Gymna­sium zum Krepieren eines verstümmelten Schülers in einer der letzten und sinnlosesten Schlachten des verbrecherischsten aller Kriege. In Washington planten Strategen, mit Hilfe der neuen Mittel­streckenraketen, die sie im Hunsrück stationieren wollten, dem sowjetischen Huhn in einem atomaren Erstschlag den Kopf abzuschlagen. Darüber sprachen Till und seine Freunde in dem Aachener Friedens­komitee, und ihm fiel dazu immer der blonde, blauäugige Bauer von nebenan ein, der so hieß wie sein Hof und vor den Augen des Sechsjährigen mit einer Eisenstange einem seiner Hühner den Kopf abgeschlagen hatte, um dem zartbesaiteten Nachbarsjungen zu zeigen, was ein wahrer Bauer im Leben zu tun hat.</p>



<p>Es war ein mächtiges Gefühl in Bonn, Teil eines historischen Ereignisses zu sein, das Till selbst mitgestaltet hatte, mit vielen Plakaten und Flugblättern. Er hatte die Person bewundert, die die reibungslose Ankunft und Abfahrt Dutzender von Sonderzügen im engen Bonner Hauptbahnhof organisiert hatte. Etliche Schau­fenster der Bonner Innenstadt waren mit Holzplatten vernagelt. Till sagte zu dem Nebenmann mit der John-Lennon-Brille:</p>



<p>»Guck mal! Sind wir eine Flutwelle, ein Orkan?«</p>



<p>Lennon II antworte:</p>



<p>»Die CDU hat tagelang Angst vor der Friedensdemo geschürt und so getan, als wären wir hemmungslose Chaoten.«</p>



<p>»Haha! Und was sind wir? Hunderttausend Lehrerinnen, Kindergärt­nerinnen, Ärzte, Kranken­schwestern, Angestellte, Studis, Schüler, Familien mit kleinen Kindern, alle mit weißen Tauben auf blauem Tuch.«</p>



<p>»Ja. Aber zum blanken Entsetzen von Schmidt, Kohl und Co glauben wir nicht daran, dass die kriegslüsterne Sowjetunion aufgerüstet hat, dass die friedliebende NATO nun nachrüsten muss, um zu verhindern, dass die Rote Armee mit Panzern über uns hinwegrollt. #Kohl hat im Bundestag beantragt festzustellen, dass wir alle Vaterlands- und Freiheitsverräter seien .«</p>



<p>»Weil wir nicht die vorgeschriebene Angst vor den Panzern der Roten Armee haben, sondern Angst vor einem Atomkrieg in Mitteleuropa. Weil wir die #Neutronen­bombe, die alle Menschen tötet, aber die heiligen Häuser und Panzer unbeschädigt lässt, für eine Perversion menschlichen Denkens halten…«</p>



<p>»So hat es Egon Bahr gesagt. Ein mutiger Satz!«</p>



<p>»…und weil es ein Irrsinn ist, dass wir Deutschen und die anderen reichen Länder der Welt Milliarden um Milliarden unseres Wohlstandes in Panzer, Kampf­flug­zeuge und Atom­raketen verwandeln, anstatt damit den hungernden Menschen der Erde zu helfen. Wie hat der Bundestag denn über Kohls Antrag entschieden?«</p>



<p>»Der wurde abgelehnt. SPD und FDP waren dagegen. Aber diese Ladenbesitzer haben wohl vorsichtshalber an der Phantasie festge­halten, dass wir eine rote Flut seien, die Vorhut von rheingeilen russischen Panzern, die irgendwo hinten im Osten mit ständig laufenden Motoren auf ihre Gelegenheit lauern.«</p>



<p>Über viele tausend Köpfe hinweg, hinten vor der Fassade der Bonner Universität, leuchtete rot ein Sprengkopf an der Spitze einer viele Meter langen Papp-Pershing-Rakete. Das Rot erinnerte Till an die Hitzewelle der Bombe von #Hiroshima, das schlimmste Feuer, das die Erdoberfläche gespürt hatte seit dem Einschlag jenes Meteoriten, dessen Staub die Saurier aussterben ließ. Die Bombe hatte 600 Meter tiefer ein Kind verbrannt wie Papier, das Mädchen von Hiroshima, dessen Epitaph Nazim #Hikmet verfasst hatte.</p>



<p>Till spürte die Wärme des blonden Mädchens Ute dicht an seiner Seite. »Pershing! Dat is ene doll Ding!« Heiner schlug die Rockgitarre, als die Aachener Friedens­kämpfer Ostern 1982 die lange Straße von Wegberg nach Arsbeck ablatschten. Im Friedenskomitee hatten sie viel Spaß damit gehabt, das Rockstück »Wild Thing« von den Troggs kölsch umzu­dichten auf die bescheuerten Raketen. Der Rockrhythmus rieselte Till über den Rücken, ging durch den Unterleib; das langbeinige Mädchen blieb ihm dicht an der Seite und genoss die Berührungen der Hüften ebenso wie Till. An ihren jeansblauen Oberschenkel hatte Ute einen roten Elefanten gestickt; von hinten gesehen, sein Schwanz bewegte sich beim Gehen. In der rechten Hand, mit der Till ihre Schulter umfasst hielt, spürte er den samtweichen Plüsch ihrer schwarzen Jacke. Wenn sie den Kopf zu ihm drehte, bewegte sich ihr dunkellila Halstuch über ihrem schmalen, runden, glatten Hals.</p>



<p>»Sind hier denn wirklich Pershing-Raketen?« fragte Ute und blickte neugierig durch ihre kreisrunden Brillengläser in die Gegend.</p>



<p>»Ja, Pershing-I-Raketen, die älteren Schwestern der Pershing II. Die sind auf dem Stützpunkt Arsbeck stationiert. Müssen hier irgendwo hinter NATO-Draht und Fichtenwänden in unsichtbaren Bunkern liegen.«</p>



<p>Sie war beeindruckt. Es war wichtig, dass sie alle hier waren. Sie rückten den verfluchten Raketen zuleibe. Der Regen hatte aufgehört. Tills Erinnerung streifte wohlig ihren Patchouli-Duft, ihr langes, dichtes Blondhaar zwischen Daumen und Fingern, das Spiegelbild seiner Nasenspitze im Glas ihres Ohrgehänges, ihre himmlisch weichen, zielstrebi­gen Lippen, das atemberaubende Spiel der Zungen, den Lustsaft in der Hose, als sie später hinten im VW-Bulli saßen und knutschten; und nicht minder stolz die große Regen­schirmparty am Folgetag, als es zwischen dem NATO-Hauptquartier Rheindahlen und der Innenstadt von Mönchengladbach stundenlang durchgeregnet hatte und sie zu Tausenden, klatschnass und glücklich sangen:</p>



<p>»Apel, wir kommen! Wenn’s sein muss, auch geschwommen!«</p>



<p>Der Himmel über Bonn war klar gewesen, und über den 300.000 hatte hilflos ein Flugzeug gekreist mit der fliegenden Parole: »Und wer demonstriert in Moskau?« Die Politiker Alois Mertes, Jürgen Möllemann und Annemarie Renger hatten es bezahlt. Wie beantworteten die 81er damals diese rhetorische Frage?</p>



<p>»In Moskau demonstriert der Jugendverband Komsomol für atomare Abrüstung«, erklärte Andrej, einer der Kommunisten im Friedenskomitee. »Und Breschnjew ist der gleichen Meinung.«</p>



<p>Das war in der Aachener Friedensbewegung umstritten. Viele andere sagten:</p>



<p>»USA und Sowjetunion, die beiden Supermächte, rüsten ständig auf und steigern die Gefahr eines Atomkriegs.«</p>



<p>Die historischen Fakten allerdings, soweit Till sie als Geschichtsstudent über­prüfen konnte, sprachen dafür, dass seit der Atombombe von #Hiroshima fast alle Aufrüstungsschritte im Rüstungswettlauf von Usa ausgegangen waren. Gert Bastian, Gerhard Kade, das Institut SIPRI hatten es vorgerechntet: Die von der NATO vorgelegten Bedrohungsszenarien kamen nur dadurch zustande, dass die NATO wesent­liche Teile ihrer eigenen Rüstung ausklammerte, zum Beispiel die britischen und französischen Atomwaffen und die amerikanischen Atom-U-Boote im Nordatlantik. Tills Gerechtigkeitssinn sträubte sich gegen eine gleich­mäßige Auftei­lung der Schuld auf die »beiden Supermächte«. Ihm war klar, dass die Sowjetunion auf ganz andere Weise unter dem Zweiten Weltkrieg gelitten hatte als das große Land jenseits des Ozeans. Auch Paula fiel ihm ein, die sächsische Geschichts­studentin und FDJlerin, die er im Jugendclub eines Städtchens am #Erzgebirge kennen gelernt hatte. Dort hatten sie an einem grob gezimmerten Tisch gesessen und über das grüne Resopal hinweg die Weltlage erörtert. Sie hatte die gleiche Angst wie Till davor, dass das ganze Land, alle Freunde und Verwandten plötzlich vom nuklearen Feuersturm verschlungen werden könnten.</p>



<p>Dennoch widersprach er Andrej:</p>



<p>»Ich mag Breschnjews Abrüstungs­angebote, ich denke, die haben Hand und Fuß und könnten uns retten. Aber dieser ketten­rasselnde und golden betresste Militarismus, mit dem sich die Rote Armee in Szene setzt, ist einfach Kacke. Und wenn ich lese, dass niemand in der SU den Kriegsdienst verweigern darf, dann macht mich das ziemlich wütend.«</p>



<p>Andrej versuchte, die sowjetischen Ordensgockel mit dem Großen Vater­ländischen Krieg zu rechtfertigen. Wer es geschafft habe, die faschistische Wehr­macht aus dem Heimatland zu werfen, habe ein Recht, darauf stolz zu sein.</p>



<p>Als ein kleiner grauhaariger Alter am Infostand am Holzgraben in Aachen auftauchte und Till anblaffte:</p>



<p>»Und wer demonstriert in Moskau?«</p>



<p>Da antwortete er:</p>



<p>»Ich jedenfalls nicht. Ich bin Aachener, und deshalb demon­striere ich in #Aachen. Ich bin Deutscher, und deshalb kümmere ich mich um die Kriegstreiberei und Aufrüsterei der deutschen Regierung. Von meinen Eltern habe ich den schönen Spruch gelernt: Ein jeder kehre vor seiner Tür.«</p>



<p>Ute lachte hell und griff Till später beim Abschiedskuss zwischen die Beine, dieses entzückende Aas.</p>



<p> <strong>Teil des Romanprojekts <a href="http://jejko.de/vorwarnzeit" data-type="URL" data-id="jejko.de/vorwarnzeit">»Vorwarnzeit«</a></strong> </p>
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		<title>Vorwarnzeit: Dresden 1988</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jejko]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Jun 2021 14:10:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
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					<description><![CDATA[Kapitel aus dem Romanprojekt Vorwarnzeit Dresden, die Hauptstadt Sachsens, liegt an der Elbe, nicht weit unterhalb der Stelle, wo der Fluss aus dem Elbsandsteingebirge ins Tiefland strömt. Mit 560.000 Einwohnern ist die Stadt etwas kleiner als Leipzig und die zwölftgrößte Stadt Deutschlands. Die Innenstadt ist berühmt für ihre Barockbauten, die vor allem auf die Regierungszeit &#8230; <a href="https://jejko.de/vorwarnzeit-dresden/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Vorwarnzeit: Dresden 1988“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
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<p>Kapitel aus dem Romanprojekt <strong><a href="https://jejko.de/vorwarnzeit/" data-type="post" data-id="552">Vorwarnzeit</a></strong></p>



<p class="has-light-blue-background-color has-background"><strong><em>Dresden</em></strong><em>, die Hauptstadt Sachsens, liegt an der Elbe, nicht weit unterhalb der Stelle, wo der Fluss aus dem Elbsandsteingebirge ins Tiefland strömt. Mit 560.000 Einwohnern ist die Stadt etwas kleiner als Leipzig und die zwölftgrößte Stadt Deutschlands. Die Innenstadt ist berühmt für ihre Barockbauten, die vor allem auf die Regierungszeit Augusts des Starken (1694–1733) zurückgehen.</em></p>



<p>Als Till im Februar 1988 nach Dresden kam, dachte er mit Grauen an jenen 13. Februar 1945, an dem das »Elbflorenz«, die prachtvolle sächische Residenzstadt, in Schutt und Asche fiel und Zehntausende hier verbrannten. </p>



<span id="more-575"></span>



<p>In der Innenstadt gab es 1988 fast kein altes Haus. Auf der Außenmauer der Ruine der Frauenkirche waren Kerzenreste zu sehen, die von einer – möglicherweise inoffiziellen – Gedenkfeier am Jahrestag stammten. Ein halbrunder und ein eckiger Torso mit großen, leeren Fensterbögen, dazwischen ein riesiger bemooster Steinhaufen; Zeugnisse der Nacht des Infernos, als die »Bomben auf Engeland« mit zehnfacher Wucht zurückkamen.</p>



<p>Till war mit einer Gruppe Studentinnen und Studenten aus Baden-Württemberg unterwegs, die, organisiert vom Marxistischen Studentenbund Spartakus, zur Exkursion ins »Tal der Ahnungslosen« aufgebrochen waren. So der DDR-interne Spottname für Dresden und Umgebung, darauf anspielend, dass man dort das Westfernsehen nicht empfangen konnte. Als die Gruppe mit dem Bus von Nordwesten her in die Stadt hineinfuhr, war der erste Eindruck ziemlich trostlos: große Fabriken und graubraune Mietskasernen mit bröckelndem Putz säumten die holprige Meißner und Hamburger Straße.</p>



<p>Im Zentrum war ein Teil der alten Pracht wiederentstanden: Der berühmte Zwinger, das ausgedehnte Schmuckstück des sächsischen Königsbarock, dessen Wiederaufbau schon 1945 in der Sowjetischen Zone begann und sich bis 1963 hinzog. Die erst zwei Jahre zuvor eingeweihte Semperoper, ein Wunderwerk der Imitation. Die Exkursion war mit einer der raren Führungen durch die Oper verbunden. Die Führerin begeisterte sich für die raffinierten Techniken, die Baumeister Gottfried Semper in den 1870er Jahren ersonnen hatte, um beispiels­weise künstlichen Marmor aus gefärbtem und poliertem Gips herzustellen. Beim Wiederaufbau in den 1980er Jahren hat man diese Techniken in mühsamer Kleinarbeit rekonstruiert und nachgemacht.</p>



<p>Das Deutsche Hygienemuseum feierte gerade seinen 75. Geburtstag und zeigte sich den neugierigen Wessis von seiner schönsten Seite. 1912 war es gegründet worden, um einen Beitrag für die Verbesserung der hygienischen Verhältnisse in den Arbeitervierteln der Großstädte zu leisten. Nun bildeten anschauliche Modelle der Biologie von Mensch und Tier, Exponate aus der Geschichte der Medizin und Schautafeln über aktuelle Probleme der Gesundheits­vorsorge den Schwerpunkt. In zwei lebensgroßen „gläsernen“ Modellen des Mannes und der Frau leuchteten auf Knopfdruck die Lungen blau, das Herz rot, der Magen gelb, der Dickdarm grün auf, und ein feines Geflecht von Adern und Nerven durchzog alle Körperteile. Till lachte: »Diese beiden haben wirklich Nerven aus Draht.«</p>



<p>»Muss man auch haben, wenn einem täglich Hunderte von Menschen überall reingucken«, erwiderte eine Studentin.</p>



<p>Außer dem gläsernen Menschen gab es eine gläserne Kuh und eine auf ein Meter Höhe vergrößerte gläserne Zelle, in der der Zellkern, die Mitochondrien und andere Organellen sich akkurat wie die Blumen in einem Blumenstrauß präsentieren. Aus dem Spielsaal, in dem Kinder im Spiel lernen konnten, wie faszinierend der menschliche Körper aufgebaut und beschaffen ist, drangen die akustischen Manifestationen fröhlichen Lebens.</p>



<p>Der Arbeiter, die Rentnerin und die moderne Kunst – diese Begegnung war auch in der späten DDR eine problematische. Im Albertinum war die X. Kunst­ausstellung der DDR zu sehen – die letzte ihrer Art –, und provozierte täglich solche Begegnungen. Man zeigte zeitgenössische Kunstwerke aus der DDR der letzten fünf Jahre, aber auch Architektur, Mode, Industriedesign, Grafik, Foto­grafie und Karikaturen. Till hatte den Eindruck, dass Bilder und Skulpturen sich erst in jüngerer Zeit aus den Fesseln des »sozialistischen Realismus« gelöst hatten; denn die meisten erschienen ihm recht konkret und angenehm leicht verständlich. Ein typisches, aber auch erschreckendes Beispiel war die 1984 entstandene raumgrei­fende Bronzeskulptur »Der Jahrhundertschritt« von Wolfgang Mattheuer, die das Foyer dominierte: ein Mensch, der fast nur aus zwei Armen und zwei Beinen besteht; der Kopf kaum zu sehen; der rechte Arm zum Hitlergruß erhoben, der linke zur soziali­stischen Arbeiterfaust; das rechte Bein gerade und meterweit nach vorne ausgrei­fend; das linke im Hakenkreuzwinkel, der Oberschenkel senkrecht nach unten, der Unterschenkel waagerecht nach hinten, der Fuß wieder senkrecht nach unten. Ein roter Längsstreifen kennzeichnet es als Standbein eines Generals. Dieser furchtbar lange Schritt nach vorn in die ungewisse Zukunft, ja: Till dachte unbehaglich an das krampfhafte Bemühen der Kommu­nisten, er spürte ihre Anstrengung und Überanstrengung bei dem Versuch, die Geschichte zu bezwingen. »Der große Sprung nach vorn« &#8211; so hatte Mao den aberwitzigen Plan genannt, mit tausenden von Dorfhochöfen China, das Land der Reisbauern, in fünf Jahren zum industriellen Schwergewicht zu machen. Dort war das andere Bein das Bauernbein. In der DDR, erkannte Till, war es das Nazibein gewesen, das sich mit allen Zehen im wilhelminischen Obrigkeitsstaat und im Raubmördertum des Russlandfeldzugs festkrallte, als die Kommunisten versuchten, der deutschen Nation ihren neuen Marsch zu blasen. Dass man die Figur auch als Sinnbild des Totalitarismus sehen konnte, fiel Till erst Jahre später auf.</p>



<p>Das Publikum in Dresden war zahlreich und in auffälliger Weise durch­schnittlich. Als die Westdeutschen sich wunderten, erläuterte Susi, eine Studentin aus Dresden:</p>



<p>»Viele kommen geschlossen mit ihrer Brigade aus dem jeweiligen Betrieb angereist.«</p>



<p>»Ah, der Sozialismus kommandiert die Menschen zur Kunst«, spottete ein bärtiger Schwabe.</p>



<p>Wie auch immer der rote Teppich zwischen Betriebstor und Museumsportal ausgestaltet war, er schien nicht zu bewirken, dass die zeitgenössische Kunst missmutig abgelatscht wurde. Die Besucherinnen und Besucher betrachteten alles aufmerksam, obwohl viele Schwierigkeiten zu haben schienen mit den mal grell­bunten, mal düsteren Farben, in die die Künstler Widersprüche und menschliches Elend zwischen Elbe und Oder gekleidet hatten. Vor dem Bild ## sagte ein älterer Betrachter in abfällig-weltklugem Ton: »Die malt doch nur so, damit sie auch im Westen ausgestellt wird.«</p>



<p>In einem der Säle herrschte ein Gedränge wie auf dem Weihnachtsmarkt.</p>



<p>»Gibt’s hier Dresdner Stollen?« fragte Till Susi hoffnungsvoll.</p>



<p>»Nee, hier gibt’s Schmunzelware: Karikaturen.«</p>



<p>Es dauerte einige Minuten, ehe Till zwischen Frisuren hindurch die bissigen Linien und naiven Farben erkennen konnte. Die »Bananenrepublik« etwa: Mitten im Umriss der DDR-Grenzen hockte ein fetter Berliner Bär, verdrückte genüsslich eine Banane nach der anderen und warf die leeren Schalen achtlos rüber in die Bezirke Schwerin, Potsdam, Magdeburg, Halle oder Dresden. Nach dem Berlinjahr 1987 war die begehrte und vermisste Krummfrucht ein gefundenes beziehungs­weise meist nicht gefundenes Fressen für geschundene sächsische Seelen. Eine Karikatur von Willy Moese spießte das zweite D der DDR auf: Ein Konferenztisch, dessen glatte Fläche nach allen Seiten in die senkrechten Fels­wände einer Elbsand­stein­nadel ausläuft. Die Konferenzteilnehmer hängen alle mit den Händen an der Kante, die Füße baumeln verzweifelt überm Abgrund. Der Vorsitzende, der als einziger auf einem Felsensessel sitzen darf, fragt in die Runde: »Wer dagegen ist, den bitte ich um das Handzeichen.«</p>



<p>Till, überrascht über die offene Kritik, stellte später fest, dass die Karikatur im Ausstellungskatalog fehlte.</p>



<p>Eine Diskussion zwischen den westdeutschen Studentinnen und -denten und ihren Dresdener Gastgeberinnen und -gebern an einem Mensatisch der Uni Dresden drehte sich um ein heikles Thema: die Welle an Ausreiseanträgen, die die DDR durchlief und in Atem hielt. Die Dresdener berichteten, dass es nirgends so viele Ausreiseanträge gab wie im Bezirk Dresden, also im »Tal der Ahnungslosen«.</p>



<p>Till wunderte sich:</p>



<p>»Das ist merkwürdig. Ausgerechnet hier, wo der lange Arm von Dallas und Dalli Dalli nicht&nbsp; hinreicht, wollen so viele in den goldenen Westen? Ich dachte, es ist der diskrete Charme der Hollywood-Bourgeoisie, der die Leute anlockt.«</p>



<p>»Dalli Dalli gibt’s nicht mehr. Schon seit zwei Jahren«, wusste eine Schwäbin zu korrigieren.</p>



<p>»Ach so. Ich bin da nicht so auf dem Laufenden. Aber egal, ihr wisst, was ich meine.«</p>



<p>»Vielleicht wird der Westen sogar noch goldener, wenn man weniger Genaues darüber weiß«, vermutete einer der Stuttgarter. »Wenn man die Tagesschau sehen kann, erfährt man ja doch auch mal was über die Arbeitslosigkeit bei uns. Wenn aber hier nur die Aktuelle Kamera darüber berichtet, glauben die Leute vielleicht gar nicht, dass es im Westen Arbeitslose gibt.«</p>



<p>»Oder sie übernehmen die Spießerweisheiten, die wir kennen: Wer arbeiten will, findet auch Arbeit. Wer keine findet, ist arbeitsscheu und so weiter«, ergänzte Till.</p>



<p>Der FDJler Manfred grinste dazu und erklärte das Phänomen so:</p>



<p>»Wir denken, es hat etwas mit der Lebens­qualität zu tun. Es ist tatsächlich so, dass für viele unserer Bürger das Westfern­sehen einen wichtigen Teil des Feierabends darstellt. Unser Fernsehen versucht zwar auch einiges, die Leute zu unterhalten und bei Laune zu halten – aber so gut wie ARD und ZDF das machen, schaffen wir das nicht. Und wenn es das hier in Dresden nicht gibt, werden viele Leute unzufrieden. Wenn sie schon mal dabei sind zu meckern und sich alles schlecht zu reden, fällt ihnen schließlich ein, dass sie auch ganz ‘rübermachen könnten.«</p>



<p>»Was für ’ne schräge Dialektik!« philosophierte Till weiter. »Das Westfern­sehen, die Propagandamaschine schlechthin, hat die Aufgabe, die Leute im Kapita­lismus einzulullen, damit bloß keiner gegen Ausbeutung und Arbeitslosigkeit aufmuckt, und die Fetische der Warenwelt in ihren strahlendsten Farben schillern zu lassen. Aber diese einlullende Wirkung entfaltet es auch in der DDR und stabilisiert dort ungewollt den Arbeiter- und Bauernstaat.«</p>



<p>»Außer hier, im Tal der Ahnungslosen«, ergänzte Manfred.</p>



<p>Als ein Jahr später der Exodus der Ostdeutschen über Ungarn und Warschau die DDR endgültig auf die schiefe Ebene schob, fiel Till ein, dass die witzige Diskussion in Dresden um die Wirkung des Westfernsehens auf DDR-Bürger von der Frage abgelenkt hatte, womit die DDR selbst, aus eigener Kraft und Schwäche, die Zustimmung so vieler Menschen verspielt hatte.</p>



<p>»Zustimmung? Die hat sie nie besessen«, ätzte der Mann mit der schwarzen Nase.</p>



<p>An einem anderen Tag sprach Till Manfred direkt an:</p>



<p>»Sag mal, was hältst du von #Gorbatschow und seiner #Perestroika?«</p>



<p>Manfred zögerte, dann sagte er – und Till glaubte, ein leises Seufzen in seiner Stimme zu hören:</p>



<p>»Ich bewundere seinen Mut. Vieles, was er anpackt, war so lange überfällig. Aber ich fürchte auch, dass er zu weit gehen könnte und der Sowjetunion zu viel auf einmal zumuten, und dass er das große Erbe der Oktoberrevolution aufs Spiel setzt.«</p>



<p>»Ich bin ziemlich begeistert von ihm«, sagte Till. »Für mich war #Kommu­nis­mus immer eine höhere Form von Demokratie. Mit Gorbatschow wird das auf einmal greifbar und konkret. Wann kommt die Perestroika hier in der DDR an und mischt die autoritären Verhältnisse hier ein bisschen auf?«</p>



<p>Manfred lächelte etwas gequält:</p>



<p>»Da tut sich bereits einiges. Aber unsere großen Freunde haben einfach mehr Spielraum für eine Umgestaltung und für offene Kritik. Die DDR steht, wie du weißt, an der Front des Systemwiderspruchs. Alles, was wir hier offen zugeben an Fehlern, das kriegen wir am nächsten Tag von Bild und Tagesschau und Kennzeichen D in doppelter und dreifacher Vergrößerung und Verzerrung aufs Butterbrot geschmiert. Dass sich die Genossen da ziemlich genau überlegen, was sie kritisieren, das kann ich gut verstehen. Allerdings müssen die sowjetischen Genossen auch gut aufpassen, wie gesagt…«</p>



<p>»Du meinst, der Laden kann denen auseinander fliegen? Denkst du, die SU ist so instabil?«</p>



<p>»Das Problem da sind die vielen Nationalitäten. Wir haben ja in Polen erlebt, was passiert, wenn eine nationalistische Sicht und nationale Interessen die Oberhand gewinnen. Die Solidarität der Nationalitäten, der Sowjetrepubliken kann tatsächlich auseinder fliegen. Und was ich mit dem Erbe der Oktoberrevolution meinte, das ist noch was anderes, das ist der Enthusiasmus. Der Aufbau des Sozialismus erfordert so viel Kraft von so vielen Leuten – das ist nur mit Enthusiasmus hinzu­kriegen. Wenn aber ständig alles kritisiert wird, was schon da ist, was man schon geschaffen hat, dann ziehen sich die Leute eher zurück und warten ab, statt selber was anzupacken. An dieser Front hat Gorbatschow gerade arg zu kämpfen.«</p>



<p>»Gorbatschow hat letztes Jahr, wegen dem Jubiläum, ja auch kräftig den Geist der Oktoberrevolution beschworen. Ich habe seine Rede dazu in der U Zet<a href="#_ftn1">[1]</a> gelesen. Da versucht er, den Wind der Oktoberrevolution neu zu entfachen und in seine Perestroika-Segel zu lenken. Also gerade den Aufbruch, das Selber-Anpacken.«</p>



<p>»Ich hoffe ja auch, dass ihm das gelingt, aber viele sind skeptisch. Zu denen, die da sehr abwartend sind, gehört auch unser Genosse Erster Sekretär. Es kann leider sein, dass die Produktion in der Sowjetunion, die Gorbatschow mit neuen Markt-Metho­den steigern will, runtergeht statt rauf. Das würde den Skeptikern Recht geben – zumindest würden die es so deuten.«</p>



<p>»Du meinst die ewigen Stalinisten, die dann sagen können: Das haben wir doch gleich gesagt – Sozialismus ohne Knute, das taugt nix.«</p>



<p>Manfred nutzte das Hinzutreten einer FDJ-Kollegin dazu, das Geplänkel an dieser Stelle abzubrechen. Die beiden besprachen sich über die angekündigte Abendveranstaltung: Ein Kernphysiker sollte über ein weiteres heikles Thema sprechen – die Atomkraftwerke in der DDR.</p>



<p>Der Hörsaal war voll, als der Physiker auftrat – im Publikum saßen Till und die sechzehn Studentinnen und -ten aus Baden-Württemberg. Der Physiker betonte die dank umfassender und volkseigener Planung und Lenkung über jeden Zweifel erhabene Sicherheit der Atomkraftwerke der DDR. Dass das ebenso umfassend und volkseigen geplante und gelenkte Atomkraftwerk von #Tschernobyl in Brand geraten und explodiert war, bereitete ihm argumentative Probleme, zumal er auch nicht so direkt über russische Schlamperei herziehen wollte. Er war nicht zu beneiden bei seinem Eiertanz, doch die Krone setzte er seinen Pirouetten auf, als er allen Ernstes rechtfertigte, dass die Staatsführung der DDR die Bevölkerung der DDR über die Daten der radioaktiven Belastung nach der Katastrophe im Unklaren ließ.</p>



<p>»Die Menschen im Lande«, so dozierte der in diesem Moment hörbar berittene Herr Wissenschaftler, »hätten diese Daten sowieso nicht verstanden.«</p>



<p>Till war einen Moment lang fassungslos.</p>



<p>Da sah er, wie drei Rehen vor ihm ein Mann im Blauhemd aufstand und sich zu Wort meldete – Till erkannte Manfreds krause Haare. Der Dresdener FDJ-Funktionär sagte mit angespannter Stimme:</p>



<p>»Wie können Sie so über demokratische Prinzipien der DDR hinweggehen? Die Bürger der DDR sollen bei so gravierenden Vorfällen in Unwissenheit und Unmündigkeit gehalten werden!?«</p>



<p>Darauf wusste der Schlipsträger am Pult nichts Substanzielles mehr zu erwidern. Till hatte das deutliche Gefühl, mitten in einem Wind zu stehen, der sich gerade drehte.</p>



<p>Auf der Rückfahrt im Bus hörte Till zwei Studentinnen aus Heidelberg zu, die hinter ihm saßen. Die jüngere erzählte von einer Begegnung mit einer Dresdener Kommilitonin:</p>



<p>»Hast du das mitgekriegt? Die FDJ-Studentin, die links neben dir saß… Wie die erzählt hat, wie sie sich von einer offiziellen Kundgebung gedrückt hat?«</p>



<p>»Nee, hab ich nicht mitbekommen. Was denn für ’ne Kundgebung?«</p>



<p>»Weiß auch nicht genau. Dass die DDR ein Land des Friedens ist oder so. Sie jedenfalls war nicht dabei, obwohl eigentlich die ganze FDJ der Uni dort antreten musste. Sie hatte keine Lust dazu und hat sich irgendo versteckt oder so, als alle zusammengetrommelt wurden.«</p>



<p>»Ja, und? Ich hab auch schon mal eine Demo geschwänzt,&nbsp; die eigentlich wichtig war. Sowas passiert halt.«</p>



<p>»Ja, klar. Aber wie sie mir das erzählt hat, war sie richtig stolz darauf. Und dass sie mir das überhaupt erzählt! Die sollen doch uns gegenüber als vorbildliche Aktivisten auftreten. Ich meine diese Doppelmoral. Was die offiziell darstellen müssen, und was die privat meinen und tun, das passt nicht zusammen. Das hat schon was von Betrug, finde ich.«</p>



<p>»Betrug? Ist das nicht eine Nummer zu groß? Wie gesagt, Anspruch und Wirklichkeit, das sind halt bei den meisten Menschen verschiedene Dinge. Warum sollte das in der DDR anders sein?«</p>



<p>»Mich hat dieser Stolz irritiert. Sie ist stolz darauf, dass sie sich das jetzt getraut hat. Früher hat sie sich sowas anscheinend nicht getraut. Und das bei einer von diesen Muster-FDJlern.«</p>



<p>Till hatte den Eindruck, die westdeutsche Linke war ein wenig enttäuscht darüber, dass man sich auf Linientreue und Kampfmoral von FDJlern offenbar nicht mehr verlassen konnte. Der Stolz der FDJ-Studentin schien von ähnlicher Qualität zu sein wie der Stolz eines Kollegen seines Vaters, der es mal wieder geschafft hatte, mit einer Trickserei das Finanzamt um 500 DM Steuereinnahmen zu bringen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1">[1]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; UZ – Unsere Zeit, die Tageszeitung der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), bestand als Tageszeitung 1973-1989.</p>



<p><strong> <strong>Teil des Romanprojekts <a href="http://jejko.de/vorwarnzeit" data-type="URL" data-id="jejko.de/vorwarnzeit">»Vorwarnzeit«</a></strong> </strong></p>
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		<title>Vorwarnzeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jejko]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Jun 2021 12:22:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
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		<category><![CDATA[Frieden]]></category>
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					<description><![CDATA[Vorwarnzeit: Tills liberalkommunistische Streiche im Schatten der Meiler und Raketen, nebst einem ABC der Achtziger Jahre in BRD und DDR. Das ist der Arbeitstitel eines literarischen Projekts, das ich 2008 begonnen habe und das 2020 durch ein Künstlerstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wurde. 2010/11 und 2020 habe ich das Projekt in mehreren Autorenworkshops besprochen und &#8230; <a href="https://jejko.de/vorwarnzeit/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Vorwarnzeit“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
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<p><strong>Vorwarnzeit: Tills liberalkommunistische Streiche im Schatten der Meiler und Raketen, nebst einem ABC der Achtziger Jahre in BRD und DDR. </strong>Das ist der Arbeitstitel eines literarischen Projekts, das ich 2008 begonnen habe und das 2020 durch ein <a href="https://www.mkw.nrw/FAQ_Sofortprogramm">Künstlerstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen</a> gefördert wurde.</p>



<span id="more-552"></span>



<p>2010/11 und 2020 habe ich das Projekt in mehreren Autorenworkshops besprochen und aufgrund der Rückmeldungen abgewandelt. Nunmehr sieht es so aus: Die zum Teil autobiographisch geprägte Figur Till Kauz erzählt Anekdoten aus den 1980er Jahren (bis 1990 einschließlich). Till war damals in der westdeutschen Friedensbewegung und nacheinander in zwei Parteien politisch aktiv. Zugleich hat er mehrmals die DDR besucht, im Rahmen von politischen Expeditionen. Der historische Roman lässt daraus eine deutsch-deutsche Liebesbeziehung einschließlich Kind entstehen. Auch diverse andere Lieben liegen auf den verschlungenen Wegen der Heldinnen und Helden. Diese Geschichten werden nicht linear erzählt, sondern bilden eine Art Enzyklopädie der 1980er Jahre, alphabetisch nach Schlüsselwörtern geordnet:</p>



<p><strong><a href="https://jejko.de/vorwarnzeit-81er/" data-type="post" data-id="580">81er</a> | Aachen | Afghanistan | Antifaschisten | Arbeiterklasse | Atomkraft | Atomkriege | Barden | Bauern | Befreiung | Böll | Buchenwald | Chöre | DDR  | Dreiecke | <a href="https://jejko.de/vorwarnzeit-dresden/" data-type="post" data-id="575">Dresden 1988</a> | Emanzen | Erzgebirge 1981 | Freiheiten | Freundschaftslager | Frieden | Friedenstauben |  Gorbatschow | Hass | Hiroshima | Historiker | Jusos | Kämpfen | Kelly | Kinder | Kohl | Kommunisten | <a href="https://jejko.de/vorwarnzeit-kornelkirschen/" data-type="post" data-id="588">Kornelkirschen</a> |  Leipzig 1990 | Ley-Land 1990 | Liebe | Liebe Leute | <strong>Mauthausen |</strong></strong> <strong>Neue Männer |</strong> <strong>Perestroika | Radio 1988 | Reagan | Revolutionen | Rock&#8217;n&#8217;Rise | Schmidt | Schuhprüfstrecke | Sommerspiele 1980 | Sozis | Stalinisten | Sterne | Tschernobyl | Verdun 1984 | Wälder | Werbefuzzis | Wildnis | Zäune </strong></p>



<p>Manche davon führen nicht zu Anekdoten, sondern zu Essays, die die damaligen Gedanken und Gefühle vieler Akteure beleuchten. Leserin und Leser können die Texte als Hypertext lesen, in einer selbst gewählten Reihenfolge. Dabei stoßen sie auf Abschnitte der Plots und bekommen Hinweise, wo sie die fehlenden Teile finden können. Denn eine von Tills damals gewonnenen Lebensweisheiten lautet: Alles muss man selber machen. </p>



<p><em>Foto: Der Autor mit Freundin beim Ostermarsch Rheinland 1982 in der Nähe von Wegberg (NRW). Fotograf: Siegfried Lustenberger in Arbeiterfotografie</em></p>
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