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	<title>Autor &#8211; Jens Jürgen Korff</title>
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	<description>Historiker, Texter, Autor, Wanderer</description>
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	<title>Autor &#8211; Jens Jürgen Korff</title>
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		<title>Der hilfsbereite Mensch: Maß und Ökologie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jejko]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Dec 2023 20:39:05 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[IX Das weiche Wasser:Maß und Ökologie von Laozi bis Paech Kapitel IX des Buches Der hilfsbereite Mensch Schon die Gedanken der frühesten Philosophen der Menschheit im alten China kreisten um den Begriff des rechten Maßes, auch Mäßigung genannt. Sie fragten sich, wie Menschen lernen können, Maß zu halten und nicht die Hütte anzuzünden, in der &#8230; <a href="https://jejko.de/der-hilfsbereite-mensch-mass-und-oekologie/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Der hilfsbereite Mensch: Maß und Ökologie“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
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<h3 class="wp-block-heading">IX Das weiche Wasser:<br>Maß und Ökologie von Laozi bis Paech</h3>



<p><em>Kapitel IX des Buches <a href="https://jejko.de/der-hilfsbereite-mensch/" data-type="post" data-id="890">Der hilfsbereite Mensch</a></em></p>



<p>Schon die Gedanken der frühesten Philosophen der Menschheit im alten China kreisten um den Begriff des rechten Maßes, auch Mäßigung genannt. Sie fragten sich, wie Menschen lernen können, Maß zu halten und nicht die Hütte anzuzünden, in der sie saßen, oder das Land zu verwüsten, von dessen Früchten sie lebten. Seit dem 19. Jahrhundert verwenden wir für die gleiche Achtsamkeit den Begriff Ökologie. Das »rechte Maß« zwischen zwei entgegen­gesetzten Haltungen oder Interessen entsteht durch die individuelle Entscheidung eines durch Schaden klug gewordenen Menschen, oder auch dadurch, dass zwei oder mehrere Menschen sich untereinander über Grenzen des Zugriffs und der Macht einigen. Ökologie bedeutet, Lebewesen als Teile der Umwelt zu sehen, in der und von der sie leben.</p>



<span id="more-1130"></span>



<h3 class="wp-block-heading">Maß und Maßlosigkeit in der Antike</h3>



<p>Im antiken China war es der Philosoph <strong>Laozi</strong>, der um 500 v. Chr. – angeblich ein Zeitgenosse des Konfuzius – in seinem vieldeutigen Buch Daodejing (»Das Buch vom Dao und vom De«) den Gedanken des Maßes diskutiert hat. Der überlieferte Text entstand wahrscheinlich erst im 4. Jahrhundert v. Chr. und begründete den Daoismus, auch Taoismus genannt, eine Mischung aus Philosophie und Religion, in der Laozi später selbst als Gott und kosmische Verkörperung seiner Idee vom Dao auftrat.</p>



<p>Dao und De, die beiden Schlüsselworte des Daodejing, sind schillernde, viel­deutige Begriffe. Dao kann man mit Weg, Sinn, Prinzip oder Lehre übersetzen. De bezeichnet das innere Wesen, die innere Natur, die innere Kraft der Dinge, der Lebewesen und der Menschen. Der zentrale Gedanke des Daodejing, der in den Sprüchen des Buches immer wieder auftaucht, ist für Menschen der europäischen Geistestradition, der Bildung, der Technik, der Gestaltung, der Politik (wie Korff) schwer zu begreifen und zu ertragen: Alles wird gut, wenn wir <em>nichts </em>tun, wenn wir <em>nicht</em> eingreifen, wenn wir <em>nichts</em> erforschen und <em>nichts</em> erkennen. Weil wir Menschen zur Maßlosigkeit neigen, unsere Eingriffe die Balance des Dao stören und ohnehin vergeblich sind, weil sie stets Gegenbewegungen auslösen. Das Dao dagegen drängt von selbst zum Ausgleich aller Kräfte und damit zur optimalen Lösung. Laozi nennt diese Tugend Wu Wei, das Nicht-Handeln. Zugleich ist das Wu Wei vielleicht grundlegend für die notwendige ökologische Wende: Wenn wir es schaffen, weniger zu tun und mehr sein zu lassen, könnte das unsere Rettung und die Rettung der Welt sein.</p>



<p>Wo Laozi praktische Anleitung gab, taucht häufig das rechte Maß auf, zumindest sinngemäß. Ganz wie für unsere heutigen Weltprobleme gemacht erscheint Laozis Kritik des maßlosen Wirt­schaftswachstums­ in § 15 des Daodejing:<a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><sup>[1]</sup></a></p>



<p><em>Wer das Dao bewahrt, begehrt nicht Überfülle / Wer nicht Überfülle begehrt / kann erhalten, ohne Neues zu schaffen.</em></p>



<p>Das verweist bereits auf Niko Paechs Botschaft um 2010: Wir können Wohlstand erhalten auch ohne iPhone 14, 15, 16, 17, 18, 19, 20, 21… In § 43 empfiehlt Laozi den Menschen, ihre Eisen stecken zu lassen und nicht gegen die Natur einzusetzen: (&#8230;)</p>



<p><em><strong>Das Kapitel ist noch nicht öffentlich verfügbar</strong></em> <strong><em>&#8211; aber schon kommentierbar.</em></strong></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Laudse: Daudedsching. Aus dem Chinesischen übersetzt v. Ernst Schwarz. Leipzig 1978. – Die deutschen Schreibweisen für die chinesischen Namen differieren. Laozi wird auch als Laotse oder Laudse geschrieben.</p>
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		<title>Die Hängebuche im Ravensberger Park zu Bielefeld</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jejko]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Dec 2022 15:12:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
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		<category><![CDATA[Natur]]></category>
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					<description><![CDATA[Leseprobe zum Buchprojekt &#8222;Teutoblicke&#8220; : Die schönsten Bäume Ostwestfalens und Lippes und die Landschaften am Teutoburger Wald. Porträts, Betrachtungen, Geschichten.  / Von Jens Jürgen Korff Sie ist ohne Zweifel der ungewöhnlichste und vielleicht rundlichste Baum in dem rechteckigen Park, der sich östlich der wie eine quaderförmige Burg angelegten Ravensberger Spinnerei und ihres schlanken, kantigen Turms &#8230; <a href="https://jejko.de/die-haengebuche-im-ravensberger-park/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Die Hängebuche im Ravensberger Park zu Bielefeld“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
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<p>Leseprobe zum Buchprojekt <strong>&#8222;Teutoblicke&#8220; : Die schönsten Bäume Ostwestfalens und Lippes und die Landschaften am Teutoburger Wald. Porträts, Betrachtungen, Geschichten.  / Von Jens Jürgen Korff</strong></p>



<span id="more-984"></span>



<p>Sie ist ohne Zweifel der ungewöhnlichste und vielleicht rundlichste Baum in dem rechteckigen Park, der sich östlich der wie eine quaderförmige Burg angelegten Ravensberger Spinnerei und ihres schlanken, kantigen Turms erstreckt.</p>



<p>Doch sie hält sich vornehm ein wenig zurück, drängt sich optisch nicht in den Vordergrund, weil sie nicht so hoch ist wie die stattliche und runzlige Platane vor dem Lichtwerk oder die knorrige Eiche an der Heeper Straße mit ihren wunderlich geschraubten Ästen. Um so mehr geht ihre schopfartige Krone in die Breite. Kommt man von Osten, vom Museum Hülsmann her auf die rechteckige Hauptfläche des Parks, hat man den schönsten Fernblick auf die Hängebuche, wenn man auf dem Weg entlang dem kleinen Lorengleis Richtung Hechelei geht und unter einem Spitzahorn stehen bleibt, in Höhe des Hülsmannschen Gartens. Von hier gesehen türmt sich die Krone der Hängebuche wie ein Berg aus abgerundeten grünen Felsen oder wie ein grüner Wasserfall auf. Ganz oben sitzt das für Hängebuchen typische Krönchen aus kahlen, umgekehrt U-förmig gebogenen Ästen: Das ist die Stelle, an der die Aufwärtsbewegung des Stamms bricht und in die Abwärtsbewegung der Äste übergeht, wie das obere Ende einer Fontäne. Und manchmal sitzt oben drauf noch eine Taube und genießt die Abendsonne.</p>



<p>Kommt man von der Raspi her, wie die alte Fabrik und jetzige Volkshochschule im Volksmund genannt wird, steht sie quer über dem Weg, der am niedrigen Seitenflügel mit dem Ordnungsamt vorbeiführt. Hier lohnt es sich, am ersten Treppenaufgang ganz nah an die Mauer heranzutreten und den Baum von dort zu betrachten. Jetzt sieht sie aus wie die Haarpracht eines Mädchens: rechts über dem Weg das Pony, nach links ausladend der Anfang des Pferdeschwanzes; eine Strähne hat sich dem Haarband entzogen und steht störrisch nach oben ab. Das Pony wird regelmäßig geschnitten, damit es den Passanten nicht ins Gesicht hängt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Treten Sie ein!</h2>



<p>Hängebuchen haben eine Haut. Fast alle Blätter befinden sich in der Außenkontur des Baumes, die etwas scheckig aussieht, weil die Blattunterseiten heller sind als die Blattoberseiten. Es sind gewöhnliche, eiförmige Buchenblätter mit leicht gesägtem Rand. Nach unten, zum Boden hin, laufen die Äste in girlandemartige dünne Zweige aus, an denen die Blätter hängen wie Korallen in einer Korallenkette. In eine Hängebuche tritt man ein: Man schlägt den Vorhang der Zweige auseinander und betritt einen grünen Saal. Rabu, die Hängebuche, lädt Sie zum Verweilen ein.</p>



<p>Im Innern der Kuppel ist es auch an heißen Sommertagen frisch und luftig. Durch die Blätterhaut glitzert grün-golden die Sonne. In dieser heimeligen Atmosphäre traten im Juni 2007 die „Leptophonics“ auf, zwei Bielefelder Saxophonisten. Das ganze interessierte Publikum hatte Platz unter der Hängebuche. Anlass war das 20jährige Jubiläumsfest der Feuerwerker von „FlashArt“, die später am Abend natürlich auch noch eine ihrer genialen Feuershows an den Himmel gezaubert haben. Hoffentlich hatten die Bäume keine Angst dabei.</p>



<p>Der Stamm ist nach Buchenart glattborkig, und nach Menschenart haben sich frühere Besucher dieses Separées im Park mit Schnitzereien verewigt. Wer zur Empathie mit Bäumen fähig ist, empfindet den Schmerz unter den Narben, ehe er versucht, nach Menschenart, die Zeichen zu deuten:</p>



<p>H – WG – RN (in einem Herzen) – LF – RMLM – C. – M.</p>



<p>Schau an: Rainer Müller und seine Frau, die sprichwörtliche Lieschen Müller, waren hier. Außerdem zwei der drei Könige aus dem Morgenland sowie eine komplette Wohngemeinschaft aus Hannover. Lukas und Fabian, zwei Schwule. Et à la fin: René und Natalie, die Liebenden vom Arbre vert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Kindheitstrauma</h2>



<p>Unten, nah am Boden, umringt ein merkwürdig aufgebrochener Wulst den ganzen Stamm. Das ist eine große Narbe aus der Kindheit der Buche, ein Kindheitstrauma: Wurzel und Stammbasis sind der Rest einer gewöhnlichen Buche, die ein Baumzüchter in früher Jugend brutal geköpft hat. Auf den aufgespaltenen Stumpf pfropfte er damals den Zweig einer Hängebuche auf: Das heißt, er steckte den angespitzten Zweig in den Spalt des Stumpfes hinein, und der „Edelreis“ – so belieben sich Baumzüchter auszudrücken – verband sich mit der „Unterlage“ zu einem neuen, „veredelten“ Baum. Viele Zuchtformen der Bäume lassen sich nur auf diese Weise, das sog. Pfropfen, vermehren, da die angezüchteten Eigen­schaften – in diesem Fall die Hängewüchsigkeit der Zweige – bei der geschlechtlichen Vermehrung nicht weitervererbt werden.</p>



<p>Mit gutem Grund: Denn eine Hängebuche wäre in freier Wildbahn, in einem Buchenwald, nicht überlebensfähig. Sie würde von den Nachbarbäumen überragt und „ausgeschattet“; außerdem würden Ziegen, Wisente, Pferde und andere Tiere die herunterhängenden Zweige abfressen. Das dürfte neben den Licht- und Schattenverhältnissen der Grund sein, weshalb Bäume von Natur aus dazu neigen, ihre Blätter erst mehrere Meter über dem Boden zu entfalten. Gegen diesen Drang haben die Züchter der Hängebuche „angezüchtet“. Ihre Zöglinge müssen die Gärtner immer schön alleine im Park stehen lassen und vor Ziegenfraß schützen.</p>



<p>Wenn wir am Stamm weiter nach oben schauen, sehen wir, wie er sich schön verzweigt – etwas stärker als bei gewöhnlichen Buchen üblich. Ganz oben dann der schon erwähnte Umbruch der Aufwärts- in die Abwärtsbewegung der Äste. Solche Umbruchstellen, an denen die kahlen Hauptäste nach außen treten, finden wir auch weiter außen und unten an den Ästen.</p>



<figure class="wp-block-table has-small-font-size"><table><tbody><tr><td>Ort</td><td>Bielefeld: <a href="https://www.ravensberger-park.de/">Ravensberger Park</a> (an der Heeper Straße), vor dem Ordnungsamt</td></tr><tr><td>Baumart</td><td><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4nge-Buche">Hänge-Buche</a> (Trauer-Buche), Fagus silvatica f. pendula, eine Zuchtform der Gewöhnlichen Buche, Fagus silvatica</td></tr><tr><td>Gepflanzt</td><td>Um 1910</td></tr><tr><td>Stammumfang</td><td>?</td></tr><tr><td>Höhe</td><td>?</td></tr><tr><td>Besitzer</td><td>Stadt Bielefeld, vertreten durch den <a href="https://service.bielefeld.de/detail/-/vr-bis-detail/einrichtung/103155/show">Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld</a></td></tr></tbody></table></figure>
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		<title>Mensch und Kraut</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jejko]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Dec 2022 21:49:15 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Elf Kräuterhexen, Wald- und Wiesenschrate präsentieren die Pflanze ihres Herzens, ihre Wildgeschichten und Wurzelweisheiten / Im Gespräch mit Jens Jürgen Korff Kräuterbücher gibt es wie Klee. Wo und wie sie wachsen, wie man sie erkennt, wie sie schmecken, wogegen sie helfen, das ist reichhaltig beschrieben. Doch so richtig aufregend ist das nicht, da Kräuter ihren &#8230; <a href="https://jejko.de/mensch-und-kraut/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Mensch und Kraut“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
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<p><strong>Elf Kräuterhexen, Wald- und Wiesenschrate präsentieren die Pflanze ihres Herzens, ihre Wildgeschichten und Wurzelweisheiten</strong> / Im Gespräch mit Jens Jürgen Korff</p>



<p>Kräuterbücher gibt es wie Klee. Wo und wie sie wachsen, wie man sie erkennt, wie sie schmecken, wogegen sie helfen, das ist reichhaltig beschrieben. Doch so richtig aufregend ist das nicht, da Kräuter ihren Ort nicht wechseln, sich also nicht auf eine Heldenreise machen können. Aber Menschen, die Kräuter lieben und ihr Leben den Kräutern widmen, können das. Die Wege ihrer Heldenreisen werden von Kräutern gesäumt, von auffälligen und unauffälligen, von bekannten und unbekannten, von aufdringlichen und unsichtbaren. Menschen, die Kräuter lieben, geben den Kräutern Bedeutung und erleben Abenteuer mit Kräutern. Dieses Buch erzählt elf Heldengeschichten, in denen Stängel, Blätter und Blüten wichtiger sind als Chef-Allüren, Haustüren und Winterreifen. Zum Teil sogar wichtiger als die Bevölkerung der Welt mit eigenen Kindern. Welche Weisheit in ihren Wurzeln steckt, auch das wird anschaulich und mit Lust an der Provokation aufgedeckt oder angedeutet.</p>



<p>Details folgen in Kürze.</p>



<p><em>Foto: Nomen est omen &#8211; Wiesemann, Vogelsang &amp; Co 2012 in den Hohen Tauern, mit einem Doldenblütler (Korff 2012)</em></p>
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		<title>Deutschland ohne Nazis: 1914</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jejko]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Dec 2022 17:37:12 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Deutschland ohne Nazis: Auszug aus dem Kapitel &#8222;Arbeiter und Soldaten: 1914-1920&#8220;, mit den Unterkapiteln &#8222;Sarajevo&#8220;, &#8222;Kriegsgefahr&#8220;, &#8222;Eskalation&#8220;, &#8222;Kriegskredite&#8220;, &#8222;Kriegsgegner&#8220;, &#8222;Feindliche Brüder&#8220;. I. Sarajevo Es fehlten noch ein paar Schüsse in Sarajevo, um den Großen Krieg auszulösen. Sie fielen am 28. Juni 1914. Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich, der habs­burgische Thronfolger, besuchte an diesem Sommertag mit &#8230; <a href="https://jejko.de/deutschland-ohne-nazis-1914/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Deutschland ohne Nazis: 1914“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
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<p><strong><a href="https://jejko.de/deutschland-ohne-nazis-1790-1990/" data-type="post" data-id="921">Deutschland ohne Nazis</a>: Auszug aus dem Kapitel &#8222;Arbeiter und Soldaten: 1914-1920&#8220;</strong>, mit den Unterkapiteln &#8222;Sarajevo&#8220;, &#8222;Kriegsgefahr&#8220;, &#8222;Eskalation&#8220;, &#8222;Kriegskredite&#8220;, &#8222;Kriegsgegner&#8220;, &#8222;Feindliche Brüder&#8220;.</p>



<span id="more-942"></span>



<h3 class="wp-block-heading">I. Sarajevo</h3>



<p>Es fehlten noch ein paar Schüsse in Sarajevo, um den Großen Krieg auszulösen. Sie fielen am 28. Juni 1914. <em>Erzherzog Franz Ferdinand</em><em> von Österreich,</em> der habs­burgische Thronfolger, besuchte an diesem Sommertag mit seiner Gattin, Gräfin Sophie Chotek, die Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina, die sich Österreich-Ungarn 1908 einverleibt hatte. Die beiden verließen das Rathaus, bestiegen ein offenes Automobil und wurden bei der Fahrt durch die Innenstadt aus der Menschenmenge heraus von dem 19jährigen Gymnasiasten Gavrilo Princip erschossen. Es war der zweite Mord­an­­schlag an einem Tag: Wenige Stunden zuvor hatte bereits jemand eine Bombe auf das Auto des Paares geworfen, es aber verfehlt. Bei der Explosion waren mehrere Begleiter verletzt worden. Trotzdem hatte Franz Ferdinand auch seine zweite für die Serben provozierende Fahrt angetreten.</p>



<p>Der Auslöser des Krieges war nicht so nebensächlich, wie er erscheinen mag. Franz Ferdinand war ein Neffe des Kaisers Franz Joseph und durch den Selbstmord des Kron­prinzen und den Tod seines Vaters 1896 Thronfolger geworden. Er hatte entscheidenden Einfluss im österreichischen Militär und wurde 1898 Stellvertreter des Kaisers im Obersten Kommando, 1913 General­inspekteur der Armee; ein enger Vertrauter des Generalstabs­chefs <em>Franz Graf Conrad</em><em>&nbsp;von Hötzendorf</em><em>.</em> Dass dieser entscheidende Mann in den folgenden Tagen so heftig auf Krieg drängte, mag auch mit dem persönlichen Verlust eines Freundes zu tun haben.</p>



<p>Gavrilo Princip war bosnischer Serbe und Mitglied der Verschwörergruppe »Jung-Bos­nien«, die sich gegen die Besetzung und Annexion Bosniens durch Österreich wehrte. Sie stand mit dem serbischen Geheimbund »Schwarze Hand« in Verbindung. Die zuvor türkischen Provin­zen Bosnien und Herze­gowina waren 1878 von Österreich besetzt und 1908 förmlich annektiert wor­den. Dort – und besonders eng in der Hauptstadt Sarajevo – lebten ortho­doxe Serben, katholische Kroaten und moslemische Bosnier auf engstem Raum zusammen. Die Serben, die sich gegen Österreich auflehnten, wurden von der großserbischen Bewegung in Serbien und ihren Aktivisten in der »Schwarzen Hand« unterstützt.</p>



<p>»Krieg, Krieg, Krieg!« schrie General Conrad von Hötzendorf am nächsten Tag im Gespräch mit dem österreichischen Außenminister Graf Berchtold.</p>



<p>»Jetzt oder nie«, notierte Kaiser Wilhelm II.&nbsp; am 3. Juli in Berlin auf einem Bericht des deut­schen Botschafters in Wien. Darin stand, in den leitenden Kreisen in Wien sage man, es müsse einmal gründlich mit den Serben »abgerechnet« werden.</p>



<p>»Serbien muss sterbien«, reimte ein Zyniker wenig später.</p>



<p>Der SPD-Vorsitzende Hugo Haase äußerte in der Partei­vorstandssitzung am 29. Juni die Befürchtung, das Attentat von Sarajevo am Vortag könne die allgemeine Kriegsgefahr auf einen neuen Höhepunkt treiben. Am gleichen Tag begann in Berlin der Prozess gegen Rosa Luxemburg wegen ihrer Freiburger Rede über Soldaten­misshandlungen. Antragsteller war der preußische Kriegsminister Erich von Falkenhayn. Als sich nach einem Aufruf der SPD-Presse 1013 Zeugen für Misshandlungen in den Kasernen meldeten, drängten Falkenhayn und der Staatsanwalt auf Vertagung auf unbestimmte Zeit. Der Prozess endete am 3. Juli.<a href="#_ftn1" id="_ftnref1">[1]</a></p>



<p>Die österreichische Regierung traute sich nicht, ohne deutsche Rücken­deckung gegen Serbien vorzugehen, denn Serbien wurde von Russland geschützt. Deshalb lag der Schlüssel für die Ent­fesselung des Krieges in Berlin. Generalstabschef Helmuth von Moltke und Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg sahen folgenden Ablauf klar vor sich: Österreich erklärt Serbien den Krieg, um seinen toten Thronfolger zu rächen und sich vor weiteren serbi­schen Anschlägen zu schützen. Russland erklärt Österreich den Krieg, um seinem Verbündeten Serbien beizustehen. Deutschland erklärt Russland den Krieg, um seinem Verbündeten Öster­reich beizustehen. Und Frankreich erklärt Deutschland den Krieg, um seinem Verbündeten Russland beizustehen. Großbritannien und Italien blieben in dieser typisch deutschen Rechnung neutral. Danach ging es schön der Reihe nach: Frankreich wurde per »Blitzkrieg« erledigt und Russland – zu langsam, um noch eingreifen zu können – im folgenden Jahr. Während sich die deutsche Armee auf Frank­reich stürzte, hielten die Österreicher Russland in Schach, nachdem sie Serbien schnell erledigt hatten.</p>



<p>Am 5. Juli überreichte der österreichische Botschafter in Berlin Kaiser Wilhelm II.&nbsp;ein Schrei­ben von Kaiser Franz Joseph und ein Memorandum des öster­reichischen Außenministers.&nbsp; Franz Joseph schrieb seinem gekrönten Kollegen: Die Ausschaltung Serbiens als Machtfaktor auf dem Balkan ist jetzt das Ziel der österreichischen Politik. Wilhelm II. ermunterte die Öster­reicher, den »günstigen Moment« nicht ungenutzt verstreichen zu lassen und mit ihrer »Aktion« gegen Serbien nicht mehr länger zu warten. Für den als sicher angenommenen Fall, dass Russland sich einmischen sollte, könne Österreich sich ganz auf seinen deutschen Verbündeten ver­lassen. Man sei auf alle Eventualitäten vorbereitet. Noch am gleichen und am folgenden Tag besprach sich Wilhelm II. mit dem preußischen Kriegsminister und führenden Offizieren des General- und Admiralstabs und mit dem »Kanonenkönig« Gustav Krupp&nbsp;von Bohlen und Halbach, um sicherzugehen, dass die deutsche Militär­maschinerie für einen größeren Krieg bereitstand. Am 8. Juli bekräftigte der deutsche Botschafter in Wien,&nbsp;Heinrich von Tschirschky, gegenüber dem österreichischen Außenminister Graf Berchtold, Kaiser Wilhelm habe ihn angewiesen, »hier mit allem Nachdruck zu erklären, daß man in Berlin eine Aktion gegen Serbien erwarte und daß es in Deutschland nicht verstanden würde, wenn wir die gegebene Gelegenheit vorübergehen ließen, ohne einen Schlag zu führen.«<a href="#_ftn2" id="_ftnref2">[2]</a> Der Ton sagt: Berlin machte Druck auf Wien; Druck zum Krieg.</p>



<p>Ähnliche Zusagen wie von Wilhelm II. erhielt die österreichische Delegation auch von Reichs­kanzler Bethmann Hollweg. Dieses deutsche Signal ist als <em>»Blankovollmacht«</em> in die Geschichte eingegangen; die Österreicher hatten freie Hand gegen Serbien. Der Reichskanzler hat sie ausgestellt, weil er befürchtete, Deutschland könne den Krieg gegen Russland, den er für unausweichlich hielt, bald nicht mehr führen, weil Russland sich ebenfalls industrialisierte, Eisenbahnen baute, stärker wurde. Bethmann Hollweg stöhnte in diesen Tagen: »Die Zukunft gehört Russland, das wächst und wächst und sich als immer schwererer Alp auf uns legt.«<a href="#_ftn3" id="_ftnref3">[3]</a> Eine Option, mit Russland in Frieden zu leben, kam für ihn nicht in Frage.</p>



<p>Die Österreicher brauchten vier­zehn Tage, um ein Ultimatum an die serbische Regierung zu formulieren. Das Ultimatum ging ohne weitere Beweise davon aus, dass die Drahtzieher des Mordanschlags von Sarajevo in Bel­grad säßen und Verbindung zur serbischen Regierung hätten. Man forderte von der serbischen Regierung die Annahme eines Katalogs von Unter­drückungsmaß­nahmen gegen die großserbi­sche Bewegung und die strenge Verfolgung der Verschwörer – unter Teil­nahme von österrei­chisch-ungari­schen Beamten. Diese letzte, völkerrechtswidrige Bedingung war eigens zu dem Zweck ersonnen worden, eine Ablehnung des Ultimatums sicher­zustellen; denn es ging darum, den Krieg vom Zaun zu brechen, koste es, was es wolle. Diesem Zweck diente auch die Befri­stung des Ultimatums auf 48 Stunden, von denen bei seiner offiziellen Bekanntgabe am 24. Juli schon 15 verstrichen waren. Die verbleibende Zeit sollte so kurz gehalten werden, dass kein drit­ter Staat Gelegenheit bekam, zwischen Österreich-Ungarn und Serbien erfolgreich zu ver­mitteln.</p>



<p>Kurz vor Bekanntgabe des Ultimatums, am 20. Juli, trafen der französische Staatspräsident Raymond Poincaré und sein Ministerpräsident Viviani zu einem lange vorher ausgemachten Staatsbesuch in Petersburg ein. Poincaré versicherte dem Zaren und dem russischen Außenmi­nister Sergej Dimitrijewitsch Sasonow die unverbrüchliche Bündnistreue Frankreichs für den Fall eines aus dem öster­reichisch-serbischen Konflikt entstehenden Krieges. Auch das war eine Art Blankoscheck, und auch Sasonow rechnete mit einem bevor­stehenden großen Krieg, den russische Militaristen dazu nutzen wollten, endlich die Meerengen zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer unter ihre Kontrolle zu bringen. Allerdings hätten sie lieber noch zwei weitere Jahre Vorbereitungszeit gehabt bis zum Kriegsausbruch.</p>



<p>Nach Bekanntgabe des Ultimatums versuchten Sasonow und der französi­sche Botschafter in Petersburg, vom britischen Botschafter eine klare Hilfszusage zu bekommen, jedoch vergeblich. Die britische Regierung mit Außenminister Edward Grey legte sich zunächst nicht fest, denn es gab eine starke Stimmung im Vereinigten Königreich, sich in den balkani­schen Konflikt um Serbien nicht einzumischen und neutral zu bleiben. Andererseits sah die Regierung klar die Zwangslage, in die England zu geraten drohte. Unter­staatssekretär <em>Eyre Crowe</em>umriss in einer Notiz zu dem Bericht des britischen Botschafters in Petersburg die euro­päische Machtkonstel­lation im Kriegsfalle aus britischer Sicht:<a href="#_ftn4" id="_ftnref4">[4]</a></p>



<p>»Entweder siegen Deutschland und Österreich, sie erdrücken Frankreich und demütigen Russ­land. Die französische Flotte verschwunden, Deutschland im Besitz des Kanals, mit der bereit­willigen oder widerstrebenden Kooperation Hollands und Belgiens: Wie wird dann die Lage eines freundlosen England sein? Oder Frankreich und Russland siegen. Wie werden sie sich dann gegen [ein neutral gebliebenes] England verhalten? Und wie wird&#8217;s mit Indien und dem Mittel­meer stehen? In diesem Kampf, der nicht um den Besitz Serbiens geht, sondern bei dem es sich um das Ziel Deutschlands, seine politische Vorherrschaft in Europa zu errichten, und um den Wunsch der Mächte handelt, ihre individuelle Freiheit zu erhalten – in diesem Kampf sind unsere Interessen mit denen Frankreichs und Russlands verknüpft.«</p>



<p>Gerade wegen der erwähnten russischen Pläne bezüglich Bosporus und Dardanellen war die britische Regierung in Sorge. Die britische Flotte, Grundlage des riesigen britischen Kolonial­reiches, beanspruchte traditionell freie Fahrt durchs Mittelmeer und durch den Suez-Kanal nach Indien. Man befürchtete, im Falle eines russischen Sieges über Deutschland ohne britische Beteiligung am Ende außen vor zu stehen und dem bedrohlichen russischen »Griff auf das Mit­telmeer« machtlos zusehen zu müssen. Da ein Bündnis mit Deutschland nicht in Frage kam, blieb nur das Bündnis mit Frankreich und Russland, um weiter im europäischen Machtspiel zu blei­ben. Gleichwohl ließ eine klare britische Äußerung zum Serbienkonflikt auf sich warten, und das bestärkte die Machtpolitiker in Berlin in ihrer verhängnisvollen Illusion, England werde in dem angestrebten Kriege neutral bleiben.</p>



<p>Die russische Regierung befürchtete wiederum, nicht schnell genug auf einen deutsch-öster­reichischen Einmarsch reagieren zu können. Wenn der Krieg schon zu diesem aus russischer Sicht verfrühten Zeitpunkt ausbrach, so musste man wenigstens die Mobilisierung der russi­schen Militärmaschinerie so früh wie irgend möglich in die Wege leiten. Die vorgezogenen russi­schen Mobilisierungsbefehle erleichterten in den folgenden Tagen nicht unerheblich die Entfal­tung des Weltkriegs – und machten den entscheidenden Strich durch die deutsche Angriffs­planung.</p>



<p>Auf russisches Anraten hin formulierten die Serben ihre Antwort auf das österreichische Ultimatum äußerst gemäßigt und vermieden jede Schärfe im Ton. Die meisten Forderungen Wiens wurden akzeptiert, manche allerdings nur unter Vorbehalt. Nur die Teilnahme österrei­chisch-ungarischer Beamter an der Verfolgung der Verschwörer wurde erwartungsgemäß abge­lehnt. Der öster­reichische Botschafter antwortete mit dem Abbruch der diplomatischen Bezie­hungen. Auf Drängen Berlins erklärte Österreich-Ungarn am 28. Juli, genau einen Monat nach dem Attentat, Serbien den Krieg. Am 29. Juli schlugen die ersten österreichischen Granaten in Belgrad ein. Die Geschichte wiederholte sich im April 1941 mit einem deutschen Bombenangriff auf die serbische und jugoslawische Hauptstadt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">II. Kriegsgefahr</h3>



<p>In Berlin war es nun die ganze Sorge der deutschen Regierung und ihres Kanzlers Bethmann Hollweg, die Verantwortung für die weitere Eskalation des Krieges in den Augen der Öffentlich­keit auf Russland abzuwälzen. Anders als Wilhelm II. sah Bethmann Hollweg&nbsp;die Notwendigkeit, auch die Führung der deutschen Arbeiterbewegung, also der SPD und der Gewerkschaften, in die deutsche Kriegspolitik mit einzu­binden, damit keine nennenswerte Opposition gegen den Krieg aufkommen konnte. Und nichts eignete sich dazu besser als russische Angreifer, gegen die man sich und die Kultur des Westens verteidigen musste, denn der russische Zarismus war in der deutschen Arbeiter­bewegung tief verhasst. Dass die Entwicklung diesmal auf einen hand­fe­sten Krieg hinsteuerte, hatte in der SPD-Führung zunächst nur Hugo Haase erkannt. Am 23. Juli, nach Bekanntgabe des Wiener Ultimatums an Serbien, schloss sich die ganze SPD-Führung der Einschätzung Haases an. Doch <em>Julian Marchlewski</em>, ein Vertreter des linken SPD-Flügels, schrieb noch am 23. Juli in der »Sozialdemo­kratischen Korrespondenz«: »Von ernsthafter Kriegsgefahr ist augenblicklich sicher nicht die Rede.«<a href="#_ftn5" id="_ftnref5">[5]</a></p>



<p>Haase organisierte eine Kette von Friedens­kundgebungen in ganz Deutschland mit etwa 500.000 Teilnehmern – allesamt im Saale, denn Kundgebungen auf der Straße waren bereits verboten. Die Redner prangerten zwar den abenteuerlichen Kurs der österreichischen Regierung an, nicht jedoch das dahinterstehende Berliner Abenteurertum. Am 24.&nbsp;Juli fand im Gegenzug auch die erste antirussische Demonstration kriegslüsterner Kleinbür­ger vor der russischen Botschaft in Berlin statt. Diese Volksbewegung erwies sich im weiteren Verlauf als die stärkere.</p>



<p>Geschickterweise verzichtete die Regierung darauf, die in ihren Schubladen liegenden Pläne für die Herstellung des inneren Kriegszustandes durch­zuführen und alle SPD- und Gewerk­schafts­führer festzunehmen. Stattdessen empfing Unterstaatssekretär <em>Drews</em>am 26.&nbsp;Juli die Sozialdemo­kraten Haase und <em>Otto Braun</em>, um der SPD-Füh­rung mitzu­teilen, dass man ihre Friedens­kundgebungen dulden werde. Sie sollten aber dafür sorgen, dass die Redner offene Kritik an der deutschen Regierungspolitik vermieden, um den »Kriegshetzern in Russland« nicht in die Hände zu arbeiten. Drews versicherte den Sozialdemo­kraten, die deutsche Regierung sei am Erhalt des Friedens interessiert, werde aber eingreifen, wenn Russland einen Krieg provozieren sollte. Haase widersprach, wie er in seinem Tagebuch notierte, Drews‘ Einschätzung, dass ein von Österreich provozierter Krieg für Deutschland den Bündnisfall nach dem Dreibund-Vertrag auslöse.<a href="#_ftn6" id="_ftnref6">[6]</a></p>



<p>Zwei Tage später traf sich Reichskanzler <em>Bethmann Hollweg </em>mit dem SPD-Reichstags­abge­ord­neten <em>Albert Südekum</em>, um über ihn den SPD-Partei­vorstand im Sinne einer stillschweigen­den Unterstützung des deutschen Kurses zu beeinflussen. Südekum hielt noch am selben Tag Rück­sprache mit dem übrigen Parteivorstand und berichtete Bethmann Hollweg schriftlich, seitens der SPD seien – gerade im Interesse des Friedens – keinerlei Streik­aktionen gegen die Regierung geplant. Der SPD-Vorstand war offensichtlich tief beeindruckt, von Seiner Exzellenz, dem Reichskanzler persönlich, in einem so kritischen Moment deutscher Politik ins Vertrauen gezogen worden zu sein. Immerhin galten die Sozialdemokraten 1914 offiziellerseits noch als »vaterlandslose Gesellen«. Am 30. Juli berief sich Bethmann Hollweg in einer Kabinettssitzung auf den Brief Südekums und ver­sicherte seinen Ministern, von seiten der SPD seien keine Streikaktionen zu befürchten. Am nächsten Tag wurde mit dem »Zustand drohender Kriegs­gefahr« auch der Belagerungszustand im Innern erklärt; von da an waren sämtliche Anti-Kriegs-Kundgebungen verboten. Das zu diesem Zweck mobilisierte preußische Gesetz stammte aus dem Jahre 1851, richtete sich also ursprünglich gegen die bürgerlichen Revolutionäre von 1848.</p>



<p>Am 29. und 30. Juli trat in Brüssel das Internationale Sozialistische Büro zusammen, eine Art Vorstand der II. Internationale. Für die SPD waren <em>Hugo Haase</em>&nbsp;und <em>Karl Kautsky</em>, für die pol­nische Sozialdemokratie <em>Rosa Luxemburg</em> in Brüssel. Französische, britische und deutsche Sozialisten versicherten sich gegenseitig, dass ihre jeweiligen Regierungen keinen Krieg wollten.<a href="#_ftn7" id="_ftnref7">[7]</a> Haase referierte, was ihm Unterstaatssekretär Drews zugesagt hatte. Auch bei den Sozialisten sah man also, ganz wie Bethmann Hollweg sich das vorgestellt hatte, den Schwarzen Peter bei den Russen. Rosa Luxemburg ahnte zwar besser als andere die Gefahr und bean­tragte vergeb­lich, sofort einen außerordentlichen Sozialisten­kongress zur Kriegs­frage abzuhalten wie im No­vember 1912. Man beschloss statt­dessen, den für den 23. August in Wien geplanten regulären Kongress nach Paris zu verlegen, auf den 9. August vorzuziehen und die Kriegsfrage als ersten Punkt in die Tagesordnung aufzunehmen.</p>



<p>Doch auch die sonst so scharfsichtige Beobachterin erkannte nicht, was in Berlin gespielt wurde. Am 28. Juli schrieb sie in der »Sozialdemokratischen Korre­spondenz«, Österreich habe sein Ultimatum ohne Absprache mit der deutschen Regierung in die Welt gesetzt und zwinge jetzt seinen Verbündeten Deutschland, »sich gleichfalls in das Blutmeer kopfüber zu stürzen, sobald das verbrecherische Treiben Österreichs den russischen Bären auf den Kampfplatz wird herausgelockt haben. (&#8230;) Fragt man freilich, ob die deutsche Regierung kriegsbereit sei, so kann die Frage mit gutem Recht verneint werden.«<a href="#_ftn8" id="_ftnref8">[8]</a> Ein verhängnisvoller Irrtum! Sie teilte jedoch nicht den Irrtum vieler SPD-Füh­rer, die glaubten: Die SPD dürfe deshalb nicht offen gegen einen deutschen Kriegseintritt auf­treten, weil nur eine »entschlossene« deutsche Haltung die russischen »Kriegshetzer« zur Räson bringen könne. Da setzte Rosa Luxemburg lieber auf den »entschlos­senen Friedenswillen« des russischen Proletariats. Mit dem war dann drei Jahre später tatsächlich eine Revolution zu machen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">III. Eskalation</h3>



<p>Zunächst jedoch nahm das Unheil seinen Lauf, und kein Proletariat der Welt hat 1914 ernsthaft versucht, es zu stoppen. Am 29. Juli, einen Tag nach Kriegsausbruch in Österreich und Serbien, beschloss Zar <em>Nikolaj II.</em>&nbsp;zunächst eine Teilmobilisierung der russischen Armee an der österrei­chisch-ungarischen Grenze. Am gleichen Tage erklärte der britische Außenminister <em>Grey</em> dem deutschen Botschaf­ter, Großbritannien werde in den Krieg eingreifen, wenn sich Deutschland und Frankreich an dem Konflikt zwischen Österreich und Russland beteiligen sollten. Das ver­unsicherte einen Tag lang den deutschen Reichskanzler <em>Bethmann Hollweg</em><em>,</em> der gespürt haben mag, dass die weitere Eskalation des Krieges in den Untergang führen musste, und dass dieser Moment der letzte war, den Wahnsinn zu stoppen. Anders der deutsche General­stabschef, <em>Helmuth von Moltke</em><em>&nbsp;(1848-1916):</em> Der Neffe des berühmten preußi­schen Generalfeld­marschalls drängte schon seit 1912 auf Krieg und forderte deshalb am 30. Juli über den österrei­chischen Militärattaché seinen Wiener Kollegen Conrad von Hötzendorf&nbsp;auf, sofort gegen Russland zu mobilisieren und den europäischen Krieg zu wagen; »Deutschland geht unbedingt mit.«<a href="#_ftn9" id="_ftnref9">[9]</a> Moltke dachte an den Schlieffenplan, der vorsah, dass die Österreicher den Deutschen im Osten den Rücken freihalten sollten, und an die wachsende Militärmacht Russlands.</p>



<p>Am 30. Juli beschloss die russische Regierung die Generalmobilmachung der russischen Armee, was am folgenden Tag allgemein bekannt wurde. Zum Schicksalstag wurde <em>Freitag, der 31. Juli 1914.</em></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Berlin, früher Vormittag: Im deutschen Generalstab treffen erste Meldungen über russische Mobilmachungsmaßnahmen an der deutschen Ostgrenze ein. In der Tat startet in diesen Stunden die russische Generalmobilmachung.</li>



<li>Wien, später Vormittag: Gedrängt vom deutschen Generalstab unterzeichnet Kaiser <em>Franz Joseph</em>&nbsp;die allgemeine Mobilmachung in Österreich-Ungarn.</li>



<li>Paris, Café le croissant, Mittag: Der französische Sozialistenführer und Philosoph Jean Jaurès, ein überzeugter Pazifist, wird 54jährig von einem fanatischen Nationalisten ermordet.</li>



<li>Berlin, Wilhelmstraße, 13 Uhr: Auf Druck des Generalstabs erklärt die deutsche Regie­rung den »Zustand drohender Kriegsgefahr«. Das bedeutet innenpolitisch die Verhängung des Belagerungs­zustandes und militärisch den Beginn der allgemeinen Mobilmachung zwei Tage später, also zum 2. August.</li>



<li>Berlin, Reichstag, Nachmittag: Partei- und Fraktionsvorstand der SPD beraten über die zu erwartende Abstimmung im Reichstag über Kriegskredite. Die meisten sind für eine Stimm­enthaltung der Sozialdemokraten. Nur der Abgeordnete <em>Eduard David</em>&nbsp;spricht für die An­nahme der Kriegskredite.</li>



<li>Berlin, Kaiserliches Schloss, 15 Uhr: Kaiser Wilhelm II. billigt ein deutsches Ultimatum an Russland, das ein deutscher Diplomat wenig später dem russischen Botschafter übergibt. Eine Stunde später übergibt ein deutscher Diplomat dem französischen Botschafter ebenfalls ein Ultimatum.</li>



<li>Paris, Abend: Das föderative Komitee des französischen Gewerkschaftsbundes CGT beschließt, auf einen Generalstreik gegen die bevorstehende Mobilisierung der Armee zu verzichten. Im Gegenzug läßt die französische Regierung ihre Pläne zur Festnahme von meh­reren tausend Gewerkschaftern und Anarchisten in der Schublade.</li>
</ul>



<p>In den Augen der deutschen Öffentlichkeit waren diese Schritte nur eine Reaktion auf die russi­sche Generalmobilmachung, also rein defensiv. Die Wirklichkeit sah anders aus. Der abenteuer­liche und verhängnisvolle <em>Schlieffenplan</em> von 1905 zwang die deutsche Regierung, den Krieg mit Frankreich zu forcieren. Für den 2.&nbsp;August war bereits der Überfall auf Luxemburg vorgesehen, für den 4. August der <em>Über­fall auf das neutrale Belgien.</em> Zu diesem Zweck setzte die deutsche Regierung mit ihren Ultima­ten Russland und Frankreich die Pistole auf die Brust: Russland müsse innerhalb von 12 Stunden alle militärischen Maßnahmen widerrufen, und Frank­reich innerhalb von 18 Stunden seine Neutralität für den Fall eines deutsch-russischen Krieges erklä­ren, andernfalls drohe die Kriegserklärung. Für den Fall, dass die Franzosen das Ultimatum wider Erwarten akzeptieren sollten, hatte der deutsche Botschafter in Paris die Anweisung, als zusätzliche Sicherheit die Übergabe der französischen Festungen Toul und Verdun an deutsche Truppen zu verlangen; eine für Frankreich völlig inakzeptable Demütigung.</p>



<p>Da die russische Regierung das deutsche Ultimatum nicht beantwortete, erklärte die deutsche Regierung am Abend des 1. August Russland den Krieg. Bereits am Nachmittag war die allge­meine Mobilmachung verkündet worden. Die Regierung in Paris erklärte zum deutschen Ulti­matum, Frankreich werde »gemäß seinen Interessen« handeln. Großbritannien machte seine Flotte mobil. Am 2. August verlangte die deutsche Regierung von Belgien ein Durchmarsch­recht für ihre Truppen, unter dem Vorwand, einem angeblich bevorstehenden französischen Angriff auf Belgien zuvorkommen zu müssen. In Kenntnis des deutschen Kriegsplanes sicherte Groß­britannien Frankreich den Schutz der Kanalküste zu. Am 3. August erklärte Deutschland Frankreich den Krieg, unter dem Vorwand, französische Truppen hätten die deutsche West­grenze verletzt. In der Nacht zum 4. August begann der deutsche Überfall auf Belgien, dessen Regierung sich geweigert hatte, einen Durchmarsch deutscher Truppen zu gestatten.</p>



<p>Im britischen Kabinett gab es Widerstände gegen einen Kriegseintritt. Der soziali­stische Gewerkschaftsführer <em>John Burns</em>trat aus Protest gegen den Krieg als Minister zurück. Der deutsche Überfall auf Belgien, dessen Neutralität seit dem Londoner Protokoll von 1839 unter britischem Schutz stand, führte jedoch zur Entscheidung im Sinne Greys: ein Ultimatum, das angesichts der deutschen Truppen in Belgien einer Kriegserklärung gleichkam. Bethmann Hollwegs Spekulation auf eine britische Neutralität war gescheitert, der Große Europäische Krieg komplett. In einer heftigen Diskussion mit dem britischen Botschafter nannte <em>Bethmann Hollweg</em> das Londoner Protokoll einen »Fetzen Papier«. Stunden später bekannte er sich vor dem Reichstag zum Bruch des Völkerrechts und versprach Belgien scheinheilig Ersatz für die angerichteten Kriegsschä­den. Auf Druck des Militärs widerrief er diese Erklärung im Dezember 1914.</p>



<h3 class="wp-block-heading">IV. Kriegskredite</h3>



<p>Der Reichstag des wilhelminischen Kaiserreiches hatte nicht viele Rechte, aber das Budget­recht hatte er. Wenn die Regierung Geld brauchte, war sie auf die Zustimmung des Reichstags angewiesen. Die Sozialdemokraten im Reichstag konnten das nicht verhindern, und es gab gute Gründe, einen offenen Aufstand gegen den Krieg für aussichtslos zu halten. Aber eine Zustimmung zu den Kriegskrediten, wie sie der #er Abgeordnete Eduard David verlangte, ging weit über die Hinnahme des Unvermeidlichen hinaus: Die SPD verzichtete damit nicht nur auf Widerstand, sie stimmte dem Krieg offen zu; sie unterstützte den Krieg einer Regierung, deren militaristischer und imperialistischer Charakter zuvor allgemein anerkannt gewesen war. Die Entscheidung fiel am 2. und 3. August in der Reichstagsfraktion unter dem Eindruck der deutschen Kriegser­klärung an Russland, und bevor der Krieg mit Frankreich und England Tat­sache war. Diese unklare Situation verhalf der Haltung des sozialdemokratischen Publizi­sten <em>Friedrich Stampfer</em>zum Durchbruch, der schon am 30. Juli geschrieben hatte: Die Arbeiter müssten dem Kaiser und den Generälen folgen, um die europäische Zivilisation vor der russisch-zaristischen Barbarei zu schützen. Durch Verteidigung des Vaterlandes, so Stampfer, könne sich das »freie Volk« auch im Innern ein freies Land erobern. Dies war die sozialdemokratische Vari­ante der&nbsp; deutschen Idee eines »Schützengraben-Sozialismus«.</p>



<p>Am 2. August beschloss die Vorständekonferenz der sozialdemokratischen Gewerk­schaften unter Führung von <em>Karl Legien</em><em>,</em> alle laufenden Lohnkämpfe abzubrechen, die Streikkassen in den Dienst der Kriegspolitik zu stellen und mit dem Geld Arbeitslose zu unter­stützen. Voller Stolz bot Legien der deutschen Regierung den Beistand »seiner« vorbildlichen Arbeiter-Orga­nisationen an. Von einem preu­ßisch-deutschen Reichskanzler als gleichberechtig­ter Verhand­lungspartner behandelt zu werden, das erfüllte ihm seine kühnsten Träume. Am gleichen Tag kämpfte Hugo Haase im SPD-Fraktionsvorstand gegen eine Annahme der Kriegskredite. Er konnte sich jedoch nicht gegen Eduard David, Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann durchsetzen: mit vier gegen zwei Stimmen stimmte der Fraktionsvorstand für die Bewilligung der Kriegskredite.</p>



<p>Am 3. August fand die entscheidende Sitzung der SPD-Reichstagsfraktion statt. Dass alle an­deren Fraktionen den Kriegskrediten zustimmen würden, stand außer Frage. 92 der 111 SPD-Abgeordneten waren anwesend. <em>Eduard David</em><em>, Ludwig Frank</em> und <em>Philipp Scheidemann</em> spra­chen für die Annahme der Kriegskredite. Der Parteivorsitzende <em>Hugo Haase</em><em>,</em> Rechtsanwalt und überzeugter Pazifist wie der Franzose Jaurès, sprach dagegen, ebenso der linke Flügelmann <em>Karl Liebknecht</em><em>, </em>auch er Rechtsanwalt von Beruf und Sohn des SPD-Gründervaters Wilhelm Liebknecht. Noch zwei, drei Tage vorher hatten die mei­sten SPD-Politiker eine Ablehnung der Kriegskredite durch die Fraktion erwartet. Die hitzige Debatte wurde schon nach kurzer Zeit durch einen Antrag auf Schluss der Debatte abgebrochen. 78 Abgeordnete stimmten für und 14 gegen die Annahme der Kriegskredite. Haase vereinbarte mit Scheidemann, dass dieser die Entscheidung der Fraktion im Reichstag begründen sollte. Doch unmittelbar vor der Reichs­tagssitzung am 4. August zwang die Fraktions­mehrheit ihren Mitvor­sitzenden Haase, den gegen seinen Willen gefassten Beschluss selber im Reichstag zu begründen, indem sie an sein Pflichtbewusstsein appellierten. So trug der Pazifist jene schwammige Erklärung vor­, mit der die deutsche Sozialdemokratie ihre Zustim­mung zum Krieg des deutschen Kaiserreiches erklärte.<a href="#_ftn10" id="_ftnref10">[10]</a> Der heimtückische und offen imperialistische Überfall auf Belgien hatte einige Stunden zuvor begonnen.</p>



<p>»Die Folgen der imperialistischen Politik &#8230; sind wie eine Sturmflut über Europa hereingebrochen. Die Verantwortung hierfür fällt den Trägern dieser Politik zu, wir lehnen sie ab. (&#8230;) Jetzt stehen wir vor der ehernen Tatsache des Krieges. Uns drohen die Schrecknisse feindlicher Invasionen. Nicht für oder gegen den Krieg haben wir uns heute zu entscheiden, sondern über die Frage der zur Verteidigung des Landes erforderlichen Mittel. (&#8230;) Unsere heißen Wünsche begleiten unsere zu den Fahnen gerufenen Brüder ohne Unterschied der Partei. (&#8230;) Für unser Volk und seine freiheitliche Zukunft steht bei einem Sieg des russischen Despotismus &#8230; viel, wenn nicht alles auf dem Spiel. Es gilt, diese Gefahr abzuwehren, die Kultur und die Unabhängigkeit unseres eigenen Landes sicherzustellen. Das machen wir wahr, was wir immer betont haben: Wir lassen in der Stunde der Gefahr das eigene Vaterland nicht im Stich.«</p>



<p>Ein Passus, der sich ausdrücklich gegen deutsche Eroberungen wandte, wurde auf Druck der Regierung noch kurzfristig heraus­gestri­chen, angeblich, weil er einen Kriegs­eintritt Englands hätte befördern können. Es blieb bei dem allgemeinen Satz: »&#8230;wie wir auch in Übereinstimmung mit ihr [der Internationale] jeden Eroberungskrieg verurteilen.« Alle Abgeordneten, darunter Karl Lieb­knecht, folgten der Fraktionsdisziplin und stimmten im Reichstag für die Kriegskredite. August Bebels mutiger Auftritt gegen den Deutsch-Französischen Krieg 1870 im Norddeutschen Reichstag war vergessen. Eine der tragischen Folgen von Haases Pflichtbewusstsein bestand darin, dass auch in der linksgerichteten Geschichts­betrachtung sein lebenslanger unermüdlicher Einsatz für den Frieden hinter dieser einen Stunde der Schwäche verschwand. Konservative Historiker hüteten sich indessen, den jüdisch-preußischen Sozialisten und Pazifisten für seinen »vater­ländischen« Einsatz zu loben.<a href="#_ftn11" id="_ftnref11">[11]</a></p>



<p>Der <em>4. August 1914 </em>hatte für die deutsche und für die ganze europäische Arbeiterbewegung höchst weitreichende Folgen, die in vielfältiger Weise auf die deutsche Geschichte einwirken sollten. An diesem Tage scheiterte die 1889 in Paris gegründete II. Internationale, deren größte und wichtigste Partei die SPD gewesen war. Drei Wochen zuvor, am 12. Juli 1914, war sie noch mächtig und stark gewesen. Damals trafen sich im französischen Städtchen Condé sur l&#8217;Escaut an der belgischen Grenze 20.000 französische und belgische Arbeiter zu einer Friedenskund­gebung, auf der als deutscher Redner <em>Karl Liebknecht</em>&nbsp;sprach. Als der Deutsche auftrat, riefen Tausende: »Vive l&#8217;Allemagne!« – »Es lebe Deutschland!« Und der Vorsitzende der Ver­samm­lung erklärte, damit sei nicht das Deutschland der Hohenzollern, der Krupp und der mili­tärischen Cliquen gemeint, sondern das Deutschland der Goethe und Schiller, der Kunst, der Wissen­schaft, der Literatur und vor allem der Sozialdemokratie.<a href="#_ftn12" id="_ftnref12">[12]</a></p>



<p>Am 4. August 1914 begann die Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung in einen staatstreu-sozial­demo­kratischen und einen kommunistischen Flügel. Aus der Opposition gegen den Krieg ent­stand als Keimzelle der späteren KPD die »Gruppe Internationale«, der neben Liebknecht,<em> Rosa Luxemburg</em><em>, Franz Mehring</em>&nbsp;und <em>Clara Zetkin</em>auch der junge <em>Wilhelm Pieck</em>ange­hörte, später Mitbegründer und Präsident der DDR. In der Schweiz hatte die Gruppe Kontakt zu dem dort im Exil lebenden russischen Revolutionär <em>Wladimir Iljitsch Lenin</em><em>. </em>Der 4. August 1914 und die bestialische Grausamkeit der Kriegstreiber des Weltkriegs ließen bei Lenin und anderen den Gedanken reifen, der drei Jahre später zur Grundlage der russischen Oktober­revolution und der Kommunistischen Inter­nationale wurde: Die Arbeiter sollten aufhören, sich gegenseitig abzuschlachten, und die Waffen, die sie als Soldaten in den Händen hatten, auf die Offiziere, Machthaber und Profiteure des Krieges richten. Hier gründete Lenins Hass auf die »Sozialchauvinisten«, jene Sozialdemokraten, die die Idee der »Vater­lands­verteidigung« aner­kannten. In Lenins Todesjahr 1924 spitzte Stalin den unglück­seligen Begriff weiter zu in »Sozial­faschisten« und verbaute den deutschen Kommu­nisten damit den Weg zu einer Einigung mit der SPD gegen die wirklichen Faschisten.</p>



<p>Der von Hugo Haase und Karl Kautsky ab 1915 angelegte dritte, pazifistische Flügel begründete ebenfalls eine Traditionslinie, die später von Leuten wie Gustav Heinemann, Willy Brandt, Erhard Eppler und Heidemarie Wieczorek-Zeul wieder aufgegriffen wurde.</p>



<h3 class="wp-block-heading">V. Kriegshetzer</h3>



<p>Nachdem die einstmals so mächtige deutsche Arbeiterbewegung widerstandslos das Feld der politischen Öffentlichkeit geräumt hatte, konnte dort Platz greifen, was viele später ehrfürchtig den <em>»Geist von 1914«</em> nannten. Tausende von Menschen bejubelten am 2. und 3. August vor dem Berliner Schloss, auf dem Münchener Odeonsplatz und in vielen anderen Städten die deutschen Kriegserklärungen. In der Menge auf dem Münchener Odeonsplatz: der 25jährige österrei­chi­sche Gelegenheitsmaler <em>Adolf Hitler</em><em>, </em>der 1913 aus Wien in die bayerische Metropole gekommen war und sich dort mit dem Zeichnen von Skizzen und dem Malen von Ansichtskarten durchschlug. Wie viele tausend andere Männer meldete er sich schon in den ersten Augusttagen freiwillig zur bayerischen Armee. Hitler schrieb später in dem ihm eigenen religiösen Pathos über diesen Tag: »Ich schäme mich auch heute nicht, es zu sagen, dass ich, überwältigt von stür­mi­scher Begeisterung, in die Knie gesun­ken war und dem Himmel aus übervollem Herzen dankte, dass er mir das Glück geschenkt, in dieser Zeit leben zu dürfen.«</p>



<p>Der Dichter <em>Bruno Frank,</em><em>&nbsp;</em>später von Hitler und den Nazis aus dem Lande gejagt, teilte 1914 Hitlers Gefühle. Sein Gedicht »1914«, eins von geschätzt anderthalb Millionen deutschen Kriegsgedichten, die in diesen Wochen entstanden, wurde noch 1955 in die populäre Sammlung »Der ewige Brunnen. Ein Hausbuch deutscher Dichtung« aufgenommen, und zwar in dem Kapitel »Stolze Zeit«:<a href="#_ftn13" id="_ftnref13">[13]</a></p>



<p><a>Frohlockt, ihr Freunde, daß wir leben / und daß wir jung sind und gelenk, / nie hat es solch ein Jahr gegeben, / und nie warJugend solch Geschenk!</a></p>



<p>Wir durften stehn und durften schreiten, / so morgenwärts und abendwärts / die größte aller Erden­zeiten, &#8211; / uns brandet&#8216; sie ans junge Herz.</p>



<p>Wir sahn die Asiaten stürmen, / mit Hochlands Tapferen geeint, / auf uns von seiner Dome Türmen / spie seinen Strahl der alte Feind,</p>



<p>auf uns im ungeheuren Bette / goß sich aus Steppen dunkles Meer. / Es brach vor unsrer Hände Kette / des Morgens Heer, des Abends Heer.</p>



<p>Wir würden gern sie wiedersehen, / die sanfte Zeit, die Friedenszeit, / denn keiner mag ins Dunkel gehen, / er geht mit Neid, er geht mit Leid;</p>



<p>vielleicht war Schönes noch auf Erden / für seine Augen auferbaut, &#8211; / das Größte, das ihm konnte werden, / dies stolze Jahr hat er geschaut.</p>



<p>Auch der spätere Satiriker Alfred Henschke alias Klabund steuerte kriegs­begeisterte »Soldatenlieder« und ein »Kleines Bilderbuch vom Kriege« bei, 1916 den Gedichtband »Dragoner und Husaren«. Die deutsche Dichtkunst trat in Uniform auf und kannte plötzlich nur noch ein einziges Thema.</p>



<p>In den Augen dieser Menschen führte Deutschland einen gerechten, ja, einen edlen und schönen Verteidigungskampf ge­gen jene feindlich gesonnenen Mächte, die ihm den ihm gebührenden Platz und die »Luft zum Atmen« nicht gönnten. Besonders verhasst war England, das »perfide Albion«, weil es durch sein langes Zögern in der Julikrise 1914 in Deutschland zunächst die Hoffnung genährt hatte, es werde neutral bleiben. Man sah Deutsch­land von Feinden umgeben und deshalb gezwungen, den ersten Schlag zu führen und die Blockade aufzubrechen. In vielen Häusern spielten sich Tragödien ab, wie sich eine davon im Tagebuch der Graphikerin <em>Käthe Kollwitz</em><em>&nbsp;</em>wider­spiegelt. »10. August. Abends bittet [ihr Sohn] Peter&nbsp;[seinen Vater] Karl, ihn vor Aufgebot des Landsturms ziehen zu lassen. Karl spricht mit allem dagegen, was er kann. Ich habe das Gefühl des Dankes, dass er so um ihn kämpft, aber ich weiß, es ändert nichts mehr. &#8211; [Karl sagt:] Das Vaterland braucht dich noch nicht, sonst hätte es dich schon gerufen. &#8211; [Peter:] Das Vaterland braucht meinen Jahrgang noch nicht, aber <em>mich </em>braucht es. Immer wendet er sich stumm mit flehenden Blicken zu mir, dass ich für ihn spreche. Endlich sagt er: Mutter, als du mich umarmtest, sagtest du: &#8218;Glaube nicht, dass wir feige sind, wir sind bereit.&#8216; [&#8230;Wir] umarmen uns und küssen uns, und ich bitte den Karl für Peter. – Diese einzige Stunde. Dieses Opfer, zu dem er mich hinriss, und zu dem wir Karl hinrissen.«<a href="#_ftn14" id="_ftnref14">[14]</a> Die später so leidenschaftliche Pazifistin Käthe Kollwitz unterstützte ihren Sohn in seinem tödlichen Wahn, sich freiwillig zum Krieg melden zu müssen.</p>



<p>Im September veröffentlichte Kätze Kollwitz in der von Paul Cassirer herausgegebenen, wöchentlich erscheinenden Mappe »Kriegszeit« mit Künstler­flugblättern die Lithographie »Das Bangen«. Sie zeigt eine Frau, die um ihren Mann oder Sohn bangt. Der Grundton der Mappe war konservativ-national. Nach dem Tod ihres Sohnes am 22. Oktober in Flandern stellte Kollwitz jedoch ihre Mitarbeit dort ein, anders als Max Liebermann und Ernst Barlach. Bis 1919 zeichnete Kollwitz kaum noch, beschäftigte sich aber ab Dezember mit der geplanten Doppelskulptur der trauernden Eltern.<a href="#_ftn15" id="_ftnref15">[15]</a></p>



<p>Zu den wenigen, die in Wien öffentlich gegen die fanatische Kriegsbegeisterung der herrschenden Kreise wie auch der Massen auftraten, gehörten der Publizist Karl Kraus und der Dramatiker Arthur Schnitzler. Während des Weltkriegs wurden deshalb Schnitzlers Stücke in den meisten österreichischen Theatern nicht mehr gespielt.</p>



<p>Charakteristisch für den »Geist von 1914« wurde der berühmte Satz Kaiser Wilhelms II.: »Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche.« Die ständigen Streitereien zwischen Protestanten und Katholiken, zwischen Preußen und Österreichern, zwischen Konser­vativen und Liberalen, zwischen Unter­nehmern und Arbeitern schienen vergessen; es galt nur noch eines: das Vaterland. Speziell für die Integration der Sozialdemokraten ins vaterlän­dische Lager wurde der Begriff des »Burgfriedens« geprägt. Und so reihten sich die Männer mit einem geschnürten Paket unterm Arm vor den Meldestellen ein, vertauschten den schwarzen Anzug mit der grauen Uniform, den sommerlichen Strohhut mit der Pickelhaube und bestiegen jene Eisenbahn­waggons, auf die man mit Kreide geschrieben hatte: »Ausflug nach Paris« – »Auf Wie­dersehen auf dem Boulevard« – »Auf in den Kampf, mir juckt die Säbelspitze« – »Jeder Schuss ein Russ’! Jeder Stoß ein Franzos’! Jeder Tritt ein Brit’!« Frauen und Kinder jubelten und winkten ihnen zu, die Blaskapelle spielte: »Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus&#8230;«</p>



<p>Darunter war auch der sächsische Dichter Hans Bötticher, der spätere Joachim Ringelnatz, der sich freiwillig zur Marine meldete. Im Verlauf des Krieges wurde er Leutnant zur See und Kommandant eines Minensuchbootes.<a href="#_ftn16" id="_ftnref16">[16]</a> Darunter waren die Maler August Macke und Franz Marc, die Schriftsteller Hermann Löns und Alfred Lichtenstein. Die letzte Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie Mathilden­höhe wurde bei Kriegsbeginn abgebrochen. Der Architekt Albin Müller hatte rund um die Kolonie Mietshäuser entworfen.<a href="#_ftn17" id="_ftnref17">[17]</a> Der Maler Wassily Kandinsky musste aus Deutschland nach Russland zurückkehren. Damit endete die Geschichte der Murnauer Künstlerkolonie#. Aus Worpswede #</p>



<p>Unter den Freiwilligen waren auch rund 10.000 deutsche Juden. Durch besonderen Einsatz wollten sie ihre nationale Zuverlässigkeit unter Beweis stellen und erhofften sich für die Zeit nach dem Sieg die vollkommene Gleichstellung als Dank. Die jüdischen Industriellen Walther Rathenau&nbsp;und Albert Ballin&nbsp;nahmen wichtige Stellungen in der Kriegswirtschaftsplanung ein, und selbst die 1915 eingeführte deutsche Giftgaswaffe war das Werk eines Juden, des Chemikers Fritz Haber. Ohne die von Haber erfundene und von Carl Bosch&nbsp;industriell entwickelte künstliche Ammoniaksynthese hätte Deutschland nach dem Wegfall der Salpeterzufuhren gar keine Munition mehr produzieren können. Der jüdische Romanist <em>Victor Klemperer</em><em>&nbsp;</em>notierte in seinem später berühmt gewordenen Tagebuch am 3. August: »Wir sind in äußerster Notwehr und in allerreinstem Recht. Geht es wirklich um Deutschlands Existenz&#8230;, dann muss eben der letzte Mann heraus.« Der badische SPD-Reichstagsabgeordnete <em>Ludwig Frank</em>&nbsp;meldete sich freiwillig und schrieb am 23. August von der Front nach Hause: »Jetzt ist für mich der einzige mögliche Platz in der Linie, in Reih und Glied, und ich gehe wie alle anderen freudig und siegessicher.«<a href="#_ftn18" id="_ftnref18">[18]</a> Der 21jährige spätere Dramatiker und Pazifist <em>Ernst Toller</em><em>, </em>damals Student in Grenoble, schlug sich unter Abenteuern zur deutschen Grenze durch, um als deutscher Soldat jüdischer Konfession auf seine französischen Gast­geber schießen zu können.<a href="#_ftn19" id="_ftnref19">[19]</a> Der # Maler <em>Max Beckmann</em> meldete sich im September freiwillig an die Front, wurde Sanitätssoldat und skizzierte alsbald täglich das Grauen des Krieges. Die # Physikerin Lise Meitner musste als Röntgenschwester ins österreichische Kriegsheer einrücken. Im Sommer 1916 kehrte sie nach Berlin zurück.<a href="#_ftn20" id="_ftnref20">[20]</a></p>



<p>Beckmann war zunächst von der Gewalterfahrung des Krieges fasziniert. Am 18. September schrieb er in einem Brief: »<a>Gestern N. war fabelhaft.Wie nach einem riesigen Erdbeben, der Kirchturm halbiert, die Häuser am Markt glatt abrasiert…</a>« Am 11. Oktober jubelte er: »Draußen das wunderbar großartige Geräusch der Schlacht… wie wenn die Tore zur Ewigkeit aufgerissen werden ist es, wenn so eine Salve herüberklingt… Ah, diese Weite und unheimlich schöne Tiefe!«<a href="#_ftn21" id="_ftnref21">[21]</a></p>



<p>Zahlreiche berühmte Schriftsteller, Philosophen, Historiker, National­ökonomen, Juristen, Theolo­gen und Künstler beteiligten sich spontan an der Konstruktion eines Mythos: der angeb­lich revolutionären Überwindung der Klassengesellschaft durch die neue deutsche Ein­heits­idee, die den westlich-bürgerlichen Gesell­schaften Frankreichs und Englands entgegen­gesetzt wurde. Der Verfassungsjurist <em>Johann Plenge</em>schrieb rückblickend 1916: »Zum zweiten Male zieht ein Kaiser durch die Welt als Führer eines Volkes mit dem ungeheuren, weltbestür­zenden Kraftgefühl der allerhöchsten Einheit.«<a id="_ftnref22" href="#_ftn22">[22]</a> Plenge prägte nicht nur den Begriff der »Ideen von 1914«, sondern auch den des »nationalen Sozialismus«. Der katholische Sittenphilosoph <em>Max Scheler</em>feierte 1914 den Krieg als »Vehikel des wahren sittlichen Fortschritts«.<a id="_ftnref23" href="#_ftn23">[23]</a> <em>Thomas Mann</em>bejubelte in einem offenen Brief an seinen pazifistischen französi­schen Kollegen Romain Rolland den »unerhörten, gewaltigen und schwär­merischen Zusammen­schluss der Nation« und dankte Gott für den »Zusammenbruch einer Friedenswelt, die er so satt, so überaus satt hatte.«<a id="_ftnref24" href="#_ftn24">[24]</a> Man hat den Eindruck, nach 43 Jahren ohne Krieg waren diese Männer friedensmüde.</p>



<p>Das von Plenge angedeutete Erlebnis des »Kraftgefühls« im Kriege verband sich mit der in Deutschland seit 1814 besonders populären Philosophie Gottlieb Fichtes, die – natürlich gegen den französisch-britischen Rationa­lismus gewandt – das emotionale und intuitive Erleben zum zen­tralen Orientie­rungs­punkt erhob. Nach seiner Abwendung von den Idealen der Französischen Revolution im Laufe des Befreiungskrieges gegen Napoleon hatte Fichte in seinen »Reden an die deutsche Nation« das deutsche Volk zum Urvolk, die deutsche Sprache zur Ursprache erklärt. Daran anknüpfend deutete der Populärphilosoph und Nobel­preisträger <em>Rudolf Eucken</em> den August 1914 als Urteilsspruch über die (west­europäische) Aufklärung, den Krieg als Bewährungsprobe für die deutsche Innerlichkeit; das deutsche Volk war ihm – ganz Fichte – die Seele der Menschheit. Sein Kollege <em>Paul Natorp</em> sah im Krieg den »Tag der Deutschen« nahen. Er stand der Freideutschen Jugend nahe, einem Teil der deutschen Jugendbewegung, der sich 1913 auf dem Hohen Meißner zum Geist des deut­schen Idealismus bekannt hatte. Im Juli 1914 feierten deutsche und österreichische Wander­vögel bei Passau ihre Kampfbereitschaft fürs Vaterland.</p>



<p>1917 setzte der Wandervogel-Autor <em>Walter Flex</em><em>&nbsp;</em>mit seiner Erzählung »Der Wanderer zwischen beiden Welten« seinem toten Kameraden Ernst Wurche ein Denkmal, das bald zum Kultbuch der gebildeten deutschen Soldaten wurde und wie kein anderes Dokument die Hinwendung der einstmals rebellischen, zivilisationskritischen Jugend­bewegung zum Krieg der deutschen Eliten um die Weltmacht festhält. Am längsten, bis in die 1970er Jahre hinein, wirkte das Lied nach, mit dem Flex sein »Kriegserlebnis« beginnen ließ, und das er angeblich im März 1915 in einem nächtlichen Schützengraben im Maastal gedichtet hatte:</p>



<p>Wildgänse rauschen durch die Nacht / Mit schrillem Schrei nach Norden – / Unstete Fahrt! Habt Acht, habt Acht! / Die Welt ist voller Morden.</p>



<p>Fahrt durch die nachtdurchwogte Welt, / Graureisige Geschwader! / Fahlhelle zuckt und Schlachtruf gellt, / Weit wallt und wogt der Hader.</p>



<p>Wir sind wie ihr ein graues Heer / Und fahr’n in Kaisers Namen, / Und fahr’n wir ohne Wiederkehr, / Rauscht uns im Herbst ein Amen!</p>



<p>Wer es mitsang, fügte sich in der ersten Strophe in die »Welt voller Morden« und bekannte sich in der letzten zu Soldatentum und Soldatentod, ohne zu begreifen, dass das Morden nirgendwo anders herkam als aus dem eigenen Gewehrlauf und sofort aufhörte, wenn man nur aufhörte zu schießen. Ein weiteres Soldatenlied mit langer Wirkung entstand fast gleichzeitig: Hans Leip dichtete 22jährig seine Zeilen über »Lili Marleen«, die aber erst im nächsten Weltkrieg, 1941, vertont und international bekannt werden sollten.</p>



<p>Flex‘ Ich-Erzähler berichtet, wie er zusammen mit dem evangelischen Theologiestudenten Wurche von der Front abkommandiert und zum Leutnant ausgebildet wurde. Eine hellsichtige Anekdote zum Einstieg:</p>



<p>Zur gleichen Zeit wie wir sollte ein Kommando von Berufsschlächtern, die zur Verwendung in der Heimat aus der Truppe gezogen waren, den Ort verlassen. Während wir nun in Reih und Glied, des Marschbefehls gewärtig, vor dem Pfarrhaus standen, trat ein Major an uns heran und rief uns von weitem zu: »Seid Ihr die Metzger, Kerls?« und ein Chorus von beleidigten und vergnügten Stimmen antwortete: »Nein, Herr Major, wir sind die Offiziersaspiranten!«<a href="#_ftn25" id="_ftnref25">[25]</a></p>



<p>Da bestand offenbar Verwechslungsgefahr. In der Figur Wurches traf oder erfand Flex den idealen deutschen Soldaten und Offizier; sein häufigstes Attribut war »hell«. Wurche hatte drei Bücher im Gepäck: Goethes Gedichte, »den Zarathustra« (d. h. Nietzsches Schrift »Also sprach Zarathustra«) und das Neue Testament.<a href="#_ftn26" id="_ftnref26">[26]</a> Flex: »Sein Christentum war ganz Kraft und Leben&#8230; Sein Gott war mit einem Schwerte gegürtet, und auch sein Christus trug wohl ein helles Schwert&#8230;«</p>



<p>Die meisten evangelischen und katholischen Theologen begrüßten den Krieg als »Volks­ver­jünger«, als Waffe gegen die individualistische »Nörgel­sucht« und den alle Sitten und Traditio­nen bedrohenden »Kosmopolitismus«, eine den Kirchen unangenehme Begleit­erscheinung des technischen und wirtschaft­lichen Fort­schritts. Im evangelischen Raum verstieg man sich sogar zur Konstruktion eines neuen Christentums, das sich mit dem deutschen Wesen verbinde und durch den Mund des deutschen Kaisers spreche, um – getragen von deutschen Bajonetten und deutschen Artilleriegranaten – die Welt erneut zu erobern. Christen im Kriege, ein Kapitel für sich! Unter den Deutschen war »Adieu!« (wörtlich: »zu Gott!«) bis 1914 der geläufigste Abschiedsgruß. Doch die antifranzösische Sprachpropaganda machte nach Kriegsausbruch Front gegen den Gottesgruß: »Fort mit dem welschen Gruß ‚Adieu‘! Wir grüßen deutsch: ‚Auf Wiedersehn‘!« Mit nachhaltiger Wirkung.<a href="#_ftn27" id="_ftnref27">[27]</a> 1916 veröffentlichte der Germanist Eduard Engel sein Verdeutschungsbuch »Sprich Deutsch! Ein Buch zur Entwelschung«. 1955 wurde es von L. Mackensen neu herausgegeben.<a href="#_ftn28" id="_ftnref28">[28]</a></p>



<p>Der Nationalökonom und Soziologe <em>Werner Sombart</em> demonstrierte 1915 mit seiner Schrift »Händler und Helden«, dass völkisches Gedankengut durch den Krieg vom rechten Rand mitten ins Zentrum des deutschen Geisteslebens gerückt war – bei Sombart mit durchaus nachhaltiger Wirkung. Der Krieg erschien Sombart als gerechte Prügelei zwischen einem miesen und einem guten Charakter: hier die kleinliche Krämerseele der Eng­länder und Franzosen, nur auf ihren egoistischen Vorteil bedacht, dort der deutsche Held mit seinem auf der Welt einzigartigen Gefühl für das Wahre und Große, als Angegriffener selbstlos um die Fahne geschart, im Kampf um seine Selbstbehauptung, aber auch, um die vom russi­schen Zarismus unterjochten Völker zu befreien. Thomas Mann trieb diese Dichotomie, diese Einteilung der Welt in Schwarz und Weiß, noch 1918 in seinen »Betrachtungen eines Unpoliti­schen« weiter:</p>



<p>»Der Unterschied von Geist und Politik enthält den von Kultur und Zivilisation, von Seele und Gesellschaft, von Freiheit und Stimmrecht, von Kunst und Literatur; und Deutschtum, das ist Kultur, Seele, Freiheit, Kunst und nicht Zivilisation, Gesellschaft, Stimm­recht, Literatur.«<a href="#_ftn29" id="_ftnref29">[29]</a></p>



<p>Was diese Deutschen an der Zivili­sa­tion störte, war das Zivile, das Unmilitäri­sche, und was sie an Gesellschaft und Stimmrecht störte, war die Gewaltlosigkeit, die Abwesenheit von Herrschaft und Gefolgschaft in diesen Begriffen.</p>



<p>Ein weiterer Schlüsselbegriff war »Selbstbehauptung«. Das Wort trug die geopolitische Idee vom »Lebensraum« in sich, jenen Raum in der Mitte Euro­pas, den die Deutschen nach ihrer Natur, wie es hieß, zum Leben brauchten, und der ihnen &#8211; so das ständige deutsche Lamento &#8211; teilweise von anderen Völkern vorenthalten wurde. Leben bedeutete in diesem Zusammenhang Beherrschen. Diese Herrschaft wurde seit Ende des 19. Jahrhunderts gerade in Deutschland gerne sozial­darwinistisch gerechtfertigt: Als besonders tüchtiges Volk setzen sich die Deutschen im natürli­chen Lebenskampf gegen andere, schwächere Völker durch und haben dann auch das »natürliche Recht«, diese Völker zu unterdrücken und sich deren Ressourcen anzueignen. Was jahrzehntelang gepredigt worden war, sollte nun auf den Schlachtfeldern in Nordfrankreich und Westrussland endlich Wirklich­keit werden.</p>



<p>Manche ereilte schon zwei Monate nach Kriegsausbruch der Kater; so den Dichter und Schriftsteller <em>Bruno Frank</em><em>, </em>der im August noch frohlockt hatte, dass er jung und gelenk nach Westen und Osten marschieren durfte. In seiner 1928 erschienenen »Politischen Novelle« ließ er den Helden Carmer im Rückblick mit sich selbst ins Gericht gehen:<a href="#_ftn30" id="_ftnref30">[30]</a></p>



<p>Die Vernunft hatte nicht standgehalten! Alle lebenslang geübte Klarheit, Nüchternheit und Kritik war zum Teufel gegangen vor dem Anprall einer tobenden Stunde. Wie der Letzte und Dumpfeste, blind und taub, hatte er geglaubt und gewütet, mit hochrotem Kopfe – o ewige Scham! – hatte er auf einem öffentlichen Platz mit der fanatisierten Menge geschrien und die Arme geschwenkt, er, der doch wusste, was Krieg bedeutete und wie er entstand: nicht aus einem Zusammen­prall von Edelmut und Gemeinheit wahrhaftig, sondern aus ganz unheroischen Tatsachen von trister Greifbarkeit, über die man bunte Tücher deckte, um das Volk zu verführen.</p>



<p>Doch bei anderen erwies sich der »Geist von 1914« als sehr haltbar. Noch 1951 schrieb der liberale Histori­ker <em>Friedrich Meinecke</em><em>, </em>damals Rektor der Freien Universität Berlin, seinem deutschnationalen Kolle­gen <em>Hans Rothfels</em><em>&nbsp; </em>zu dessen 60. Geburtstag in die Festschrift: »Es entsprach unse­rer gemeinsamen Grundgesinnung in den Anfängen des ersten Weltkriegs, alle Kräfte des deut­schen Geistes zusammenzufassen, um dem Kampf um unsere Selbstbehauptung zu dienen.«<a href="#_ftn31" id="_ftnref31">[31]</a> Sämtliche deutschen Aggressionen wurden dadurch per se für »präventiv« erklärt, also zu reinen Verteidigungsakten. Rothfels war 1914 Offizier und verlor in jenem Kampf um die deutsche Selbstbehauptung auf französischem Boden ein Bein. Er schrieb viele Bücher über Bismarck und spielte in den 50er und 60er Jahren eine wichtige Rolle bei dem Versuch der westdeutschen Historikerzunft, die deutsche Verant­wor­tung für den I. Weltkrieg weiterhin im Nebel zu halten.</p>



<p>Max Beckmann brach im August 1915 unter seinen grauenhaften Kriegs­erlebnissen psychisch zusammen und wurde als Soldat entlassen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">VI. Maas und Marne</h3>



<p>Wie es der Schlieffenplan vorgesehen hatte, brach der größte Teil des deutschen Heeres, etwa 700.000 Mann, vom 4. August an in Belgien&nbsp;ein, um über Lüttich (Liège), Namur, Maubeuge, St. Quentin, Compiègne von Nordosten her auf Paris vorzustoßen. Die im Südteil der Front, vom damals zu Deutschland gehörenden Lothringen und Elsaß aus, vorrückenden Armeen waren deutlich schwächer, und die in Ostpreußen gegen die Russen aufgestellte 8. und letzte Armee war noch schwächer. Die französische Front mit ihrem schwer zu bezwingenden Festungsgürtel an der oberen Mosel (Verdun, Toul, Epinal, Belfort) sollte so in einem riesigen Bogen von Norden her umschlossen und letztlich eingeschlossen werden. Die Vision der Umfassungsschlacht von Cannae, in der die Karthager unter Hannibal im Jahre 216 vor Chr. die Römer im eigenen Land vernichtend geschlagen hatten, stand beim Schlieffenplan Pate und sollte hier ins Gigantische gesteigert werden. Man hat jedoch den Eindruck, dass die verantwortlichen Generäle sich nicht recht klargemacht haben, dass die sechs- bis sieben­hundert Kilometer nach Paris in wenigen Wochen zu Fuß zurückgelegt werden mussten, mit vollem Marschgepäck.</p>



<p>Die ersten, die ihnen einen Strich durch die Rechnung machten, waren die Belgier. Sie wehrten sich gegen die übermächtigen Invasoren. Als am 6. August nach tagelangem Artilleriebeschuss die Festung Lüttich&nbsp;an die Deutschen fiel, waren sie bereits aus dem Zeitplan, und jeder Tag Verzögerung bedeutete, dass mehr englische Soldaten und Waffen in Frankreich landeten. Eine von General­major Erich Ludendorff geführte Infanteriebrigade eroberte die Zitadelle von Lüttich. Ludendorff bekam den Orden Pour le Mérite und ließ sich als »Held von Lüttich« feiern. In Plakaten feierte die deutsche Armee ihren Sieg über Lüttich als Frucht der neuen Kruppschen Riesengranaten vom Kaliber 42 cm. Am #. August fiel Brüssel; bis zum 25. August war der größte Teil Belgiens erobert. Die belgische Armee wich nach Antwerpen aus, doch in Lüttich und anderen belgischen Städten regte sich Volkswiderstand gegen die deutschen Besatzer. Zum ersten Mal wurde die deutsche Armee mit Ansätzen eines Partisanenkrieges konfrontiert, und sie reagierte schon damals so, wie es im II. Weltkrieg zur gängigen Praxis der Wehrmacht werden sollte: mit Mas­sakern und Brandschatzungen. In Andenne&nbsp;wurden am #. August 110 belgische »Franktireurs« standrechtlich erschossen. In der alten flämischen Universi­täts­stadt Leuven&nbsp;brannten die Deut­schen am #. August über 2000 Häuser der Altstadt nieder, darunter die Kathedrale und die Akademie der schönen Künste; zahllose wertvolle Gemälde wurden zerstört. 209 Einwohner wurden an die Wand gestellt und erschossen. In Dinant töteten deutsche Invasionstruppen 674 Zivilisten und zerstörten rund 1200 der 1800 Häuser der Stadt. Insgesamt töteten deutsche Soldaten im August und September in Belgien 5521 Zivilisten bei Massakern, in Nordfrankreich weitere 906.<a href="#_ftn32" id="_ftnref32">[32]</a></p>



<p>Die Gräueltaten der deutschen Besatzung in Belgien wurden im September von der britischen und französi­schen Presse weltweit angeprangert. Die Kriegs­propaganda der Entente stellte die Deutschen auf Plakaten und Bildpost­karten als »Hunnen« dar, Kaiser Wilhelm II. als Wiedergänger Attilas – in Anspielung auf Wilhelms berüchtigte »Hunnenrede« vom Juni 1900.<a href="#_ftn33" id="_ftnref33">[33]</a> Im Gegenzug verbreitete die Oberste Heeresleitung in Deutschland Falschmeldungen über angebliche Gräueltaten belgischer und franzö­sischer Parti­sanen an deutschen Soldaten. 3016 der insgesamt etwa 5000# deut­schen Hochschullehrer veröffent­lichten im September eine Erklärung, in der sie ihrer inter­na­tional in Verruf gerratenen Regierung tapfer beiseite sprangen. <em>Zitat# </em>Im Oktober folgte ein »Aufruf der 93« an die »deutsche Kulturwelt«. 93 hochrangige und teilweise weltberühmte Ver­treter des deutschen Geisteslebens, darunter der Chemiker Fritz Haber, der Biologe Ernst Haeckel, die Physiker Max Planck und Wilhelm Röntgen, der Maler Max Liebermann, der Kom­ponist Engelbert Humperdinck, der Schriftsteller Gerhart Hauptmann, der Regisseur Max Reinhardt, der Philosoph Rudolf Eucken, der Nationalökonom Lujo Brentano gaben der Welt kund und zu wissen: <em>Zitat#: Dokumente zur dt. Gesch. 1914-1917, hg. v. D. Fricke, Berlin 1976, Nr. 20 (auch bei Röderberg Frankfurt ersch.)</em></p>



<p>Unterdessen waren die russischen Grenztruppen erheblich schneller aktiv geworden, als Schlieffen und sein Nachfolger Moltke das vorgesehen hatten. Mitte August brachen zwei russi­sche Armeen in Ostpreußen&nbsp;ein und schlugen die schwachen deutschen Verteidi­gungskräfte in die Flucht. Zwei weitere stießen in Österreich-Ungarns nordöstliche Provinz Galizien&nbsp;vor, das Gebiet um Lemberg&nbsp;(heute Lwiw), das heute überwiegend zur Ukraine gehört. Große deutsche Siedlungsgebiete mit den Städten Tilsit, Insterburg&nbsp;und Allenstein&nbsp;und etwa # Einwohnern, darunter etliche urpreußische Großagrarier mit ihrem Anhang, gerieten fast kampflos in russische Hand. Um den für Deutschland peinlichen russischen Triumph zunichte zu machen, musste Moltke aus dem starken rechten Flügel der Westfront zwei Armee­korps abziehen und nach Ostpreußen schicken. zum faktischen Kommandeur der 8. deutschen Armee setzte Moltke am 21. August Generalmajor Erich Ludendorff ein. Da Ludendorff noch nicht dienstalt genug war, um ein selbst­ständiger Armeekommandeur zu werden, setzte der Generalstab den pensionierten General <em>Paul von Hindenburg </em>als seinen formellen Vorgesetzten ein. Hindenburg qualifizierte sich mit seiner Ideenarmut und seiner phegmatischen Natur für diesen Job, denn er musste den exzentrischen Sanguiniker Ludendorff als rechte Hand und Ideengeber aushalten. Ludendorff überzeugte Hinden­burg von dem Wagnis, mit unterlegenen Kräften die Armee Samsonows bei Tannenberg anzugreifen, ehe sie sich mit der Armee Rennenkampfs vereinigt hatte. Samsonows Armee wurde erfolgreich eingekesselt und vernichtet, 50.000 Russen kamen ums Leben, 90.000 gerieten in Gefangenschaft. Die Armee Rennenkampfs griff nicht in die Schlacht ein, obwohl sie teilweise nur 20 km vom Geschehen entfernt lagerte. Schuld war ein Zerwürfnis zwischen den beiden Generalen. Einige Tage später schlug Luden­dorffs Armee auch die Armee Rennenkampfs im Gebiet der Masuri­schen Seen, wobei weitere 40.000 Russen umkamen. Rennenkampf gelang jedoch mit dem Rest der Armee ein erfolgreicher Rückzug.<a href="#_ftn34" id="_ftnref34">[34]</a> Hier, auf kleinem Raum, war das Modell Cannae erfolgreich. Es war die erste und zugleich vorletzte klassische Schlacht des Krie­ges.</p>



<p>Eine gewaltige Propagandakampagne machte den »Sieg von Tannenberg« publik und begrün­dete jenen bis 1945 wirksamen Mythos vom deutschen Soldaten als dem »besten der Welt«. Bei Walter Flex nahm »der Schatten Hindenburgs« oder auch dessen »fabelhafter Feldherrnkopf« die Züge eines Rübezahl oder Barbarossa an.<a href="#_ftn35" id="_ftnref35">[35]</a> Die Popularität Hindenburgs als angeblich genialer Feldherr und Retter Ostpreußens wirkte lange über seinen Tod 1934 hinaus. Noch heute sind zahlreiche Straßen und Plätze sowie die Land­verbindung der Insel Sylt nach diesem Offizier benannt. In der Gesamtsicht des Kriegsverlaufs war Tannenberg gar kein Sieg, sondern nur die Aufhebung einer peinlichen Niederlage. Durch Tannenberg war der Status quo an der deutschen Ostfront wiederhergestellt, und das ganz einfach auf Kosten des Aufmarsches gegen Frankreich. Die betroffenen Gebiete Ostpreußens waren die einzi­gen deutschen Gebiete, die im I. Weltkrieg durch Kriegs­handlungen verheert wurden.</p>



<p>Wie stark die Kriegsereignisse das Familienleben der Deutschen und damit auch das Leben vieler Kinder prägten, mag eine Tagebuchnotiz des 13jährigen Augsburgers Heinrich Himmler vom 26. August 1914 illustrieren: »Mit Falk im Garten gespielt. 1000 Russen von unseren Truppen östlich der Weichsel gefangen. Vormarsch der Österreicher. Nachmittags im Garten gearbeitet. Klavier gespielt. Nach dem Kaffee besuchten wir Kissenbarths. Wir durften bei ihnen Zwetschen vom Baum pflücken. Schrecklich viele sind gefallen. Wir haben jetzt 42-cm-Kanonen.«<a href="#_ftn36" id="_ftnref36">[36]</a></p>



<p>Unterdessen konnten die deutschen Truppen im Westen die sog. Grenz­schlachten vom 20. bis 25. August an der belgisch-französischen Grenze zwar für sich entscheiden, aber es gelang nicht wie geplant, größere Teile der französischen Armee und des britischen Expeditionskorps gefangen­zunehmen. Stattdessen wichen die Gegner geordnet nach Süden aus. Die 1. und 2. deutsche Armee stießen weit nach Süden vor, doch schon am 4. September war Moltke klar, dass sie – spä­testens nach der Abgabe zweier Armeekorps an die Ostfront – zu schwach und auch bereits zu erschöpft waren, um jetzt noch die riesige Festung Paris&nbsp;im weiten Bogen westlich umgehen und einschließen zu können. Der deutsche Feldzug im Westen schlug bereits nach wenigen Wochen vollkommen fehl. Moltke hatte den Verteidigungsflügel in Lothringen auf Kosten des Angriffsflügels in Belgien gestärkt und den Weg der nördlichen Angriffszange verkürzt. Für den Fall, dass die nördliche Angriffsarmee an ihrer nordöstlichen Flanke angegriffen wurde, gab es keinen »Plan B«.</p>



<p>Die Franzosen hatten – auf Befehl von General <em>Joseph Joffre</em><em>&nbsp;–&nbsp; </em>Truppen aus der lothringischen Front abgezogen und nörd­lich von Paris aufgestellt. Als das Gros der 1. deutschen Armee am 5. September etwa 40 km östlich von Paris die Marne&nbsp;überschritt, griffen die Franzosen nördlich von Paris die lange deutsche Flanke an. Es begann die <em>Marneschlacht</em><em>,</em> die sich über rund 200 km Front zwi­schen Paris und Verdun erstreckte. Die 1. Armee musste sich ein Stück nach Norden zurück­ziehen, um den Angriff auf ihre Westflanke abzuwehren.<a href="#_ftn37" id="_ftnref37">[37]</a> Als britische Truppen über die Marne hinweg nach Norden vorstießen, unterbrachen sie die Verbindung zwischen 1. und 2. deutscher Armee und zwangen so auch die 2. Armee zum Rückzug nach Norden. An der Aisne gruben sich beide Sei­ten in Schützengräben ein, der Bewegungskrieg erstarrte zum Stellungskrieg. Die deutsche Strategie gegen Frankreich war gescheitert, die Franzosen bejubelten das »Wunder an der Marne«. – Unter den vielen Toten waren der 27jährige westfälische Maler <em>August Macke</em>und der jüdische SPD-Reichstagsabgeordnete <em>Ludwig Frank</em><em>. </em>Der aus Westpreußen stammende 48jährige Heimat­schriftsteller <em>Hermann Löns</em> und der 25jährige expressio­nistische Dichter <em>Alfred Lichtenstein</em><em>&nbsp;</em>wurden bei Reims getötet.</p>



<p>Am 9. September meldete Moltke klarsichtig: »Majestät, wir haben den Krieg verloren!« Zur Strafe für das ehrliche Überbringen der schlechten Nachricht setzte ihn der Kaiser auf Druck von Reichskanzler Bethmann Hollweg sofort ab.<a href="#_ftn38" id="_ftnref38">[38]</a> Der schlaue Ludendorff merkte sich Moltkes Schicksal gut und schaffte es, diesen »Fehler« vier Jahre lang zu vermeiden. Als er Ende September 1918 ebenfalls endlich die Kriegsniederlage melden musste, wurde auch er sofort abgesetzt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">VII. Flandern und Galizien</h3>



<p>An der militärischen Misere konnte auch Moltkes Nachfolger <em>Erich von Falkenhayn</em>nichts ändern. Er sollte als Spezialist für besonders sinnloses Blutvergießen in die Geschichte eingehen, und begann auch gleich ein solches in Flandern. Franzosen und Briten versuchten dort im Oktober, der deutschen Aisne-Front von Nord­westen her den Nachschub abzu­schneiden. Die Deutschen führten im Gegenzug Massen von jungen Frei­willigen­verbänden heran, darunter viele patrio­tisch begei­sterte Ober­schüler und Studenten, um jetzt doch noch von Norden her nach Paris oder zumin­dest zu den Kanalhäfen Dunkerque (Dünkirchen), Boulogne und Calais zu gelangen, über die die Briten ihren Nach­schub bezogen. Beides gelang nicht, auch hier bildete sich entlang der bel­gisch-französischen Grenze rasch eine starre Frontlinie der Schützengräben. Zu Tausenden wurden im November 1914 die jungen Freiwilligen über weite Felder und Wasser­gräben hinweg ins Maschinengewehrfeuer gejagt, bis keiner mehr lebte. Unter ihnen waren auch der 31jährige elsässische Publizist und expressionistische Dichter<em> Ernst Stadler</em><em>&nbsp;</em>und Peter Kollwitz, der Sohn von Käthe Kollwitz. An seinem Grab auf dem Soldatenfriedhof Vladslo errichtete die Mutter später ihre berühmte Doppel­skulptur des trauernden Elternpaares. In der deutschnationalen Propaganda feierte man dagegen noch Jahrzehnte später den »Heldenmut« der 15.000 Schüler und Studenten, die bei <em>Lange­marck</em><em>&nbsp;und Ypern</em>&nbsp;mit dem Deutschlandlied auf den Lippen gestürmt haben sollen, ehe sie verbluteten.</p>



<p>Der Schriftsteller <em>Ludwig Renn</em><em> &nbsp;</em>hat noch im Krieg, an der Front, einen der weni­gen Überlebenden getroffen und berichtete 1929, was der ihm erzählt hatte:<a href="#_ftn39" id="_ftnref39">[39]</a></p>



<p class="has-yellow-background-color has-background">»Ich war bei einem der Freiwilligenregimenter, die 1914 unter Gesang gestürmt haben sollen. Das zu verbreiten war nicht gefährlich, denn es sind nicht viele zurückge­kom­men, die die Wahrheit hätten sagen können. – Selbst war ich ja nicht Kriegs­freiwilliger. &#8230; Wir fuhren mit einem Transportzug hinaus nach Flandern. &#8230; Plötzlich ein wüster Krach ganz nah. Wir ans Fenster. Neben dem Zug auf dem Felde steht so eine schwarze Wolke, rund und ziemlich hoch. – Ramms! Wieder steht so &#8217;ne Wolke da. Der Zug bremst. Die Räder quietschen.</p>



<p class="has-yellow-background-color has-background">»Alles heraus! Ausschwärmen!« brüllt ein Offizier. Wir das Gepäck am Riemen genommen. Einem fiel dabei die Stiefelbürste aus dem Tornister; den hatte er in der Eile nicht zugeschnallt. Wie er sich bückt und die Bürste in die Tasche stecken will, erwischt&#8217;s ihn. &#8230; Der Krankenträger Lehmann hat mir später erzählt, daß er ein paar Tage lang phantasiert hat und immer die Bürste in seine Tasche hat stecken wollen.</p>



<p class="has-yellow-background-color has-background">Am Nachmittag wurden wir dann eingesetzt. So, weißt du, in der gewöhnlichen Art: Sturm, in dieser Richtung, los! Wir haben nicht gewußt, wer uns gegenüberlag und wo wir sind. Und gesehen haben wir nur leere Felder. Da sind wir losgerannt. Um uns haben die Kugeln gepfiffen. Dann haben wir uns hin­geschmissen und haben geschossen, wie wir das so gelernt hatten: geradeaus! Vielleicht trifft&#8217;s einen. – Bis dahin hatte unsere Artillerie keinen Schuß abgegeben. Jetzt kam es von hinten vorgezischt und schlägt mit zwei Granaten dicht vor unsere Linie. Ich denke mir, jetzt werden sie das Feuer vorver­le­gen. Da kommen die nächsten Schüsse: dicht hinter die Linie. Verflucht! denke ich. Und gut haben sie geschossen!</p>



<p class="has-yellow-background-color has-background">»He, Sie!« höre ich jemand brüllen. »Hinterrennen zur Artillerie! Sie schießt auf uns!«<br>Über den weichen Acker stolpert einer in Todesangst hinter <em>[von der Front weg nach hinten, J. K.].</em><br>Schuß auf Schuß setzt unsre Artillerie in unsere Schützenlinie.<br>»Spielmann!« brüllte die Stimme wieder. »Ist kein Spielmann da? Blasen! Daß sie mer­ken, daß wir&#8217;s sind!«<br>Ein paar Töne stockerten aus dem Horn.<br>Von vorn zirpten die feindlichen Kugeln. Von hinten stampfte unsre Artillerie.<br>»Singt!« brüllte die Stimme. »Singt: Deutschland, Deutschland über alles!«<br>Zwei, drei Stimmen sangen dünn. Dann wurden es mehr. Wir sangen doch um unser Leben! Aber wir lagen auf dem Bauch und – Fatschbumm! – schlugen die Granaten ein. Da ging uns immer der Atem aus, wenn&#8217;s einschlug. Gebrüllt habe ich, was ich konnte. Aber unsre Artillerie hatte nichts davon gehört. Die schoß und schoß. Die Verwundeten wimmerten. Da und dort tauchte der Gesang wieder auf, immer hoffnungsloser: Deutschland, Deutschland über alles. – Seitdem habe ich das nie mehr mit­gesungen! – und ein paar Tage später, – wir waren nur noch so wenige, daß unsere ganze Kompagnie in einer Bauernstube lag, – da bringt einer den Heeresbericht und liest vor: »Mit pracht­vollem Schwung stürmten deutsche Freiwilligenregimenter unter dem Gesang von »Deutschland, Deutschland über alles!«</p>



<p>Die österreichisch-ungarische Armee stand im August 1914 vor einem ganz ähnlichen Zwei­frontenproblem wie die deutsche: im Süden wollte man Serbien per »Blitzkrieg« erledigen, im Nordosten, dem von Polen und Ukrainern bewohnten Galizien, musste man einen russischen Einmarsch verhindern. Das misslang hier noch gründlicher als in Frankreich und Ostpreußen. Conrad von Hötzendorf&nbsp;schickte das Gros seiner Armee gegen Serbien, da auch er den Russen keinen schnellen Angriff zutraute. Als die Russen unerwartet rasch und heftig in Galizien ein­brachen, zog er – genau wie Moltke – Truppen aus der Südfront ab, um sie 500 km weiter nörd­lich in Galizien einzusetzen. Dadurch kam der Vormarsch gegen Serbien zum Stillstand, zumal die Serben – in langen Kämpfen gegen die Türken geschult – ihr Land zäh verteidigten. In Österreich-Ungarn war die Eisenbahn nicht so leistungsfähig wie in Deutschland, die von Süden abgezogenen Truppen waren zu lange unterwegs, um Galizien noch »retten« zu können. Öster­reich-Ungarn verlor 300.000 Mann an Toten, Verwundeten und Gefangenen, ein Schlag, von dem sich die kaiserliche und königliche Armee nicht mehr erholte. Erst auf den Höhen der Kar­paten konnte der russische Vormarsch gestoppt werden. – Der österreichische Militärapotheker und Dichter <em>Georg Trakl</em> erlitt durch seine Kriegserlebnisse in Gródek (Galizien) einen schweren Nervenzusammenbruch. Im Lazarett in Krakau verfasste er noch einige Verse über Gródek:</p>



<p class="has-yellow-background-color has-background">Am Abend tönen die herbstlichen Wälder / Von tödlichen Waffen&#8230;<br>Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.</p>



<p>Am 3. November beging Georg Trakl 27jährig Suizid.</p>



<p>Mitte September 1914 war der Krieg praktisch entschieden. Schlieffens Plan war insofern rea­listisch gewesen, als er die einzige Chance für einen deutschen Sieg in einem schnellen Sieg über Frankreich gesehen hatte. Nachdem auch das nicht gelungen war, gab es in der Tat für Deutschland keine weitere Chance mehr, den Krieg zu gewinnen. Je länger der Krieg dauerte, desto stärker musste die materielle Überlegenheit der Briten, Franzosen und Russen ins Gewicht fallen. Deut­lich wurde diese Überlegenheit schon damals in der britischen Seeblockade, die Deutschland von den meisten Einfuhren abschnitt. Die britische Marine war stark genug, um den Kanal und die Nordsee zwischen Schottland und Norwegen weiträumig abzusperren, und die deutsche Marine, deren Aufbau so ungeheure Geldmittel verschlungen und die politischen Beziehungen zu Groß­britannien so nachhaltig vergiftet hatte, lag macht- und tatenlos in den Häfen. Sie hätte nur ausgereicht, um eine unmittelbar in der Deutschen Bucht gezogene Blockade zu durchbrechen.</p>



<p>Obwohl mit einer Seeblockade zu rechnen gewesen war, gab es in Deutschland kaum nen­nens­werte Nahrungsmittelvorräte. Das lag daran, dass der Getreide­export zugunsten der deut­schen Großagrarier vom Staat indirekt subventioniert wurde. Die deutsche Getreideernte deckte 1913 etwa 90% des Bedarfs. Pflanzliche Fette und Milchprodukte wurden zum größten Teil importiert. Ein längerer Krieg mit Seeblockade musste also unweigerlich eine katastrophale Hungersnot heraufbeschwören. Eine industrielle Kriegs­vorbereitung, vor allem eine zentrale Erfassung und Verteilung von Arbeitskräften und Rohstoffen für die Rüstungs­produktion, gab es 1914 zunächst überhaupt nicht. Die ersten Ansätze einer von staatlichen Stellen und Groß­unternehmern gemeinsam betriebenen zentralen Planung begannen Mitte August, und wirksam wurden sie erst, als alle Illusionen vom Herbst­spaziergang deutscher Offiziere auf den Pariser Boulevards verflogen waren. Einer der wichtigsten Männer der Kriegsrohstoffplanung war der AEG-Direktor <em>Walter Rathenau</em><em>.</em></p>



<p>Generalstabschef v. Falkenhayn wusste das alles sehr genau. Ende November, nach dem Scheitern der deutschen Angriffe in Flandern, sagte er dem Zentrumspolitiker Matthias Erzber­ger, der Krieg sei »eigentlich verloren«. Gegen­über Bethmann Hollweg bezeichnete er die deut­sche Armee, die inzwischen auf 50 % ihres Bestandes geschrumpft war, als »zerbrochenes Instrument«. Der Kanzler jedoch war gerade von einem Besuch bei Hinden­burg und Ludendorff in Ost­preußen zurückgekehrt und hatte sich von deren Großsprecherei anstecken lassen; deshalb empfand er Falkenhayns Einschätzung als Miesmacherei. Die Tannen­berger nämlich glaubten, mit genügend Truppen, die man von der Westfront abziehen solle, könnten sie Russland in kurzer Zeit »erledigen«; sie wollten den Schlieffenplan also einfach umkehren. Falkenhayn hielt nach seiner Erfahrung mit der englisch-französischen Kampfkraft in Flandern dagegen, dass auch ein deutscher Sieg über Russland den Krieg nicht entscheiden würde; die Ent­scheidung könne nur in Frankreich fallen.</p>



<p>Dass Kaiser Wilhelm II., Reichskanzler v. Bethmann Hollweg und General­stabschef v. Falkenhayn trotz alledem den Krieg fortsetzten und noch Millionen von Menschen in einen selbst vor der Staatsräson sinnlosen Tod schickten, war nach der Entfesselung des Krieges ihr zweites großes Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Freilich hatten sie insofern keine andere Wahl, als ein Eingeständnis der Niederlage zu diesem Zeitpunkt ihren Sturz und den Untergang der herrschenden Kaste in Deutschland hätte herauf­beschwören können. Sie waren längst Gefangene ihrer eigenen Propa­ganda­lügen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">VIII. Kriegsziele</h3>



<p>Da es mit dem Kriegführen nicht so gut klappte, verlegte man sich im September 1914 auf das Formulieren von Kriegszielen. Vorneweg der Alldeutsche Verband, dessen Vorsitzen­der, der Rechtsanwalt <em>Heinrich Claß</em><em>,</em> nach Absprache mit den Schwerindustriellen <em>Gustav Krupp</em><em> v. Bohlen,</em> <em>Hugo Stinnes</em> und dem politi­sierenden Krupp-Direktor <em>Alfred Hugenberg</em> der Reichsregierung Ende August eine Denkschrift mit den wich­tigsten Kriegszielen der deutschen Schwerindustrie und der preußischen Großagrarier vorlegte. Für die eher exportorientierte deutsche Elektroindustrie und die mit ihr eng verbundene Deut­sche Bank legten AEG-Direktor <em>Rathenau</em> und Deutsche-Bank-Direktor <em>Arthur v. Gwinner</em> etwas differierende Vorstellungen vor. Ganz einfach war die Sache für den saarländischen Koh­lenbaron <em>Hermann Röchling</em><em>.</em> Der forderte am 31. August von der Regierung die sofortige Anne­xion des französischen Erzbeckens von Longwy-Briey. Der Ruhrindustrielle <em>Albert Vögler</em> begründete das 1917 in einem Brief an Reichskanzler Michaelis: »Unser [Erz]Bedarf aus Deutschland gedeckt für höchstens 60 Jahre; mit Briey um 40 Jahre länger. Frankreich hat für 600 Jahre Erz.«<a id="_ftnref40" href="#_ftn40">[40]</a> Sein Fachkollege <em>August Thyssen</em> interessierte sich dagegen mehr für die Manganerze im Kaukasus.</p>



<p>Die Kriegsziele der Alldeutschen sahen Annexionen vor, vor allem in Belgien, Nordfrankreich, Polen, Litauen und Kurland (dem südlichen Lettland). Die Bevölkerung der annektierten Gebiete im Osten sollte vertrieben werden, um Platz für deutsche Siedler zu schaffen: Klein­bau­ern und Kriegsveteranen, namentlich jene Unteroffiziere, die die soziale Basis des All­deutschen Verbandes bildeten. Hier flossen Vorstellungen der im Bund der Landwirte organi­sierten ostel­bischen Großagrarier ein, die auf eine Ausweitung ihrer Rittergüter in den baltischen Raum hofften, und innen­politische Erwägungen der preußischen Konservativen: Landwirt­schaftliche Siedler im Osten sollten ein staatstragendes Gegengewicht zur wachsenden Industrie­arbeiter­schaft bilden, die dank der deutschen Sozial­demokratie als politisch unzuverlässig galt.</p>



<p>Demgegenüber setzten die exportorientierten Industriellen und Bankiers auf die politische und wirtschaftliche Vorherrschaft Deutschlands in einem organisierten<em> »Mitteleuropa«,</em> das heißt einer gewaltsam durchgesetzten Zollunion aus Deutschland, Österreich-Ungarn, Frank­reich, den Benelux-Staaten, Polen und den Balkan-Staaten. Annexionen im herkömm­lichen Sinne erschienen ihnen altmodisch und mit überflüssigen Risiken behaftet. Weiter ausgearbeitet und propagiert wurde die »Mitteleuropa«-Idee 1915 von dem Sozialliberalen <em>Friedrich Nau­mann</em><em>. </em>Reichskanzler v. Bethmann Hollwegvermied eine klare Parteinahme in diesem Streit. Im September 1914 ließ er seinen persönlichen Referenten <em>Kurt Riezler</em> ein detailliertes Kriegsziel­programm ausarbeiten. Weitgehende Überein­stimmung herrschte in dem Ziel, sich auf Kosten der französischen Kolonien ein zusammen­hängendes deutsches Kolonialreich »Mittelafrika« zu unterwerfen, Frank­reich durch hohe Kriegstributionen auszubeuten und auf Jahrzehnte hinaus niederzuhalten.</p>



<p>Die herrschenden Kreise Österreich-Ungarns waren vor allem an einer Annexion Polens interessiert, der sogenannten austropolnischen Lösung. Bethmann Hollweg und Riezler sahen das »allgemeine Ziel des Krieges« in der »Sicherung des Deutschen Reiches nach West und Ost auf erdenkliche Zeit. Zu diesem Zweck muss Frankreich so geschwächt werden, dass es als Großmacht nicht neu entstehen kann, Russland von der deut­schen Grenze nach Möglichkeit abgedrängt und seine Herrschaft über die nichtrussischen Vasal­lenvölker gebrochen werden.« Letzteres war eine Lieblingsidee Bethmanns. Litauen, Lett­land, Estland, Polen, Rumänien, Bulgarien und auch die Ukraine sollten einen unter deutsch-österreichischer Oberhoheit stehenden, gegen Russland gerichteten Staatengürtel bilden. Zu diesem Zweck unterstützte die Reichsregierung separatistische Gruppen von Balten und Ukrai­nern mit erheblichen Geldmitteln. Die Wiener Regierung unterstützte den polnischen Offizier und späteren Diktator József Pilsudski beim Aufbau einer antirussischen polnischen Armee. Als Hitler später seinen berüchtigten Satz schrieb, er brauche die Ukraine, konnte er sich auf Bethmann Hollweg berufen. Und selbst sein Griff nach dem Kaukasus findet sich bereits 1914 in der Wunschliste August Thyssens, der sich politisch gerne vom Zentrumsmann <em>Erzberger</em> vertreten ließ. Letzterer ergänzte das Mitteleuropa-Konzept um den Aspekt, mit sozialen Zusagen die Arbeiterschaft besser in den siegreichen Staat einzubin­den.</p>



<p>Die Alldeutschen beschimpften Bethmann Hollweg, weil er ihre Annexions- und Vertreibungs­pläne im Osten nicht teilte, als »Flaumacher«. Großadmiral <em>Alfred v. Tirpitz</em> zerstritt sich mit dem Kanzler, weil er in England den Hauptfeind sah und vor allem die Kanalküste annektieren wollte. Darin wurde er von Gustav Krupp v. Bohlen unterstützt. Typisch für alle diese Pläne­schmiede war ein Satz Albert Vöglers in dem erwähnten Brief: »Für den Erwerb von Briey wür­den wir 10 Jahre länger Krieg führen.«<a href="#_ftn41" id="_ftnref41">[41]</a> Ein schönes <em>Wir. </em>Vögler wusste, dass er sich nicht selbst in den Graben würde legen müssen.</p>



<p>Die deutsche Kriegszieldebatte erreichte Mitte 1915, obwohl sie der Pressezensur unterlag, einen zweiten Höhepunkt mit zwei von den Alldeutschen initiierten Petitionen an die Reichs­regierung. Im Mai forderten sechs führende Wirtschafts­verbände und im Juni 1100 Professoren, Künstler und hohe Beamte von der Reichsregierung die Errichtung eines Nachkriegs-Deutsch­lands, das von Calais bis Estland reichen sollte. Im Osten sollten große Teile der ein­heimischen Bevölkerung vertrieben werden, um Platz für deutsche Siedler zu schaffen. Balten und Polen war ein recht- und besitzloses Dasein als Wanderarbeiter auf deutschen Gutshöfen zugedacht. Solchen Vertreibungs­plänen schloss sich 1917/18 auch die Oberste Heeresleitung unter Hinden­burg an.<a href="#_ftn42" id="_ftnref42">[42]</a> Im Juli initiierten der Historiker <em>Hans Delbrück</em> und der frühere Staatssekretär <em>Bern­hard Dernburg</em> eine Gegenpetition, der sich unter 141 anderen auch Albert Einstein, Ludwig Quidde und Max Weber anschlossen. Sie wandte sich gegen die »Einverleibung &#8230; an Selbstän­digkeit gewöhnter Völker«. Als solche konnte man Polen und Balten damals allerdings kaum bezeichnen. Die SPD-Führung protestierte zur gleichen Zeit vor allem gegen die von den Alldeutschen geforderte Unterwerfung Belgiens.</p>



<p>Die Aktivitäten der Kriegskritiker wurden streng überwacht. Leiter des zuständigen Referats im Generalkommando des I. Bayer. Armeekorps in München war ab Sommer 1915 der #jährige Jurist und spätere faschistische Rechtsphilosoph Carl Schmitt. Thomas Mann bat ihn vergeblich, das anonym erschienene und beschlagnahmte Buch »J’accuse – Von einem Deutschen« einsehen zu dürfen, von dem er fälschlich annahm, dass es von seinem Bruder Heinrich stammte. Seinem Tagebuch vertraute Schmitt an, wie sehr er den lebensfeindlichen preußischen Militarismus hasste und wie er sich dem »Gang der Geschichte« unterwarf, in dem jeder einzelne nur ein Werkzeug sei.<a href="#_ftn43" id="_ftnref43">[43]</a></p>



<p>In der Reichskanzlei schritt man indessen bereits zur Verwirklichung der Eroberungspläne und beschloss am 13. Juli 1915 die Annexion des sogenannten »polnischen Grenz­streifens«, in dem zwei Millionen Polen lebten. In Belgien und Polen begannen die deutschen Besatzer, Zwangs­arbeiter nach Deutschland zu deportieren und wichtige Betriebe unter deutsche Zwangsaufsicht zu stellen.<a href="#_ftn44" id="_ftnref44">[44]</a></p>



<h3 class="wp-block-heading">IX. Kriegsgegner</h3>



<p>Der Irrsinn blieb nicht unwidersprochen. Im Juli 1914 trafen sich in Konstanz christliche Pazifisten zu einer Tagung über die Frage, wie man den bevorstehenden Krieg doch noch abwenden könne. Während der Tagung brach der Krieg aus, und sie musste abgebrochen werden. Der britische Quäker Henry Hodgkin und der pazifistische Potsdamer Pfarrer Fried­rich Siegmund-Schultze gaben sich bei der Trennung im Kölner Hauptbahnhof das Versprechen, Krieg oder Gewalt nicht zu rechtfertigen und die Saat des Friedens und der Liebe auszusäen, egal was die Zukunft bringen würde. Aus diesem Versprechen heraus gründete Hodgkins vier Monate später mit 128 Mitstreitern in London den Internationalen Versöhnungs­bund. Der deutsche Zweig konnte erst nach Kriegsende gegründet werden. Siegmund-Schultze wurde während des I. Weltkrieges 27 Mal inhaftiert und musste während der Nazi-Zeit im Exil leben.<a href="#_ftn45" id="_ftnref45">[45]</a></p>



<p>Eine Reihe pazifistischer Schriftsteller wandte sich von Anfang an konsequent gegen das Völkergemetzel, darunter Anatole France, Hermann Hesse, Ricarda Huch, Heinrich Mann, Erich Mühsam, Romain Rolland, René Schickele und Jakob Wassermann, viele in der von <em>Wilhelm Herzog</em> herausgegebenen Münchener Zeitschrift »Das Forum«. Als Reaktion auf den nationalistischen »Aufruf der 93« verfassten der Berliner Mediziner <em>Georg Friedrich Nicolai,</em> der Physiker <em>Albert Einstein,</em> der Astronom und Pazifist <em>Friedrich Wilhelm Förster </em>sowie Otto Buek im Oktober 1914 einen »Aufruf an die Europäer«, sich als Intellektuelle nicht für die Kriegshetze missbrauchen zu lassen. Freilich blieb diese Aktion ziemlich isoliert. Der bekannte Sportreiter <em>Kurt von Tepper-Laski</em> gründete im November 1914 den Bund Neues Vaterland (BNV), in dem sich die pazifistische Bewegung zusammenfand. Einstein schloss sich an, der Journalist Hellmut von Gerlach, Ludwig Quidde (Vorsitzender der Deutschen Friedens-Gesellschaft), Walther Schücking (vom Verband für internationale Verständigung), Minna Cauer (Herausgeberin der Zeitschrift »Frauen­bewegung«), Helene Stöcker (»Die neue Generation«), Wilhelm Herzog (»Das Forum«), René Schickele (»Die weißen Blätter«) und viele andere. Unter dem Einfluss des BNV wandten sich auch die führenden Pazifisten in der SPD, Hugo Haase, Karl Kautsky und Eduard Bernstein, gegen Ende des Jahres 1914 immer entschiedener gegen den Krieg und setzten sich für einen raschen Friedensschluss ein – ganz anders als die von Scheidemann, Ebert und David angeführte Mehrheit der SPD-Reichstagsfraktion.</p>



<p>Gleichwohl weckten fast alle SPD-Zeitungen den Eindruck, als stünde die SPD-Fraktion geschlossen hinter dem Kriegskurs. Am 31. August lehnte der Parteivorstand einen Antrag <em>Karl Liebknechts </em>ab, Protestversammlungen gegen den brutalen Annexionskurs der Alldeutschen und für einen sofortigen Friedens­schluss einzuberufen. Um den falschen Eindruck wenigstens im neutralen Ausland – und darüber, wie man hoffte, auch in den kriegführenden Ländern – zu zerstreuen, veröffentlichten Liebknecht, Rosa Luxemburg, Franz Mehring und Clara Zetkin am 10. September in mehreren sozial­demo­kratischen Zeitungen neutraler Länder eine Erklärung, in der es hieß, die SPD-Führung spreche nicht für die gesamte SPD. Liebknecht wagte es sogar, im gleichen Monat in die neutralen Nieder­lande und von dort aus in das besetzte Belgien zu reisen, um sich über den Besatzerterror des deutschen Militärs zu informieren und umgekehrt den belgischen Sozialisten die Solidarität wenigstens eines Teiles der SPD zu übermitteln. Der SPD-Vorstand schäumte gegen diesen »Verrat«. Albert Südekum versprach einem Vertreter der Reichskanzlei, man werde Liebknecht »unter allen Umständen aus der Partei herausschmeißen«.<a href="#_ftn46" id="_ftnref46">[46]</a></p>



<p>Liebknecht war nicht isoliert. Am 21. September unterstützte eine Vertrauens­leuteversammlung der Stuttgarter SPD unter dem Einfluss Clara Zetkins seinen Anti-Kriegs-Kurs, kritisierte jedoch seine Entscheidung vom 4. August, sich der Fraktionsdisziplin zu beugen. Liebknecht nahm sich diese Kritik zu Herzen. Die nächste Abstimmung im Reichstag über Kriegskredite war am 2. Dezember 1914 fällig, und dies­mal stimmte er – als einziger – dagegen. Dabei wusste er die Mehrheit der SPD-Aktiven seines Wahlkreises Potsdam-Spandau-Osthavelland hinter sich. In der Erklärung, die er nicht vortragen durfte, die der Reichstags­präsident nicht ins Protokoll aufnahm, die man aber auf Flugblättern verbreitete, stellte Liebknecht fest: Dieser Krieg ist – besonders von deutscher Seite aus – ein imperialistischer Krieg, in dem es darum geht, andere Länder zu erobern. »Deutschland&#8230;, das Muster politischer Rückständigkeit bis zum heutigen Tage, hat keinen Beruf zum Völkerbefreier. Die Befreiung des russischen wie des deutschen Volkes muss deren eigenes Werk sein.«<a href="#_ftn47" id="_ftnref47">[47]</a></p>



<p>Im Vorfeld der Abstimmung hatte Liebknecht die übrigen Kriegsgegner in der SPD-Fraktion vergeblich zur gemeinsamen Tat aufgerufen. Hugo Haase und Georg Ledebour schlugen vor, die Kredite nur zum Teil zu bewilligen; damit sollte die Regierung gezwungen werden, den Reichstag bald aufs Neue einzuberufen. Mit 82 gegen 18 Stimmen folgte die Fraktion jedoch den bedingungslosen Kriegsbefür­wortern.</p>



<p>Der Ruhm von Liebknechts Heldentat verbreitete sich auch auf der anderen Seite der Schützengräben. Der französische Schriftsteller <em>Henri Barbusse </em>erzählte in seinem schon 1916 unter dem Titel »Le feu (Das Feuer)« erschienen »Tagebuch einer Korporalschaft« folgende Szene:<a href="#_ftn48" id="_ftnref48">[48]</a></p>



<p class="has-yellow-background-color has-background">Dort, an der Grabenböschung&#8230;, sehe ich jemanden sitzen&#8230; Die ruhige Stellung, in der jener Mensch nachdenklich vor sich hinblickt, hat etwas Statuenhaftes und fällt mir auf. Ich beuge mich über ihn und erkenne ihn; es ist Korporal Bertrand&#8230;<br>Zwei Schattenwesen schreiten nicht weit von uns durch die Dunkelheit; sie sprechen halblaut miteinander.<br>&#8211; Hast &#8217;ne Ahnung, mein Lieber, statt drauf zu hören, hab&#8216; ich ihnen&#8217;s Bajonett in den Bauch gerannt, so fest, daß ich&#8217;s nicht wieder &#8218;rausziehen konnte.<br>&#8211; Bei mir waren&#8217;s vier in einem Loch. Ich habe sie angerufen, daß sie &#8218;rauskommen sollen, und jedesmal, wenn einer &#8218;rauskam, hab&#8216; ich ihm die Haut aufgeschlitzt. Es lief mir rot bis an den Ellenbogen &#8218;rauf. Die Ärmel kleben mir noch davon.<br>&#8211; Ha! fuhr der erste fort, und wenn wir das später, wenn man davonkommt, denen daheim erzählen, am Herd oder bei der Kerze, wird&#8217;s keiner glauben wollen. Ist das nicht ein Elend, was?</p>



<p class="has-yellow-background-color has-background">(&#8230;) Bertrand sagte gewöhnlich nicht viel und sprach nie von sich selbst. Jetzt aber sagte er doch:<br>&#8211; Drei hab&#8216; ich auf&#8217;m Hals gehabt. Gehauen hab&#8216; ich wie wahnsinnig. Ja! Wir waren wie Bestien, als wir hierhergekommen sind. In seiner Stimme klang ein unterdrücktes Zittern.<br>&#8211; Aber es musste sein, sagte er. Es musste sein &#8211; für die Zukunft. Er schlug die Arme ineinander und schüttelte den Kopf.<br>&#8211; Die Zukunft! rief er plötzlich aus wie ein Prophet. Mit welchen Augen werden die Späteren&#8230; diese Schlächtereien und diese Ruhmestaten ansehen&#8230; Und doch, fuhr Bertrand fort, sieh! Einer hat dennoch sein Antlitz über den Krieg erhoben, und es wird einst leuchten in der Schönheit und der Bedeutung seines Mutes&#8230;<br>Ich horchte, auf einen Stock gestützt und über ihn gebeugt, auf seine Worte; ich vernahm im Schweigen des Abends die Stimme jenes Mundes, der sich selten nur auftat. Und er sagte mit hellem Klange:<br>&#8211; Liebknecht!</p>



<h3 class="wp-block-heading">X. Feindliche Brüder</h3>



<p>Die Brüder <em>Heinrich</em> und <em>Thomas Mann</em> hielten sich nicht an Kaiser Wilhelms Befehl, dass Er keine Parteien mehr kenne, nur noch Deutsche. Der Weltkrieg tobte nicht nur zwischen Deutschland und Frankreich, sondern auch zwischen den beiden deutschen Schriftsteller­brüdern, und erst in den 30er Jahren, im gemeinsamen Kampf gegen die Nazi­tyrannei, sollten sie ihr vaterländisches Zerwürfnis überwinden. Auch die Freundschaft zwischen dem 29jährigen Philosophen Ernst Bloch und dem 56jährigen Soziologen Georg Simmel zerbrach im August 1914 an der Kriegsfrage. Simmel trat begeistert für den Krieg ein, Bloch entschieden dagegen.<a id="_ftnref49" href="#_ftn49">[49]</a></p>



<p>Im Juli 1914 begann Heinrich Mann, seinen Roman »Der Untertan« in Fortsetzungen in der Münchener Zeitschrift »Zeit im Bild« zu veröffentlichen. Der negative Held dieses Romans ist der Papierfabrikant Diederich Heßling, der als Student in eine schlagende Verbindung gerät, die väterliche Fabrik übernimmt, eine Arbeiterin mies behandelt und sich vor dem jungen Kaiser jubelnd in den Staub wirft. Kurz nach Kriegsausbruch wurde die Serie abgebrochen; öffentliche Kritik an den herrschenden Heßlings wurde nicht mehr geduldet. Eine russische Ausgabe erschien 1915.<a href="#_ftn50" id="_ftnref50">[50]</a> 1916 ließ Mann einen Privatdruck fertigen, erst 1918 konnte das Buch ungehindert erscheinen. Der Autor heiratete bei Kriegsbeginn 43jährig die Prager Schauspielerin Maria Kanová und zog nach München, wo auch Thomas wohnte. Heinrichs Ehe galt in der Familie als nicht standesgemäß, und Thomas zog seine frühere Zusage, sie als Trauzeuge zu bestätigen, mit dem Hinweis auf kriegsbedingt schlechte Verkehrsverhältnisse zwischen seinem Landsitz Bad Tölz und München zurück. Viktor, der jüngste Bruder, wurde eingezogen und heiratete im gleichen August 1914.</p>



<p>Vor dem Krieg hatte Heinrich viele Jahre seines bis dahin recht unsteten Lebens in Frankreich gelebt, hatte die französische Kultur und Geschichte schätzen gelernt und dachte 1914 gar nicht daran, sich die Franzosen plötzlich zu Feinden zu machen. 1913 schrieb er in seinem Essay »Französischer Geist«: »Frei sein, heißt gerecht und wahr sein; heißt es bis zu dem Grade sein, dass man Ungleichheit nicht mehr erträgt&#8230; Freiheit ist die Liebe zum Leben&#8230;«<a id="_ftnref51" href="#_ftn51">[51]</a> Mit diesem Bekenntnis grenzte er sich bereits scharf von den deutschen Nationalisten ab, die ihre »Freiheit« mit einem Bekenntnis zur Ungleichheit und einer latenten, zuweilen auch offen geäußerten Todessehnsucht zu verbinden pflegten. <em>Walter Flex</em> zum Beispiel erzählte in seinem Wanderer-Roman folgende aberwitzige Szene – sein Held hatte die Mutter des im Krieg getöteten Freundes Ernst aufgesucht:<a id="_ftnref52" href="#_ftn52">[52]</a></p>



<p>»Nach einer Weile des Schweigens fragte sie mich leise: &#8222;Hat Ernst vor seinem Tode einen Sturmangriff mitgemacht?&#8220; Ich nickte mit dem Kopfe. &#8222;Ja, bei Warthi.&#8220; Da schloss sie die Augen und lehnte sich im Stuhl zurück. &#8222;Das war sein großer Wunsch&#8220;, sagte sie langsam, als freue sie sich im Schmerze einer Erfüllung. Eine Mutter muss wohl um den tiefsten Wunsch ihres Kindes wissen.«</p>



<p>Fünfzig Seiten weiter trifft es auch den Helden, doch Flex lässt den Toten noch über Leben und Tod philoso­phieren:</p>



<p>»Sind wir nicht immerdar Wanderer zwischen beiden Welten gewesen, Geselle? (&#8230;) Was hängst du nun so schwer an der schönen Erde, seit sie mein Grab ist&#8230;? (&#8230;) Weißt du nichts von der ewigen Jugend des Todes? Das alternde Leben soll sich nach Gottes Willen an der ewigen Jugend des Todes verjüngen. Das ist der Sinn und das Rätsel des Todes.«</p>



<p>Lieber wanderten dieser Mütter Kinder mordend vom Leben in den Tod als friedlich von Deutschland nach Frankreich, was damals auch zwei Welten waren; das unterschied sie von Heinrich Mann.</p>



<p>Thomas Mann, bei Kriegsbeginn 39, stand dem herrlichen Tode näher. Zwei Jahre zuvor war seine Erzählung »Der Tod in Venedig« erschienen. Im November 1913 diagnostizierte er in einem von heftigen Depressionen geprägten Brief an Bruder Heinrich seine »wachsende Sympathie mit dem Tode, mir tief eingeboren: mein ganzes Interesse galt immer dem Verfall, und das ist es wohl eigentlich, was mich hindert, mich für Fortschritt zu interessieren.«<a href="#_ftn53" id="_ftnref53">[53]</a></p>



<p>Selber schießen und seinen Leib dem Splitter­regen aussetzen musste er nicht, aber im Herbst 1914 stellte er immerhin seinen »Kopf«, d. h. eigentlich nur seine Gedanken »einmal unmittelbar in den Dienst der deutschen Sache«.<a href="#_ftn54" id="_ftnref54">[54]</a> Nannte er den Krieg in einem Brief an Heinrich Mann am 7. August noch eine »Katastrophe« und »Heimsuchung«, beförderte er ihn am 18. September in seinem vorerst letzten&nbsp; Brief an den Bruder zum »großen, grundanständigen, ja feierlichen Volkskrieg«.<a href="#_ftn55" id="_ftnref55">[55]</a> In einem Essay »Gedanken im Kriege« überblendete er sein Selbstbild, das Bild des Künstlers, mit dem »Bilde des Soldaten«, und erkannte dort plötzlich tiefgründig-harmonierende Farben: Wie der Soldat liebt der Künstler »ein gefährdetes, gespanntes, achtsames Leben, Schonungslosigkeit gegen sich selbst. Thomas Mann predigte im Herbst 1914 eine »soldatische Moralität«, die nichts mit Vernunft oder gar Zivilisation zu tun habe; vielmehr sei sie »ein Element des Dämonischen und Heroi­schen, das sich sträubt, den zivilen Geist als letztes und menschenwürdigstes Ideal anzu­erkennen«. Nein, Thomas Manns Mann war geistlos; was da aus dem tiefsten Grunde der »deutschen Seele« kam und durch seinen Künstler-Soldaten schweifte, mordlüstern, war Nietzsches blonde Bestie.</p>



<p>Und diese Bestie durfte alles. Thomas schrieb von »sittlichem Konservatismus« und rechtfertigte den hinterhältigen deutschen Überfall auf das neutrale Belgien 1915 mit einem histo­rischen Beispiel: mit Friedrichs des II. treulosem Überfall auf Sachsen 1756.<a href="#_ftn56" id="_ftnref56">[56]</a> Nach diesen Stellung­nahmen brach der private Kontakt zwischen den Brüdern ab. Ende 1915 schlug Heinrich Mann zurück. In René Schickeles pazifistischer Zeitschrift »Die Weißen Blätter« veröffentlichte er einen Essay über <em>Émile Zola</em><em>, </em>in dessen Biographie er viele Parallelen zu sich selbst gefunden hatte. Der 1902 verstorbene naturalistische französische Schriftsteller und engagierte demokra­tische Journalist war ein rotes Tuch für Bruder Thomas. Um die Jahrhundertwende hatten die Brüder noch gemeinsam dem konservativen französischen Schriftsteller Paul Bourget gegen den Linken Zola beigestanden. In dem Streit ging es um die Frage, ob die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen den Menschen milieu­bedingt oder ererbt seien, und Zola hatte in seinem Romanzyklus »Die Rougon-Macquart«, gestützt auf eigene wissen­schaftliche Studien, die Milieutheorie vertreten. Jetzt aber, wo die deutsche Seele den französischen Geist mit dem Maschinengewehr bearbeitete, war der Zeitpunkt für Heinrich gekommen, sich zu Zola zu bekennen und dabei die Utopie einer idealen Republik der »Vernunft«, der »Menschlichkeit« und »Vergeistigung« zu entwerfen.<a href="#_ftn57" id="_ftnref57">[57]</a> Mit Zola begab er sich auf den »stetigen Marsch, der Wahrheit entgegen«. Und das hieß 1915: Kampf gegen die verlogene deutsche Kriegs­propaganda, in deren Dienst sich zu allem Überfluss auch noch der jüngere und seit den »Buddenbrooks« berühmtere Bruder gestellt hatte.</p>



<p>Heinrich Mann begann seinen Essay mit den Sätzen:</p>



<p class="has-yellow-background-color has-background">Der Schriftsteller, dem es bestimmt war, unter allen das größte Maß von Wirk­lichkeit zu umfassen, hat lange nur geträumt und geschwärmt. Sache derer, die früh vertrocknen sollen, ist es, schon zu Anfang ihrer zwanziger Jahre bewusst und weltgerecht hinzutreten. Ein Schöpfer wird spät Mann.</p>



<p>Den zweiten Satz, der keinen Bezug zum Thema Zola hat, fasste Thomas &#8211; wohl zurecht &#8211; als böse persönliche Attacke auf sich auf, die mit seinen eigenen großen Ängsten korrespondierte.<a href="#_ftn58" id="_ftnref58">[58]</a> Später bezeichnete er diesen Satz als »unmenschlichen Exzess«. Als der Essay 1931 in dem Band »Geist und Tat« neu erschien, strich Heinrich den Satz heraus, in dem er nur wenig verklausuliert seinem jüngeren Bruder ein »frühes Vertrocknen« prophezeit hatte. Doch war das nicht der einzige persönliche Angriff. Heinrich nannte die literarischen Gegner Zolas – und damit waren in der Übertragung die literarischen »Vaterlands­verteidiger« des deutschen Krieges gemeint –&nbsp; »Verräter am Geist«, sie waren ihm »die unter­haltsamen Schmarotzer der Machthaber«. Er spielte sowohl auf Thomas Manns literarisches Thema des Gauklers an als auch auf dessen gesellschaftliche Stellung als Schwiegersohn des Münchener Bankiers Pringsheim.</p>



<p>Sechseinhalb Jahre lang haben sich die beiden Brüder nicht mehr getroffen und geschrieben, ehe sie 1922 einen mühsamen Modus vivendi miteinander fanden. Ende 1917 versuchte Heinrich eine Versöhnung, fand aber nicht den rechten Ton, und Thomas wies sein Angebot brüsk zurück. Der bewusste Satz zeigt, wie viel gekränkte Eitelkeit und Geschwisterneid auf beiden Seiten im Spiele war. Unter­dessen trieben beide ihren Streit auf der politisch-literarischen Ebene weiter und weiter. Dabei kamen krasse Gegensätze im Selbst- und Menschenbild zum Vorschein. Thomas selber brachte es 1919 auf die Formel: »Bei mir überwiegt das nordisch-protestantische Element, bei meinem Bruder das romanisch-katholische. Bei mir ist also mehr Gewissen, bei ihm mehr aktivistischer Wille.«<a href="#_ftn59" id="_ftnref59">[59]</a></p>



<p>Heinrich begleitete seinen Helden Zola auf seinem Weg zu Erkenntnissen und Maximen wie diesen: »Keine Ausnahmen darstellen, so sehr sie uns Künstler reizen.«<a href="#_ftn60" id="_ftnref60">[60]</a> &#8211; »Die Wahrheit lieben: anders wird keiner groß. Alle ihre Mächte lieben, Wissenschaft, Arbeit, Demokratie: diese große, arbeitende Menschheit, die hinauf will&#8230; Sich als einen der ihren fühlen und als nichts weiter&#8230; Seine Zeit lieben! Wer sie nicht geliebt hat, die Romantiker etwa, geht bald niemanden mehr an.« Und dann, Originalton Zola: »Über den Lügen der sogenannten Idealisten läßt sich keine Gesetzgebung gründen. Auf Grund aber der wahren Dokumente, die wir Naturalisten herbeibringen, wird man ohne Zweifel eines Tages eine bessere Gesellschaft errichten, die leben wird durch Logik und Methode. Da wir die Wahrheit sind, sind wir die Moral.« Der Hochmut und Dogmatismus solcher Worte blieben bei Heinrich Mann unreflek­tiert.</p>



<p>Sein Fazit war: Literatur und Politik haben denselben Gegenstand, den Menschen, und dasselbe Ziel: seine Erhöhung. »Geist ist Tat, die für den Menschen geschieht; &#8211; und so sei der Politiker Geist, und der Geistige handle!«<a href="#_ftn61" id="_ftnref61">[61]</a></p>



<p>Als eingefleischter Egozentriker war Thomas Mann von solchen Haltungen weltenweit entfernt. Er schrieb nur über Ausnahmen, er hielt sich immer für ganz anders als die anderen, und die schwitzend arbeitende Menschheit war ihm gleichgültig, wo nicht zuwider. Hier ein Schlaglicht: Im Dezember 1917 predigte Thomas Mann im Berliner Tageblatt unter der Überschrift »Weltfrieden?«: »Wird es nicht vorderhand übrigens arm sein, unser Europa, werden die Entbehrungen, die es sich bereitete, es nicht gelehrt haben, das Simple und Natürliche köstlich zu finden und eine Mahlzeit aus Eiern, Schinken und Milch dankbarer zu genießen als irgendwelche Vomito­riums­völlerei von ehedem?« Dass, während er dies niederschrieb, Millionen von Menschen zwischen Marmelade und Kohlrüben verhungerten und von nichts anderem mehr träumen konnten als von einer simplen Mahlzeit aus Eiern, Schinken und Milch – das war dem durchgeistigten Künstler bis dahin offenbar entgangen. Und noch eins: Auf die Rückseite des Briefes, in dem Thomas Mann im Januar 1918 Heinrichs Versöhnungsangebot zurückwies, notierte Heinrich zu Thomas&#8216; Stichwort »Ethos«: »10 Mill. Leichen«. Auch diese hatten keinen Platz in Thomas Manns Kopf und Werk.</p>



<p><em>Deutsche Kultur 1914: </em>Der Würzburger Schriftsteller <em>Leonhard Frank (32)</em> hatte mit seinem ersten Roman »Die Räuberbande« einen großen Erfolg und erhielt dafür den mit 1000 Reichsmark dotierten Fontane-Preis.&nbsp; Der Prager Schriftsteller <em>Franz Kafka (31)</em> begann mit der Arbeit an seinem Roman »Der Prozess«. Er hielt das Fragment für misslungen und deshalb bis zu seinem Tode unter Verschluss. Der Magdeburger Dramatiker <em>Georg Kaiser (35)</em> hatte seinen ersten Erfolg mit der Tagödie »Die Bürger von Calais«. Der Lübecker Schriftsteller <em>Heinrich Mann (43)</em> begann, seinen Roman »Der Untertan« in Fortsetzungen in der Münchener Zeitschrift »Zeit im Bild« zu veröffentlichen. Rudolf Steiner gründete das erste Goetheanum in Basel. Richard Strauss’ „Festliches Präludium für Orgel und großes Orchester“ wurde in Wien urauf­geführt.</p>



<p><em>Deutsche Familien 1914:</em> Die Königsberger Zeichnerin <em>Käthe Kollwitz (47)</em> verlor ihren Sohn Peter, der an der Front in Flandern getötet wurde. <em>Heinrich Mann (43)</em> heiratete die Prager Schauspielerin <em>Maria Kanová (28)</em> und zog nach München.</p>



<p><em>Deutsche Karrieren 1914: </em>Der westpreußische Offizier <em>Erich von Falkenhayn (54)</em> wurde Chef des Generalstabs und löste <em>Helmuth von Moltke d. J. (66)</em> ab (Sept.). Der Berliner Unternehmer <em>Walther Rathenau (48)</em> wurde Leiter der Kriegs­rohstoff­abteilung im preußischen Kriegsministerium (Aug.).</p>



<p><em>Deutscher Friedhof 1914:</em> Der badische Sozialdemokrat <em>Ludwig Frank (40)</em> wurde an der Front in Lothringen getötet (3. 9.). Der Berliner Dichter <em>Alfred Lichtenstein (25)</em> wurde an der Front bei Reims getötet (25. 9.). Der westpreußische Schriftsteller <em>Hermann Löns (48)</em> wurde an der Front bei Reims getötet (26. 9.). Der westfälische Maler <em>August Macke (27)</em> wurde an der Front in der Champagne getötet (26. 9.). Der Münchener Dichter und Schriftsteller <em>Christian Morgenstern (42)</em> starb in Meran an Tuberkulose (31. 3.). Der österreichische Dichter <em>Georg Trakl (27)</em> beging in einem Lazarett in Krakau Selbstmord (3. 11.).</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; Wörterbuch Geschichte 2, S. 678</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; So berichtete Graf Berchtold in einem Brief an den Grafen Tisza am gleichen Tage. <a href="http://wwi.lib.byu.edu/index.php/I,_10._Schreiben_des_Grafen_Berchtold_an_den_Grafen_Tisza,_8._Juli_1914">WWI Archive</a></p>



<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Übermittelt durch seinen persönlichen Referenten Kurt Riezler in dessen Tagebuch, zit. nach Craig 294</p>



<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Britischen Amtlichen Dokumente über den Ursprung des Weltkrieges 1914-1918. Im Auftrage des Brit. Auswärtigen Amtes hrsg. v. G. P. Gooch u. H. Temperley; dt. Ausg. hrsg. v. H. Lutz, Bd. 1, Berlin 1926, Nr. 101, S. 135f.; zit. nach Gutsche/Klein/Petzold, S. 24f.</p>



<p><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; Zit. nach J. Kuczynski: Geschichte des Alltags IV, S. 454</p>



<p><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; D. Engelmann, H. Naumann: Hugo Haase. Berlin 1999, S. 24</p>



<p><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Weltbühne 50/1918, S. 555 (J. Fischart)</p>



<p><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Luxemburg, Rosa: Gesammelte Werke, Bd. 3, Berlin 1980, S. 477.</p>



<p><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Feldmarschall Conrad v. Hötzendorf: Aus meiner Dienstzeit. Bd. 4, Wien 1923, S. 152. Zit. nach Gutsche/Klein/Petzold, S. 28.</p>



<p><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> &nbsp;&nbsp; Zit. nach Chronik der Deutschen, S. 740</p>



<p><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> &nbsp;&nbsp; Über Haase fanden m. W. kein einziges positives Wort: Gordon Craig, Karl Dietrich Erdmann, Georg Fülberth, Fritz Klein, Jürgen Kuczynski. Fritz Fischer allerdings würdigte ihn: #</p>



<p><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &#8222;Volksfreund&#8220; (Karlsruhe) vom 18. 7. 1914, zit. nach Liebknecht, Karl: Gesammelte Reden und Schriften, Bd. VIII, Berlin (DDR) 1966, S. 4.</p>



<p><a href="#_ftnref13" id="_ftn13">[13]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Der ewige Brunnen. Ein Hausbuch deutscher Dichtung. Gesammelt u. hg. v. Ludwig Reimers. München 1955 (Nachdruck 1976), S. 458. »Morgen« und »Abend« stehen hier für Orient und Okzident, Ost und West. Mit »Asiaten« waren die Russen gemeint, obwohl Russen natürlich Europäer sind, mit »Hochlands Tapferen« die Schotten im britischen Heer, mit dem »alten Feind« die Franzosen. Auch die »Steppen«, aus denen die »asiatischen Horden« wie ein »dunkles Meer« heranbrausen, durften in diesem völkischen Kitschgemälde nicht fehlen.</p>



<p><a href="#_ftnref14" id="_ftn14">[14]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zit. nach Ulrich Grober: Das kurze Leben des Peter Kollwitz. Bericht einer Spurensuche. Die Zeit 22. 11. 1996.</p>



<p><a href="#_ftnref15" id="_ftn15">[15]</a> &nbsp;&nbsp; Käthe Kollwitz, hg. v. R. Hinz, S. 11, 81</p>



<p><a href="#_ftnref16" id="_ftn16">[16]</a> &nbsp;&nbsp; Lutz Görner spricht und singt: Joachim Ringelnatz. Ein Artistenleben. Live-Mitschnitt im Bonner Pantheon, 1996. CD 2000</p>



<p><a href="#_ftnref17" id="_ftn17">[17]</a> &nbsp;&nbsp; Museumstafel dortselbst, 2006</p>



<p><a href="#_ftnref18" id="_ftn18">[18]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zit. nach Volker Ullrich: »Dazu hält man für sein Land den Schädel hin!« Die Zeit 11. 10. 1996.</p>



<p><a href="#_ftnref19" id="_ftn19">[19]</a> &nbsp;&nbsp; Illustrierte Geschichte der Dt. Literatur V, S. 181</p>



<p><a href="#_ftnref20" id="_ftn20">[20]</a> &nbsp;&nbsp; Ch. Kerner: Das Geheimnis einer Pfütze. Zeitläufte 23.10.2008 (ZA Meitner)</p>



<p><a href="#_ftnref21" id="_ftn21">[21]</a> &nbsp;&nbsp; M. Beckmann: Briefe im Kriege, S. 8 u. S. 15, zit. nach M. Eberle: Der Weltkrieg und die Künstler, S. 90</p>



<p><a href="#_ftnref22" id="_ftn22">[22]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Plenge, Johann: 1789 und 1914. Berlin 1916, S. 15, zit. nach Gutsche/Klein/Petzold, S. 70.</p>



<p><a href="#_ftnref23" id="_ftn23">[23]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Scheler, Max: Vom Genius des Krieges. In: Neue Rundschau Berlin, Oktober 1914, S. 1327f., zit. nach Gutsche/Klein/Petzold, S. 70.</p>



<p><a href="#_ftnref24" id="_ftn24">[24]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die neue Rundschau [= Neue Rundschau Berlin?], Jg. 1914, S. 1475, zit. nach Gutsche/Klein/Petzold, S. 72.</p>



<p><a href="#_ftnref25" id="_ftn25">[25]</a> &nbsp;&nbsp; W. Flex: Der Wanderer, S. 4</p>



<p><a href="#_ftnref26" id="_ftn26">[26]</a> &nbsp;&nbsp; ebenda, S. 9</p>



<p><a href="#_ftnref27" id="_ftn27">[27]</a> &nbsp;&nbsp; Wikipedia.de: Adieu (2012). »Welsch« bedeutete »französisch«.</p>



<p><a href="#_ftnref28" id="_ftn28">[28]</a> &nbsp;&nbsp; FAZ 13.11.2001</p>



<p><a href="#_ftnref29" id="_ftn29">[29]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Th. Mann: Betrachtungen eines Unpolitischen, Vorrede, S.&nbsp;XXXIII. Über die im deutschen Geistesleben seit Immanuel Kant verbreitete Sitte, die deutsche »Kultur« über die französische und britische »Zivilisation« zu stellen, siehe S. ?? [Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation, Bd. 1, S. 1-9]</p>



<p><a href="#_ftnref30" id="_ftn30">[30]</a> &nbsp;&nbsp; B. Frank: Politische Novelle, 2</p>



<p><a href="#_ftnref31" id="_ftn31">[31]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; zit. nach Otto Köhler: Das Staatsgeheimnis. In: Konkret, Hamburg, ? 1983, S. 53.</p>



<p><a href="#_ftnref32" id="_ftn32">[32]</a> &nbsp;&nbsp; SZ 23.6.2004; G. Hankel: Die Leipziger Prozesse. Die Zeit 24.7.2003</p>



<p><a href="#_ftnref33" id="_ftn33">[33]</a> &nbsp;&nbsp; V. Ullrich: Exzesse auf Zelluloid. Die Zeit 29.7.2004 (ZA Gesch)</p>



<p><a href="#_ftnref34" id="_ftn34">[34]</a> &nbsp;&nbsp; B. Engelmann: Preußen, S. 381f</p>



<p><a href="#_ftnref35" id="_ftn35">[35]</a> &nbsp;&nbsp; ebenda, S. 15, S. 31</p>



<p><a href="#_ftnref36" id="_ftn36">[36]</a> &nbsp;&nbsp; B. F. Smith: Heinrich Himmler. A Nazi in the Making, 1900-1926. Stanford, USA 1971; zit. bei E. Fromm, Anatomie, S. 341</p>



<p><a href="#_ftnref37" id="_ftn37">[37]</a> &nbsp;&nbsp; In der Literatur wird der Rückzug der 1. Armee teilweise auf ein Missverständnis zurückgeführt; der kommandierende General habe stark übertriebene Meldungen über britische Truppenanlandungen erhalten.</p>



<p><a href="#_ftnref38" id="_ftn38">[38]</a> &nbsp;&nbsp; B. Engelmann: Preußen, S. 380</p>



<p><a href="#_ftnref39" id="_ftn39">[39]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Deutschland, Deutschland über alles. In: Der Krieg. Das erste Volksbuch vom Großen Krieg, Berlin 1929 (Nachdruck Berlin-West 1980), S. 34ff</p>



<p><a href="#_ftnref40" id="_ftn40">[40]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vögler an Michaelis, 29. 8. 1917, zitiert nach F. Fischer: Krieg der Illusionen, S. 475.</p>



<p><a href="#_ftnref41" id="_ftn41">[41]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vögler an Michaelis, 29. 8. 1917, zitiert nach F. Fischer: Krieg der Illusionen, S. 475.</p>



<p><a href="#_ftnref42" id="_ftn42">[42]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Hindenburg verlangte in einer Denkschrift am 5. Juli 1918, einen »polnischen Grenzstreifen&#8230; auf dem Wege der Enteignung von der polnischen Bevölkerung zu räumen und mit deutscher Bevölkerung zu besiedeln. (&#8230;) Das moderne Rechtsbewußtsein hat sich in Bezug auf persönliche Freiheit und Eigentum gewandelt.« Zitiert nach W. Hubatsch, Hindenburg und der Staat (1966), Nr. 21. Hier kündigte sich das später von den Nazis gepflegte Verhältnis zu Völker- und Menschenrechten an.</p>



<p><a href="#_ftnref43" id="_ftn43">[43]</a> &nbsp;&nbsp; Th. Assheuer: Wider den inneren Feind. Die Zeit 2.3.2006. Rez. zu C. Schmitt: Die Militärzeit 1915 bis 1919. Tagebuch Febr.-Dez. 1915, hg. v. E. Hüsmert u. G. Geisler, Berlin 2005</p>



<p><a href="#_ftnref44" id="_ftn44">[44]</a> &nbsp;&nbsp; Von Mitte 1915 bis Ende 1916 wurden rund 42.000 Belgier deportiert. Mitte 1915 standen 337 belgische Betriebe unter Zwangsaufsicht oder Zwangsverwaltung. Gutsche 127</p>



<p><a href="#_ftnref45" id="_ftn45">[45]</a> &nbsp;&nbsp; Neunzig Jahre Versöhnungsbund. Einladung zu einer Tagung, Minden 2004</p>



<p><a href="#_ftnref46" id="_ftn46">[46]</a> &nbsp;&nbsp; Zentrales Staatsarchiv Potsdam, Reichskanzlei, Nr. 1395/9, Bl. 103, nach Gutsche 68.</p>



<p><a href="#_ftnref47" id="_ftn47">[47]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Nach Gutsche 90.</p>



<p><a href="#_ftnref48" id="_ftn48">[48]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Nach Der Krieg, S. 57.</p>



<p><a href="#_ftnref49" id="_ftn49">[49]</a> &nbsp;&nbsp; Wikipedia.de: Ernst Bloch (2013)</p>



<p><a href="#_ftnref50" id="_ftn50">[50]</a> &nbsp;&nbsp; Ch. v. Krockow: Die Deutschen, S. 382</p>



<p><a href="#_ftnref51" id="_ftn51">[51]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Nach Herbert Wiesner: Thomas Mann und Heinrich Mann. In: Die Großen, hg. v. Kurt Fassmann, Bd. X, Zürich 1978, S. 61.</p>



<p><a href="#_ftnref52" id="_ftn52">[52]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Walter Flex: Der Wanderer zwischen beiden Welten. 9. Aufl., München 1918, S. 53, das folgende auf S. 102f, nach Krockow, S. 405, Anm. 15.</p>



<p><a href="#_ftnref53" id="_ftn53">[53]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Brief vom 8. 11. 1913. In: Heinrich Mann, Thomas Mann, Briefwechsel 1900-1949, S. 104</p>



<p><a href="#_ftnref54" id="_ftn54">[54]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Brief an Hanna Rademacher vom 30. 11. 1914, nach Wiesner, S. 61.</p>



<p><a href="#_ftnref55" id="_ftn55">[55]</a> &nbsp;&nbsp; Th. Mann, H. Mann: Briefwechsel 1900 bis 1949, S. 108, 110</p>



<p><a href="#_ftnref56" id="_ftn56">[56]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Friedrich und die große Koalition. Ein Abriss für den Tag und die Stunde. Nach Wiesner, S. 61.</p>



<p><a href="#_ftnref57" id="_ftn57">[57]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Nach Wiesner, S. 62.</p>



<p><a href="#_ftnref58" id="_ftn58">[58]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; In seinem Brief an Heinrich vom 8. 11. 1913 äußerte Thomas Mann die Befürchtung: »Ich bin ausgedient, glaube ich, und hätte wahrscheinlich nie Schrift­steller werden dürfen. &#8222;Buddenbrooks&#8220; waren ein Bürgerbuch und sind nichts mehr fürs 20. Jahr­hundert.«&nbsp; Briefwechsel, S. 104.</p>



<p><a href="#_ftnref59" id="_ftn59">[59]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Brief an Karl Strecker vom 18. 4. 1919, nach Wysling, S.&nbsp; LIII.</p>



<p><a href="#_ftnref60" id="_ftn60">[60]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Heinrich Mann: Zola. Darin: Arbeit. In: Geist und Tat, S. 130. Die folgenden Zitate ebenda, S. 133f.</p>



<p><a href="#_ftnref61" id="_ftn61">[61]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ebenda, nach Wysling, S. Lf.</p>



<p><a href="#_ftnref62" id="_ftn62">[62]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Th.Mann: Betrachtungen, Vorrede, S. IX. Auch bei Wiesner, S. 62.</p>



<p><a href="#_ftnref63" id="_ftn63">[63]</a> &nbsp;&nbsp; In der Vorrede, S. XX, deutet er sein Motiv an: »Ich habe dabei ein menschlich-tragisches Element des Buches besonders im Auge, jenen intimen Konflikt, dem eine Reihe von Seiten besonders gewidmet sind, und der auch sonst vieler Orten mein Denken färbt und bestimmt.«</p>



<p><a href="#_ftnref64" id="_ftn64">[64]</a> &nbsp;&nbsp; Vorrede, S. XXXIII</p>



<p><a href="#_ftnref65" id="_ftn65">[65]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Nach Wysling, S. L</p>



<p><a href="#_ftnref66" id="_ftn66">[66]</a> &nbsp;&nbsp; Vorrede, S. XXXII</p>



<p><a href="#_ftnref67" id="_ftn67">[67]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Nach Wysling, S. LI, zur Psychologie S. LII</p>
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		<title>Deutschland ohne Nazis: Chronik 1970-1977 (Material)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jejko]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Dec 2022 16:50:30 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Diese Chronik dient mir als Materialsammlung für das Kapitel &#8222;Bewegung und Beton: 1970-1980&#8220; in dem Buchprojekt Deutschland ohne Nazis: 1790-1990. 1970. besuchte Bundespräsident Gustav Heinemann immer wieder Gefängnisse, darunter den »Meisenhof« in Castrop-Rauxel.  Heinemann mahnte die Einhaltung der Grundrechte an und redete die Strafgefangenen als „Staatsbürger hinter Gittern“ an. Er kritisierte, dass die Familien der &#8230; <a href="https://jejko.de/deutschland-ohne-nazis-chronik-1970-1977-material/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Deutschland ohne Nazis: Chronik 1970-1977 (Material)“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
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<p>Diese Chronik dient mir als Materialsammlung für das Kapitel &#8222;Bewegung und Beton: 1970-1980&#8220; in dem Buchprojekt <strong><a href="https://jejko.de/deutschland-ohne-nazis-1790-1990/" data-type="post" data-id="921">Deutschland ohne Nazis: 1790-1990</a></strong>.</p>



<span id="more-937"></span>



<p>1970. besuchte Bundespräsident Gustav Heinemann immer wieder Gefängnisse, darunter den »Meisenhof« in Castrop-Rauxel.  Heinemann mahnte die Einhaltung der Grundrechte an und redete die Strafgefangenen als „Staatsbürger hinter Gittern“ an. Er kritisierte, dass die Familien der Gefangenen durch Briefzensur und Besuchsverbote gefährdet würden, was dem Schutz der Familie nach Artikel 6 GG widerspreche. In der Gefangenenzeitung der Anstalt „Meisenhof“ wurde der Bundespräsident 1970 liebevoll angekündigt: „Der Justav ist der Vater aller, oder?“ Zum Abschied überreichte ein Gefangener dem Bundespräsidenten ein handgedrechseltes Kranich­pärchen mit den Worten: „Aus Verehrung für den Mann, der die Freiheit so liebt.“<a id="_ftnref1" href="#_ftn1">[1]</a> – 1971.02. beauftragte Bundesjustiz­minister Gerhard Jahn die Werbeagentur Young &amp; Rubicam mit einer Werbekampagne für die Resozialisierung von Strafgefangenen.<a id="_ftnref2" href="#_ftn2">[2]</a></p>



<p>1970. erreichte die Zahl der Verkehrstoten in West­deutsch­land mit 21.332 ihren höchsten Stand (58 Tote pro Tag!). 1965 waren es 17.483; bis 1975 fiel die Zahl wieder auf 17.011, bis 1985 auf 10.070. FR 30.1.2001 (n.a.)</p>



<p>1970. feierte die Deutsche Bank ihr hundertjähriges Jubiläum. Aus dem Aufsichtsrat lenkte noch immer Hermann Josef Abs die Geschicke der Bank, in deren Vorstand er 1938 eingetreten war. Wer die westdeutsche Wirtschaft symbolisch treffen wollte, der zielte auf Abs. Martin Walser agitierte im »Spiegel« gegen die unkritische Festschrift, mit der die Bank ihr Jubiläum bestritt. Der Ost-Berliner Historiker Eberhard Czichon veröffentlichte als Gegenstück das Buch »Der Bankier und die Macht«. Darin bezichtigte er Abs diverser Naziverbrechen und präsentierte ihn als heimlichen Herrscher der Bonner Republik. Die DDR-Propagandisten# verklagten# Abs vor dem Stuttgarter Landgericht. Erst nachdem die Deutsche Bank Gegenklage erhoben hatte, prüften mehrere Historiker in Ost-Berlin, darunter Kurt Gossweiler,<a href="#_ftn3" id="_ftnref3">[3]</a> das Buch. Sie gelangten zu demselben Ergebnis wie die Abs-Berater: Czichon hatte schlampig gearbeitet; gegen die Klage der Bank war juristisch nichts auszurichten. Der Schadenersatzanspruch der Bank bedrohte mit Pahl-Rugenstein den angesehen­sten unter den von der DDR im Westen finanzierten Verlagen. Abs kostete seinen Sieg öffentlich nicht aus. Man verständigte sich unter der Hand darauf, den Schadenersatz nicht beizutreiben. Die SED# sagte zu, die Angriffe auf Abs und die Bank einzustellen. Das Czichon-Buch sollte vom westdeutschen Markt verschwinden. Probekäufer überprüften, ob sich der Verlag daran hielt; antiquarisch erhältliche Exemplare kaufte die Bank. Abs betrieb mit Wilhelm Treue die Gründung der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte. Treue war gleichzeitig Professor an der Universität Hannover, Archivleiter beim Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim und kommissarischer Leiter des Historischen Archivs der Deutschen Bank. Er und sein Frankfurter Mitarbeiterstab lieferten das Material, mit dem Abs vor Gericht siegte. Als Journalist rezensierte Treue das Czichon-Buch in der »Zeit«. Als Historiker rechnete Treue in drei Fachzeitschriften mit der ostdeutschen Geschichts­schreibung und dem Prozess ab. Redigiert wurden diese Manuskripte nicht von anonymen Gutachtern der Zeit­schriften, sondern von den Justiziaren der Deutschen Bank.<a href="#_ftn4" id="_ftnref4">[4]</a></p>



<p>1970. führte Bertelsmann ein Modell für die Gewinnbeteiligung der Beschäftigten ein. ZA 1.1.2000 (Medien)</p>



<p>1970. gründete der Mediziner und Molekularbiologe Jens Reich in Berlin/DDR einen oppositionellen »Freitagskreis«. – <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jens_Reich">Wik</a>.</p>



<p>1970. In den 1970er Jahren entwickelte sich eine väterliche Freundschaft zwischen Rudi Dutschke und Ernst Bloch. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Bloch">Wik.</a></p>



<p>1970. In den 1970er Jahren erreichte die weltweite Hippie-Bewegung die DDR. Die Hippies der DDR nannten sich »Zeugen«, »Blueser« oder »Tramper«. Mangels Haschisch konzentrierten sie sich meistens auf Alkohol, Rockmusik und Sex. Die Stasi beschränkte sich weitgehend aufs Beobachten der Szene.<a href="#_ftn5" id="_ftnref5">[5]</a></p>



<p>1970. richtete Bayern das erste Umwelt- und Natur­schutzministerium Deutschlands ein. Max Streibl wurde der erste Umweltminister (bis 1977) und trieb den Alpenschutz voran. – Bernhard Grzimek regte gemeinsam mit Hubert Weinzierl die Gründung des Nationalparks Bayerischer Wald an – einer deutschen Serengeti mit Wölfen und Luchsen. Grzimek wollte die Jagd im Nationalpark komplett unterbinden. ARD 14.7.2008</p>



<p>1970. Um 1970 präsentierte die DDR-Firma Narwa auf der Hannovermesse eine langlebige Glühbirne. Sie konnte sich im Westen nicht durchsetzen, weil sich die europäischen und amerikanischen Glühbirnen­hersteller schon in den 1920er Jahren darauf geeinigt hatten, die Betriebsdauer von Glühbirnen im Allgemeinen auf 1000 Stunden zu begrenzen. Der Künstler Billinger erfand später eine Glühbirne mit angeblich 150.000 Stunden Brenndauer. Auch in China gab es in den 2000er Jahren langlebige Glüh­birnen.<a href="#_ftn6" id="_ftnref6">[6]</a></p>



<p>1970. versprach Bundesverkehrsminister Georg Leber (SPD), bis 1985 würden 85% der West­deutschen einen Autobahnanschluss innerhalb von 10 km um ihren Wohnort haben.<a href="#_ftn7" id="_ftnref7">[7]</a></p>



<p>1970. wurde das Dr.-Oetker-Logo blau eingefärbt (zuvor war es rot).<a href="#_ftn8" id="_ftnref8">[8]</a></p>



<p>1970<a></a>. wurde das Urteil gegen Arnold Strippel, den Mörder der Kinder vom Bullenhuser Damm, wegen seiner Verbrechen in Buchenwald revidiert und rückwirkend auf sechs Jahre Haft reduziert. Strippel, 1969 entlassen, erhielt 121.500 DM Haftentschädigung. *<a href="#bu4">1979</a><a href="#_ftn9" id="_ftnref9">[9]</a></p>



<p>1970. wurde der Soziologe Helmut Schelsky Professor der neu gegründeten Universität Biele­feld, an der ersten soziologischen Fakultät einer deutschen Uni.</p>



<p>1970. wurde die Münchener »Landfahrerzentrale« aufgelöst, die die von den Nazis angelegten Akten über »Zigeuner« (Sinti und Roma) weiterverwendet hatte. *<a href="#sinti">1980.04.</a> JiB 1980, 47</p>



<p>1970. wurde Hanns Martin Schleyer Ehrensenator der Universität Innsbruck, wo er 1938-40 das Studentenwerk geleitet hatte. Er verbrachte seinen Urlaub stets entweder in Meersburg oder in Innsbruck.<a href="#_ftn10" id="_ftnref10">[10]</a></p>



<p>1970.01# wurde die DDR von einem schweren Wintereinbruch mit viel Eis und Schnee vorübergehend lahm gelegt. Besonders problematisch war die Vereisung und spätere Verschlam­mung der Braunkohle-Tagebaue. Zugleich feierte die SED den 100. Geburtstag Lenins im April und den 25. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus im Mai. Die Winterkrise wurde mit zusätz­lichen Arbeitseinsätzen von Arbeitern, Schülern, Studenten und Soldaten reguliert.<a href="#_ftn11" id="_ftnref11">[11]</a></p>



<p>1970.01. prägte Walter Ulbricht die Formel »Überholen ohne einzuholen«. Er meinte damit einen eigenen technischen Entwicklungsweg der sozialistischen Länder, der nicht dem gleichen Weg folgen sollte, den die kapitalistischen Länder eingeschlagen hatten. In Moskau sprach er von der »Erforschung noch nicht gedachter technologischer Prozesse und automatisierter Fließsysteme«, was man dort für wunderlich hielt. Ulbricht hoffte auf »völlig neue Wirk- und Arbeitsprinzipien«.<a href="#_ftn12" id="_ftnref12">[12]</a></p>



<p><a>1970.01. startete der SWF (ARD) die Tierporträtserie »Sterns Stunde« von und mit Horst Stern. – </a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sterns_Stunde">Wik.</a></p>



<p>1970.01. wurde Heinar Kipphardt Chefdramaturg an den Münchener Kammerspielen.</p>



<p>1970.02. Am 13. Februar kam der niedersächsische Soziologe und SDS-Vordenker Hans-Jürgen Krahl 27jährig bei einem Autounfall ums Leben. Schon während seines Begräbnisses einigten sich die verbliebenen SDS-Vorständler darauf, den SDS aufzulösen. – <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Jürgen_Krahl">Wik</a>.</p>



<p>1970.02. Am 13. Februar kamen bei einem Brandanschlag auf ein Altersheim der Israelischen Kultusgemeinde in München sieben Menschen ums Leben. 2013 gab die Bundesanwaltschaft an, dass wahrscheinlich Linksterroristen der »Tupamaros München« und der »Aktion Südfront München« hinter dem Anschlag standen – also »Linke« als Täter eines typisch faschistischen Verbrechens. NW 1.10.2013</p>



<p>1970.02. wurde die Neue Galerie (Sammlung Ludwig) im Alten Kurhaus zu Aachen eröffnet, um Peter Ludwigs Sammlung moderner Kunst zu zeigen.</p>



<p>1970.03. gründeten die Schriftsteller Erasmus Schöfer, Günter Wallraff und andere in Köln den Werkkreis Literatur der Arbeitswelt. Er ging aus der von Fritz Hüser gegründeten Dortmunder »Gruppe 61« hervor. WA 5.3.<a href="https://www.wa.de/kultur/dortmund-feiert-jahre-werkkreis-literatur-arbeitswelt-13578215.html">2020</a></p>



<p>1970.03. Selbstauflösung des SDS in Hannover. Einige Aktivisten gingen in den Untergrund, darunter Ulrike Meinhof und Horst Mahler. ZA Fischer 8.1.2001 (Spiegel)</p>



<p>1970.03. starb Heinrich Brüning 84jährig in den USA. Seine Memoiren erschienen. Der Frank­furter Kommunist Emil Carlebach veröffentlichte eine Kurzfassung ad usum communium (»Von Brüning zu Hitler«).</p>



<p>1970.03. trat der zunächst zwischen den USA, Großbritannien und der Sowjetunion geschlossene Atomwaffensperrvertrag in Kraft.</p>



<p>1970.03. traten acht Offiziersanwärter der Bundeswehr in Hamburg mit einem Bundeswehr-Reformprogramm als »Leutnante 70« an die Öffentlichkeit. Unter anderem forderten sie, dass Bundeswehr-Offiziere in der Friedensforschung mitarbeiten sollten. Mai 1970 stellten auch 13 wehrpflichtige Soldaten in Bonn ein Reformprogramm »Soldat 70« vor. Wolf Graf Baudissin, Verteidigungsminister Helmut Schmidt und andere nahmen Stellung. Ein Jahr später traten dem die konservativen »Hauptleute von Unna« entgegen. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Leutnante_70">Wik</a>.</p>



<p>1970.03. wurden die Nachrichtensendungen «Tagesschau» und «heute» erstmals in Farbe ausgestrahlt.</p>



<p>1970.04. dehnte US-Präsident Richard Nixon den Vietnamkrieg auf Kambodscha aus.</p>



<p>1970.04. erklärte Paul McCartney auf einer Pressekonferenz seine Trennung von den »Beatles« &#8211; und damit das Ende der legendären britischen Gruppe.</p>



<p>1970.04. schrieb die FDJ-Zeitung »Junge Welt« zu Ehren des 100jährigen Lenin einen Wettbewerb mit Preisausschreiben aus: Die Leser sollten sich vorstellen, wie sie Donnerstag, den 6. Januar 2000, verbringen werden. Es gab tausende von Antworten. Die 500 Einsender der originellsten Texte wurden für den 8. Januar 2000 zu einem Bankett nach Berlin eingeladen, das tatsächlich stattfand. ksta 11.1.2000</p>



<p>1970.04. verkündete der britische Barde Paul McCartney in einem »Interview mit sich selbst« das Ende der »Beatles«. Intern hatte John Lennon bereits im September 1969 die Band für aufgelöst erklärt. Im Mai 1970 erschienen noch der Film und das Album »Let It Be«, zeitgleich mit Soloalben von McCartney und Ringo Starr. Lennons erstes Soloalbum »Give Peace a Chance« war bereits im Juli 1969 erschienen. ZA Beatles 9.4.2020 (AN)</p>



<p>1970.04. wurde der Linksterrorist Andreas Baader festgenommen. Am 14. Mai befreiten Ulrike Meinhof, Gudrun Enßlin, Horst Mahler u.a. in einer bewaffneten Aktion Baader aus der Haft. Die Baader-Meinhof-Bande entstand. ZA Fischer 8.1.2001 (Spiegel) – Im Sommer reisten Baader, Meinhof, Enßlin, Mahler, Astrid Proll u. a. nach Jordanien und ließen sich von Palästinensern im »bewaffneten Kampf« aus­bilden. Dabei wurde die Ermordung des potentiellen Verräters Peter Homann diskutiert. Die Zeit 30. 5. 1997</p>



<p>1970.05. besuchte Willi Stoph, Ministerpräsident der DDR, Kassel, wo er sich mit Bundeskanzler Brandt traf. Es gab eine von Faschisten organisierte gewalttätige Gegendemonstration, aus der im Oktober die »Aktion Widerstand« hervorging.&nbsp; – <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_Widerstand">Wikip</a>.</p>



<p>1970.06. Am 30. Juni lief auf der Berlinale der Spielfilm »o. k.« von Michael Verhoeven und Rob Houwer. Er zeigte die Vergewaltigung und Ermordung eines südvietnamesischen Mädchens (gespielt von der 15jährigen Eva Mattes) durch amerikanische Soldaten. Der Autor hatte diese Episode des Vietnamkrieges nach Bayern verlegt. Gustl Bayrhammer spielte einen amerikanischen Oberst (Colonel). Der Jurypräsident, der amerikanische Filmregisseur George Stevens, versuchte insgeheim, einen Ausschluss des Films aus dem Wettbewerb durchzusetzen. Die Autoren machten den Zensurfall öffentlich und wurden von den Festspielleitern als Lügner beschimpft. Schließlich zogen mehrere Regisseure, darunter Rainer Werner Fassbinder, ihre Filme aus Solidarität zurück, die zerstrittene Jury löste sich auf, die Berlinale wurde abgebrochen.<a href="#_ftn13" id="_ftnref13">[13]</a></p>



<p>1970.07. Europop-Festival im Reitturnierstadion Aachen mit Deep Purple, Pink Floyd, Mungo Jerry, Kraftwerk, Amon Düül, Champion Jack Dupree u.a.<a href="#_ftn14" id="_ftnref14">[14]</a> Organisatoren waren die beiden Studenten Karl-August Hohmann und Golo Goldschmitt. Sie hatten das Glück, bei Besuchen in London Pink Floyd für 2000 £ und Mungo Jerry sogar für 150 £ engagieren zu können. Oberbürgermeister Hermann Heusch drohte Hohmann im Vorfeld, das »Gammler-Festival« mit allen Mitteln zu verhindern. Doch es fand statt Auch der damals 10jährige Autor war anwesend (gemeinsam mit Mutter und Schwester).</p>



<p>1970.07. senkte der Bundestag das Wahlalter von 21 auf 18 Jahre. In der Weimarer Republik hatte es bei 20 Jahren gelegen, 1949 war es auf 21 erhöht worden. Prantls Blick 26.7.2020</p>



<p>1970.08. unterzeichneten Bundeskanzler Willy Brandt, Außenminister Walter Scheel, der sowjetische Ministerpräsident Alexej Kossygin und der sowjetische Außenminister Andrej Gromyko im Moskauer Kreml den Deutsch-Sowjetischen Vertrag (Moskauer Vertrag). Er enthielt die westdeutsche Anerkennung der Westgrenze Polens (Oder-Neiße-Grenze). <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Moskauer_Vertrag">Wik</a>.</p>



<p>1970.09. Wilde Streiks in der wdt. Autoindustrie, u. a. bei Ford in Köln.</p>



<p>1970.10. führte Hanns Dieter Hüsch durch das Konzert zum 25jährigen Jubiläum des Orchesters Kurt Edelhagen. WDR3 19.2.2019</p>



<p>1970.10. gründeten rund 3000 Faschisten und Revanchisten in Würzburg die »Aktion Wider­stand«. Initiator war Bernhard Wintzeck. Bei der anschlie­ßenden Demonstration durch die Stadt riefen sie: »Walter Scheel und Willy Brandt &#8211; Volksverräter an die Wand! (…) Deutsches Land wird nicht verschenkt &#8211; eher wird der Brandt gehängt!« – <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_Widerstand">Wikip</a>.</p>



<p>1970.10. inszenierte der westdeutsche Filmregisseur Tom Toelle nach einem Buch von Wolfgang Menge das Fernsehspiel »Das Millionenspiel« und löste damit heftige Diskussionen aus. Toelle und Menge nahmen die späteren Perversionen im Privatfernsehen vorweg: Freiwillige lassen sich eine Woche lang von Killern jagen, um im Überlebensfalle eine Million DM zu gewinnen. ZA Toelle 29.3.2006; ZA Khatami 14.7.2000 (taz, Rücks.) <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Millionenspiel">Wik</a>.</p>



<p>1970.10. wurde auf Anregung von Hans Eisenmann (1923-1987) der Nationalpark Bayerischer Wald gegründet. Das bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten kündigte an, dort entstehe »ein Urwald für unsere Kinder und Kindeskinder«. Tafel im Hans-Eisenmann-Haus dortselbst</p>



<p>1970.11. Am 29. November strahlte der NDR die erste Folge der Krimiserie »Tatort« aus: »Taxi nach Leipzig«. Walter Richter spielte den Kriminalkommissar Paul Trimmel in Hamburg. Friedhelm Werremeier hatte die Romanvorlagen geschrieben. Klaus Doldinger komponierte und spielte die Titelmusik (mit Udo Lindenberg am Schlagzeug). <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tatort_(Fernsehserie)">Wikip.</a> &#8211; ZA Gesch 25.11.2000 (NW)</p>



<p>1970.11. Joschka Fischer, Tom Koenigs und andere Rebellen schlichen sich als Arbeiter bei Opel ein, um die Revolution weiterzutreiben. ZA Fi 8.1.2001 (Spiegel)</p>



<p>1970.11. schlug Günter Grass seinem Duzfreund Willy Brandt in einem Brief vor, er solle ihn, Siegfried Lenz und Marion Dönhoff mit nach Warschau nehmen. Grass hoffte, wie er schrieb, dass die Dramaturgie des Staatsbesuchs »nicht so glatt« ablaufen würde wie gewohnt, was schon durch den Umstand nahe liege, dass es keine diplomatischen Beziehungen zwischen West­deutsch­land und Polen gab. Lenz, Dönhoff und er sollten den Teil der Flüchtlinge und Vertriebe­nen repräsentieren, die den bornierten Standpunkt der Vertriebenenverbände nicht teilten. Grass verwies darauf, dass sämtliche Romane von Lenz in Polen übersetzt worden seien. Im Dezember reagierte Brandt mit einer offiziellen Einladung an Grass, an der Unterzeichnung des Warschauer Vertrages teilzunehmen.<a href="#_ftn15" id="_ftnref15">[15]</a> – Marion Gräfin Dönhoff schrieb 1970: »Niemand kann heute mehr hoffen, dass die verlorenen Gebiete je wieder deutsch werden.« Jedoch schlug sie im Sommer Brandts Einladung zur Unterzeichnung des Warschauer Vertrages aus.<a href="#_ftn16" id="_ftnref16">[16]</a></p>



<p>1970.11. wurde die Bonner Kaiserhalle im Zuge des U-Bahn-Baus abgerissen. Auch die noch erhaltenen Gründerzeithäuser gegenüber vom Hauptbahnhof wurden abgerissen. An ihrer Stelle entstanden nach Plänen von Friedrich Spengelin das »Bonner Loch«, der Busbahnhof und die sog. Südüberbauung. Der Bonner Kunsthistoriker Heinrich Lützeler warnte vor der Gefährdung Bonns, »sich selbst zu zerstören«. 2014 präsentierten Christoph Mäckler und Rolf-E. Breuer dieses abschreckende Beispiel in ihrer Ausstellung »Plätze in Deutschland 1950 und heute – eine Gegenüberstellung«.<a href="#_ftn17" id="_ftnref17">[17]</a></p>



<p>1970.12. besuchte Bundeskanzler Willy Brandt Warschau und unterzeichnete den Warschauer Vertrag. Am 7. Dezember legte er einen Kranz vor dem Denkmal für das Warschauer Ghetto nieder und fiel vor dem Denkmal auf die Knie. postfrisch 1.11.2020 (Ordner dG 1970)</p>



<p>1970.12. Im Dezember besuchte Bundeskanzler Willy Brandt Warschau und fiel am 7. Dezember vor dem »Denkmal der Helden des Ghettos« auf die Knie (Kniefall von Warschau, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kniefall_von_Warschau">Wik</a>.). Am gleichen Tag unterzeichneten Brandt und der polnische Ministerpräsident Józef Cyrankiewicz sowie die Außenminister Walter Scheel und ## den Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik Polen über die Grundlagen der Normalisierung ihrer gegenseitigen Beziehungen (Warschauer Vertrag). <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_zwischen_der_Bundesrepublik_Deutschland_und_der_Volksrepublik_Polen_%C3%BCber_die_Grundlagen_der_Normalisierung_ihrer_gegenseitigen_Beziehungen">Wik</a>.</p>



<p>1970.12. Im Dezember diskutierten die Journalisten Henri Nannen und Gerhard Löwenthal im ZDF# über die Politik von Willy Brandt. Das Fernsehduell wurde von 15 bis 20 Millionen Zuschauern gesehen. Löwenthal warf Nannen in der Sendung die Verwicklung in ein Kriegs­verbrechen in Italien vor. Nannens Mitarbeiter Weidemann habe im oberitalienischen Bevilacqua (Venetien) einen Partisanen und eine unschuldige Geisel hängen lassen und Nannen selbst sei verwickelt gewesen. Nannen ging gegen diese Behauptung gerichtlich vor. »Stern«-Reporter machten die beiden für die Tat verantwortlichen deutschen Unteroffiziere ausfindig und ent­deckten ein 70 Seiten starkes Dossier über Nannen, das Journalisten des Axel Springer Verlages eineinhalb Jahre zuvor zusammengestellt hatten. Axel Springer und Welt-Chefredakteur Herbert Kremp hatten die Vorwürfe jedoch nicht veröffentlicht.<a href="#_ftn18" id="_ftnref18">[18]</a></p>



<p>1970.13. Der niedersächsische Soziologe, Sozialist und Revolutionär Hans-Jürgen Krahl kam 27jährig bei einem Autounfall bei Wrexen ums Leben (13. 2.).</p>



<p>1970.13. Der westfälische Zentrumspolitiker und Reichskanzler a. D. Heinrich Brüning starb 84jährig in seiner Exilheimat Norwich (Vermont, USA) (30. 3.). Der Berliner Architekt Egon Eiermann starb 66jährig in Baden-Baden.</p>



<p>1970.13. Im Jahr 1970 starben 19.193 Menschen im westdeutschen Straßenverkehr (zum Vergleich: 2021 waren es 2569), mehr als eine halbe Million Menschen wurden bei Autounfällen verletzt. Wichtigste Unfallursache war überhöhte Geschwindigkeit.<a href="#_ftn19" id="_ftnref19">[19]</a></p>



<p>1970k Claus Peymann führte Peter Handkes Stück »Kaspar« im Theater am Turm in Frankfurt urauf und gründete mit Peter Stein und # die Schaubühne am Halleschen Ufer in West-Berlin. Peter Stein übernahm die künstlerische Leitung der Schaubühne und eröffnete sie mit Brechts Drama »Die Mutter«. HPL</p>



<p>1970k Die Deutsche Bundespost startete eine Briefmarkenserie mit dem Porträt von Bundes­präsident Gustav Heinemann. Es war die letzte Serie dieser Art. postfrisch 6/2014 (Geschi)</p>



<p>1970k Die erste Tiefkühl-Pizza in Deutschland wurde angeboten: „Pizza alla Romana“. In den 1990er Jahren verdreifachte sich in der Bundesrepublik der Absatz von Tiefkühlkost; im Jahr 2000 lag er bei 144.460 Tonnen. Metro News 1.2.2001 (www.metro24.de)</p>



<p>1970k Elisabeth Mann Borghese war einziges weibliches Gründungsmitglied des »Club of Rome«. Ihr Anliegen war der Schutz der Weltmeere. Sie gründete das Internationale Ozean-Institut auf Malta. Die Zeit Literaturbeilage, Dez. 2001</p>



<p>1970k In Köln erschien die erste Single der Band <em>de Bläck Fööss</em> mit dem Titel »Rievkooche-Walzer«. 1971 folgte ihr erster Hit: »Drink doch eine met«. Der Germanist <em>Helmut Brackert</em> veröffentlicchte eine Übersetzung des Nibelungenliedes; 1973 erschien eine weitere von Ulrich Pretzel.<a href="#_ftn20" id="_ftnref20">[20]</a> Der Arzt <em>Hoimar von Ditfurth</em> veröffentlichte sein populär­wissen­schaftliches Werk »Kinder des Weltalls«, mit dem er bekannt wurde.<a href="#_ftn21" id="_ftnref21">[21]</a> Die Sängerin <em>Katja Ebstein</em> kam mit »Wunder gibt es immer wieder« auf Platz 3 beim Grand Prix d’Eurovision, 1971 mit »Diese Welt« wieder auf Platz 3.<a href="#_ftn22" id="_ftnref22">[22]</a> Der Politologe <em>Ossip K. Flechtheim</em> begründete mit dem Buch »Futurologie – der Kampf um die Zukunft« die Wissenschaft der Futurologie. Der Schriftsteller <em>Uwe Johnson</em> veröffentlichte den ersten Band des Romans »Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl«. Der Germanist <em>Klaus P. Scherpe</em> veröffentlichte das Werk »Werther und Wertherwirkung«, 1971 folgte »Die Klassik-Legende« von Reinhold Grimm und Jost Hermand. Entscheidender Aspekt für die Beurteilung eines Dichters oder Schriftstellers war nun die Frage, ob er zu Lebzeiten dem sozialen Fortschritt gedient hatte oder nicht.<a href="#_ftn23" id="_ftnref23">[23]</a> Der Schriftsteller <em>Arno Schmidt</em> veröffentlichte sein 5000 Seiten starkes Monumentalwerk »Zettels Traum«. Wegen seiner – auch im Layout sichtbaren – Nicht-Linearität, die eine kontinuierliche Lektüre bewusst unterbinden sollte, kann man es zur Kategorie Hypertext zählen. Das Werk gibt den Lesern unzählige Rätsel auf und bietet zahllose versteckte Hinweise auf Querverbindungen an. Fans bildeten Leserzirkel, in denen Andeutungen, Assoziationen und versteckte Zusammenhänge diskutiert wurden. Die Mehrheit des literarischen Publikums und der Literaturkritik lehnte das angeblich unlesbare Werk ab oder ignorierte es.<a href="#_ftn24" id="_ftnref24">[24]</a> Der Düsseldorfer Liedermacher <em>Dieter Süverkrüp</em> sang das kommunistische Kinderlied vom »Baggerführer Willibald« (»Das hat doch keinen Zweck. / Der Boss geht besser weg. / Dann bau’n wir für uns selber / ein schönes Haus mit Keller…«). Der WDR verbot seinen Musikredakteuren mehrfach, dieses Lied zu senden.</p>



<p>1971. begann die 24jährige Petra Kelly ein Liebes­verhältnis mit dem [Vize-]Präsidenten der EG-Kommission, dem 64jährigen Niederländer Sicco Mansholt (1908-1995). (Schwarzer 1993:108)</p>



<p>1971. beschloss der 8. Parteitag der SED auf Antrag des neu gewählten 1. Sekretärs, Erich Honecker, ein großes Wohnungsbauprogramm. Es begann der Bau der ostdeutschen Plattenbauten. Tsp. 8.10.2003</p>



<p>1971. gab es einen Eklat in der Berliner Volksbühne bei einer von Manfred Langhoff inszenierten Aufführung von Schillers Drama »Die Räuber«. Es gab eine vernichtende Kritik. SED-Funktionäre warfen dem Theater vor, keinen gesellschaftlichen Standpunkt zu haben. Das sei das Lebensgefühl reicher Söhne von Kapitalisten. arte 5.11.2009</p>



<p>1971. hatte der »Spiegel« knapp 900 Beschäftigte: rund 400 in der Redaktion, 100 in der Dokumentation sowie knapp 400 in den kaufmännischen und technischen Abteilungen. Man führte ein Mitbestimmungsmodell, mehr Demokratie innerhalb der Redaktion und eine Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter ein. Die Auflage betrug 923.000 verkaufte Exemplare, die Zahl der Leser ca. 6 Millionen – das entsprach 12 Prozent aller in der BRD und Berlin-West lebenden Menschen über 14 Jahre. 10-15% der Auflage gingen ins Ausland.<a href="#_ftn25" id="_ftnref25">[25]</a></p>



<p>1971. <em>Ingeborg Bachmanns</em> Roman »Malina« wurde unverhofft ein Bestseller. Hauptfigur und Ich-Erzähler/in ist eine gespaltene Persönlichkeit, die aus einem weiblichen und einem männlichen Ich besteht. Bachmann sagte dazu, ihre bis dahin geschriebenen Ichs seien immer männlche Ichs gewesen. In »Malina« habe sie zum ersten Mal ihr weibliches Ich zugelassen – natürlich nur, damit es sich vom männlichen Widerpart töten lassen konnte. WDR 3, 19.6.2001. – <em>Heinrich Bölls</em> Roman »Gruppenbild mit Dame« erschien. Die erste Auflage von 50.000 Exemplaren war bereits bei Erscheinen vergriffen. Die Geschichte einer illegalen Liebe zwischen der unkonventionellen Frau Helene Maria Pfeiffer (Leni) und dem russischen Kriegsgefangenen Boris Koltowski spielt zum Teil während des Krieges in einer Friedhofsgärtnerei, zum Teil in den frühen 50er Jahren. – <em>Marion Gräfin Dönhoff</em> bekam den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. In ihrer Dankesrede applaudierte sie <em>Herbert Marcuses</em> Warnung vor dem »eindimensionalen Menschen«, der sich willfährig den Gesetzen des Marktes unterwirft.<a href="#_ftn26" id="_ftnref26">[26]</a> – <em>Walter Felsenstein</em> inszenierte an der Komischen Oper (West-)Berlin das Musical »Anatevka« (»The Fiddler On The Roof«) mit <em>Shmuel Rodensky</em> in der Hauptrolle. Es erlebte 506 Aufführungen bis 1988 und wurde von rd. 500.000 Menschen gesehen. – Das Kölner Politkabarett <em>»Floh de Cologne«</em> spielte die Rock-Oper »Profitgeier« ein. – Der ostdeutsche Schriftsteller <em>Peter Huchel</em> reiste aus der DDR nach West­deutsch­land aus. – Der Regisseur <em>Claus Peymann</em> führte <em>Peter Weiß‘</em> Stück »Hölderlin« in Frankfurt urauf. – Der 26jährige Filmregisseur <em>Wim Wenders</em> gründete in München zusammen mit zwölf Kollegen den Filmverlag der Autoren.</p>



<p>1971. interviewte der »Spiegel« den ostdeutschen Liedermacher Wolf Biermann.</p>



<p>1971. öffnete in München die erste deutsche McDonald’s-Filiale. 1973 wurde dort der erste deutsche Big Mäc verkauft. ksta 2.12.1996, 19.9.1998</p>



<p>1971. regte der Frankfurter Kulturdezernent Hilmar Hoffmann (SPD) die Gründung des ersten »Kommunalen Kinos« in Deutschland an. ZA Hoffm. 25.8.2005 (NW)</p>



<p>1971. spürten Beate und Serge Klarsfeld den Naziverbrecher Klaus Barbie in Bolivien auf. 1972 versuchten Régis Debray und Monika Ertl, Barbie zu entführen, doch das Vorhaben scheiterte.&nbsp; &#8212; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Barbie">Wikip</a>.</p>



<p>1971. startete das ZDF die Rateshow »Dalli Dalli« mit Hans Rosenthal. Rosenthal wurde zum beliebtesten Quizmaster Westdeutschlands. Tsp. 23.11.2001 – Das ZDF statrete die Serie »VIP-Schaukel« mit Margret Dünser, die etwa sechs Mal im Jahr ausgestrahlt wurde. Bis zu ihrem Tod 1980 interviewte Dünser über 200 internationale Stars und Berühmtheiten, darunter J. Wayne, O. Welles, H. Miller, J. Gabin, R. Burton, N.? Rothschild.<a href="#_ftn27" id="_ftnref27">[27]</a> – Rudi Carrell startete in der ARD seine Quiz-Show »Am laufenden Band«. – Das ZDF-Magazin »Kennzeichen D« wurde erstmals unter diesem Namen ausgestrahlt. Der Titel spielte auf das in beiden Teilen Deutschlands verwendete Nationalitäten­kennzeichen an. Moderator war Hanns Werner Schwarze. Das Magazin galt als linksliberales Gegenstück zu Gerhard Löwenthals »ZDF-Magazin«. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hanns_Werner_Schwarze">Wikip</a>. – Der DFF startete das ostdeutsche Gesundheitsmagazin »Visite« (Januar).</p>



<p>1971. startete die Deutsche Bundespost eine Briefmarkenserie »Jederzeit Sicherheit« zum Thema Unfallverhütung. Motive z. B. ein Streichholz mit Flamme, darin ein Mensch; der Sturz von einer Leiter; eine Hand an der Kreissäge; Alkohol am Steuer; ein Bauhelm unter fallendem Ziegelstein; ein defektes Stromkabel. postfrisch 6/2014 (Geschi)</p>



<p>1971. vertrat Rechtsanwalt Otto Schily seinen wegen Terroristenunterstützung angeklagten Kollegen Horst Mahler. Die Zeit 22.11.2001</p>



<p>1971. wagte die Regisseurin Ruth Berghaus als Theaterdirektorin am Schiffbauerdamm und als Nachfolgerin von Helene Weigel einen Neubeginn. Sie engagierte Heiner Müller und inszenierte 1973 die Uraufführung seines Stücks »Zement«. Ein Jahr zuvor hatte sie Peter Hacks’ »Omphale«&nbsp; uraufgeführt. <em>Beliebigkeit kann ich nicht ausstehen, weder im Alltag noch in der Kunst. Kunst ist nie beliebig, immer entschieden und genau.</em> (Ruth Berghaus)</p>



<p>1971. wurde „Vorsprung durch Technik“ zum Leitsatz des Unternehmens Audi NSU Auto Union.</p>



<p>1971. wurde der 41jährige Essener Bankier Alfred Herrhausen Vorstandsmitglied der Deutschen Bank. MTL</p>



<p>1971. wurde die Bielefelder Szenekneipe »studio X« nach Drogenvorfällen geschlossen. Im September öffnete an gleicher Stelle die Kneipe »Badewanne«, in der alsbald die Bands »Black Sabbath« und »Uriah Heep« auftraten. NW 6.5.2006</p>



<p>1971. wurde die DM gegenüber dem US-$ um 13,6% aufgewertet: 1 US-$ = 3,22 DM.</p>



<p>1971. wurde Günter Prinz Chefredakteur der »Bild Zeitung«. 2017 behauptete er im Interview: »Ich gehöre zu der Generation, die verhungert wäre, wenn die Amerikaner nicht mit Weißbrot nach Berlin gekommen wären… Mein Vorgänger Peter Boenisch hatte in den sechziger Jahren eine Kohle zu viel draufgelegt, aber ich in den siebziger Jahren nicht… <em>Bild</em> war immer konservativ, und diese Haltung habe ich gerne in Journalismus übersetzt.« Bei den nackten Frauen in »Bild« wurden stets die Brustwarzen und Bauchnabel wegretuschiert. Axel Springer wollte einmal eine Sex-Quote von 10 % durchsetzen, doch das ging aus technischen Gründen nicht.<a href="#_ftn28" id="_ftnref28">[28]</a></p>



<p>1971. wurde nach langen innerparteilichen Machtkämpfen der NPD-Vorsitzende Adolf von Thadden vom früheren baden-württembergischen Landtagsabgeordneten Martin Mussgnug abgelöst. Mussgnug befürwortete eine Zusammenarbeit mit Gerhard Frey, konnte sich damit aber in der NPD nicht durchsetzen. Zur gleichen Zeit löste sich die neofaschistische »Aktion Widerstand« auf.<a href="#_ftn29" id="_ftnref29">[29]</a></p>



<p>1971. wurde William Calley, der Befehlshaber des Massakers von My Lai, in den USA zu lebens­länglicher Haft verurteilt, aber schon 1974 begnadigt. *Notizen3</p>



<p>1971.01. startete das DDR-Fernsehen die Gesundheitsberatungsserie »Visite«. In jeder Folge wurde eine Krankheit und ihre Behandlung beschrieben, vom Fußpilz bis zu Magenbeschwerden. Auch gab es gelegentlich Sex-Tipps. 1990/91 wurde die beliebte Serie vom NDR übernommen. NW 2.1.2016</p>



<p>1971.01. wurde im Bismarck-Anwesen Friedrichsruh bei Ham­burg eine 100-Jahr-Feier der Reichsgründung von 1871 begangen. Ex-Kanzler Kurt-Georg Kiesinger sprach mit dem Tenor, dass man »die letzten hundert Jahre deutscher Geschichte weder total glorifizieren noch total verwerfen« dürfe. In der Großen Koalition hatte die CDU 1969 eine offizielle Teilnahme der Bundesregierung an der für 1971 geplanten Feier durchgesetzt.<a href="#_ftn30" id="_ftnref30">[30]</a> Im gleichen Monat und aus gleichem Anlass gründete der Münchener Verleger und Faschist Gerhard Frey im Münchener »Franziskanerbräu« mit etlichen Getreuen die Deutsche Volksunion (DVU).<a href="#_ftn31" id="_ftnref31">[31]</a></p>



<p>1971.02. definierte das Bundesverfassungsgericht in seiner »Mephisto-Entscheidung« die Kunstfreiheit und ihre Grenzen genauer. Wegen eines Patts wurden die beiden Verbotsurteile gegen Klaus Manns Roman »Mephisto« nicht für verfassungswidrig erklärt.<a href="#_ftn32" id="_ftnref32">[32]</a> Das Bundesverfassungsgericht wies mit Stimmengleichheit die Verfassungsbeschwerde der Nymphenburger Verlagsanstalt gegen das Verbot von Klaus Manns »Mephisto«-Roman zurück. Die Richter Erwin Stein und Wiltraut Rupp-von Brünneck veröffentlichten ein Minderheitenvotum.<a href="#_ftn33" id="_ftnref33">[33]</a></p>



<p>1971.02. stimmte die Mehrheit der Schweizer Männer für das Wahlrecht der Frauen. Winter 1971 wurden die ersten zwölf Frauen als Abgeordnete des Nationalrats und des Ständerats vereidigt. SZ 6.2.2021</p>



<p>1971.02. stimmten fast zwei Drittel aller stimmberechtigten Schweizer Männer für die Einführung des&nbsp; Frauenwahlrechts auf eidgenössischer Ebene.</p>



<p>1971.03. traten 30 konservative Hauptleute und Kompaniechefs aus der 7. Panzergrenadier­division der Bundeswehr, die sog. »Hauptleute von Unna«, den Reformprogrammen für die Bundeswehr und den Forderungen der »Leutnante 70« öffentlich entgegen. Generalmajor Eike Middeldorf war Spiritus rector der Aktion. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hauptleute_von_Unna">Wik</a>. – April 1971 gab Middeldorf der Illustrierten »Stern« ein Interview über Hintergründe. Der »Stern« veröffentlichte es jedoch nicht, sondern berichtete, dass Middeldorf über seinen Rechtsanwalt als Ausgleich für Karrierenachteile ein Honorar von 100.000 DM gefordert habe. Daraufhin versetzte Verteidigungsminister Schmidt ihn in den einstweiligen Ruhestand. Middeldorf war 1941-45 im Stab der 4. Panzer-Division der Wehrmacht und danach im Oberkommando des Heeres tätig gewesen. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eike_Middeldorf">Wik</a>.</p>



<p>1971.04. demonstrierten in Fessenheim im Elsass 15.000 französische, deutsche und schweize­rische Atomkraftgegner gegen das dort geplante Atomkraftwerk. 1972 kündigte der »Staatsanzeiger Baden-Württemberg« die großräumige Zerstörung des Rheintals zwischen Frankfurt und Basel zugunsten der deutsch-französischen Industriepolitik an: »Rückt die EWG näher zusammen, wird das Rheintal zwischen Frankfurt und Basel die Wirtschaftsachse überhaupt werden. Ob dann noch Platz für Umweltschutz ist, muss bezweifelt werden.«<a href="#_ftn34" id="_ftnref34">[34]</a></p>



<p>1971.04. inszenierte Hansgünther Heyme eine Aufführung von Wolf Biermanns Stück »Der Dra-Dra. Die Große Drachentöterschau in acht Akten mit Musik«. Wie vom Autor gewünscht, arrangierten die Dramaturgen Michael Hatry und Ulrich Greiff im Programmheft eine Doppelseite mit Personen der Zeitgeschichte als exemplarischen Zielen des Drachentöters. Eine davon war der Münchener OB Hans-Jochen Vogel. Obwohl Chefdramaturg Heinar Kipphardt nach einem Gespräch mit dem Intendanten August Everding die Veröffentlichung der Fotos unterbunden hatte, gelangte eine interne Kopie der Vorlage an die Presse oder an Günter Grass. Grass löste eine Pressekampagne gegen Kipphardt aus. Grass, Arnulf Baring und Hans-Jochen Vogel warfen Kipphardt vor, politische Gegner auf eine Abschussliste gesetzt zu haben. Vogel sagte: »Es ist der Stadt nicht zuzumuten, einen Mann zu beschäftigen, der zur Ermordung des Oberbürgermeisters auffordert.« Kipphardts Vertrag als Chefdramaturg der Münchener Kammerspiele wurde im Mai auf Druck Vogels vom Kulturausschuss des Münchener Stadtrats nicht verlängert, entgegen dem Votum Everdings.<a href="#_ftn35" id="_ftnref35">[35]</a></p>



<p>1971.04. kam die Schlagersängerin Katja Ebstein, genannt »die rote Katja«, mit dem Umweltlied »Diese Welt« auf den 3. Platz beim Grand Prix d’Eurovision de la Chanson. Den Text schrieb Fred Jay.</p>



<p>1971.05. öffnete sich die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) auf ihrem Bundeskongress in Oberhausen für jüngere Mitglieder ohne familiäre Anbindung an Verfolgte und nannte sich in VVN Bund der Antifaschisten um. Der Beschluss stand im Zusammenhang mit dem aktuellen Kampf gegen die NPD und die neofaschistische „Aktion Widerstand“. Antifa Mai 2016</p>



<p>1971.05. Seit Ende 1968 formierten sich in der BRD sozialistische Studentengruppen in einer »Assoziation Marxistischer Studenten« (AMS). Diese lokalen Gruppierungen schlossen sich Mai 1971 auf Bundesebene als »Marxistischer Studentenbund Spartakus« (MSB) zusammen und beendeten damit explizit die bisherige Studentenbewegung: »Der MSB Spartakus ist kein intellektueller Debattierklub und Tummelplatz für vom wissenschaftlichen Betrieb enttäuschte Studenten«, so der erste Bundesvorsitzende Christoph Strawe auf dem Gründungskongress. jW 10.4.<a href="https://www.jungewelt.de/artikel/400273.studentenbewegung-marx-an-die-uni.html">2021</a></p>



<p>1971.05. übernahm Erich Honecker als Nachfolger von Walter Ulbricht das Amt des Ersten Sekretärs des Zentralkomitees der SED.</p>



<p>1971.05. verlas die 30jährige Wibke Bruhns als erste deutsche Frau die Fernseh-Nachrichten (bei »heute«). Sie blieb zwei Jahre und moderierte fast 400 Mal. ZA Gesch 31.3.2003 (NW)</p>



<p>1971.06. löste Horst Stern mit dem Beitrag »Bemerkungen über das Haushuhn« in seiner Serie »Sterns Stunde« einen Skandal aus, da er die Hühnerhaltung in Legebatterien offen darstellte. – <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sterns_Stunde">Wik.</a></p>



<p>1971.06. startete die DFF-Krimiserie »Polizeiruf 110«, eine Replik auf den westdeutschen »Tatort«, mit der Folge »Der Fall Lisa Murnau«. Mord und Totschlag waren beim »Polizeiruf 110« eher die Ausnahme.</p>



<p>1971.06. veröffentlichte Daniel Ellsberg in der »New York Times« die sog. Pentagon-Papiere, die belegten, dass die US-Regierungen Kennedy und Johnson 1961-68 den Vietnam-Krieg gezielt angezettelt und immer weiter eskaliert hatten. US-Präsident Richard Nixon befürchtete deshalb, dass die von ihm selbst vorgenommene Ausdehnung des Bombenkrieges auf Kambodscha ebenfalls aufgedeckt werden könnte. Um das zu verhindern, autorisierte er die CIA zu diversen illegalen Einbrüchen und Abhörmanövern.<a href="#_ftn36" id="_ftnref36">[36]</a></p>



<p>1971.07? Im Sommer 1971 wurde Horst Herold Präsident des Bundeskriminalamtes und begann mit der technischen Aufrüstung. Einziger Daseinszweck des BKA war der Kampf gegen die RAF. SZ 22.3.2001 (Stapel FR)</p>



<p>1971.08. Am 1. Aug. 1971 beschloß der Landtag von NRW die Gründung von Fachhoch­schulen. Erstmals 1956 hatte man in NRW einen drohenden Mangel an qualifizierten Ingenieuren festgestellt. Verantw. Minister war Johannes Rau. Rückblick nach 25 Jahren: ksta 28. 11. 1996 – Auch die Fachhochschule Bielefeld wurde gegründet, in die auch die dortige Werkkunstschule einging (als Fachbereich Design). NW 12.8.2005</p>



<p>1971.09 strahlte das ZDF zum ersten Mal das Magazin »Kennzeichen D« aus. Moderator Hanns Werner Schwarze (1924?-1991) fragte sich nach Ulbrichts Tod 1973 öffentlich, ob der Kommunist nicht der »erfolgreichste deutsche Politiker dieses Jahrhunderts« gewesen sei. Die UZ über Schwarze: »ein Aggressor auf Filzlatschen«. In der DDR erreichte er zeitweise höhere Einschaltquoten als Wim Thoelke. ksta 18.9.1996 – Eingestellt im März 2001: FR 14.3.2001 (Stapel)</p>



<p>1971.09. beschloss das Land Bremen, zwei der sechs Sitze des Verwaltungsrats von Radio Bremen für die Beschäftigten zu reservieren. Ähnliche Mitbestimmungsregelungen erfolgten 1973 beim Saarländischen Rundfunk, 1974 beim Sender Freies Berlin und 1980 beim Hessischen Rundfunk. ZA Gesch 1.8.2000 (Medien)</p>



<p>1971.09. Schlacht um besetztes Haus am Frank­furter Grüneburgweg. Beteiligt: Joschka Fischer, Hans-Joachim Klein. Danach bildete sich die militante »Putzgruppe«. ZA Fi 8.1.2001 (Spiegel)</p>



<p>1971.09? wurde auf Initiative Gustav Heinemanns und Carl-Friedrich v. Weizsäckers das Hamburger »Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik« gegründet. Bis 1984 wurde es von Wolf Graf Baudissin geleitet, dann bis 1994 von Egon Bahr, seitdem von Dieter S. Lutz. 1979 verkündete das Institut zum Entsetzen der NATO-Politiker, die These von der konventionellen Überlegenheit des Warschauer Paktes lasse sich nicht halten. 1984 stellte die Hamburger CDU ihre Mitarbeit im Kuratorium ein, aus Protest gegen die Berufung Bahrs. ksta 18. 9. 1996</p>



<p>1971.10. wurde das Karl-Marx-Monument in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) eingeweiht. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Marx-Monument">Wikip.</a></p>



<p>1971.11. wurde auf Anregung von Rosa von Praunheim und Martin Dannecker die Homosexuelle Aktion Westberlin (HAW) gegründet. SZ 21.11.2001</p>



<p>1971.12. strahlte die ARD Horst Sterns »Bemerkungen über den Rothirsch« (in der Serie »Sterns Stunde«) ausgerechnet am Heiligabend aus. Sterns bissige Kommentare über die Trophäenjagd und den enormen Verbissschaden an den Wäldern lösten eine gewaltige Empörungs­kampagne der westdeutschen Jagdlobby aus. Doch da die Forstfakultäten der Unis Freiburg, Göttingen und München sowie der bayerische Landwirtschaftsminister Hans Eisenmann Sterns Positionen unterstützten, konnte sich seine Serie bei der ARD halten. An den Jagdpraktiken änderte sich freilich nichts. – <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sterns_Stunde">Wik.</a></p>



<p>1971.12. wurde Ernst Benda Präsident des Bundesverfassungsgerichts und löste Gebhard Müller ab.</p>



<p>1971.13. Der niedersächsische Schriftsteller, Ex-Faschist und APO-Aktivist Bernward Vesper beging 32jährig in Hamburg Selbstmord (15. 5.).</p>



<p>1972. brach anlässlich der Olympischen Spiele in München das Ensemble der »Münchner Lach- und Schießgesellschaft« auseinander. NW 12.12.2006</p>



<p>1972. entzog der nordrhein-westfälische Kultusminister Johannes Rau dem Künstler Joseph Beuys die Lehrerlaubnis. Heinrich Böll, Uwe Johnson, Gerhard Richter, Günther Uecker, Henry Moore, Peter Handke, Martin Walser u. a. protestierten.<a href="#_ftn37" id="_ftnref37">[37]</a></p>



<p>1972. erschien die vom Club of Rome in Auftrag gegebene Studie »Die Grenzen des Wachstums« von Dennis Meadows. Klaus Traube und viele andere Westdeutsche ließen sich von diesem Text zu Umweltschützern bekehren. ZA Gesch 1.4.2000 (BUND-Magazin)</p>



<p>1972. erschien Heiner Müllers Drama »Macbeth«. MGTL</p>



<p>1972. erschien Reinhard Meys LP »Mein achtel Lorbeerblatt«. Darin auch seine Anti-68er-Hymne »Bevor ich mit den Wölfen heule«. Im gleichen Jahr bekam er die »Goldene Europa« der Europawelle Saar. 1972? blies Mey zur »Heißen Schlacht am kalten Buffet«.</p>



<p>1972. erschien Richard Bachs Büchlein »Die Möwe Jonathan« bei Ullstein. Verleger Wolf Jobst Siedler hielt es zunächst für eine »Petitesse« und spottete: »ein ‹Kleiner Prinz› für Krankenschwestern«. Es wurde zum erfolgreichsten Buch seiner Verlegerkarriere. NW 17.1.2006</p>



<p>1972. führte Claus Peymann Thomas Bernhards Stück »Der Ignorant und der Wahnsinnige« bei den Salzburger Festspielen urauf.</p>



<p>1972. gründeten die früheren IBM-Mitarbeiter Hans-Werner Hector, Dietmar Hopp, Hasso Plattner, Klaus Tschira und Claus Wellenreuther in Weinheim die Firma <em>SAP Systemanalyse und Programmentwicklung, </em>aus der später der Walldorfer Softwarekonzern SAP hervorging. Sie entwickelten Programme, die die Lohnabrechnung und Buchhaltung von Unternehmen per Großrechner organisieren sollten, bei Eingabe der Daten am Bildschirm statt, wie vorher üblich, über Lochkarten. Sie bezeichneten ihre Software als Realtime-(Echtzeit)-System. Die erste Version der Software entstand im Rechenzentrum des ersten Kunden, dem Nylonfaserwerk der Imperial Chemical Industries (ICI). Sie war von Anfang an als Standardsoftware konzipiert und konnte auch weiteren Interessenten angeboten werden. – <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/SAP">Wikip</a>.</p>



<p>1972. gründeten die Rechtsanwälte Horst Mahler, Otto Schily und Christian Ströbele in West-Berlin das Sozialistische Anwaltskollektiv und übernahmen die Verteidigung von inhaftierten Terroristen der „Rote Armee Fraktion“ (RAF).<a href="#_ftn38" id="_ftnref38">[38]</a></p>



<p>1972. kam die Snackmarke »Bifi« auf den Markt.</p>



<p>1972. kam die Süßwarenmarke »Tic Tac« auf den Markt.</p>



<p>1972. kam Mary Roos mit »Nur die Liebe lässt uns leben« auf Platz 3 beim Grand Prix d’Eurovision. ZA Gesch. 11.5.2000 (D.Zt.)</p>



<p>1972. reaktivierte ## um <a href="#willings">1830</a> gegründete die Malerschule im hessischen Willingshausen. NW 27.8.2005</p>



<p>1972. sollte der Gropiusbau in West-Berlin zugunsten einer Stadtautobahn abge­rissen werden. Nur mit Mühe konnten Denkmalschützer das verhindern. ksta 10. 9. 1997</p>



<p>1972. stieg Bertelsmann aus der Landwirtschaft wieder aus. Manager Manfred Köhnlechner, später bekannt als Heilpraktiker, hatte zeitweise für B. eine Hühnerfarm betrieben. Die SZ meldete am 22.1.: »Bertelsmanns Hühner sind spurlos verschwunden«. ZA 1.1.2000 (Medien)</p>



<p>1972. stoppte ein Volksbegehren in Bayern das von der CSU-Regierung beschlossene Rundfunkgesetz. ZA Gesch 1.8.2000 (Medien)</p>



<p>1972. verfilmte Wim Wenders Peter Handkes Drama »Die Angst des Tormanns beim Elfmeter«. Der Film wurde prägend für die Ära des »Neuen Deutschen Films«.</p>



<p>1972. veröffentlichte Carl Amery seinen Essay »Das Ende der Vorsehung – Die gnadenlosen Folgen des Christentums«. Er wurde vor allem in der Evangel. Kirche der DDR diskutiert und bewegte viele ev. Christen, sich für den Umweltschutz einzusetzen. ZA Gesch 1.4.2000 (BUND-Magazin)</p>



<p>1972. veröffentlichte die Schlager- und Chansonsängerin <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Katja_Ebstein">Katja Ebstein</a> eine LP mit Liedern von Heinrich Heine. Dafür musste sie sich damals herbe Kritik von konservativer Seite gefallen lassen. (Wikipedia Heine)</p>



<p>1972. wies das Oberverwaltungsgericht Koblenz in 2. Instanz Klagen gegen die geplante Nahe-Überbauung in Idar-Oberstein zurück.<a href="#_ftn39" id="_ftnref39">[39]</a></p>



<p>1972. wurde das historische Schwarzwald-Hotel Löwen zu Triberg abgerissen (Baujahr 1827). (Tafel in Triberg, Stand 2014)</p>



<p>1972. wurde der 116 m hohe Frankfurter Universitätsturm erbaut. Im Februar 2014 wurde er gesprengt. NW 3.2.2014</p>



<p>1972. wurde die pfälzische Bluessängerin Joy Fleming (bgl. Erna Strube) mit dem Neckarbrücken-Blues bekannt, den sie in Mannheimer Dialekt vortrug. MTL Musik</p>



<p>1972. wurde Hubert Schrübbers, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, in den vorzeitigen Ruhestand geschickt, weil seine Nazivergangenheit bekannt geworden war. Im Zuge des sogenannten <strong>Radikalenerlasses,</strong> den Bundeskanzler Brandt mit den Minister­präsidenten der Länder vereinbart hatte, wurden 1,4 Millionen meist junge Bewerber für den öffentlichen Dienst auf ihre »Verfassungstreue« hin überprüft. Das Material besorgte der Verfassungsschutz, darunter Listen von Studenten, die für linke Gruppen bei Universitätswahlen kandidiert hatten. Konservative Professoren (u. a. vom »Bund Freiheit der Wissenschaft«) arbeiteten gerne zu. Eine Atmosphäre von Gesinnungs­schnüffelei und Einschüchterung breitete sich aus.<a href="#_ftn40" id="_ftnref40">[40]</a></p>



<p>1972. wurde in der DDR das Ministerium für Umweltschutz und Wasserwirtschaft eingerichtet.</p>



<p>1972. wurde in der Frankfurter Altstadt der Waschbetonkoloss des Technischen Rathauses gebaut. Dafür fielen ein Rokokohaus und die Reste zweier Renaissancehäuser. FAZ 12.1.2002</p>



<p>1972. wurde Martin Broszat Leiter des Münchener Instituts für Zeitgeschichte. Er lehnte die Dokumentationen Joseph Wulfs über den Holocaust ab: Man dürfe die Erforschung des Holocaust nicht Holocaust-Überlebenden überlassen, da sie nicht »objektiv« urteilen könnten. ZA 10.7.2003 (Zeit)</p>



<p>1972. zerstörten Stadtplaner den Franckeplatz in Halle (Saale) durch den Bau einer doppelten Hochstraße. Die Betsäule von Halle, die seit 1928 auf dem Platz stand, wurde in die Grünanlage des Universitätsrings versetzt. 2014 präsentierten Christoph Mäckler und Rolf-E. Breuer dieses abschreckende Beispiel in ihrer Ausstellung »Plätze in Deutschland 1950 und heute – eine Gegenüberstellung«.<a href="#_ftn41" id="_ftnref41">[41]</a></p>



<p>1972.? kommunale Neuordnung in Nordrhein-Westfalen. Die Zahl der Gemeinden wurde von 1400? auf 396 reduziert. In keinem anderen Bundesland gab es eine ähnlich brutale Neuordnung. Bayern hatte 1998 noch 2056, Baden-Württemberg 1111, Niedersachsen 1032, Rheinland-Pfalz sogar 2305 Gemeinden. Fischer-Weltalmanach 2001, 180.</p>



<p>1972.01 wurde das Kölner Eros-Center in der Hornstraße eröffnet. ksta 10. 1. 1997</p>



<p>1972.01. plädierte Heinrich Böll in dem Spiegel-Artikel »Will Ulrike Gnade oder freies Geleit?«, bezogen auf Ulrike Meinhof, für eine sachliche Berichterstattung über die Motive der Terroristen und verurteilte die Kampagnen der Bild-Zeitung gegen die so genannte Baader-Meinhof-Bande. Danach wurde Böll als Sympathisant der Terroristen diffamiert, die Polizei durchsuchte im Zuge einer Fahndung sein Landhaus in der Eifel, um in der Presse den Verdacht zu streuen, er biete flüchtigen Terroristen Unterschlupf. Böll reagierte, indem er einen Mitarbeiter beauftragte, Hetzartikel von Boulevardblättern zu sammeln, die Menschen in Wort und Bild verleumdeten. Sie bildeten das Material für seine Erzählung »Die verlorene Ehre der Katharina Blum«.<a href="#_ftn42" id="_ftnref42">[42]</a> Bölls Freund Günter Wallraff setzte die Recherche fort und heuerte 1976 unter dem Pseudonym Hans Esser als Journalist der Bild-Zeitung an.</p>



<p>1972.01. strahlte die ARD zum ersten Mal «Die Sendung mit der Maus» aus.</p>



<p>1972.02. Die deutschsprachige Version der Rockoper »Jesus Christ Superstar« von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice wurde am 18. Februar in Münster (Halle Münsterland) erstauf­geführt, mit Reiner Schöne in der Hauptrolle als Jesus.<a href="#_ftn43" id="_ftnref43">[43]</a></p>



<p>1972.02. wurde Angela Davis gegen eine Kaution aus amerikanischer Haft entlassen. Weltweite Solidaritätskampagnen. *1972.07.03</p>



<p>1972.02. wurde das US-amerikanische Erfolgs-Musical &#8222;Jesus Christ Superstar&#8220; von Andrew Lloyd Webber (geb. 1948) erstmals in der Bundesrepublik aufgeführt, und zwar in Münster. Die Broadway-Inszenierung wurde zu einem überragenden Erfolg, den Kritiker mit dem anhaltenden Jesus-Boom und der Suche der jungen Generation nach Idolen erklärten.</p>



<p>1972.02. wurde die Freiheitskämpferin und Kommunistin Angela Davis 28jährig vorläufig aus usamischer Haft entlassen. Sie war 1970 als mutmaßliche Helferin eines bewaffneten Versuchs zur Gefangenenbefreiung inhaftiert worden. In der DDR lief 1971 die Kampagne »Eine Million Rosen für Angela Davis«. Der ostdeutsche ADN-Reporter Horst Schäfer beglückwünschte und interviewte sie zur Befreiung. Im Juni wurde Davis in allen Anklagepunkten freigesprochen. Im September überreichte Erich Honecker ihr persönlich eine Einladung zu den Weltfestspielen der Jugend. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Angela_Davis">Wik</a>.</p>



<p>1972.03. begrenzte Bundesverkehrsminister Georg Leber zunächst versuchsweise die Höchst­geschwindigkeit außerhalb von Ortschaften auf 100 km/h. Nur die Autobahnen blieben ausgespart. »Zwangsjacke«, hetzte das Hamburger Abendblatt. Der Spiegel packte Leber auf die Titelseite und giftete: »Mit Tempo 100 aufs Abstellgleis«. Auf Millionen Autos klebte ein Aufkleber: »Ich bin gegen Tempo 100.« Doch schon 1973 sank die Zahl der Verkehrstoten deutlich.<a href="#_ftn44" id="_ftnref44">[44]</a>&nbsp;</p>



<p>1972.04. gründete Udo Werner die »Talentprobe« in Köln. ksta 26. 4. 1997</p>



<p>1972.04. scheiterte der Misstrauensantrag im Bundestag gegen Bundeskanzler Willy Brandt. Rainer Barzel musste weiterhin die Oppositionsbank drücken.</p>



<p>1972.05. Am 17. Mai ratifizierte der Deutsche Bundestag den Moskauer und den Warschauer Vertrag. Am 3. Juni traten die Ostverträge in Kraft.</p>



<p>1972.05. Am 17. Mai verabschiedete der westdeutsche Bundestag nach heftiger Debatte die Ostverträge mit der UdSSR und mit Polen. Interview mit Egon Bahr, ksta 17. 5. 1997</p>



<p>1972.05. beauftragte die Bundesregierung Staatssekretär Egon Bahr, mit der DDR-Regierung einen Grundlagenvertrag auszuhandeln. RZ 30.5.2002</p>



<p>1972.05. brachte die Mannheimer Papierfabrik Waldhof-Aschaffenburg »Zewa Wisch &amp; Weg« auf den Markt. Die Zeit 6. 6. 1997 (n. a.)</p>



<p>1972.05. Der erste Bombenanschlag der »Rote Armee Fraktion (RAF)« am 24. Mai auf das Hauptquartier der US-Armee in Heidelberg forderte drei Todesopfer. Im Juni wurden Andreas Baader, Holger Meins, Jan-Carl Raspe, Gudrun Enßlin und Ulrike Meinhof gefasst. ZA Fischer 8.1.2001 (Spiegel)</p>



<p>1972.06 (am Fronleichnamstag) wurde das Haus von Heinrich und Annemarie Böll in der Eifel von Polizisten mit Maschinenpistolen umstellt und durchsucht. Der Besuch des Münchener Philo­sophie-Dozenten Robert Spaemann hatte den Verdacht der Polizei erregt, Böll könne Mitglieder oder Sympathi­santen der Baader-Meinhof-Gruppe aufgenommen haben, vielleicht sogar die damals flüchtige Ulrike Meinhof. In einem »Spiegel«-Artikel hatte Böll zuvor »Freies Geleit für Ulrike Meinhof« gefordert. ZA 29. 4. 1998 (Zeit)</p>



<p>1972.06. begann die Watergate-Affäre: Im Washingtoner Watergate-Hotel wurden Wahlhelfer Nixons dabei ertappt, wie sie in die Wahlkampfzentrale der Demokraten einbrachen. Die Reporter Carl Bernstein und Robert Woodward deckten in der »Washington Post« auf, dass die Einbrecher auf direkte Anordnung von Nixons Stab gehandelt hatten. 1974 tauchte auch ein Tonband auf, das Nixons Mitwisserschaft belegte. Hintergrund: Der demokratische Kandidat George McGovern war ein Kritiker des Vietnamkrieges.<a href="#_ftn45" id="_ftnref45">[45]</a> Gleichwohl gewann Nixon im November 1972 die Präsidentschaftwahl gegen McGovern.</p>



<p>1972.06. moderierte Hans-Joachim Wolfram erstmals die ostdeutsche Wissensshow »Außenseiter – Spitzenreiter«. Jede Folge endete mit der Aufforderung: »Blieben Sie schön neugierig!«</p>



<p>1972.06. startete das DDR-Fernsehen die Erklärungsserie »Außenseiter – Spitzenreiter«. Moderator Hans-Joachim Wolfram beantwortete dort Naturfragen wie »Wie viel PS hat eine Kuh« oder »Haben Fische Durst«. Die Folgen endeten stets mit dem Gruß: »Bleiben Sie schön neugierig!« Die beliebte Serie existierte 2015 immer noch im MDR. NW 2.1.2016</p>



<p>1972.06. verabschiedete der Bundestag ein Tierschutzgesetz. Es sah erstmals ein Tötungsverbot für Tiere und das Gebot vor, Tiere artgerecht zu halten. WDR5 ZeitZeichen 21.6.2022</p>



<p>1972.06. verabschiedete der Bundestag einstimmig ein Gesetzespaket zur inneren Sicherheit.</p>



<p>1972.06. wurde der westdeutsche Grundwehrdienst von 18 auf 15 Monate, der Zivildienst auf 16 Monate verkürzt.</p>



<p>1972.06.03. traten die Ostverträge (Deutsch-Sowjetischer und Deutsch-Polnischer Vertrag v. 1970) nach ihrer Ratifizierung im Bundestag in Kraft. MTL</p>



<p>1972.06.18. wurde West­­deutsch­­land in Brüssel mit einem 3:0 über die Sowjetunion Fußball-Europa­meister. ksta 28.1.2000</p>



<p>1972.07. eröffnete der Berliner Pädagoge Oskar Negt auf dem Frankfurter Opernplatz mit einer Rede zur Gewaltfrage einen Angela-Davis-Solidaritäts­kongress. Dabei analysierte er scharfsichtig und uner­bittlich den verhängnisvollen Irrweg der Baader-Meinhof-Terroristen. Zitiert in FR 24.1.2001 (Stapel)</p>



<p>1972.07. führte das ZDF das Fernsehspiel »Max Hoelz. Ein deutsches Lehrstück« (Regie: Rudolf Nussgruber) nach einem Drehbuch von Michael Mansfeld urauf. – <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Hoelz">Wik</a>.</p>



<p>1972.07. präsentierte die Firma Big auf der Nürnberger Spielwarenmesse das erste Bobby-Car: rot und mit zwei fröhlichen Scheinwerferaugen. NW 13.7.2002</p>



<p>1972.07. wurden die Olympischen Spiele in München eröffnet.</p>



<p>1972.09. Am 5. September überfielen palästinensische Terroristen die israelische Olympia­mannschaft in München, erschossen zwei Sportler und nahmen acht als Geiseln. Bei der missglückten Befreiungsaktion auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck kamen die Täter und alle Geiseln ums Leben. ksta 4.9.1997</p>



<p>1972.09. überfielen acht palästinensische Terroristen das Olympische Dorf in München, drangen, von Sicherheitskräften nicht behindert, in den Pavillon der israelischen Mannschaft ein, erschossen zwei israelische Sportler, die sich ihnen in den Weg gestellt hatten, und nahmen die übrigen neun als Geiseln. Die Bundesregierung schlug unter Ägide von Bundesinnenminister Genscher ein Angebot der israelischen Regierung aus, eine im Anti-Terror-Kampf erfahrene Mossad-Einheit für den Einsatz nach München zu schicken. Als die Terroristen auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck mit den Geiseln einen Hubschrauber bestiegen, eröffnete eine unerfahrene bayerische Polizei­einheit das Feuer. Dabei kamen alle neun Geiseln, ein Polizist und fünf der acht Terroristen ums Leben. Nach Angaben von Angehörigen der israelischen Sportler beschwerte sich der Münchener Polizeipräsident Manfred Schreiber nach der Katastrophe öffentlich darüber, dass Israel den Terror auf deutschen Boden getragen habe.<a href="#_ftn46" id="_ftnref46">[46]</a></p>



<p>1972.10. begannen die Planungen für den Schnellen Brüter in Kalkar. NW 5.9.<a href="../Anwendungsdaten/Microsoft/Word/Geschi/1946-1990/1986_Hamm-Uentrop.pdf">2009</a></p>



<p>1972.10. legte der hessische Sozialdemokrat und Kultusminister Ludwig von Friedeburg Rahmenrichtlinien für Gesellschaftslehre vor, die das sog. Konfliktmodell vertraten: Die Schülerinnen und Schüler sollten demokratisches Verhalten (»Selbst- und Mitbestimmung«)&nbsp; anhand konkreter Konflikte lernen. Die von Alfred Dregger geführte CDU Hessen führte eine scharfe Kampagne gegen die »sozialistische Pädagogik«. Hartmut von Hentig verteidigte die Richtlinie. 1973 zog die hessische Landesregierung die Richtlinie schrittweise zurück. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hessische_Rahmenrichtlinien_f%C3%BCr_Gesellschaftslehre_(1972)">Wik</a>.</p>



<p>1972.10. stand eine Verhandlungslösung für den Vietnam-Krieg unmittelbar bevor. Sie scheiterte an Nguyen Van Thieu und an Nixon, der für seine Wiederwahl im November einen für die USA »ehrenhaften« Frieden brauchte. Im Dezember ließ er Hanoi großflächig bombardieren, doch die Vietnamesen konnten 34 B-52-Bomber sowie zahlreiche neue Schwenkflügel-Kampfflugzeuge abschießen. Im Januar 1973 gingen die Verhandlungen in Paris auf dem alten Stand weiter.<a href="#_ftn47" id="_ftnref47">[47]</a></p>



<p>1972.11. Bundestagswahl am 19. November: Die SPD mit Bundeskanzler Brandt wurde zum ersten Mal in ihrer Geschichte stärkste Partei in Westdeutschland. Im Umfeld der Bundestagswahl verzeichnete die SPD auch eine gewaltige Welle von Parteieintritten.</p>



<p>1972.11<a></a>. Das Logo des deutschen Umweltzeichens (»Blauer Engel«) wurde 1972 (?) vom Zeichen der UNEP übernommen. Es zeigt eine weibliche Gestalt mit ausgebreiteten Armen. &#8222;Das Symbol &#8211; der Mensch in einer angestrebten daseinswürdigen Umwelt &#8211; erscheint besonders geeignet, die Hauptaufgabe der Umweltpolitik, nämlich die Erhaltung und Gestaltung einer menschenwürdigen Umwelt aufzuzeigen&#8220;, heißt es in einer offiziellen Mitteilung des Bundesinnenministers Genscher vom 10.11.1972. Zudem wurde das durch die UNEP eingeführte Symbol als &#8222;ohne Zusätze allgemein national und international verständlich&#8220; angesehen. Die im Rahmen eines Design-Wettbewerbs für ein deutsches Umweltzeichen im gleichen Jahr prämiierten Entwürfe wurden nicht berücksichtigt. &#8212; Der Blaue Engel war die erste umweltschutzbezogene Kennzeichnung der Welt für Produkte und Dienstleistungen. Sie wurde 1977 auf Initiative des Bundesministers des Inneren und durch den Beschluss der Umweltminister des Bundes und der Länder ins Leben gerufen. <a href="http://www.blauer-engel.de/deutsch/navigation/body_blauer_engel.htm">www.blauer-engel.de, Juni 2003</a>; <a href="1972_Blauer-Engel.htm">lokal</a></p>



<p>1972.11. erhielt Heinrich Böll den Nobelpreis für Literatur.</p>



<p>1972.11. richtete ein Orkan in den Wäldern Niedersachsens erhebliche Schäden an.<a href="#_ftn48" id="_ftnref48">[48]</a></p>



<p>1972.11. wurde die 29jährige linke Sozialdemokratin und Juristin Herta Däubler-Gmelin in den Bundestag gewählt. Die Kanalarbeiter in der SPD-Fraktion feindeten sie an. Rückblicke, SZ 23.9.<a href="Geschi/1946-1990/1972_Bundestag.doc">2009</a></p>



<p>1972.13. Der westfälische Unternehmer und Kriegsverbrecher Friedrich Flick starb 89jährig in Konstanz (20. 7.). Der thüringische Schriftsteller Ernst Kreuder starb 70jährig in #.</p>



<p>1972k Der Bildhauer Hans Wimmer schuf auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz das »Ehrenmal des Deutschen Heeres« für die toten Soldaten der beiden Weltkriege, eine Art Grabmal des Unbekannten Soldaten. Es sollte ursprünglich in Bonn gebaut werden, doch die Bundeswehr entschied dann, es an abgelegener Stelle in Koblenz zu verstecken, um Schändungen zu vermeiden. Man tritt in einem offenen Gewölbe an der Festungsmauer zwei Stufen hinab, und auf einem Sarg liegt ein junger unversehrter Soldat aus Bronze. Über ihm an der Wand hängt ein bronzener Kranz.<a href="#_ftn49" id="_ftnref49">[49]</a></p>



<p>1973. Angela Kasner (spätere Merkel) konnte nach ihrem Einser-Abitur 1973 in Templin, mit einer überdurchschnittlichen Begabung in Mathematik und Sprachen, von 1973 bis 1978 Physik an der Universität Leipzig studieren mit dem Abschluss als Diplom-Physikerin – als Tochter eines ev. Pfarrers, die die Jugendweihe abgelehnt hatte. Wikipedia <a href="vita/Merkel2.html">2005</a></p>



<p>1973. begann in West-Berlin der Bau des Internationalen Congress-Centrums nach Plänen von Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte.<a href="#_ftn50" id="_ftnref50">[50]</a></p>



<p>1973. begannen die Historiker Heinrich Beck u. a. an der Göttinger Akademie der Wissenschaften mit der Herausgabe der 2. Auflage des Reallexikons der Germanischen Altertumskunde. Einen ersten Ansatz gab es schon 1968. Der 35. und letzte Band erschien 2007. – <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Reallexikon_der_Germanischen_Altertumskunde">Wikip</a>.</p>



<p>1973. bezog Martin Huthmann, Pfarrer der Katholischen Studentengemeinde Bonn, das ehemalige Gefängnis und Obdachlosenasyl in der Viktoriastraße. Mit engagierten Studentinnen und Studenten setzte er das verkommene Haus wieder instand. 1982 wurde daraus das Oscar-Romero-Haus.<a href="#_ftn51" id="_ftnref51">[51]</a></p>



<p>1973. endete der Arbeitskampf in der Metallindustrie mit einer Lohnerhöhung von 8,5%. Schleyer gewährte bei Daimler-Benz 11%, den besten Arbeitern 16%.<a href="#_ftn52" id="_ftnref52">[52]</a></p>



<p>1973. erschien in Köln die fünfte Single der Bläck Fööss mit den Titeln »Mer losse der Dom&#8230; / In unserem Veedel« (Text u. Musik v. Hartmut Priess). 1974 erschien die erste LP »Op bläcke Fööss noh Kölle«, mit diesem Lied als vorletztem, gleich vor Ostermanns Hymne »Heimweh nach Köln«. Die Bläck Fööss und ihr Publikum schafften es tatsächlich, den geplanten Abriss von Ehrenfeld zu verhindern (*1969. beschlossen).</p>



<p>1973. führte Claus Peymann Botho Strauß‘ Stück »Die Hypochonder« in Frankfurt urauf.</p>



<p>1973. gelang Udo Lindenberg mit der Single »Alles klar auf der Andrea Doria« der internationale Durchbruch. Briefmarke Deutsche Post 2010</p>



<p>1973. gestaltete der Kabarettist Dieter Hildebrandt im ZDF das Satiremagazin »Notizen aus der Provinz« (bis 1979).</p>



<p>1973. gewann Borussia Mönchengladbach mit ihrem Star Günter Netzer den DFB-Pokal mit einem 2:1 über den 1. FC Köln in der Verlängerung. Das Spiel gilt als eines der schönsten der deutschen Fußballgeschichte. ksta 27.1.2000</p>



<p>1973<a></a>. gründete der sächsische Pazifist Georg Meusel mit anderen die Königswalder Friedensseminare, in denen kritisch über den ostdeutschen Militarismus gesprochen wurde. Die Zeit 25.4.2002</p>



<p>1973. konstruierte Mauricio Kagel in Köln ein »Zwei-Mann-Orchester«. mgtl</p>



<p>1973. reduzierte der Bundestag das Schutzalter für legale homosexuelle Beziehungen von 21 auf 18 Jahre.</p>



<p>1973. restaurierten die Ostdeutschen das erste Fachwerkhaus von Wernigerode vollständig – ein kleines Handwerkerhaus in der Breiten Straße. Tafel am Ort, 2001</p>



<p>1973. schrieb Udo Lindenberg nach einem Besuch in Ost-Berlin das Lied »Mädchen aus Ostberlin« (»Stell’ dir vor, du kommst nach Ostberlin«).</p>



<p>1973. strahlte die ARD die erste Folge von Michael Pfleghars Unterhaltungsshow »Klimbim« aus – mit dem Sex-Idol Ingrid Steeger. Sie gilt als erste deutsche Comedy-Show. 1975 bekam Pfleghar dafür den Adolf-Grimme-Preis. NW 31.3.2007</p>



<p>1973. trat der niedersächsische Schlagersänger Bernd Clüver mit dem Lied »Der Junge mit der Mundharmonika« in Dieter Hecks Hitparade auf.</p>



<p>1973. veröffentlichte der Lübecker Umweltschützer Holger Strohm die Dokumentation »Friedlich in die Katastrophe« über die westdeutschen Atomkraftwerke.</p>



<p>1973. wechselte der Soziologe Helmut Schelsky mit seinem gesamten Lehrstuhl von der Universität Bielefeld an die juristische Fakultät der Universität Münster.</p>



<p>1973. wünschte Reinhard Mey auf über 1 Million Platten »Gute Nacht, Freunde« und machte seine Privatpilotenlizenz: »Über den Wolken&#8230;«</p>



<p>1973. wurde der DEFA-Spielfilm »Die Legende von Paul und Paula« mit Winfried Glatzeder und Angelica Domröse in den Hauptrollen ein großer Erfolg in der DDR..<a href="#_ftn53" id="_ftnref53">[53]</a> Das Drehbuch schrieb Ulrich Plenzdorf.</p>



<p>1973. wurde der DEFA-Spielfilm »Die Legende von Paul und Paula« mit Winfried Glatzeder und Angelica Domröse in den Hauptrollen ein großer Erfolg in der DDR..<a href="#_ftn54" id="_ftnref54">[54]</a></p>



<p>1973. wurde der Opel Kadett B durch den Kadett C abgelöst. SZ 17.8.2002</p>



<p>1973. wurde der Physiker und RWE-Manager Heinrich Mandel Präsident des Deutschen Atomforums und rückte damit in die Rolle des westdeutschen Atompapstes auf. Wp</p>



<p>1973. wurde Hanns Martin Schleyer Präsident der Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände. 1974 war der »Stern«-Reporter Kai Hermann bei ihm zu Hause und schrieb dann eine Geschichte über den »eiskalten Tarifunterhändler«, der »die Unternehmerfront kommandiert«. SZ 14.8.2003 (Fernsehporträt v. L. Hachmeister)</p>



<p>1973. wurde Schleyer als Nachfolger von Otto A. Friedrich Präsident der BDA (Arbeitgeberverbände), bezog weiterhin sein Gehalt als Daimler-Vorstand. 1974 unterstützte er zunächst Strauß, später das Duo Kohl-Biedenkopf. Bernt Engelmann schrieb auf Basis von DDR-Material den dokumentarischen Roman »Großes Bundesverdienstkreuz«, in dem Schleyer eine Hauptrolle spielt. Biedenkopf später: »Das Buch hat die Stasi geschrieben.« Engelmanns Partner Günter Wallraff verwies auf Schleyers Tätigkeit als Konsul der brasilianischen Militärdiktatur.<a href="#_ftn55" id="_ftnref55">[55]</a></p>



<p>1973.? landete die Düsseldorfer Elektronik-Popgruppe »Kraftwerk« die Hits »Auto­bahn« und »Radioaktivität« – erste Vorboten der Tekkno-Musik der 90er Jahre. 1999 wählten die Leser der britischen Popkulturzeitschrift Q »Kraftwerk«-Gründer Ralf Hütter unter die 100 Größten des Popmusik-Jahrhunderts. ksta 29.7.1999</p>



<p>1973.01. strahlte die ARD die erste Folge der aus den USA stammenden Kinderpuppenserie »Sesamstraße« aus – mit Ernie, Bert, Kermit, dem Krümelmonster, Bibo und Grobi. Die Serie wurde in die deutsche Kultur eingegliedert und sollte Vorschulkinder zum Lernen animieren. ZA Medien 4.1.2003 (NW)</p>



<p>1973.01. trat die kommunale Neuordnung in NRW in Kraft. Aachen schluckte sieben Gemeinden; Bergisch Gladbach schluckte die Stadt Bensberg; Bielefeld schluckte die Städte Brackwede und Sennestadt sowie weitere 21# Gemeinden; Herne schluckte die Stadt Wanne-Eickel; Köln schluckte die Stadt Porz und zwei# weitere Gemeinden, vorübergehend auch die Stadt Wesseling. Es verschwanden zahlreiche Kreise (z. B. Geilenkirchen, Erkelenz, Jülich, Monschau, Schleiden) und der Regierungsbezirk Aachen. NW 31.12.2002</p>



<p>1973.01. wurde der Zivildienst von 18 auf 16 Monate verkürzt und dauerte nur noch 1 Monat länger als der Wehrdienst.</p>



<p>1973.02. &#8211; Großbritannien und Frankreich nahmen diplomatische Beziehungen zur DDR auf und erkannten damit den zweiten deutschen Staat an.</p>



<p>1973.03. Straßenschlacht in Frankfurt um das besetzte Haus am Kettenhofweg. Joschka Fischer, Hans-Joachim Klein u.a. verprügelten einen Polizisten, der FAZ-Reporter Lutz Kleinhans hielt die Szene fest. Fischer wurde zu einer Führungsfigur der Gruppe »Revolutionärer Kampf«. ZA Fischer 8.1.2001 (Spiegel)</p>



<p>1973.07. fanden die 10. Weltfestspiele der Jugend und Studenten mit rd. 26.000 offiziellen Gästen in Berlin/DDR statt. Dazu kamen rd. 8 Millionen Besucher. Auf 95 Bühnen gab es Beat- und Rockmusik und Lieder von Singeklubs. Man sprach von einem »Woodstock des Ostens«. Der Ost-Berliner Magistrat nannte bei dieser Gelegenheit das Walter-Ulbricht-Stadion in »Stadion der Weltjugend« um. Die Umbenennung erstreckte sich sogar auf einen der Geisterbahnhöfe der West-Berliner U-Bahn. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Weltfestspiele_der_Jugend_und_Studenten">Wikip.</a></p>



<p>1973.07. Im Juli gab die Landesregierung von Baden-Württemberg den geplanten Atomkraftwerk-Standort Breisach wegen Bürgerprotesten auf und verkündete, das Kraftwerk solle in Wyhl am Kaiserstuhl gebaut werden. Der neue Standort war vom alten nur einige Kilometer entfernt. Es waren zwei Reaktoren mit einer Bruttoleistung von 1375&nbsp;MW und Nettoleistung von 1300&nbsp;MW sowie zwei etwa 160&nbsp;m hohe Naturzug-Nasskühltürme geplant. – <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Wyhl">Wikip</a>.</p>



<p>1973.07. kündigte die Landesregierung von Baden-Württemberg den Bau mehrerer Atomkraftwerke in Wyhl am Kaiserstuhl an. Schon im September rollten 500 Bauern mit ihren Traktoren zum Protest durch den Kaiserstuhl. Sie prägten die Parole »Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv«. Auch fürchteten sie, dass die Dampfwolken das Kaiserstühler Weinklima stören würden. Im gleichen Jahr veröffentlichte Holger Strohm das Mammutwerk »Friedlich in die Katastrophe«. Es entwickelte sich bald zum Bestseller der Atompolitik. Strohm pflegte bei Diskussionen einen Teelöffel aus der Brusttasche zu ziehen und zu sagen: »So viel Plutonium reicht aus, um halb Europa umzubringen.« Die Zeit 31.3.2011</p>



<p>1973.08. diagnostizierte das »Kursbuch« »Folter in der BRD« und einen »strukturellen Staatsfaschismus«.<a href="#_ftn56" id="_ftnref56">[56]</a></p>



<p>1973.09. Der explodierende Ölpreis (von 3 auf 12 $ pro Barrel) machte die Endlichkeit fossiler Rohstoffe spürbar. Die Industrieländer rationierten Benzinverkäufe. Die Regierung Brandt reagierte mit Sonntagsfahrverboten und Tempolimits: 80 km/h auf Landstraßen, 100 auf der Autobahn. Brandt wollte ein Signal setzen und »den Menschen zeigen, dass wir anders leben müssen« (so Gerhart Baum (FDP), damals Staatssekretär im Innenministerium).<a href="#_ftn57" id="_ftnref57">[57]</a></p>



<p>1973.09. Pinochets Putsch in Chile gegen den sozialistischen Staatspräsidenten Salvador Allende. 25. Jahrestag, ZA 11.9.1998 (SZ)</p>



<p>1973.10. Ölkrise: Die OPEC beschloss eine Preiserhöhung für Erdöl um 70%, um die Verluste durch die seit 1964 anhaltende Dollar-Inflation auszugleichen. Die US-Regierung hatte ihren Vietnamkrieg durch eine Dollar-Inflation finanziert. WDR 3, ZeitZeichen 9.9.2005</p>



<p>1973.10. Ölkrise: Die OPEC beschloss eine Preiserhöhung für Erdöl um 70%, um die Verluste durch die seit 1964 anhaltende Dollar-Inflation auszugleichen. Die US-Regierung hatte ihren Vietnamkrieg durch eine Dollar-Inflation finanziert. WDR 3, ZeitZeichen 9.9.2005</p>



<p>1973.11. autofreie Sonntage in der Ölkrise im Gefolge des Yom-Kippur-Kriegs</p>



<p>1973.11. legte Erich Honecker den Grundstein zum Palast der Republik in Ost-Berlin. ZA 19.4.2001 (Die Zeit)</p>



<p>1973.11. Militärputsch in Chile am 11. September. FR-Magazin zum 30. Jahrestag, FR 30.8.2003</p>



<p>1973.11. stoppte die Bundesregierung wegen der Wirtschaftskrise die Anwerbung ausländischer Arbeiter. »Der Spiegel« erschien mit dem Titelblatt: »Gettos in Deutschland: Eine Million Türken« (Ausgabe <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-21112684.html">31/1973</a>).</p>



<p>1973.12. sang Bundesaußenminister Walter Scheel in einer Folge der ZDF-Quizserie »Drei mal Neun« das Lied »Hoch auf dem gelben Wagen« von Rudolf Baumbach und Heinz Höhne. Die Plattenversion hielt sich 15 Wochen lang in den westdeutschen Charts. – <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hoch_auf_dem_gelben_Wagen">Wik</a>.</p>



<p>1973.13. Die schlesisch-westfälische Juristin, Sozialdemokratin und Feministin Theanolte Bähnisch starb 74jährig in Hannover (9. 7.). Die Magdeburger Schriftstellerin Brigitte Reimann starb 39jährig in Berlin/DDR an Krebs (20. 2.).</p>



<p>1973k Gerhard Zwerenz veröffentlichte den Roman »Die Erde ist unbewohnbar wie der Mond«, der die Immobilienspekulation um das Frankfurter Westend thematisierte. Seine Figur eines jüdischen Spekulanten karikierte den Unternehmer Ignatz Bubis und bediente antisemitische Klischees, was Zwerenz allerdings bestritt. Sein Freund Rainer Werner Fassbinder verarbeitete den Romanstoff 1975 zu einem Theaterstück mit dem Titel »Der Müll, die Stadt und der Tod«.<a href="#_ftn58" id="_ftnref58">[58]</a></p>



<p>1974. adelte Udo Jürgens »Griechischen Wein« zum »Blut der Erde«.</p>



<p>1974. bildete der TuS Wörrstadt die erste deutsche Frauen-Fußballmannschaft. ksta 27.1.2000</p>



<p>1974<a></a>. erhöhte das Münchener Versorgungsamt die Rente der Witwe des Nazi-Mörders Roland Freisler um monatlich 400 DM als »Schadensausgleich« dafür, dass Freisler nach dem Krieg wohl »als Rechtsanwalt oder Beamter des höheren Dienstes tätig geworden wäre«. Das bayerische Arbeitsministerium bestätigte die Entscheidung. ZA Freisler 3.2.2005 (Zeit)</p>



<p>1974. erschien postum Brigitte Reimanns Roman »Franziska Linkerhand« in Ost- und Westdeutschland.</p>



<p>1974. feierte die DDR den 200. Geburtstag des Malers Caspar David Friedrich mit mehreren Sondermarken. abgeb. in ZA Gesch. 1.7.2003</p>



<p>1974. löste die Aufstellung einiger Nanas von Niki de Saint-Phalle in Hannover einen Kulturkampf aus. Die HAZ veröffentlichte 235 Leserbriefe zum Thema, eine Bürgerinitiative »Weg mit den Nanas« warb für Notarztwagen und Kinderspielplätze, die »Freunde der Nanas« veranstalteten Happenings und sammelten 15.000 Unterschriften. taz 13.5.2000 (n.a.; nach Angaben von Stattreisen H.)</p>



<p>1974. musste das NDR-Magazin »Panorama« auf Druck der ARD-Programmchefs einen Bericht von Alice Schwarzer über Abtreibungsmethoden aus der Sendung nehmen. Aus Protest boykottierte Moderator Peter Merseburger die Sendung, die daher ohne Moderation übertragen wurde.<a href="#_ftn59" id="_ftnref59">[59]</a></p>



<p>1974. porträtierte Kai Hermann für den »Stern« Hanns Martin Schleyer, den »Boss der Bosse«, und seine Familie. Hermann erzählt: »Die Kinder artig um den Tisch&#8230;, die Mutter spielte Chopin, die Kinder nickten artig, wenn der Vater etwas sagte&#8230; Ich war überrascht über die Ehrlichkeit&#8230; und beeindruckt von diesem Selbstbewusstsein, das mir da begegnet ist&#8230;« Ob 1945 nichts bei ihm passiert sei? »„Ja, was denn?“Er trank einen Schluck Whisky, fuhr fort: „Ich wusste doch. Ich war doch auf einer Stelle, wo wir von allem wussten. Wir wussten doch sogar, dass wir den Krieg verlieren.“« Schleyer hatte ein Regal voller Israel-Bücher. »Er bewunderte Israel wegen seiner militärischen Stärke, hatte Kontakt zu rechten Israelis – das war für ihn kein Bruch.«<a href="#_ftn60" id="_ftnref60">[60]</a></p>



<p>1974. problematisierte Heiner Müller in dem Drama »Zement« erstmals das Verhältnis von Staat und Revolution. 1975 folgte »Die Schlacht«. MGTL</p>



<p>1974. regte Franz-Josef Schneider, Pressesprecher der Gruppe 47, den Stadtschreiberpreis von Bergen-Enkheim an. SZ 1.8.2003</p>



<p>1974. sang Nina Hagen im schwarzen Kleid und mit buntem Hut den Schlager »Du hast den Farbfilm vergessen« mit den Refrainzeilen: »Du hast den Farbfilm vergessen, / bei meiner Seel‘! / Alles blau und weiß und grün und später nicht mehr wahr…«. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=BeXHWIJJ0a8">Youtube 2011</a></p>



<p>1974. schaffte der westdeutsche Bundestag die Strafbarkeit der Landstreicherei ab. <a href="#_ftn61" id="_ftnref61">[61]</a></p>



<p>1974. spielte das Kölner Politkabarett »Floh de Cologne« die Rock-Oper »Geyer-Symphonie« ein. MTL Musik</p>



<p>1974. übersiedelte Uwe Johnson nach Großbritannien. MGTL</p>



<p>1974. verbreitete die Esso AG über Fernsehen und Anzeigen den Werbeslogan »Es gibt viel zu tun. Packen wir’s an!«. Er wurde schnell sprichwörtlich und vielfach parodiert: »Es gibt viel zu tun. Fangt schon mal an!« &#8211; »Es gibt viel zu tun. Lassen wir’s liegen!« ZeitL 20</p>



<p>1974. veröffentlichte Heinrich Böll die Erzählung »Die verlorene Ehre der Katharina Blum« mit einer Startauflage von 100.000 Exemplaren. Untertitel: »Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann«. »Der Spiegel« druckte Bölls erfolgreichstes Werk in mehreren Folgen ab. Der Springer-Verlag ließ in seinen Zeitungen so lange keine Bestsellerlisten mehr veröffentlichen, wie Bölls Erzählung an deren Spitze stand. Viele Konservative, darunter der spätere Bundespräsident Karl Carstens, deuteten Bölls Erzählung öffentlich als Rechtfertigung von terroristischer Gewalt. Erst später entdeckten Literaturwissenschaftler literarische Vorbilder wie Friedrich Schillers Erzählung »Verbrecher aus verlorener Ehre« (1787) und die Parallelen zu Heinrich von Kleists Erzählung »Michael Kohlhaas« (1810).<a href="#_ftn62" id="_ftnref62">[62]</a></p>



<p>1974. veröffentlichte Irmtraud Morgner den Roman »Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura«.</p>



<p>1974. wurde Claus Peymann Schauspieldirektor am Württembergischen Staatstheater Stuttgart.</p>



<p>1974. wurde der Altnazi Werner Pfromm unter mysteriösen Umständen von Justizminister Josef Neuberger (Emigrant) und Staatssekretär Ulrich Klug zum Kölner Generalstaatsanwalt ernannt. P. entzog dem Staatsanwalt Rolf Holtfort 1980 zehn Ermitt­lungsverfahren gegen frühere Kriegsverbrecher in Frankreich und betrieb Holtforts Versetzung in die Jugendabteilung 1986. ZA 2. 9. 1998 (ksta)</p>



<p>1974. wurde der Deutsche Kulturbund in »Kulturbund der DDR« umbenannt. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturbund_der_DDR">Wikip.</a></p>



<p>1974. wurde der Rechtsanwalt Hans-Christian Ströbele wegen seines Einsatzes für Mandanten, die der RAF angehörten, aus der SPD ausgeschlossen. ZA Fischer 5.1.2001 (FR)</p>



<p>1974. wurde der Sozialist E# Fechner als Oberbürgermeister von Ost-Berlin von E# Krack abgelöst. MGTL</p>



<p>1974. wurde die kommunale Neuordnung in NRW abgeschlossen. <a href="http://www.bi-info.de/">www.bi-info.de</a></p>



<p>1974. wurde Egon Krenz 1. Sekretär der FDJ.</p>



<p>1974. wurde Mauricio Kagel Professor an der Kölner Musikhochschule. mgtl</p>



<p>1974. wurde Wolf Schneider als Chefredakteur der »Welt« abgelöst, weil er in einem Kommentar den chilenischen Diktator Pinochet kritisiert hatte. ZA Pers. 6.5.2000 (NW)</p>



<p>1974. wurden in West­deutsch­land eingeführt: das Cerankochfeld, die zweiriemige Birkenstock-Sandale, Ikea, das Playmobil-Männchen, der kastenförmige Standardlinienbus. Das Playmobil-Männchen war aus der Not geboren: Plastik war durch die Ölkrise viel teurer geworden, und die Leichtbauweise der Männchen sparte Plastik. ZA Gesch. 4.3.2004 (Zeit)</p>



<p>1974.01. änderte die DDR ihr Nationalitätenkennzeichen von »D« in »DDR«.</p>



<p>1974.01. stoppten Bielefelder Bürgerinitiativen den geplanten Abriss der alten Ravensberger Spinnerei und das geplante Zubetonieren von Ravensberger Park und Wiesenbad. NW 16.1.<a href="1974_Bielefeld.doc">2009</a>; Ergänzungen von Regine Schürer (pro grün)</p>



<p>1974.02 &#8211; Der sowjetische Schriftsteller Alexander Solschenizyn wurde einen Tag nach seiner Verhaftung wegen «Verrats an der Heimat» ausgebürgert und in die Bundesrepublik verbannt. Heinrich Böll nahm ihn in seinem Eifelhaus aus.</p>



<p>1974.02. &#8211; In München wurde der Jurist Rolf Pohle als Mitglied der Baader-Meinhof-Gruppe zu einer Freiheits­strafe von sechs Jahren und fünf Monaten verurteilt.</p>



<p>1974.02. starb die Dramatikerin Marieluise Fleißer 72jährig in ihrem Geburtsort Ingolstadt. Sie war die künstlerische Mutter von Rainer Werner Faßbinder, Franz Xaver Kroetz und Alfred Sperr. Oss. 24, 1.12.2001, 845; Tsp. 23.11.2001</p>



<p>1974.02. starteten ADAC und Bild-Zeitung bei wieder sinkenden Ölpreisen die Kampagne »Freie Bürger fordern freie Fahrt«. Die Bundesregierung Brandt wollte das Tempolimit auf Autobahnen dauerhaft installieren, zumal die Unfall- und Todeszahlen stark gesunken waren. Verkehrs­minister Lauritz Lauritzen (SPD) legte einen Gesetzentwurf für Tempo 130 vor. Gleichzeitig forderte er bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein den Ministerpräsidenten Gerhard Stoltenberg (CDU) heraus. Stoltenberg diffamierte das Tempolimit als sozialistische Gleich­macherei und bürokratische Vollbremsung, »Bild« nannte Lauritzen nur noch »Lau-Lau«, er verlor die Landtagswahl. Am Ende fehlte ihm im Bundesrat eine einzige Stimme, da die unions­regierten Länder geschlossen gegen das Limit votierten. Auf westdeutschen Autobahnen galt fortan die freiwillige »Richtgeschwindigkeit« 130 km/h. Sie blieben damit eine der letzten freien Rennstrecken der Welt.<a href="#_ftn63" id="_ftnref63">[63]</a></p>



<p>1974.02. Straßenschlacht in Frankfurt um den seit 1971 besetzten Häuserblock Ecke Schumannstraße/ Bockenheimer Landstraße. Die Polizei räumte den Block, aber zwei Polizisten wurden von Demonstranten entwaffnet. ZA Fischer 8.1.2001 (Spiegel)</p>



<p>1974.02. streikten die Arbeiter des öffentlichen Dienstes in West­deutsch­land für eine Lohn­­erhöhung um 15%. Zur Strafe wurde der ÖTV-Vorsitzende Heinz Kluncker später als der Mann verteufelt, der Bundeskanzler Brandt gestürzt habe.</p>



<p>1974.02. wurden auf der Nürnberger Spielwarenmesse erstmals Playmobil-Männchen vorgestellt – erfunden von Hans Beck für die Firma Georg Brandstetter in Zirndorf bei Nürnberg. Bis 1999 wurden rd. 1,4 Milliarden der 7,5 cm großen Männchen und Frauchen verkauft. ZA 3.2.1999 (ksta)</p>



<p>1974.03. &#8211; Bonn und Ost-Berlin vereinbarten die Einrichtung Ständiger Vertretungen.</p>



<p>1974.03. unterzeichneten die sieben Anrainerstaaten der Ostsee, darunter BRD und DDR, in Helsinki ein Abkommen zum Schutz der Ostsee.</p>



<p>1974.03. wurde in der BRD beschlossen, die Volljährigkeit von 21 auf 18 herabzusetzen.</p>



<p>1974.03. wurde in West­deutsch­land Tempo 100 auf Landstraßen eingeführt. Als Verkehrsminister Lauritz Lauritzen (SPD) versuchte, Tempo 100 auch auf Autobahnen einzuführen, erzwangen ADAC und Bild-Zeitung in einer gemeinsamen Hetzkampagne seinen Rücktritt. Sie nannten ihn dabei stets »Lau-Lau«.</p>



<p>1974.04. &#8211; Der persönliche Referent von Bundeskanzler Willy Brandt, Günter Guillaume, wurde unter dem Verdacht der Spionage für die DDR festgenommen.</p>



<p>1974.04. beschloss der Bundestag einen neuen § 218 StGB (Schwangerschaftsabbruch mit Fristenlösung).</p>



<p>1974.04. erklang im portugiesischen Rundfunk das Freiheitslied »Grândola vila morena«. Es signalisierte, dass die Nelkenrevolution gegen die Salazar-Diktatur (bzw. den Diktator Caetano) begonnen hatte. Zeitläufte 15.4.2004</p>



<p>1974.04. Tarifkampf im öffentlichen Dienst. Die Gewekrschaft ÖTV verlangte 15 % mehr Lohn, Bundeskanzler Brandt legte sich öffentlich auf maximal 10 % fest. Nach drei Streiktagen wurde ein Kompromiss in der Nähe von 12 % gefunden, den die Medien als Niederlage Brandts deuteten.<a href="#_ftn64" id="_ftnref64">[64]</a></p>



<p>1974.04. trat das Bundes-Immissionsschutzgesetz in Kraft.</p>



<p>1974.05 trat Bundeskanzler Willy Brandt im Zuge der Guillaume-Affäre zurück. Helmut Schmidt wurde zu seinem Nachfolger gewählt.</p>



<p>1974.06. brach das Kölner Bankhaus Herstatt zusammen. Es wurde vom Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen geschlossen, nachdem es sich mit Devisentermingeschäften überschuldet hatte.<a href="#_ftn65" id="_ftnref65">[65]</a></p>



<p>1974.07. beschlossen Bundestag und Bundesrat eine Einkommensteuerreform, in deren Zug u.a. der Freibetrag auf 3000 bzw. 6000 DM und der Spitzensteuersatz auf 56 % angehoben wurde. Der Kinderfreibetrag und die Kinderzuschläge im öffentlichen Dienst wurden zugunsten eines einkommensunabhängigen Kindergeldes abgeschafft. Die Änderungen traten zum 1. Januar 1975 in Kraft.<a href="#_ftn66" id="_ftnref66">[66]</a></p>



<p>1974.07. lief in Wolfsburg der letzte VW Käfer vom Band. Drei Sondermodelle: »Jeans«, »Cliffgrün« und »Signalorange«. Georg Otto: Tuning Luftgekühlte Volkswagen. Bielefeld 2003, S. 10</p>



<p>1974.07.07. wurde Gastgeber West­­deutsch­­land mit einem 2:1 über die Niederlande in München Fußball-Weltmeister. Trainer: Helmut Schön; Kapitän: Franz Beckenbauer; Mittelstürmer: Gerd Müller. ksta 28.1.2000</p>



<p>1974.08. klagte der jüdische Historiker und Holocaust-Überlebende Joseph Wulf einem Freund: »Ich habe hier 18 Bücher über das Dritte Reich veröffentlicht, und alles hatte keine Wirkung. Du kannst dich bei den Deutschen totdokumentieren, es kann in Bonn die demokratischste Regierung sein – und die Massenmörder gehen frei herum, haben ihr Häuschen und züchten Blumen.« Im Oktober beging Wulf Selbstmord. SZ 10.7.2003 (Zeit)</p>



<p>1974.08. trat US-Präsident Richard Nixon wegen der Watergate-Affäre zurück. Vizepräsident Gerald Ford wurde sein Nachfolger.</p>



<p>1974.10. startete die ZDF-Krimiserie »Derrick« mit Horst Tappert als Inspektor Derrick; entwickelt von Herbert Reinecker (Drehbuch) und Helmut Ringelmann (Produzent).</p>



<p>1974.11. Am 9. November starb der Terrorist Holger Meins 33jährig nach wochenlangem Hungerstreik in der Justizvollzugsanstalt Wittlich.&nbsp; – <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Holger_Meins">Wikip</a>.</p>



<p>1974.11. beschloss der Bundestag im 3. Verstromungsgesetz, dass bis 1990 jährlich im Schnitt 33 Mio. t deutsche Steinkohle verstromt werden sollen. Um das zu finanzieren, wurde eine Ausgleichsabgabe der Stromverbraucher, der sog. Kohlepfennig, eingeführt (3,24 % des Durchschnitts der Stromerlöse an Letztverbraucher).<a href="#_ftn67" id="_ftnref67">[67]</a> Jeder Stromkunde subventionierte auf diese Weise den westdeutschen Steinkohlebergbau, der sonst auf dem Weltmarkt nicht konkurrenz­fähig gewesen wäre.</p>



<p>1974.11. starb Holger Meins in der Haft nach einem wochenlangen Hungerstreik. ZA Fischer 8.1.2001 (Spiegel)</p>



<p>1974.12. kam Udo Jürgens mit dem Lied »Griechischer Wein« auf Platz 1 der deutschen Charts (für 38 Wochen), im Januar auch auf Platz 1 der Schweizer Charts (21 Wochen), im März auf Platz 2 der österreichischen Charts (54 Wochen). Jürgens komponierte die Musik 1972 während eines Urlaubs auf Rhodos. Michael Kunze hatte die Idee, die Geschichte im Ruhrgebiet anzusiedeln, und schrieb den Text. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Griechischer_Wein">Wik</a>.</p>



<p>1974.13. Der Berliner Pädagoge Kurt Hahn starb 88jährig in Salem (14. 12.).</p>



<p>1974.13. Der Hamburger Terrorist Holger Meins starb 33jährig in der Justizvollzugsanstalt Wittlich an den Folgen eines Hungerstreiks (9. 11.).</p>



<p>1974.13. Deutscher Friedhof 1974: Die bayerische Dramatikerin Marieluise Fleißer starb 72jährig in ihrem Geburtsort Ingolstadt (2. 2.). Der # linksradikale Terrorist Holger Meins starb #jährig an den Folgen seines Hungerstreiks in # (#. 11.). Der # Faschist und Massenmörder Baldur von Schirach starb 67jährig in Kröv (8. 8.). Der sächsische Unternehmer und Historiker Joseph Wulf beging 62jährig in # Selbstmord (10. 10.).</p>



<p>1974k Die Musiker Helmut Flohr alias Joe Raphael, Georg (Schorsch) Manning und Horst Götze alias Horsti Stinkstiefel gründeten das Partylieder-Trio »Die 3 Besoffskis«. Bekannt wurden sie mit den obszönen Schlagern »Scheißegal« und »Puff von Barcelona« (1975, auf die Melodie »Funiculì, Funiculà«), die vor allem über Jukeboxen Verbreitung fanden, da sie nicht im Radio liefen. Flohr hatte sich von Tony Marshalls Schlager-Erfolg »Schöne Maid« anregen lassen. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Die_3_Besoffskis">Wik</a>.</p>



<p>1975# In den 1970er Jahren musste der durch jahrhundertelangen Trachytabbau geschwächte Gipfel des Drachenfelses mit einem Betonkorsett gegen die Einsturzgefahr gesichert werden. Seitdem besteht der Drachenfels aus zwei Gesteinsarten: Trachyt und Beton. WDR 3 Mosaik 25.7.2014</p>



<p>1975. beschloss die SPD als längerfristige Orientierung den »Orientierungsrahmen ’85«.</p>



<p>1975. brachte Ikea das Ikearegal »Billy« auf den deutschen Markt. *1975_billy.html</p>



<p>1975. ernannte die Ost-Berliner Stadtverordnetenversammlung den früheren Berliner Stadtkommandanten Nikolaj Bersarin zum Ehrenbürger von Berlin. SZ 14.2.2003</p>



<p>1975. erschien der erste Band von Peter Weiß’ essayistisch-autobiograhischem Roman »Die Ästhetik des Widerstands«.</p>



<p>1975. erschien Volker Brauns »Unvollendete Geschichte« und zeigte seine wachsende Distanz zu den Herrschenden der DDR an. ZA 8.4.2000 (taz)</p>



<p>1975. gründeten Ernst Friedrich Schumacher und Dagi Kieffer die Stiftung Ökologischer Landbau. <a href="http://www.biopioniere.net">www.biopioniere.net</a> (2012)</p>



<p>1975. Gründung der Aachener Stadtzeitung »Klenkes«.</p>



<p>1975. hatte Udo Jürgens großen Erfolg mit den Liedern »Ein ehrenwertes Haus« und »Griechischer Wein«. Letzteres wurde Hit des Jahres. Der griechische Präsident Konstantin Karamanlis lud Jürgens ein. Im folgenden Jahr reüssierte er mit dem Lied »Aber bitte mit Sahne«, dessen Titel in den Sprichwörterschatz der Deutschen einging.</p>



<p>1975. kam Dr. Oetkers Versuchsküche mit Marie-Luise Haase erstmals ins Fernsehen.<a href="#_ftn68" id="_ftnref68">[68]</a></p>



<p>1975. kam es zum Skandal am Theater am Schiffbauerdamm um das Stück »Fräulein Julie« von Strindberg, inszeniert von B. K. Tragelehn und Einar Schleef. Ruth Berghaus‘ und Heiner Müllers Versuche, das Berliner Ensemble zu erneuern, stießen auf massiven Widerstand, auch im eigenen Haus.</p>



<p>1975. kündigte die Freie Universität Berlin in ihrem kommentierten Vorlesungsverzeichnis ein Seminar über Andreas Gryphius mit dem Hinweis an, es solle untersucht werden, »ob Andreas Gryphius ständepolitisch und ideologisch eine fortschrittliche Position innerhalb der restaurativen und gegenreformatorischen, bürgerliche Selbständigkeit beschränkenden sozialen Entwicklung einnimmt.«<a href="#_ftn69" id="_ftnref69">[69]</a></p>



<p>1975. Mitte der 1970er Jahre tauchte der Begriff »Tendenzwende« auf. Nach dem Ölpreisschock von 1973 ging die Ära des Keynesianismus zu Ende, der Fortschrittsoptimismus der Nachkriegszeit war gebrochen.<a href="#_ftn70" id="_ftnref70">[70]</a></p>



<p>1975. Mitte der 1970er Jahre verhinderte eine Bürgerinitiative den geplanten Abriss des Schwedenspeichers im Hafen von Stade. &nbsp;<a href="https://www.museen-stade.de/schwedenspeicher/der-schwedenspeicher/">museen-stade.de</a></p>



<p>1975. Shell-Jugendstudie: 57% der westdeutschen 16-18jährigen kündigten an: Meine Kinder will ich später genauso oder ähnlich erziehen, wie meine Eltern mich erzogen haben (1964: 73%).</p>



<p>1975. startete die Deutsche Bundespost eine Briefmarkenserie »Industrie und Technik« mit Motiven wie einem Satelliten, einer S-Bahn, einem Hubschrauber, einem Weltraumgleiter, einem Radioteleskop, einem Röntgengerät, einem Radlader, einem Atomkraftwerk. postfrisch 6/2014 (Geschi)</p>



<p>1975. strahlte die ARD erstmals eine ungekürzte Version des Spielfilms »Casablanca« aus. In der früheren Version fehlte die Schlüsselszene mit dem Streit zwischen »Wacht am Rhein« und »Marseillaise«. Der ungarische Widerstandskämpfer Viktor Lászlo war dort ein norwegischer Atomphysiker namens Viktor Larsen, der »Delta-Strahlen« erfunden hatte. WDR 3 Mosaik Aug. 2016</p>



<p>1975. veranlasste der konservative Unternehmer Alfred Kühne aus Protest gegen die »unternehmerfeindliche Politik der Regierung Willy Brandt« die Verlegung des Hamburger Logistikkonzerns Kühne &amp; Nagel in die Schweiz. NW 13.7.2006</p>



<p>1975. verfilmten Volker Schlöndorff und Margarethe von Trotta Heinrich Bölls Roman »Die verlorene Ehre der Katharina Blum«.</p>



<p>1975. veröffentlichte Eva Jaeggi in der gewerkschaftlichen Jugendzeitschrift »‘ran« eine Aufklärungsserie mit dem Titel »Auch Fummeln muss man lernen«. Sie löste eine Welle empörter Zuschriften von Pfarrern, Betriebsräten, Gewerkschaftsvorständen und Einzelpersonen aus, die fast alle forderten: »Aufklärung ja – aber bitte sauber und nicht so schmutzig!« Jaeggi hatte es gewagt, offen darüber zu schreiben, dass viele Jugendliche gerne miteinander bumsen möchten.<a href="#_ftn71" id="_ftnref71">[71]</a></p>



<p>1975. veröffentlichte Peter Weiß den ersten Band seines autobiographisch-geschichtsphilosophischen Romans »Die Ästhetik des Widerstands«.</p>



<p>1975. vertrat Otto Schily Ulrike Meinhof und Gudrun Enßlin im Stammheimer Terroristenprozess. ZA 22.11.2001 (Zeit)</p>



<p>1975. wollte Marion Gräfin Dönhoff sich in einer Glosse in der »Zeit« für die diplomatische Anerkennung der DDR einsetzen. Theo Sommer und andere redeten ihr das aus.<a href="#_ftn72" id="_ftnref72">[72]</a></p>



<p>1975. wurde der Deutsche Bildungsrat aufgelöst. MTL</p>



<p>1975. wurde der Produktionsleiter von Daimler-Benz Argentina, Heinrich Metz, von Montoneros entführt. Hanns Martin Schleyer kümmerte sich persönlich um den Fall und nutzte seine seit 1959 bestehenden Kontakte zur argentinischen Führungsclique.<a href="#_ftn73" id="_ftnref73">[73]</a></p>



<p>1975. wurde inb Marktheidenfeld der Bund Natur- und Umwelt­schutz Deutschland gegründet (später Bund Umwelt- und Naturschutz Deutschland, BUND). ZA Gesch 1.4.2000 (BUND-Magazin)</p>



<p>1975. würdigte Gershom Scholem die biblische Dimension des 90jährigen Philosophen Ernst Bloch. ZA Bloch 3.5.2003</p>



<p>1975. Zahlreiche Veröffentlichungen vor allem in der DDR zum 450. Jubiläum des Bauernkrieges. Oss. 16, 12.8.2000</p>



<p>1975.01. stieg die offizielle Zahl der Arbeitslosen in West­deutsch­land erstmals über 1 Million auf 1,15 Mio.<a href="#_ftn74" id="_ftnref74">[74]</a></p>



<p>1975.01. trat der usamische Jazz-Pianist Keith Jarrett unter schwierigen Umständen in der Kölner Oper auf und legte dort ein komplett frei improvisiertes Solokonzert vor, das von Tontechnikern mitgeschnitten wurde. Die Aufnahme wurde unter dem Titel »The Köln Concert« legendär, die Tonträger (LP, Cassette, ab 1983 CD) wurden die weltweit meistverkaufte Jazz-Soloplatte und die meistverkaufte Klavier-Soloplatte. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_K%C3%B6ln_Concert">Wik</a>.</p>



<p>1975.01. trat die kommunale Neuordnung in NRW in Kraft. Wattenscheid wurde zu Bochum, Wanne-Eickel zu Herne, Bensberg zu Bergisch Gladbach, Porz und Rodenkirchen zu Köln, Brackwede und Sennestadt zu Bielefeld, Neheim-Hüsten zum halb so großen Städtchen Arnsberg geschlagen, das dadurch von 20.000 auf 80.000 Einwohner und von 8? auf 32 km Länge anwuchs.</p>



<p>1975.01. wurde mit der Errichtung der Baustelle für das Atomkraftwerk Wyhl begonnen, obwohl die finale <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Genehmigung">Genehmigung</a> für den Bau des Kernkraftwerks noch ausstand. Am 27. Januar prüfte das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Verwaltungsgericht_Freiburg">Verwaltungsgericht Freiburg</a> in Breisach die erste Teilgenehmigung. Am Prozess waren drei Richter und 45 geladene <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sachverst%C3%A4ndige">Sachverständige</a> beteiligt, Kläger waren die Gemeinden <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Endingen_am_Kaiserstuhl">Endingen am Kaiserstuhl</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Forchheim_%28Kaiserstuhl%29">Forchheim</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lahr/Schwarzwald">Lahr</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sasbach_am_Kaiserstuhl">Sasbach</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schwanau">Schwanau</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Weisweil">Weisweil</a> und einige Privatpersonen. Thema des Prozesses waren die Auswirkungen der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Radioaktiv">radioaktiven</a> <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Emission">Emissionen</a> und des warmen Abwassers auf die Umwelt. Das Verwaltungsgericht Freiburg verfügte einen Stopp der Bauarbeiten. Im Februar besetzten Kraftwerks­gegner die Baustelle. – <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Wyhl">Wikip</a>.</p>



<p>1975.02. &#8211; Die Europäische Gemeinschaft und 46 Staaten in Afrika, der Karibik und dem Pazifik unterzeichneten das erste Lomé-Abkommen, das den AKP-Staaten einseitige Zollvorteile gewährte.</p>



<p>1975.02. besetzten Atomkraftgegner den Bauplatz des Atomkraftwerks Wyhl im Kaiserstuhl. Joachim Radkau analysierte: »Der Stil der großen Demonstrationen und Platzbesetzungen, der es auf Zusammenstöße mit der Polizei ankommen lässt, stammt von 1968, ebenso wie das ausgeprägte Freund-Feind-Denken.«<a href="#_ftn75" id="_ftnref75">[75]</a></p>



<p>1975.02. nahm das Atomkraftwerk Biblis A südlich von Darmstadt den kommerziellen Betrieb auf. Wp</p>



<p>1975.02. räumte die Polizei den von Atomkraftgegnern besetzten Bauplatz des geplanten Atomkraftwerks Wyhl. Im März verhängte ein Gericht den Baustopp. ZA Gesch 1.4.2000 (BUND-Magazin)</p>



<p>1975.03. &#8211; Ingmar Bergmans Film «Szenen einer Ehe» ging in den deutschen Kinos an den Start.</p>



<p>1975.03.01. starb Günther Lüders, deutscher Filmschauspieler («Kriminaltango»), geb. 1905</p>



<p>1975.03.30. starb der rheinische Schriftsteller Peter Bamm (bgl. Curt Emmrich) 76jährig in Zollikon.</p>



<p>1975.04. &#8211; Bei der Besetzung der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Stockholm durch das RAF-Kommando «Holger Meins» kamen vier Menschen ums Leben.</p>



<p>1975.04. besetzte ein RAF-Kommando »Holger Meins« die westdeutsche Botschaft in Stockholm und tötete zwei Geiseln. ZA Fischer 8.1.2001 (Spiegel)</p>



<p>1975.04. endete der Vietnamkrieg. Die USA erlebten in Saigon ihre erste Kriegsniederlage. ZA Gesch. 27.4.2000 (Zeit)</p>



<p>1975.04. eroberte die vietnamesische Befreiungsfront Saigon. Der Vietnam-Krieg war zu Ende, die erste Kriegsniederlage in der Geschicht der USA war perfekt.<a href="#_ftn76" id="_ftnref76">[76]</a></p>



<p>1975.04. verloren die USA den Vietnamkrieg. Nordvietnamesische Truppen und Vietkong eroberten Saigon.</p>



<p>1975.05. warnte der »Spiegel« (vielleicht erstmals) vor einer »tickenden Bombe« im Gesundheitswesen (später sprach man von »Kostenexplosion im Gesundheitswesen«). Man zitierte sogar eine – nicht ganz ernst gemeinte – Prognose, nach der im Jahr 2000 »die Westdeutschen das ganze Jahr hindurch nur für den Gesundheitsdienst arbeiten« müssten.<a href="#_ftn77" id="_ftnref77">[77]</a></p>



<p>1975.07. gründeten die Umweltschützer Herbert Gruhl, Bernhard Grzimek, Konrad Lorenz, Bodo Manstein, Hermann Steininger, Horst Stern, Gerhard Thielcke, Frederic Vester, Hubert Weinzierl und andere in Marktheidenfeld (Franken) den Bund für Natur und Umweltschutz Deutschland (BNUD), ab 1977 BUND. bund.net <a href="http://www.bund.net/ueber_uns/40_jahre_bund/">2015</a>. Schon das erste <a href="Geschi/1946-1990/1975_BUND-Aktion.pdf">Faltblatt</a> deutete mit dem Titel »Unsere Umwelt braucht Hilfe« und dem Themenspektrum das wesentliche Merkmal des BUND an: Umweltschutz und Naturschutz auf gleicher Augenhöhe.</p>



<p>1975.07. Im Sommer veröffentlichte Alice Schwarzer ihr Buch »Der ‹kleine Unterschied› und seine großen Folgen« (bei S. Fischer) – Untertitel: »Frauen über sich – Beginn einer Befreiung«. Den Kern des Buches bildeten 14 Interviews mit insgesamt 16 Frauen (zwischen 21 und 53 Jahre alt, 8 davon in den 30ern). Schwarzers zentrale These war, dass Männer ihre Frauen vor allem beim Sex unterdrücken. Den Protokollen fügte sie ein Kapitel über »die Funktion der Sexualität bei der Unterdrückung der Frau« an, ferner ein Kapitel über berufstätige Frauen, eine kurze Historie »über Feministinnen, Hexen und Suffragetten« sowie eine »Liste autonomer Frauengruppen«. Diese verzeichnete zwölf Gruppen in München, fünf in West-Berlin (darunter ein Frauenzentrum mit »zahlreichen Arbeits- und Quatschgruppen«), vier in Köln; je drei in Bonn, Bremen, Darmstadt, Dortmund und Hamburg; je zwei in Aachen, Düsseldorf, Duisburg, Frankfurt, Freiburg, Heidelberg, Mainz, Marburg, Münster, Wien und Wilhelmshaven; je eine in Baden-Baden, Bochum, Braunschweig, Esslingen, Gelsenkirchen, Göttingen, Hagen, Ingolstadt, Kiel, Krefeld, Mannheim, Moers, Mönchengladbach, Münchrath (bei Düsseldorf), Offenbach, Oldenburg, Saarbrücken, Solingen, Tübingen, Uelzen, Walsum (bei Duisburg), Wuppertal und Zürich.<a href="#_ftn78" id="_ftnref78">[78]</a></p>



<p>1975.07? Mitte 1975 wurde die erste große westdeutsche Debatte über die angebliche Faulheit vieler Arbeitsloser geführt. Hintergrund: Ein Jahr später standen Bundestagswahlen ins Haus, und die Zahl der Arbeitslosen stieg rezessionsbedingt immer weiter an. Die Folge war: Die CDU/CSU verpasste 1976 nur knapp die absolute Mehrheit. Die nächste Debatte dieser Art folgte im *1981.06. Analyse von G. Schmid, F. Oschiansky u. S. Kull, FR 9.10.2001 (n.a.)</p>



<p>1975.09. Sturm auf das spanische Generalkonsulat in Frankfurt mit Steinen und Brandflaschen; beteiligt: Joschka Fischer. ZA Fischer 8.1.2001 (Spiegel)</p>



<p>1975.10. hob der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Verwaltungsgerichtshof_Baden-W%C3%BCrttemberg">Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg</a> in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mannheim">Mannheim</a> auf Antrag der Landesregierung unter Ministerpräsident <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Filbinger">Hans Filbinger</a> den Baustopp für das Atomkraftwerk Wyhl auf.– <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Wyhl">Wikip</a>.</p>



<p>1975.10. trat in West­deutsch­land ein »Pflanzenschutzgesetz« in Kraft, das u. a. die Nichtbekämpfung bestimmter »Unkräuter« mit Geldbußen von bis zu 10.000 DM bedrohte. Aufgrund dieses Gesetzes verfügten die Regierungsbezirke Darmstadt und Kassel die Bekämpfung von Ackerdistel, Acker-Gänsedistel, Berufkraut, Franzosenkraut, Gemeiner Melde, Großer und Kleiner Brennessel, Kanadischer Goldrute und Riesen-Goldrute.<a href="#_ftn79" id="_ftnref79">[79]</a></p>



<p>1975.11. legten linke Volkswirtschaftler unter der Ägide von Rudolf Hickel ihr erstes »Memo­randum für eine alternative Wirtschaftspolitik« vor. Ab Mai 1976 erschien das Memorandum jährlich im Mai.</p>



<p>1975.11. verfertigte der Kunstfälscher Konrad Kujau den ersten Band seiner »Hitler-Tage­bücher« und zeigte ihn dem Militariahändler und Industriellen Fritz Stiefel, der Kujau ermunterte, weitere Bände herzustellen. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hitler-Tagebücher">Wik</a>.</p>



<p>1975.11. wurde der »Lange Oskar« in Hagen eröffnet, ein 98 m hohes Bürohochhaus der dortigen Sparkasse (2004 gesprengt). <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Langer_Oskar">Wikip.</a></p>



<p>1975.12. gab es in West­deutsch­land noch 3173 Kinos. Nur 462 zeigten noch eine Wochenschau vor dem Hauptfilm. ZA Gesch. 16.9.2000 (NW)</p>



<p>1975.12. porträtierte Horst Stern in seiner Fernsehserie »Sterns Stunde« die Spinne. Der Zweiteiler blieb vielen Zuschauern wegens seiner beeindruckenden Bilder lange im Gedächtnis. – <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sterns_Stunde">Wik.</a></p>



<p>1975? bestellte sich Udo Jürgens eine Portion Kuchen &#8211; »Aber bitte mit Sahne!«</p>



<p>1975? Um 1975 lernte Ernst Müller in Griechenland eine Frau aus Bad Nauheim kennen und heiratete sie. Er fand in Bad Nauheim seine erste Anstellung. Tsp. 1.12.2000</p>



<p>1975k Der Soziologe Helmut Schelsky wandte sich in dem Buch »Die Arbeit tun die anderen. Klassenkampf und Priesterherrschaft der Intellektuellen« einer konservativen Intellek­tuellen­schelte zu; folgte nun also doch dem Vorbild seines Ex-Freundes Arnold Gehlen.</p>



<p>1976. begann der Bau eines 5 m hohen Nahewehres in Idar-Oberstein als Vorbereitung für die geplante Nahe-Überbauung.<a href="#_ftn80" id="_ftnref80">[80]</a></p>



<p>1976. begann die Anlage des Kemnader Sees im Ruhrtal bei Witten. &nbsp;Teile der ehem. Schachtanlage Oveney wurden 1982/83 zu Bootshallen umgebaut. <a href="http://www.fzkemnade.de/">www.fzkemnade.de</a></p>



<p>1976. beschloss der Aachener Stadtrat, ein Kunstmuseum (»Museum Ludwig«) an der Monheims­allee bauen zu lassen. Das Sammlerehepaar Peter und Irene Ludwig hatte eine Schenkung von 150 modernen Kunstwerken versprochen unter der Bedingung, dass dafür ein neues Museum gebaut werde.<a href="#_ftn81" id="_ftnref81">[81]</a></p>



<p>1976. demonstrierten 30.000 Menschen gegen den Bau des Atom­kraftwerks Brokdorf. ZA Gesch 1.4.2000 (BUND-Magazin)</p>



<p>1976. endete die ZDF-Krimiserie »Der Kommissar«.</p>



<p>1976. erhöhten sich nach einer Missernte in Brasilien die Weltmarktpreise für Kaffee drastisch. Da sich das Problem mit Folgen der Ölkrise überschnitt, kam es 1977 zur Kaffeekrise in der DDR. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaffeekrise_in_der_DDR">Wik</a>.</p>



<p>1976. erste westdeutsch-polnische Städtepartnerschaft Bremen-Gdansk auf Initiative des Bremer Bürgermeisters Hans Koschnick. ksta 22.12.1999</p>



<p>1976. fanden die ersten Karl-May-Festspiele in Elspe mit Pierre Brice als Winnetou statt (mit jährlich bis zu 400.000 Teilnehmern). Ab 1978 wurden sie von der Fernsehserie »Mein Freund Winnetou« begleitet. ZA Brice 7.2.2004 (Kalender­blatt)</p>



<p>1976. Für die Hauptrolle im Kino- und TV-Film ”Die neuen Leiden des jungen W.“&nbsp; (Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ulrich Plenzdorf) wurde der spätere Berliner Liedermacher Klaus Hoffmann mit der ”Goldenen Kamera“ ausgezeichnet.</p>



<p>1976. gründeten ## in West-Berlin das erste deutsche Frauenhaus.</p>



<p>1976. inszenierte Peter Stein Richard Wagners Oper »Rheingold« an der Pariser Oper. HPL</p>



<p>1976. schied Walther Leisler Kiep als Schatzmeister der hessischen CDU aus und wurde Bundesschatz­meister der CDU. Er hinterließ der hessischen CDU keinerlei Vermögen, wie er im Nov. 2000 vor dem Schwarzgeld-Untersuchungsausschuss des Landtags angab. D. h., zwischen 1976 und 1983 sammelte die hessische CDU über 20 Mio DM an, wahrscheinlich illegale Spenden aus der Industrie. FR 30.11.2000 &#8211; *1983. transferierte&#8230;</p>



<p>1976. schloss Bertelsmann die Übernahme des Verlages Gruner &amp; Jahr mit 74,9 % Beteiligung ab. Zu G&amp;J gehörten die Zeitschriften »stern«, »Geo«, »Brigitte« u.a. ZA 1.1.2000 (Medien)</p>



<p>1976. sprach mit Dagmar Berghoff die erste Frau die Nachrichten der »Tagesschau«. Rückblick Deutsche Post 2002</p>



<p>1976. sprach mit Dagmar Berghoff die erste Frau die Nachrichten der »Tagesschau«. Rückblick Deutsche Post 2002</p>



<p>1976. veröffentlichte der Chirurg Julius Hackethal sein medizinkritisches Werk »Auf Messers Schneide«. ksta 18.10.1994</p>



<p>1976. wurde das Bauhaus in Dessau denkmalgerecht rekonstruiert.</p>



<p>1976. wurde die Weimarer Mehrzweckhalle eröffnet (gebaut im Betonskelett der Nazi-»Halle der Volksgemeinschaft«). Tafel Gauforum Weimar</p>



<p>1976. wurde Erich Mielke Mitglied des Politbüros der SED. ZA Mi 27.5.2000 (taz)</p>



<p>1976. wurde in Berlin (Ost) mit 100&nbsp;000 Besuchern der »Palast der Republik« eröffnet. Bis zu seiner Schließung im Sept. 1990 sah er 70 Mio. Gäste. Besonders beliebt war seine Mocca-Bar. Im April 1998 wurde der Abriss beschlossen. Die Zeit 29. 4. 1998 (nicht archiviert)</p>



<p>1976. zeigte das Maxim-Gorki-Theater in Ost-Berlin zum ersten Mal ein Stück des sowjetischen Dramatikers Alexander Gelman. Bis 1986 folgten drei weitere Werke, darunter das Stück »Wir, die Endesunterzeichnenden«, das sieben Jahre lang (in der SU? in der DDR?) verboten war. Ordner Geschi 1952</p>



<p>1976.? Gründung von Stadtillustrierten: »StadtRevue« (Köln), »Schädelspalter« (Hannover).</p>



<p>1976.01. forderte der ostdeutsche Schriftsteller Franz Fühmann in einer Rede vor der Akademie der Künste einen neuen Begriff der Romantik, der die Unterwelt der Dämonen, Trolle und Hexen einbeziehen solle. Er begründete das damit, dass Hoffmann der Lieblingsschriftsteller Karl Marx‘ gewesen sei, und dass das berühmte »Gespenst des Kommunismus« im Vorwort des Kommu­nistischen Manifests aus seiner Hoffmann-Lektüre entsprungen sei.<a href="#_ftn82" id="_ftnref82">[82]</a></p>



<p>1976.01. kam Pierre Kartners (Vader Abrahams) Schlager »In’t kleine café aan de haven« in den Niederlanden auf Platz 16 der Top 40. Der österreichische Schlagersänger Peter Alexander beauftragte Michael Kunze, einen deutschen Text anzufertigen, und erzielte mit »Die kleine Kneipe« einen der größten seiner Erfolge in Westdeutschland. – <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/In_’t_kleine_café_aan_de_haven">Wik</a>.</p>



<p>1976.03. verriss Marcel Reich-Ranicki in der FAZ den Roman »Jenseits der Liebe« von Martin Walser. Es war der Beginn einer jahrzehntelangen Feindschaft. NW 16.3.<a href="vita/Walser2010.pdf">2010</a></p>



<p>1976.04. luden die Evangelische Akademie Bad Boll und der BNUD (später BUND) zu einer Tagung über »das unbewältigte Wachstum« nach Bad Boll. Es sprachen u.a. Carl Amery, Freimut Duve, Herbert Gruhl, Enoch zu Guttenberg, Frank Haenschke, Werner Haverbeck, Josef Leinen, Klaus Lubkoll, Bodo Manstein, Kurt Naumann, Lothar Späth, Harald Stumpf, Hans Tietmeyer, Frederic Vester. <a href="Geschi/1946-1990/1976_Wachstum_Bad-Boll.pdf">Einladung</a></p>



<p>1976.04. startete das ZDF die Zeichentrickserie »Die Biene Maja« &#8211; nach der Romanvorlage von Waldemar Bonsels aus dem Jahr 1912. Amerikanische Autoren schrieben die 104 Episoden, gezeichnet und produziert wurde die Serie in Japan.<a href="#_ftn83" id="_ftnref83">[83]</a></p>



<p>1976.04. wurde der Palast der Republik in Ost-Berlin eröffnet. ZA 19.4.2001 (Die Zeit)</p>



<p>1976.05. Am 9. Mai erhängte sich Ulrike Meinhof 41jährig in ihrer Stuttgarter Zelle. Die Sympathisanten sahen darin einen Mord durch die Staatsmacht. Am 10. Mai griffen Studenten auf dem Frankfurter Campus einen Polizei­wagen mit Brandflaschen an; ein Polizist erlitt lebensgefährliche Verbrennungen. Joschka Fischer wurde kurz als Mittäter verdächtigt und festgenommen. ZA Fischer 8.1.2001 (Spiegel)</p>



<p>1976.06.09. starb der Schriftsteller Gerd Gaiser 67jährig in Reutlingen. MGTL</p>



<p>1976.07. Entführung eines in Athen gestarteten Air-France-Flugzeugs nach Entebbe in Uganda. Unter den Terroristen waren fünf Palästinenser und zwei Deutsche. Sie selektierten die Passagiere in Juden (Israelis) und Nicht-Juden, ließen die Nicht-Juden frei. Israelische Soldaten befreiten im Handstreich die Geiseln und töteten die Terroristen. Joschka Fischer sah ein: »Du wirst selbst so wie der, den du bekämpfst.« ZA Fischer 8.1.2001 (Spiegel)</p>



<p>1976.07. Giftgasunglück in Seveso bei Milano. JiB 67</p>



<p>1976.07.07. starb Gustav Heinemann 76jährig in Essen. JiB 65</p>



<p>1976.07.31. gewann Ost­deutsch­land mit einem 3:1 über Polen das Fußball-Endspiel der Olympiade in Montreal. ksta 28.1.2000</p>



<p>1976.10. besetzten Polizei und Baufirmen den Bauplatz des geplanten Atomkraftwerks Brokdorf, um einer Besetzung durch Atomkraftgegner zuvorzukommen. Im November tobte die erste Schlacht um Brokdorf. Die Polizei vertrieb mit Knüppeln, Gasgranaten und Hubschrauber-Tiefflügen 25.000 Demonstranten. Die Zeit 31.3.2011</p>



<p>1976.10. Bundestagswahl. Die CDU/CSU mit Kanzlerkandidat Helmut Kohl verfehlte nur knapp die absolute Mehrheit (48%).</p>



<p>1976.10. wurde der Christdemokrat und »Anti-68er« Eduard Lintner in den Bundestag gewählt. Um die gleiche Zeit ließ sich der junge bayerische Linkskatholik Ludwig Stiegler anlässlich eines Referates durch Lektüre der Rede von Otto Wels gegen das Ermächtigungsgesetz von 1933 für die SPD begeistern. Rückblicke, SZ 23.9.<a href="Geschi/1946-1990/1972_Bundestag.doc">2009</a></p>



<p>1976.10.29. wurde Erich Honecker Staatsratsvorsitzender der DDR (als Nachfolger v. Willi Stoph).</p>



<p>1976.11. Am 17. November trafen sich Volker Braun, Stephan Hermlin, Stefan Heym, Sarah Kirsch, Günter Kunert (mit Ehefrau Marianne), Heiner Müller, Rolf Schneider und Christa Wolf (mit Ehemann Gerhard) in der etwas heruntergekommenen Villa Hermlins in Berlin-Niederschönhausen und setzten einen Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns auf. Das Schreiben gaben sie beim ND, beim Kulturattaché der französischen Botschaft und bei Reuters ab. Die Sache war für die SED delikat, weil Hermlin und Heym beide selbst einmal ausgebürgert worden waren (von den Nazis), und weil Biermann der Sohn eines jüdischen Kommunisten war, den die Nazis in Auschwitz ermordet hatten.<a href="#_ftn84" id="_ftnref84">[84]</a></p>



<p>1976.11. Ausbürgerung von Wolf Biermann aus der DDR. Klaus Schlesinger erinnert sich in Fr 47, 15.11.1996 – SZ 13.11.2001 (25 Jahre)</p>



<p>1976.11. stellte das MfS der DDR Robert Havemann unter Hausarrest. Er wirkte dennoch bis zu seinem Tode für einen demokratischen Sozialismus und suchte in diesem Sinne publizistisch über westdt. Medien auf Politik und Gesellschaft in der DDR Einfluss zu nehmen.<a href="#_ftn85" id="_ftnref85">[85]</a></p>



<p>1976.11. unterzeichnete der odt. Schauspieler Armin Mueller-Stahl die Biermann-Resolution und wurde kalt gestellt. ZA 16.12.2000 (NW)</p>



<p>1976.12. lief in West­deutsch­land die staatliche Subvention der Wochenschauen in den Kinos aus. Im folgenden Jahr wurde die »Deutsche Wochenschau« eingestellt, »Fox’ Tönende Wochenschau« folgte Ende 1978. ZA Gesch. 16.9.2000 (NW)</p>



<p>1976.12. wurde das Reichsnaturschutzgesetz in West­deutsch­land vom Bundesnaturschutzgesetz abgelöst. Qu.: Schmeil-Fitschen</p>



<p>1976.13. Der Essener Jurist, ev. Kirchenpolitiker, Christdemokrat, Pazifist, Sozialdemokrat und Bundespräsident a. D. Gustav Heinemann starb 76jährig in Essen.</p>



<p>1976k Das internationale Festival für elektroakustische Musik in Bourges (Frankreich) zeichnete die ostdeutschen Komponisten Georg Katzer und Lothar Voigtländer aus.<a href="#_ftn86" id="_ftnref86">[86]</a></p>



<p>1977. heiratete Angela Kasner den Physiker Ulrich Merkel. 1978 wurde Angela Merkel wissen­schaftliche Mitarbeiterin am Institut für Physikalische Chemie der Akademie der Wissenschaften in Berlin (Forschungsfeld: Quantenchemie). Hier war sie zeitweise FDJ-Kreisleitungsmitglied und wurde FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda an der Akademie der Wissenschaften. Wikipedia <a href="vita/Merkel2.html">2005</a></p>



<p>1977.? Zusammen mit ihrem neuen Liebhaber, dem 20 Jahre älteren, verhei­rateten, bekannten irischen Gewerkschaftsführer John Carroll, beteiligte sich die EG-Verwaltungsrätin Petra Kelly (29) in Melbourne, Australien, an ihrem ersten »Die-in«. Aus Protest gegen die Neutronenbombe legten sich 60.000 Demonstranten minutenlang wie tot auf die Straße. Kelly hatte maßgeblichen Anteil an der Propa­gierung solcher und ähnlicher symbolischer Aktionen in der westdeutschen Friedens­bewegung. Im August 1978 flog sie zusammen mit Carroll nach Hiroshima und sah dort die Ausstellung, traf Opfer der Atombombe. (Schwarzer 1993:108f)</p>



<p>1977.01. Am 26. 1. 1977 erschien die erste »Emma« (Alice Schwarzer).</p>



<p>1977.01. kam es im Atomkraftwerk Grundremmingen (Block A) zu einem Unfall, der den wirt­schaftlichen Totalschaden auslöste. Nach zwei Kurzschlüssen und einer Notabschaltung pumpte die Automatik zu viel Kühlwasser in den Reaktor, so dass sich dieser 3 m hoch mit Wasser füllte. Die Mannschaft ließ Wasser und Gase später »kontrolliert ins Freie ab«. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Gundremmingen#Geschichte">Wik</a>.</p>



<p>1977.01. trat in West­deutsch­land ein neues Ehe- und Familienrecht in Kraft. Die Verpflichtung der Ehefrau zur Hausarbeit wurde abgeschafft; Frauen bekamen das Recht auf Berufstätigkeit. Im Scheidungsverfahren wurde das Schuldprinzip abgeschafft und durch das Zerrüttungsprinzip ersetzt. Alles für die Frau 10.12.2005, S. 26</p>



<p>1977.01. untersagte das Verwaltungsgericht Herbolzheim im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hauptverfahren">Hauptverfahren</a> den Bau des Atomkraftwerks Wyhl wegen eines fehlenden <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Berstschutz&amp;action=edit&amp;redlink=1">Berstschutzes</a>. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Wyhl">Wikip</a>.</p>



<p>1977.01.18. starb der Dramatiker Carl Zuckmayer 80jährig in seiner Schweizer Wahlheimat Visp (Wallis). MGTL</p>



<p>1977.01? wurde Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer zusätzlich Präsident des BDI.</p>



<p>1977.01? wurde Schleyer zusätzlich Präsident des BDI.</p>



<p>1977.02. deckte der »Spiegel« die Lauschaffäre Traube auf (mit dem Titel »Lauschangriff auf Bürger T.«). Betroffen war der Atomphysiker Klaus Traube. Im Zuge der Affäre musste Bundes­innenminister Werner Maihofer (FDP) zurücktreten.</p>



<p>1977.02. deckte der »Spiegel« die Traube-Affäre auf – mit der Titelgeschichte <em>Verfassungsschutz bricht Verfassung. Lauschangriff auf Bürger T. – Atomstaat oder Rechtsstaat?</em> Der Physiker Klaus Traube, Leiter eines Projekts der Firma Siemens für den Bau eines Atomkraftwerks vom Typ Schneller Brüter in Kalkar am Niederrhein, wurde verdächtigt, dass er möglicherweise radio­aktives Material an Terroristen weitergeben könnte. Traube war befreundet mit einer linken Anwältin in Frankfurt, die Kontakte zur RAF hatte; außerdem war seine Mutter KPD-Mitglied gewesen. Das Kölner Bundesamt und das Innenministerium ließen Verfassungsschützer in sein Haus eindringen, man brachte Wanzen an und hörte ab. Amt und Ministerium sorgten dafür, dass Traube – gegen eine hohe Abfindung – von Siemens entlassen wurde. Am Ende erwiesen sich die Vorwürfe als haltlos. Zurücktreten musste deshalb, wie üblich, der am wenigsten Schuldige:&nbsp; der linksliberale Innenminister Werner Maihofer (FDP).<a href="#_ftn87" id="_ftnref87">[87]</a></p>



<p>1977.02. kündigte der niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) den Bau eines nuklearen »Entsorgungsparks« in Gorleben im Kreis Lüchow-Dannenberg an. Schon eine Woche später gab es die ersten Demonstrationen dagegen. Die Zeit 31.3.2011</p>



<p>1977.02. Lauschangriff auf den Atomtechiker Klaus Traube im bergischen Marialinden. ksta 27. 2. 1997</p>



<p>1977.02. wurde der Spielfilm »Hermann der Cherusker – Die Schlacht im Teutoburger Wald« uraufgeführt. Es handelt sich um eine deutsch-italienisch-jugoslawische Koproduktion, die schon ab 1965 in den übrig gebliebenen Kulissen anderer Antikenfilme in Zagreb unter der Regie von Ferdy Baldwin (Ferdinando Baldi) realisiert wurde, mit Hans von Borsody als Hermann (Armin).</p>



<p>1977.03. gründete der westfälische Unternehmer Reinhard Mohn die Bertelsmann-Stiftung. Im Sinne seiner Überzeugung, dass »das Ordnungssystem der Unternehmenskultur« des Bertelsmann-Konzerns »in allen Bereichen der Gesellschaft zur Anwendung gebracht werden« könne, begann die Stiftung, Projekte in den Bereichen Bildung, internationale Verständigung, Demokratie und Bürgergesellschaft, Soziales und Beschäftigung sowie Gesundheit zu fördern. NW 5.3.2002</p>



<p>1977.04. Am 7. April 1977 ermordeten RAF-Terroristen in Karlsruhe Generalbundesanwalt Siegfried Buback. Zwanzig Tage später erschien in den »Göttinger Nachrichten«, einem Organ des AStA der Uni, der Buback-Nachruf des »Mescalero« (»klammheimliche Freude«) und löste eine nationale Hysterie aus. Rückblick, Die Zeit 4. 4. 1997</p>



<p>1977.04. Am 7. April ermordeten drei RAF-Mitglieder in Karlsruhe den Generalbundesanwalt Siegfried Buback. Gegen die Tatverdächtige Verena Becker wurde wegen dieser Tat offenbar nie ermittelt. Sie hatte Verbindungen zum Verfassungsschutz. NW 3.9.<a href="../Anwendungsdaten/Microsoft/Word/Geschi/1946-1990/1977_RAF-Buback.pdf">2009</a></p>



<p>1977.04. Am Gründonnerstag ermordeten zwei RAF-Terroristen (vermutlich Sonnenberg und Wisniewski) vom Motorrad aus auf offener Straße in Karlsruhe Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seine beiden Begleiter Göbel und Wurster. NW 6.4.2007</p>



<p>1977.05. lief Wim Wenders‘ Verfilmung von Patricia Highsmith‘ Roman »Der amerikanische Freund« auf dem Filmfestival von Cannes. im Juni startete der Film in den westdeutschen Kinos.</p>



<p>1977.05. wurde der Sozialdemokrat Klaus Schütz als Regierender Bürgermeister von West-Berlin von Dietrich Stobbe abgelöst.</p>



<p><a>1977.06. nahm das Münchener Kino »Museum Lichtspiele« den usamischen Musicalfilm »The Rocky Horror Picture Show« mit der Musik von Richard O’Brien ins Programm auf und spielt ihn seitdem wöchentlich als Kultfilm. Rasch übernahm das deutsche Publikum die in Usa und Groß­britannien entstandenen Mitspielgebräuche (Reis, Zeitung, Wasserpistolen, Klopapier ua.). </a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_Rocky_Horror_Picture_Show#Hintergrund">Wik</a>.</p>



<p>1977.06. wurde der Grundstein für den Wiederaufbau der Semperoper in Dresden gelegt. Chefarchitekt war Wolfgang Hänsch.</p>



<p>1977.07. Beim UZ-Pressefest in Duisburg sang Hannes Wader deutsche und europäische Arbeiter­lieder: »Dem Morgenrot entgegen«, »Auf, auf zum Kampf«, »Der kleine Trompeter«, »Bella ciao«, »Mamita mia«, »Spaniens Himmel«, das »Einheitsfrontlied«, das »Solidaritätslied«, »Die Moorsoldaten«, das »Lied vom Knüppelchen«, die »Internationale«. Dazu das chilenische Kampf­lied »El pueblo unido« von Sergio Ortega, deutsch von Martin Buchholz, und eine selbst geschaffene Umdichtung des Liedes »Trotz alledem« von Ferdinand Freiligrath. Aus den drei Konzerten schnitt Philips die Schallplatte »Hannes Wader singt Arbeiterlieder« zusammen, die in der linken Szene West­deutschlands weite Verbreitung fand.<a href="#_ftn88" id="_ftnref88">[88]</a></p>



<p>1977.08. begann der Interkirchliche Friedensrat (IKV) der Niederlande mit einer langfristig angelegten Kampagne: »Helft die Atomwaffen aus der Welt zu schaffen und lasst uns in den Niederlanden damit beginnen!« Im gleichen Monat gründeten Amsterdamer Kommunisten und andere das Komitee »Stop de Neutronenbom«.<a href="#_ftn89" id="_ftnref89">[89]</a></p>



<p>1977.08. veröffentlichte der »Spiegel« Auszüge aus Rudolf Bahros marxistischer DDR-Kritik »Die Alternative«. Bahro hatte nirgendwo bei Marx Hinweise auf eine staatliche Erziehungsdiktatur gefunden, wie die DDR eine war. *1950_Buecherliste.html</p>



<p>1977.09. Am 5. September, dem 5. Jahrestag des Palästinenser-Überfalls auf die israelische Olympia­mannschaft in München, ermordeten RAF-Terroristen in Köln die fünf Begleiter des Arbeit­geberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer und entführten Schleyer, um Baader, Enßlin, Raspe u. a. freizupressen. Dokumentar- und Spielfilm v. Heinrich Breloer, ksta 21. 5. 1997. Rückblick, ksta 5. 9. 1997 – Am 7. Sept. fiel dem Erftstädter Polizisten Ferdinand Schmitt die Wohnung auf, in der der entführte Schleyer untergebracht worden war. Seine Meldung ging jedoch auf dem Dienstweg verloren. ksta 13.9.1997 – Zum «deutschen Herbst« 1977: Freitag 40, 26. 9. 1997 – Rückblick auf den Stammheimer Prozess gegen Baader, Meinhof, Enßlin, Raspe u. a. ksta 3. 9. 1997 – Im Okt. 1977 bot das BKA dem in den Niederlanden verhafteten Knut Folkerts angeblich 1 Mio. DM, wenn er Schleyers Versteck verrate. ksta 4. 9. 1997 – Gedenkveranstaltung für Schleyer und seine Begleiter in Köln. ksta 5. 9. 1997 – Schleyer wurde von RAF-Terroristen entführt. Alle seine Nachrichten gingen an Eberhard v. Brauchitsch. Er war tief enttäuscht darüber, dass Kohl sich nicht für ihn einsetzte. Am 18. Oktober ermordeten ihn die Entführer. Stefan Wisniewski begründete das später sinngemäß so: »Es waren inzwischen so viele gestorben, da kam es auf den auch nicht mehr an. Ich hätte es als ungerecht empfunden, wenn die alle sterben und ausgerechnet der Naziverbecher Schleyer überlebt.«<a href="#_ftn90" id="_ftnref90">[90]</a></p>



<p>1977.09? erschien in Köln das erste Heft der »Beiträge zur feministischen Theorie und Praxis«, die erste wissenschaftliche Frauenzeitschrift Deutschlands. Voraus­gegangen war der gescheiterte Versuch von Feministinnen um die Kölner Soziologin Maria Mies, innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Soziologie eine Sektion für Frauenforschung zu gründen. Die Männer im Verband hatten das nicht zugelassen. ksta 11. 9. 1997</p>



<p>1977.10. eröffneten die Bielefelder Sozialarbeiterinnen Ilse Buddemeier und Beatrice Tappmann ein Frauenhaus. Der damalige Sozialdezernent, der Sozialdemokrat Johannes Kramer, konnte nur schwer von der Idee überzeugt werden. Erinnerungen zum 40. Geburtstag, ZA dG 7.10.2017</p>



<p>1977.11. organisierte der von dem Soziologen Christof Kievenheim gegründete »Arbeitskreis Westdeutsche Arbeiterbewegung (AWA)« eine Konferenz „über methodische Voraussetzungen einer Strategie der Arbeiterbewegung in der BRD“. Wolfgang Abendroth, Elmar Altvater, Joachim Bischoff, Wolfgang Fritz Haug, Sebastian Herkommer, Jörg Huffschmid, Urs Jaeggi, Wolf-Dieter Narr und andere Links­intellektuelle nahmen teil und diskutierten vor allem Ansätze des Eurokommunismus. Der Konferenzbericht erschien als Sonderband 44 der Zeitschrift »Das Argument«. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitskreis_Westeurop%C3%A4ische_Arbeiterbewegung">Wik</a>.</p>



<p>1977.11. übergoss sich der Tübinger Lehrer und Atomkraftgegner Hartmut Gründler an der St.-Petri-Kirche in Hamburg mit Benzin und zündete sich an, um gegen den Atomkurs von Bundeskanzler Schmidt und der SPD zu demonstrieren. Gründler starb an den Folgen. Die Zeit 31.3.2011</p>



<p>1977.13. Der pfälzische Philosoph Ernst Bloch starb 92jährig in Tübingen (4. 8.). Der österreichische Faschist und ehem. Bundeskanzler Kurt Schuschnigg starb 79jährig in Mutters bei Innsbruck. Die Wiener Schriftstellerin und Kommunistin Maxie Wander starb 44jährig in Kleinmachnow an Krebs (21. 11.).</p>



<p>1977k Berlin: Heiner Müllers Drama »Germania Tod in Berlin« wurde uraufgeführt, im folgenden Jahr »Die Hamletmaschine«. | Berlin: Ruth Berghaus trat als Theaterdirektorin am Schiffbauer­damm zurück. Manfred Wekwerth, ehemals Regieassistent bei Brecht und später Regisseur am Berliner Ensemble, übernahm die Leitung. Im Mittelpunkt seiner Arbeit stand die Bewahrung Brechtscher Ideen. Wichtige Uraufführungen: 1979 »Großer Frieden«, 1980 »Simplex Deutsch«, 1988 »Lenins Tod« von Volker Braun, Regie Christoph Schroth, sowie »Jochen Schanotta« (1985) und »Villa Jugend« (1991) von Georg Seidel. | Berlin: Hermann Kants autobiographischer Roman »Der Aufenthalt« erschien im Aufbau Verlag Berlin/DDR. | Berlin: Die Wiener Schriftstellerin Maxie Wander veröffentlichte im Buchverlag Der Morgen unter dem Titel »Guten Morgen, du Schöne« ihre Gesprächsprotokolle über Leben und Wünsche von ## ostdt. Frauen. Starker Einfluss auf Erasmus Schöfer.<a href="#_ftn91" id="_ftnref91">[91]</a> | &nbsp;Bonn: Die Deutsche Bundespost startete eine Briefmarkenserie »Burgen und Schlösser«.<a href="#_ftn92" id="_ftnref92">[92]</a> | Dresden: In Dresden begann der Wiederaufbau der Semperoper. Er kostete 225 Millionen Mark. | Frankfurt: Bernward Vespers autobiographischer Roman-Essay »Die Reise« erschien postum &nbsp;– über seinen Weg aus konservativ-faschistischem Elternhaus (Gut Triangel bei Gifhorn) in die APO-, Drogen- und Terrorszene. Das Buch wurde zum Kultbuch einer Generation.<a href="#_ftn93" id="_ftnref93">[93]</a> | Hamburg: Fritz J. Raddatz wurde Leiter des Feuilletons der »Zeit«. |&nbsp; Hannover: Der Kölner Reporter Günter Wallraff schlich sich unter dem Namen Hans Esser in die Redaktion Hannover der Bild-Zeitung ein und veröffentlichte darüber später das Reportagebuch »Der Aufmacher«. Nebenbei drehte er den Dokumentarfilm »Informationen aus dem Hinterland« über die Methoden der Bild-Zeitung. Der WDR wollte den Film ursprünglich senden, nahm ihn dann aber aus dem Programm und stellte ihn bis 2010 unter Sperrvermerk. NW 14.8.2010 (dpa) | Mainz: Die Redaktion des ZDF-Magazins »Kennzeichen D« bekam den Deutschen Kritikerpreis. 1978 erhielt Moderator Hanns Werner Schwarze den Gustav-Heinemann-Bürgerpreis. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hanns_Werner_Schwarze">Wik</a>. | Waldbröl: Die Kreissparkasse Gummersbach ließ das 1900 im Stil der Burg Eltz erbaute ehemalige Kreishaus zu Waldbröl abreißen und ersetzte es durch einen Waschbeton-Plattenbau. Nur das repräsentative Portal blieb erhalten und wurde als Spolie in den Neubau eingebaut.<a href="#_ftn94" id="_ftnref94">[94]</a></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; H. Prantl: Prantls Blick, 31.5.2020</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; Der Spiegel 15.2.<a href="https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43375761.html">1971</a></p>



<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; Auskunft Rainer Zilkenat, per Mail vom 20.8.2017</p>



<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; S. Brünger: Geschichte und Gewinn (2017). Nach der Rezension v. T. Schanetzky in SZ 7.8.<a href="Geschi/Themen/Unternehmen-und-Nazivergangenheit.docx">2017</a></p>



<p><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Honeckers Schmuddelkinder. Hippies in der DDR. Deutschlandfunk 25.1.2005 (nach SZ gl. Tags)</p>



<p><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; WDR 3, 20.11.2010</p>



<p><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; R. Walther: Fahrn, fahrn, fahrn… Zeitläufte 16.9.1999</p>



<p><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; Ausstellung Dr.-Oetker-Welt, 2009</p>



<p><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; G. Schwarberg: Zwanzig Kinder erhängen dauert lange. Zeitläufte 6.4.2005</p>



<p><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> &nbsp;&nbsp; L. Hachmeister: Schleyer</p>



<p><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> &nbsp;&nbsp; Hans Rodenberg: Sozialistische Arbeit – sozialistische Kultur. In: Kunst und Gesellschaft. Aufsätze und Selbstzeugnisse. Zum 25jährigen Bestehen des Henschelverlages, Berlin/DDR 1970, S. 11</p>



<p><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> &nbsp;&nbsp; D. Staritz: Geschichte der DDR, S. 224f</p>



<p><a href="#_ftnref13" id="_ftn13">[13]</a> &nbsp;&nbsp; M. Verhoeven: OK oder nicht OK? Die Zeit 11.2.2010</p>



<p><a href="#_ftnref14" id="_ftn14">[14]</a> &nbsp;&nbsp; Heinrich Schauerte in AN 2006, auch in <a href="https://unser-aachen.eu/pink-floyd-kam-fuer-2000-pfund/">unser-aachen.eu</a>. Uwe Reuter 2007, in <a href="http://www.unser-aachen.eu/Beitrage/Musikalische_Grusse/body_musikalische_grusse.html">unser-achen.eu</a></p>



<p><a href="#_ftnref15" id="_ftn15">[15]</a> &nbsp;&nbsp; Briefwechsel zwischen Willy Brandt und Günter Grass 1965-1970, hg. 2014, Auszüge in Deutschlandradio 6.9.2014</p>



<p><a href="#_ftnref16" id="_ftn16">[16]</a> &nbsp;&nbsp; Th. Sommer: Die Summe eines großen Lebens. Die Zeit 26. 11. 2009 (ZA Dönhoff)</p>



<p><a href="#_ftnref17" id="_ftn17">[17]</a> &nbsp;&nbsp; Wik.: Bahnhofsvorplatz Bonn; Kaiserhalle (Bonn); In der Vorhölle der Erbärmlichkeit, SZ 22.1.2014 (Geschi 1970)</p>



<p><a href="#_ftnref18" id="_ftn18">[18]</a> &nbsp;&nbsp; Die Zeit 29.10.<a href="https://www.zeit.de/1971/44/loewenthal-hisste-die-weisse-fahne/komplettansicht">1971</a>; <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Henri_Nannen">Wik</a>.</p>



<p><a href="#_ftnref19" id="_ftn19">[19]</a> &nbsp;&nbsp; M. Kriener: Eine deutsche Raserei, Die Zeit 24.3.<a href="https://www.zeit.de/2022/13/tempolimit-autobahn-oelkrise-ukraine">2022</a></p>



<p><a href="#_ftnref20" id="_ftn20">[20]</a> &nbsp;&nbsp; Die Zeit 14.6.2006</p>



<p><a href="#_ftnref21" id="_ftn21">[21]</a> &nbsp;&nbsp; Biographie 2004 auf http://hoimar-von-ditfurth.de (<a href="vita/Ditfurth_H.html">Datei</a>)</p>



<p><a href="#_ftnref22" id="_ftn22">[22]</a> &nbsp;&nbsp; ZA Gesch. 11.5.2000 (D.Zt.)</p>



<p><a href="#_ftnref23" id="_ftn23">[23]</a> &nbsp;&nbsp; Thomas E. Schmidt: Die erschöpften Germanisten. Die Zeit 9.9.2004</p>



<p><a href="#_ftnref24" id="_ftn24">[24]</a> &nbsp;&nbsp; Stefan Münz, <a href="http://carpacio.cs.tu-berlin.de/~jp/Muenz/hypertext/htxt507.htm">http://carpacio.cs.tu-berlin.de/~jp/Muenz/hypertext/htxt507.htm</a></p>



<p><a href="#_ftnref25" id="_ftn25">[25]</a> &nbsp;&nbsp; Wikipedia: Der Spiegel, <a href="Geschi/1947_Der_Spiegel.htm">August 2007</a></p>



<p><a href="#_ftnref26" id="_ftn26">[26]</a> &nbsp;&nbsp; Th. Sommer: Die Summe eines großen Lebens. Die Zeit 26. 11. 2009 (ZA Dönhoff)</p>



<p><a href="#_ftnref27" id="_ftn27">[27]</a> &nbsp;&nbsp; WDR 3, ZeitZeichen 27.7.2001</p>



<p><a href="#_ftnref28" id="_ftn28">[28]</a> &nbsp;&nbsp; »Es wurde gevögelt, dass es rauchte«. Interview in Die Zeit, 22.6.2017 (Chancen)</p>



<p><a href="#_ftnref29" id="_ftn29">[29]</a> &nbsp;&nbsp; G. Biemann, H. Stein: NPD, DVU und DVU – Liste D – neofaschistische und verfassungswidrige Organisationen. VVN-BdA 1989 (im Ordner Seminare)</p>



<p><a href="#_ftnref30" id="_ftn30">[30]</a> &nbsp;&nbsp; Die Zeit 22. 1. 1971, nach ak 8. 2. 1996 (Stapel Fr)</p>



<p><a href="#_ftnref31" id="_ftn31">[31]</a> &nbsp;&nbsp; G. Biemann, H. Stein: NPD, DVU und DVU – Liste D – neofaschistische und verfassungswidrige Organisationen. VVN-BdA 1989 (im Ordner Seminare)</p>



<p><a href="#_ftnref32" id="_ftn32">[32]</a> &nbsp;&nbsp; Wikipedia.de: Mephisto-Urteil <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mephisto-Entscheidung">2013</a></p>



<p><a href="#_ftnref33" id="_ftn33">[33]</a> &nbsp;&nbsp; B. Spangenberg zur »Mephisto«-Ausgabe des Rowohlt-Verlags, 1980</p>



<p><a href="#_ftnref34" id="_ftn34">[34]</a> &nbsp;&nbsp; Ausgabe 76/1972, nach M. Kriener: Aufstehen wie ein Mann. Die Zeit 31.3.2011</p>



<p><a href="#_ftnref35" id="_ftn35">[35]</a> &nbsp;&nbsp; Der Spiegel 24.5.<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43243273.html">1971</a> | SZ 13.11.2001 | Adolf Stock: Heinar Kipphardt. Hamburg 1987, S. 97 ff. Nach Wikipedia | 100mk.de <a href="http://www.100mk.de/dra_dra.html">2011</a></p>



<p><a href="#_ftnref36" id="_ftn36">[36]</a> &nbsp;&nbsp; B. Greiner: Krieg und Lügen. Zeitläufte 22.7.2004</p>



<p><a href="#_ftnref37" id="_ftn37">[37]</a> &nbsp;&nbsp; Wikipedia: Joseph Beuys</p>



<p><a href="#_ftnref38" id="_ftn38">[38]</a> &nbsp;&nbsp; B. Schulz: Die Anwälte. Eine deutsche Geschichte. Biografischer Dokumentarfilm, Deutschland 2009</p>



<p><a href="#_ftnref39" id="_ftn39">[39]</a> &nbsp;&nbsp; B 41 Neubau in Idar-Oberstein [Rechtfertigungsschrift des Bundesverkehrsministeriums, der Landes­regierung und des Oberbürger­meisters, <a href="../Wilde-Gewaesser/Nahe-Ueberbauung_Idar-Oberstein.pdf">1986</a>]</p>



<p><a href="#_ftnref40" id="_ftn40">[40]</a> &nbsp;&nbsp; U. Wesel: Spitzel, Wanzen, Bomben. Die Chronique scandaleuse des Verfassungsschutzes seit 1950… Die Zeit 26.1.2012</p>



<p><a href="#_ftnref41" id="_ftn41">[41]</a> &nbsp;&nbsp; Wik.: Betsäule von Halle; In der Vorhölle der Erbärmlichkeit, SZ 22.1.2014 (Geschi 1970)</p>



<p><a href="#_ftnref42" id="_ftn42">[42]</a> &nbsp;&nbsp; Harenberg: Das Buch der 1000 Bücher</p>



<p><a href="#_ftnref43" id="_ftn43">[43]</a> &nbsp;&nbsp; <a href="https://musicalzentrale.de/index.php?service=14&amp;subservice=0&amp;details=4476">musicalzentrale.de</a></p>



<p><a href="#_ftnref44" id="_ftn44">[44]</a> &nbsp;&nbsp; M. Kriener: Eine deutsche Raserei, Die Zeit 24.3.<a href="https://www.zeit.de/2022/13/tempolimit-autobahn-oelkrise-ukraine">2022</a></p>



<p><a href="#_ftnref45" id="_ftn45">[45]</a> &nbsp;&nbsp; B. Greiner: Krieg und Lügen. Zeitläufte 22.7.2004 (Greiner erwähnt jedoch nicht McGovern!)</p>



<p><a href="#_ftnref46" id="_ftn46">[46]</a> &nbsp;&nbsp; Marcel Gyr: Olympia-Attentat ist eine Wunde, die nicht verheilt. NZZ 16.8.<a href="../Geschi/1946-1990/1972_Olympia-Attentat_NZZ2022.docx">2022</a></p>



<p><a href="#_ftnref47" id="_ftn47">[47]</a> &nbsp;&nbsp; G. Giesenfeld: Der amerikanische Krieg, Tl. 2 (1954-1975). In: Vietnam-Kurier 2/2005, S. 60f</p>



<p><a href="#_ftnref48" id="_ftn48">[48]</a> &nbsp;&nbsp; Adolf Breves, Helmut Welge: Osterwald – Wald, Wild und Jagd. In: Osterwald 1585-2010, Salzhemmendorf 2010, S. 218, 221</p>



<p><a href="#_ftnref49" id="_ftn49">[49]</a> &nbsp;&nbsp; Adam Soboczynski: Am Grabmal des Unbekannten Soldaten. Die Zeit 7.4.<a href="https://www.zeit.de/2022/15/krieg-gedenken-soldaten-weltkriege-denkmal">2022</a>, S. 71 &nbsp;</p>



<p><a href="#_ftnref50" id="_ftn50">[50]</a> &nbsp;&nbsp; W. Ribbe, J. Schmädeke: Kleine Berlin-Geschichte. Berlin 1987, S. 222</p>



<p><a href="#_ftnref51" id="_ftn51">[51]</a> &nbsp;&nbsp; Antifaschismus heute (VVN-BdA Köln) 1/2018</p>



<p><a href="#_ftnref52" id="_ftn52">[52]</a> &nbsp;&nbsp; L. Hachmeister: Schleyer</p>



<p><a href="#_ftnref53" id="_ftn53">[53]</a> &nbsp;&nbsp; W. Glatzeder: Paul und ich. Autobiographie, Berlin 2008</p>



<p><a href="#_ftnref54" id="_ftn54">[54]</a> &nbsp;&nbsp; W. Glatzeder: Paul und ich. Autobiographie, Berlin 2008</p>



<p><a href="#_ftnref55" id="_ftn55">[55]</a> &nbsp;&nbsp; L. Hachmeister: Schleyer</p>



<p><a href="#_ftnref56" id="_ftn56">[56]</a> &nbsp;&nbsp; F. Raddatz: Der Gigolo und die Sphinx. ZeitLiteratur 1.10.2003 (ZA Gesch.)</p>



<p><a href="#_ftnref57" id="_ftn57">[57]</a> &nbsp;&nbsp; M. Kriener: Eine deutsche Raserei, Die Zeit 24.3.<a href="https://www.zeit.de/2022/13/tempolimit-autobahn-oelkrise-ukraine">2022</a></p>



<p><a href="#_ftnref58" id="_ftn58">[58]</a> &nbsp;&nbsp; zur Geschichte der Immobilienspekulation in Frankfurt P. Waldbauer: Lexikon antisemitischer Klischees, S.&nbsp; 169ff; J. Roth: z. B. Frankfurt: Die Zerstörung einer Stadt. München 1975 (dG)</p>



<p><a href="#_ftnref59" id="_ftn59">[59]</a> &nbsp;&nbsp; Anja Reschke: Die Unbequemen. Wie »Panorama« die Republik verändert hat. München 2011. Nach Tilmann P. Gangloff: Beißen nach allen Seiten. Neue Westfälische 4. Juni 2011</p>



<p><a href="#_ftnref60" id="_ftn60">[60]</a> &nbsp;&nbsp; L. Hachmeister: Schleyer</p>



<p><a href="#_ftnref61" id="_ftn61">[61]</a> &nbsp;&nbsp; Ausstellung »Wangemanns Wanderungen« in Bielefeld-Eckardtsheim (2017). Nw.de 15.11.<a href="http://www.nw.de/lokal/bielefeld/sennestadt/sennestadt/21977751_Undercover-auf-der-Walz.html">2017</a></p>



<p><a href="#_ftnref62" id="_ftn62">[62]</a> &nbsp;&nbsp; Harenberg: Das Buch der 1000 Bücher</p>



<p><a href="#_ftnref63" id="_ftn63">[63]</a> &nbsp;&nbsp; M. Kriener: Eine deutsche Raserei, Die Zeit 24.3.<a href="https://www.zeit.de/2022/13/tempolimit-autobahn-oelkrise-ukraine">2022</a></p>



<p><a href="#_ftnref64" id="_ftn64">[64]</a> &nbsp;&nbsp; Karl Christian Führer: Gewerkschaftsmacht und ihre Grenzen – Die ÖTV und ihr Vorsitzender Heinz Kluncker. Bielefeld 2017 (transcript). Interview, ZA Kluncker 1.6.2017 (Ver.di Publik)</p>



<p><a href="#_ftnref65" id="_ftn65">[65]</a> &nbsp;&nbsp; Heilemann u.a.: Wirtschaftspolitische Chronik 1949-2002, S. 155</p>



<p><a href="#_ftnref66" id="_ftn66">[66]</a> &nbsp;&nbsp; Heilemann u.a.: Wirtschaftspolitische Chronik 1949-2002, S. 155</p>



<p><a href="#_ftnref67" id="_ftn67">[67]</a> &nbsp;&nbsp; Heilemann u.a.: Wirtschaftspolitische Chronik 1949-2002, S. 158</p>



<p><a href="#_ftnref68" id="_ftn68">[68]</a> &nbsp;&nbsp; Ausstellung Dr.-Oetker-Welt, 2009</p>



<p><a href="#_ftnref69" id="_ftn69">[69]</a> &nbsp;&nbsp; Zit. nach Jens Jessen: Auf den Klassenstandpunkt kam es an. Die Zeit 9.9.2004</p>



<p><a href="#_ftnref70" id="_ftn70">[70]</a> &nbsp;&nbsp; Hanno Hochmuth in einer Diskussion über Helmut Kohls Kanzlerschaft, Ordner Geschi 1982 (Aufbruch in die Bunte Republik, Die Zeit 27.9.2012)</p>



<p><a href="#_ftnref71" id="_ftn71">[71]</a> &nbsp;&nbsp; E. Jaeggi: Auch Fummeln muß man lernen. ’ran-Buch 5, Köln 1978 (mit einer Dokumentation und Analyse des Proteststurms)</p>



<p><a href="#_ftnref72" id="_ftn72">[72]</a> &nbsp;&nbsp; Th. Sommer: Die Summe eines großen Lebens. Die Zeit 26. 11. 2009 (ZA Dönhoff)</p>



<p><a href="#_ftnref73" id="_ftn73">[73]</a> &nbsp;&nbsp; L. Hachmeister: Schleyer</p>



<p><a href="#_ftnref74" id="_ftn74">[74]</a> &nbsp;&nbsp; Heilemann u.a.: Wirtschaftspolitische Chronik 1949-2002, S. 160</p>



<p><a href="#_ftnref75" id="_ftn75">[75]</a> &nbsp;&nbsp; J. Radkau: Die Ära der Ökologie. Nach M. Kriener: Aufstehen wie ein Mann. Die Zeit 31.3.2011</p>



<p><a href="#_ftnref76" id="_ftn76">[76]</a> &nbsp;&nbsp; G. Giesenfeld: Der amerikanische Krieg, Tl. 2 (1954-1975). In: Vietnam-Kurier 2/2005, S. 64f</p>



<p><a href="#_ftnref77" id="_ftn77">[77]</a> &nbsp;&nbsp; Der Spiegel 5.5.1975, S, 56, zit. nach G. Bosbach, K. Bingler: Droht eine Kostenlawine im Gesundheitswesen? Soziale Sicherheit 1/2008, S. 7</p>



<p><a href="#_ftnref78" id="_ftn78">[78]</a> &nbsp;&nbsp; A. Schwarzer: Der ‹kleine Unterschied› und seine großen Folgen. Frankfurt/M. 1975</p>



<p><a href="#_ftnref79" id="_ftn79">[79]</a> &nbsp;&nbsp; W. Bauer, I. Dümotz, S. Golowin: Lexikon der Symbole. Wiesbaden 2004, S. 393f</p>



<p><a href="#_ftnref80" id="_ftn80">[80]</a> &nbsp;&nbsp; B 41 Neubau in Idar-Oberstein [Rechtfertigungsschrift des Bundesverkehrsministeriums, der Landes­regierung und des Oberbürger­meisters, <a href="../Wilde-Gewaesser/Nahe-Ueberbauung_Idar-Oberstein.pdf">1986</a>]</p>



<p><a href="#_ftnref81" id="_ftn81">[81]</a> &nbsp;&nbsp; Klenkes Magazin, Juli 2016</p>



<p><a href="#_ftnref82" id="_ftn82">[82]</a> &nbsp;&nbsp; <a>Gunnar Decker: Mit ernster Fantasie. Franz Fühmann … der Freitag 27.1.</a><a href="https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/mit-ernster-fantasie">2022</a></p>



<p><a href="#_ftnref83" id="_ftn83">[83]</a> &nbsp;&nbsp; Müller-Gerbes, Sigrun: Höhenflug einer flotten Biene. NW 14.4.2006 (ZA Gesch)</p>



<p><a href="#_ftnref84" id="_ftn84">[84]</a> &nbsp;&nbsp; R. Schneider: Wir durften nicht schweigen. Die Welt 13.11.2006 (Ordner Geschi)</p>



<p><a href="#_ftnref85" id="_ftn85">[85]</a> &nbsp;&nbsp; Havemann, Robert. In: Wer war wer in der DDR? (<a href="https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/de/recherche/kataloge-datenbanken/biographische-datenbanken/robert-havemann">2009</a>)</p>



<p><a href="#_ftnref86" id="_ftn86">[86]</a> &nbsp;&nbsp; Harriet Oelers: Elektroakustische Musik in der DDR. Wien/Köln 2021 (Böhlau). Rez. Fr 2.12.2021</p>



<p><a href="#_ftnref87" id="_ftn87">[87]</a> &nbsp;&nbsp; U. Wesel: Spitzel, Wanzen, Bomben. Die Chronique scandaleuse des Verfassungsschutzes seit 1950… Die Zeit 26.1.2012</p>



<p><a href="#_ftnref88" id="_ftn88">[88]</a> &nbsp;&nbsp; Philips LP 6305 342</p>



<p><a href="#_ftnref89" id="_ftn89">[89]</a> &nbsp;&nbsp; L. Wecke, B. Schennink: Die »neue« Friedensbewegung in den Niederlanden. In: Die neue Friedens­bewegung. Analysen aus der Friedensforschung. Frankfurt/Main 1982, S. 284, 287</p>



<p><a href="#_ftnref90" id="_ftn90">[90]</a> &nbsp;&nbsp; L. Hachmeister: Schleyer</p>



<p><a href="#_ftnref91" id="_ftn91">[91]</a> &nbsp;&nbsp; E. Schöfer: Winterdämmerung. Berlin 2008, S. 14-19</p>



<p><a href="#_ftnref92" id="_ftn92">[92]</a> &nbsp;&nbsp; postfrisch 6/2014 (Geschi)</p>



<p><a href="#_ftnref93" id="_ftn93">[93]</a> &nbsp;&nbsp; FR 15.5.2001 (Stapel)</p>



<p><a href="#_ftnref94" id="_ftn94">[94]</a> &nbsp;&nbsp; Marktstadt Waldbröl (waldbroel.de): Geschichtsstationen: Waldbröl als Kreisstadt. Um <a href="https://www.waldbroel.de/project/waldbroel-als-kreisstadt/">2020</a> (auf archive.org erstmals 20.4.2021)</p>
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		<title>Deutschland ohne Nazis: Chronik 1820-1835 (Material)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jejko]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Dec 2022 15:57:07 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Diese Chronik dient mir als Materialsammlung für die Kapitel &#8222;Fürsten und Romantiker: 1815-1830&#8220; und &#8222;Weber und Verleger: 1830-1848&#8220; in dem Buchprojekt Deutschland ohne Nazis: 1790-1990. 1820. gründeten Maler der Düsseldorfer Akademie eine Künstlerkolonie im nordhessischen Dorf Willingshausen. Sie gilt als erste ländliche Künstlerkolonie Europas.[1] 1820. lebten im deutschsprachigen Raum etwa 220.000 Juden.[2] 1820. musste der &#8230; <a href="https://jejko.de/deutschland-ohne-nazis-chronik-1820-1835-material/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Deutschland ohne Nazis: Chronik 1820-1835 (Material)“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
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<p>Diese Chronik dient mir als Materialsammlung für die Kapitel &#8222;Fürsten und Romantiker: 1815-1830&#8220; und &#8222;Weber und Verleger: 1830-1848&#8220; in dem Buchprojekt <strong><a href="https://jejko.de/deutschland-ohne-nazis-1790-1990/">Deutschland ohne Nazis: 1790-1990</a></strong>.</p>



<span id="more-935"></span>



<p>1820. gründeten Maler der Düsseldorfer Akademie eine Künstlerkolonie im nordhessischen Dorf Willingshausen. Sie gilt als erste ländliche Künstlerkolonie Europas.<a href="#_ftn1" id="_ftnref1">[1]</a></p>



<p>1820. lebten im deutschsprachigen Raum etwa 220.000 Juden.<a href="#_ftn2" id="_ftnref2">[2]</a></p>



<p>1820. musste der 31jährige Friedrich List seine Professur in Tübingen wegen Differenzen mit der württem­bergischen Regierung niederlegen. dtvl</p>



<p>1820. veröffentlichte Ernst Theodor Hoffmann die Kriminalnovelle »Das Fräulein von Scuderi«.</p>



<p>1820. wurde Ernst Moritz Arndt im Zuge der »Demagogenverfolgungen« als Professor in Bonn entlassen. MTL</p>



<p>1820. wurde Friedrich (von) Schlegel Herausgeber der konservativen Zeitschrift »Concordia« (bis 1823).</p>



<p>1820.ff. Biedermeier. Eine Ausstellung in Münster zeigt die Zeit des Biedermeier, &#8222;als die Frauen noch sanft und engelsgleich waren&#8220;. Auf den Bildern haben die Frauen in der Regel keine Füße und können nicht auf den eigenen Beinen stehen, nur gestützt auf den Ehemann, an einen Baum gelehnt oder auf einem Stuhl sitzend. Bleichen Händen entgleiten filigrane Stickereien; sie können kaum das Körbchen für die Wolle halten. Die Schriftstellerin Fanny Lewald (1811-1889) berichtete über ihre Jugend in Königsberg: &#8222;Fünf Stunden an jedem Tag saß ich in der Wohnstube am Fenster und erlernte, Strümpfe zu stopfen, Wäsche auszubessern und beim Schneidern und anderen Arbeiten Hand anzulegen, zwei Stunden brachte ich am Klavier zu, eine Stunde langweilte ich mich mit dem Inhalt meiner alten Schulbücher, die ich damals von A bis Z auswendig kannte, eine andere Stunde schrieb ich Gedichte zur Übung meiner Handschrift ab&#8230; und hatte am Abend das niederschlagende Gefühl, den ganzen Tag über nichts Rechtes getan zu haben.&#8220; &#8211; Biedermeier zitierte gern Aristoteles, &#8222;Über die Zeugung der Geschöpfe&#8220;: &#8222;Der Same des Männchens ist dadurch gekennzeichnet, daß er den Lebensquell in sich hat, und zwar einen solchen, der in dem Geschöpf die Entwicklung einleiten kann, während der des Weibschens nur Stoff bietet&#8230; Das Gegenteil zum Männlichen ist das Weibliche, und weiblich ist etwas aus Mangel an reifender Kraft&#8230;&#8220; Ernst Moritz Arndt schrieb 1819 &#8222;Über die weibliche Erziehung&#8220;: &#8222;Ein Weib soll ja dem Kinde gleich sein und auch so gehalten werden.&#8220; &#8211; Die Ehefrau schreit auf, nach Ida Hahn-Hahn: &#8222;Bin ich nicht Mensch?!&#8220; Der Ehemann: &#8222;Freilich, Liebchen, freilich bist du das&#8230; Aber nur beiläufig, hauptsächlich bist du Weib.&#8220; &#8211; Berühmtestes Gemälde der Zeit: &#8222;Die Kirch­gängerin&#8220; von Louis Ammy Blanc (1837). &#8211; Katalog: Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster 1995. Susanne Mayer in der Zeit, 22. 12. 1995.</p>



<p>1821. (bis 1823) war der 10jährige ungarische Pianist Franz Liszt in Wien Schüler von Czerny und Salieri, 1823 in Paris. dtvl</p>



<p>1821. begann Goethes Zusammenarbeit mit Ecker­mann. Im gleichen Jahr erschien der 1. Teil seines Romans »Wilhelm Meisters Wanderjahre oder die Entsagenden«. – Der erste Band von Wilhelm Müllers »Liedern der Griechen« erschien. Danach nannte man den Verfasser den »Griechen-Müller«. Im gleichen Jahr dichtete Müller das Lied »Das Wandern«. Franz Schubert vertonte es 1823 in seinem Zyklus »Die schöne Müllerin«.<a href="#_ftn3" id="_ftnref3">[3]</a> 1844 schuf Carl Friedrich Zöllner die populär vereinfachte Melodie. – Ludwig Tieck gab die »Hinterlassenen Schriften« von Heinrich von Kleist heraus. – Ernst Theodor Hoffmann veröffentlichte seine Erzählungen »Prinzessin Brambilla« und den zweiten Band der »Lebensansichten des Katers Murr«. – Carl Maria von Webers Oper »Der Freischütz« wurde in # uraufgeführt, nach einem Libretto von J. F. Kind. Als erster Versuch einer nationalen deutschen Oper war sie ein Vorbild für Wagner.</p>



<p>1821. entwarf der preußische Architekt Karl Friedrich Schinkel drei Varianten für die geplante Friedrichswerdersche Kirche im Berliner Zentrum: eine klassizistische, eine gotische und eine Version in den Formen der Renaissance. Genehmigt wurde die gotische Fassung, die damit zum ersten unverputzen Sakralbau aus Ziegelstein seit dem Mittelalter wurde. Ausstellung in Berlin 2012, NW 6.9.2012</p>



<p>1821. gab der deutsche Jakobiner Johann Friedrich Butenschoen die »Neue Speyerer Zeitung« heraus. ZA Gesch 12.7.2001 (Die Zeit)</p>



<p>1821. ging Ludwig Börne für Cotta als Korrespondent nach Paris. MKL</p>



<p>1821. unterstützte der bayerische Kronprinz Ludwig den griechischen Freiheitskampf aus seiner Privatschatulle.<a href="#_ftn4" id="_ftnref4">[4]</a></p>



<p>1821. veröffentlichte der Dichter Wilhelm Müller 27jährig als Altphilologe in Dessau die »Gedichte aus den hinterlassenen Schriften eines reisenden Waldhornisten« (bis 1826) und »Lieder der Griechen« (bis 1824). Nach letzteren, die dem Freiheitskampf der Griechen gegen die Türken gewidmet waren, wurde er »Griechen-Müller« genannt. Seine Zyklen »Die schöne Müllerin« und »Winterreise« wurden u. a. von Franz Schubert vertont.</p>



<p>1821.03. begann in Patras der legendäre Freiheitskampf der Griechen gegen die Türken, der sogleich zahlreiche europäische Dichter, darunter Lord Byron, beflügelte. SZ 20.3.2021, 47</p>



<p>1821.03. studierte Harry Heine 23jährig in Berlin , u.a. bei dem reaktionären Rechtshistoriker Friedrich Karl von Savigny, der, wie Marx formulierte, »die Niederträchtigkeit von heute durch die Niederträchtigkeit von gestern« legiti,mierte. Savigny war Mitglied der »Christlich-Deutschen Tischgesellschaft« (mit Ernst Moritz Arndt, Ludwig Jahn, Gottlieb Fichte), die sich antisemitisch betätigte.<a href="#_ftn5" id="_ftnref5">[5]</a></p>



<p>1822. dichtete Wilhelm Müller das Lied »Der Lindenbaum« (»Am Brunnen vor dem Tore«). Franz Schubert vertonte es 1827 in seinem Zyklus »Die Winterreise«; Friedrich Silcher arrangierte es 1846 für Laienchöre.<a href="#_ftn6" id="_ftnref6">[6]</a> – Im gleichen Jahr dichtete Joseph von Eichendorff das Wanderlied »Wem Gott will rechte Gunst erweisen«, das der Schweizer Friedrich Theodor Fröhlich 1833 populär vertonte. Fröhlich war einer der Entdecker der deutschen Romantik für die Schweiz.<a href="#_ftn7" id="_ftnref7">[7]</a> – Die erste Fassung von Beethovens 9. Symphonie wurde in Wien uraufgeführt (die endgültige 1824). In ihr fand das Humanitätsideal der Wiener Klassik seine stärkste Ausprägung, mit direktem Bezug zur Weimarer Klassik (Schillers Ode »An die Freude«).<a href="#_ftn8" id="_ftnref8">[8]</a> – Ernst Theodor Hoffmann veröffentlichte die Erzählung »Meister Floh«. – Der 25jährige Düsseldorfer Harry Heine (der spätere Heinrich Heine) veröffentlichte seine ersten Gedichte.<a href="#_ftn9" id="_ftnref9">[9]</a></p>



<p>1822. formulierte Moses Moser, Sekretär des Berliner »Vereins für Kultur und Wissenschaft der Juden«, ein Programm zur »Judenreformation«, das vor allem die Integration der Juden in die deutsche Gesellschaft zum Ziel hatte. H. Heine, Rabbi, 71 – Der Kölner Bankier Salomon Oppenheim jr. wurde Mitglied der Handels­kammer und bekleidete somit als erster Jude der Geschichte ein öffentliches Amt der Stadt Köln. Chronik Kölns, S. 255</p>



<p>1822. gründete Carl Friedrich Zelter das Königl. Institut für Kirchenmusik in Berlin und leitete es bis zu seinem Tode 1832. MTL Musik</p>



<p>1822. verliebte sich der 73jährige Goethe in Marienbad in die 18jährige Ulrike v. Levetzow. 1824 vollendete er seine »Marienbader Elegie« (ersch. 1827).</p>



<p>1822. wurde der 33jährige Friedrich List als württembergischer Abgeordneter wegen »staatsfeindlicher Umtriebe« zu Festungshaft verurteilt und ersatzweise zur Emigration in die USA gezwungen. List ging in die USA. dtvl</p>



<p>1822.05. studierte Heine in Berlin bei Schleiermacher und Hegel und besuchte den Salon von Rahel Varnhagen von Ense, freundete sich dort mit Karl Varnhagen von Ense an.<a href="#_ftn10" id="_ftnref10">[10]</a></p>



<p>1822.08. lernte Harry Heine in Berlin Moses Moser, Immanuel Wohlwill und Leopold Zunz kennen und wurde in deren »Verein für Cultur und Wissenschaft der Juden« aufgenommen. Dort beantragte er im November die Gründung eines zu stiftenden Frauenvereins, allerdings vergeblich.<a href="#_ftn11" id="_ftnref11">[11]</a> Im glechen August wurde Leopold Zunz als Vereinsvorsitzender abgesetzt, nachdem er eine Rede gegen das »Sybarytentum im Tempel, gegen Dünkel und Geldstolz« als Ursachen des Verfalls des Judentums gehalten hatte. Heine sympathisierte nach Trilse-Finkelsteins Vermutung mit dem Konzept des Hamburgers Gotthold Salomon, das eine Universal­religion auf jüdischer Grundlage vorsah.<a href="#_ftn12" id="_ftnref12">[12]</a> Ein Problem der Aufklärung aus jüdischer Sicht war, dass die radikale Religionskritik ein Stück der Identität der Juden untergrub. Heine ironisierte diese Richtung wie folgt: „Einige Hühneraugenoperateurs (Friedländer &amp; Co) haben den Körper des Judentums von seinem fatalen hautgeschwür durch Aderlass zu heilen gesucht, und durch ihre Ungeschicklichkeit und spinnwebige Vernunftbandagen muss Israel verbluten…“<a href="#_ftn13" id="_ftnref13">[13]</a> – Im gleichen Sommer reiste Heine mit seinem Studienfreund Eugen Graf Breza nach Preußisch-Polen und schrieb die Reportage »Über Polen«, die Januar 1823 erschien. Darin Sozialkritik und Betrachtungen über die dortigen Juden.<a href="#_ftn14" id="_ftnref14">[14]</a></p>



<p>1822.13. Deutscher Friedhof 1822: Der thüringische Biologe und Forstwissenschaftler Johann Matthäus Bechstein starb 64jährig in Dreißigacker bei Meiningen (23. 2.). Der niedersächsisch-preußische Staatsmann und Reformer Karl August Fürst von Hardenberg starb 72jährig in Genua (26. 11.). Der Königsberger Jurist, Schriftsteller, Musiker und Zeichner Ernst Theodor Hoffmann starb 46jährig in Berlin an den Folgen seiner Trunksucht.</p>



<p>1823. bedichtete Heinrich Heine die »Loreley«. 2006 deuteten Thea Bauriedel, Julian Nida-Rümelin, Wolf Singer, Daniel Kehlmann und Elisabeth Bronfen sein Gedicht unter freudianischen Aspekten. Zeitläufte 4.5.2006</p>



<p>1823. ging der 12jährige Pianist Franz Liszt als Schüler nach Paris und lernte bei Paer und Reicha. Vorher war er bei Czerny und Salieri in Wien gewesen.</p>



<p>1823. veröffentlichte Gauß seine Theorie der kleinsten Quadrate (zur Minimierung von Messfehlern und zufälligen Abweichungen, auf Basis der Normalverteilung). MKL</p>



<p>1823. wurde in einem Klüngel zwischen Stadtführung und preußischer Verwaltung der geordnete Kölner Karneval gegründet. Hintergründe: ksta 25.9.1997</p>



<p>1823.01. veröffentlichte Heine die Reportage »Über Polen«, im April den Band »Tragödien nebst einem lyrischen Intermezzo« (mit den Tragödien »Almansor« und »William Ratcliffe«).<a href="#_ftn15" id="_ftnref15">[15]</a> Im Februar kommentierte Heine 26jährig die Politik der oppositionellen Kräfte in Italien, Groß­britannien und Deutschland: Er fühle sich „seltsam gestimmt, wenn ich zufällig in der Zeitung lese daß auf den Straßen Londons einige Menschen erfroren und auf den Straßen Neapels einige Menschen verhungert sind. Obschon ich aber inEngland ein Radikaler und in Italien ein Carbonari [richtig: Carbonaro] bin, so gehöre ich doch nicht zu den Demagogen in Deutschland; aus dem ganz zufälligen und g’ringfügigen Grunde, daß bei einem Siege der letztern einige tausend jüdische Hälse, und just die besten, abgeschnitten werden.“<a href="#_ftn16" id="_ftnref16">[16]</a> Damit meinte er die deutschnationalen Burschenschaften. Er nannte sie in einem Brief im August: „Und ich bin kein Deutscher, siehe Rühs, Fries an vielen Orten…“<a href="#_ftn17" id="_ftnref17">[17]</a> Oktober 1824 reflektierte Heine das Verhältnis zwischen Deutschen und Juden in dem Gedicht »An Edom!«: <a><em>Ein Jahrtausend schon und länger / dulden wir uns brüderlich. / Du, Du duldest, daß ich athme, / Daß Du rasest, dulde ich…</em></a></p>



<p>1823.06. drängte Harry Heine den Herausgeber Leopold Zunz: „Drängen Sie doch bei den Mitabeitern der Zeitschrift auf Kultur des Stils. Ohne diese kann die andere Kultur nicht gefördert werden.“ Ihn regten die vielen Publizisten auf, die sich in seinen Augen unverständlich ausdrückten.<a href="#_ftn18" id="_ftnref18">[18]</a> Zunz indes resümierte 1867 in der Rückschau: „Zwischen 1817 und 1823 fällt die Blüte und der Bestand unserer Bestrebungen; alle seit jener Epoche fühlbar gewordenen Erfolge in Schule, Synagoge, Freiheit, Kultur und Widdenschaft gehen auf Vereinsmitglieder … zurück.“</p>



<p>1823k Heinrich Heine dichtete das Lied »Im Rhein, im heiligen [schönen] Strome«. Von der Beschreibung des Stromes bei Köln springt der Dichter in den Kölner Dom und dort zu einem Marienbild, das ihn an seine Liebste erinnert. Es erschien 1827 im »Buch der Lieder«.</p>



<p>1824. bemühte sich der bayerische Kronprinz Ludwig in Rom um eine päpstliche Erlaubnis für seine römische Nebenfrau Marianna Florenzi. Ein Kurienjesuit bescheinigte ihm schließlich, »die eheliche Treue sei blos eine Sache des Fleisches«, und daher sei »im Allgemeinen eine Indulgenz in dieser Beziehung für schwache Menschen und Weltkinder nöthig«.<a href="#_ftn19" id="_ftnref19">[19]</a></p>



<p>1824. erschien der erste von fünf Bänden der »Biographischen Denkmale« von Karl August Varnhagen von Ense (bis 1830). MTL</p>



<p>1824. ging Giacomo Meyerbeer nach Paris und verband sich mit dem Dramatiker Eugène Scribe. Er nahm keinen festen Wohnsitz und lebte meist in Hotels, aus gesundheitlichen Gründen auch oft in Kurorten wie Spa und Boulogne.</p>



<p>1824. gründete Carl Bertelsmann in Gütersloh eine Steindruckerei. ZA 1.1.2000 (Medien)</p>



<p>1824. veröffentlichte Heinrich Heine die Sammlung »33 Gedichte«, darunter das populäre Werk »Die Loreley«. Im gleichen Jahr besuchte er Goethe in Weimar und bereiste auf dem Weg dorthin den Harz.</p>



<p>1824. wanderte Harry</p>



<p>1824.01. setzte Heine sein Jurastudium in Göttingen fort.</p>



<p>1824.03. kommentierte Heine in einem Brief an Christiani seine tiefdeutschen Gedichte wie »Mein Herz, mein Herz ist traurig« und die »Loreley«, die Franz Schubert, Robert Schumann und Johannes Brahms zu Vertonungen einluden: „Ich weiß, daß ich eine der deutschesten Bestien bin, ich weiß nur zu gut, daß mir das Deutsche das ist, was dem Fische das Wasser ist… …meine Brust ist ein Archiv deutschen Gefühls, wie meine zwei Bücher ein Archiv deutschen Gesanges sind…“<a href="#_ftn20" id="_ftnref20">[20]</a></p>



<p>1824.05. kehrte der 26jährige Harry (Heinrich) Heine von einem dreiwöchigen Berlin-Aufenthalt nach Göttingen zurück. In Berlin war er dem »Verein für Kultur und Wissenschaft der Juden« (*1819) beigetreten, hatte Moses Moser kennen gelernt und an einer Seder-Feier des jüdischen Passahfestes teilgenommen. Er begann unter starken inneren Kämpfen mit den Studien für seine Erzählung »Der Rabbi von Bacherach«, die im Jahr 1487 spielt. Lokaler Hintergrund: die Ruine der Wernerkapelle in Bacharach, 1289-1430 erbaut und 1689 von den Franzosen zerstört. Sie galt den Romantikern als »edelste aller Ruinen«. Ihr Patron Werner war ein Kind, dessen Tötung als angeblicher Ritualmord den Bacharacher Juden in die Schuhe geschoben worden war, um ein Pogrom zu rechtfertigen. Heine erzählte im »Rabbi« die Geschichte vom Kinder- und Judenmord in Bacharach.<a href="#_ftn21" id="_ftnref21">[21]</a> – Heine wanderte als Student von Göttingen über Northeim, Osterode, Clausthal-Zellerfeld, Goslar nach Bad Harzburg, über den Kaiserweg zum Brocken und durch das Flussbett der Ilse. Er schrieb darüber die Reiseerzählung »Die Harzreise«, die er erst 1853 veröffentlichte.</p>



<p>1824.05. wurde Ludwig van Beethovens 9. Symphonie in ihrer endgültigen Fassung in Wien uraufgeführt, in Anwesenheit des tauben Komponisten.<a href="#_ftn22" id="_ftnref22">[22]</a></p>



<p>1824.07. beging man in Quedlinburg und Altona den 100. Geburtstag Klopstocks. In seinem Geburtsort Quedlinburg errichtete man dem Dichter ein Denkmal. MKL</p>



<p>1824.08. wurde in Leipzig der Mörder Johann Christian Woyzeck hingerichtet. Sein Fall beschäftigte bis 1838 zahlreiche Kriminologen und Psychologen. Der Streit ging darum, ob Woyzeck bei der Tat zurechnungsfähig oder geisteskrank gewesen sei. Georg Büchner begann 1836, sein Drama »Woyzeck« zu schreiben.<a href="#_ftn23" id="_ftnref23">[23]</a></p>



<p>1824.09. unternahm Heine von Göttingen aus eine Wanderung durch den Harz. Aus den Notizen dazu ging seine Reiseerzählung »Harzreise« hervor. Danach besuchte er Adolf Müllner in Weißenfels und Goethe in Weimar. Letzterer mochte den jungen Konkurrenten nicht, vor allem nicht sein Faust-Projekt. Heine schwebte eine »Faust«-Erzählung vor, in der Mephistopheles ein gutes, kreatives Konzept verkörpert.<a href="#_ftn24" id="_ftnref24">[24]</a> Die »Harzreise« erschien Januar 1826 im Berlinischen »Gesellschafter«.</p>



<p>1824k Harry (Heinrich) Heine begann die Arbeiten am Romanprojekt »Der Rabbi von Bacherach«.<a href="#_ftn25" id="_ftnref25">[25]</a> Im gleichen Jahr wurde seine Tragödie »Almansor« in Braunschweig uraufgeführt, ohne Erfolg.<a href="#_ftn26" id="_ftnref26">[26]</a></p>



<p>1825. bestieg König Ludwig I. den bayerischen Thron. Er verfügte als erste Amtshandlung, dass Baiern künftig mit y zu schreiben sei, als Bayern. Das y sollte an Griechenland und den griechischen Freiheitskampf erinnern. Gegen seinen Vater Max I. Joseph setzte er sofort eine antifranzösische, deutschnationale Politik durch. Seinen Architekten Leo Klenze beauftragte er mit einem umfangreichen Bauprogramm, das vor allem eine national-erzieherische Wirkung entfalten sollte: Aus Ruhmeshalle und Walhalla sollten die Leute »teutscher herauskommen als sie hineingegangen«. Privat notierte Klenze jedoch seine liebe Not mit dem König: »So wie er diese [seine Mätressen], bald blond, bald braun, bald groß, bald klein, bald sanft, bald feurig, liebte und wählte, so wechselte auch stets sein Geschmack in der Architektur.«<a href="#_ftn27" id="_ftnref27">[27]</a></p>



<p>1825. gründete der Wiener Bratschist und Komponist Johann Strauß 21jährig eine eigene Tanzkapelle. Gemeinsam mit Joseph Lanner entwickelte Strauß den Walzer zur Kunstform.</p>



<p>1825. gründete der Wiener Fein- und Zucker­bäcker Johann Georg Kranzler in Berlin das Café Kranzler; das erste Berliner Café mit einem Raucherzimmer. Im Febr. 2000 wurde es geschlossen. ZA Gesch. 29.2.2000 (Die Welt)</p>



<p>1825. In den 1820er Jahren erlangte der Berliner Salon von Amalie Beer große Berühmtheit. Es war der einzige musikalische Salon Berlins. Dort verkehrten unter anderem der spätere König Friedrich Wilhelm IV., Alexander von Humboldt, Johann Nepomuk Hummel, August Wilhelm Iffland, Franz Liszt, Familie Mendelssohn, Niccolò Paganini, Gottfried Schadow, August Wilhelm Schlegel, Rahel Varnhagen, Carl Maria von Weber, Carl Friedrich Zelter und Beers Sohn Giacomo Meyerbeer. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Amalie_Beer">Wikip</a>.</p>



<p>1825. veröffentlichte Wilhelm Hauff den »Märchen-Almanach auf das Jahr 1826 für Söhne und Töchter gebildeter Stände«, darunter die Märchen »Die Gerschichte vom Kalif Storch«, »Die Geschichte von dem Gespensterschiff«, »Die Geschichte von dem kleinen Muck«., »Die Errettung Fatmes«.</p>



<p>1825. vertonte # Reichardt Ernst Moritz Arndts Lied <em>»Was ist des deutschen Vaterland? / Ist’s Preußenland? Ist’s Schwabenland? / Ist’s, wo am Rhein die Rebe blüht? / Ist’s, wo am Belt die Möwe zieht? /<br>O nein, o nein, o nein! / Sein Vaterland muß größer sein!«</em> Arndts Deutschland umfasste Österreich und die Schweiz, ein »Deutschland, soweit die deutsche Zunge klingt«. Das Lied fand weite Verbreitung. <a href="1841_Hymne.doc">Mehr</a></p>



<p>1825. wurden in Hannover die ersten deutschen Gaslaternen eingeführt, ein Jahr später in Berlin. ZA 9.10.1998 (18)</p>



<p>1825.04? löste sich der »Verein für Kultur und Wissenschaft der Juden« auf, nachdem der Gründer Eduard Gans zum evangelischen Glauben konvertiert und Jura-Professor in Berlin geworden war. Im Juni konvertierte auch der 27jährige Harry Heine zum evangelischen Glauben und ließ sich als Heinrich Heine taufen. Der Taufschein sollte ihm als »Entréebillet zur europäischen Kultur« dienen, vor allem aber eine Professur in München verschaffen. H. Heine, Rabbi, 77 – Im Juli blieb Heine in seinem Romanprojekt »Der Rabbi von Bacherach« offenbar auf halbem Wege (oder noch früher) stecken (*1833, *1840). H. Heine, Rabbi, 75</p>



<p>1825.06. ließ sich Harry Heine in Heiligenstadt in Thüringen evangelisch-lutherisch taufen, um seine Karriere zu befördern. Er nahm den Namen Heinrich Heine an. Er bereute den Schritt schon im Januar 1826, hielt auch immer wieder an Vorzügen des Judentums fest.<a href="#_ftn28" id="_ftnref28">[28]</a> Im Juli bestand Heine sein juristisches Examen in Göttingen und wurde zum Doktor beider Rechte promoviert.</p>



<p>1825.10. Im Konzertwinter 1825/26 spielte das Leipziger Gewandhaus-Orchester fast alle Sinfonien Beethovens, auch die erst im Vorjahr vollendete 9. Sinfonie. Zeitläufte 25.2.2010</p>



<p>1825.13. Der fränkische Schriftsteller Jean Paul (bgl. Johann Paul Richter) starb 63jährig in Bayreuth. MTL</p>



<p>1826. begann Karl Julius Weber, seine satirischen Schriften »Deutschland oder Briefe eines in Deutschland reisenden Deutschen« zu veröffentlichen (bis 1828). Mit spöttischem Skeptizismus machte sich Weber vor allem über den Ritterkult der Romantiker lustig. dtvl</p>



<p>1826. erschien der dritte Band von Heinrich Heines »Reisebildern«. Im darin enthaltenen »Buch Le Grand« (einer Napoleon-Verherrlichung) und in dem Essay? »Bäder von Lucca« bekannte sich Heine zum Traum von der demokratischen Revolution und zur Pflicht der Zeit zur Emanzipation des freien Geistes. IGDL 4, 16</p>



<p>1826. erschien der erste Band der Monumenta Germaniae Historica. MTL</p>



<p>1826. gab es einen Stadtbrand in Triberg im Schwarzwald. 1827-29 wurden etliche abgebrannte Gebäude wieder aufgebaut, darunter die kath. Stadtkirche und das Schwarzwald-Hotel Löwen. (Tafel in Triberg, Stand 2014)</p>



<p>1826. gab Ludwig Tieck die »Gesammelten Schriften« von Heinrich von Kleist heraus. MTL</p>



<p>1826. hielt Alexander von Humboldt in Berlin Vorlesungen über die Ergebnisse seiner Weltreise. Sie erregten großes Aufsehen. Als erster deutscher Wissenschaftler schaffte es Humboldt, aus dem elitären Kreis der Akademiker auszubrechen und selbst Arbeiter anzusprechen. Aus den Vorlesungen ging ab 1845 sein Monumentalwerk »Kosmos« hervor, der erste Versuch einer populärwissenschaftlichen Beschreibung der gesamten physischen Welt und aller offenen Fragen der Forschung. Zweitausendeins <a href="1826_Kosmos.txt">2008</a></p>



<p>1826. schrieb der 17jährige Hamburger Felix Mendelssohn Bartholdy seine meisterhafte Ouvertüre zu Shakespeares Komödie »Ein Sommernachtstraum«. MTL Musik</p>



<p>1826. starb der letzte Lippe-Biber. namu, April 2010</p>



<p>1826. veröffentlichte der Koblenzer Biologe Johannes Müller 25jährig das Werk »Zur vergleichenden Physiologie des Gesichtssinns«.</p>



<p>1826. veröffentlichte der thüringische Pädagoge Friedrich Fröbel seine von Pestalozzi beeinflussten pädagogischen Grundsätze in dem Werk »Die Menschenerziehung«. Fröbel betonte den naturgemäßen Fortschritt und die allseitige Förderung aller Menschenkräfte. MKL</p>



<p>1826. veröffentlichte Heinrich Heine seine Reiseerzählung »Die Harzreise« als ersten Teil der auf vier Bände angelegten »Reisebilder«. Seine Mischung aus witziger Prosa, schwärmerischer Naturschilderung, Zeitsatire und romantischer Lyrik war so erfolgreich, dass Heine danach als freier Schriftsteller leben konnte. Allerdings wurde bereits der zweite Band der Reisebilder von der Zensur in Preußen verboten, ebenso der vierte Band.<a href="#_ftn29" id="_ftnref29">[29]</a></p>



<p>1826. veröffentlichte Wilhelm Hauff den Märchen-Almanach auf das Jahr 1827, darin die Märchen »Der Zwerg Nase«, »Die Geschichte Almansors« und »Schneeweißchen und Rosenrot« (von Wilhelm Grimm).</p>



<p>1826. zog die Ludwig-Maximilians-Universität von Landshut nach München um. SZ 20.8.2001</p>



<p>1826.01. kam Heine incognito in Julis Campes Buchhandlung, verlangte ein Exemplar der »Tragödien« Heines und äußerte sich abfällig darüber. Als Campe sie verteidigte, offenbarte sich der Autor und fragte den Verleger, ob er ihn drucken wolle. Wenige Tage später wurden sie über die Buchausgabe der »Reisebilder. Erster Teil« handelseinig. Heine erhielt 30 Louisdor. Heine arbeitete dafür die »Harzreise« um, und fügte 90 Gedichte der Serie »Heimkehr« und zwölf der »Nordsee. Erster Zyklus« hinzu. Das Buch erschien im Mai, wurde ein großer Erfolg und machte Heine in Deutschland bekannt. April 1827 erschien auf Campes Drängen der zweite Band.<a href="#_ftn30" id="_ftnref30">[30]</a></p>



<p>1826.05. schrieb Heine an Joseph Lehmann: „Auch zwischen geistigen Mächten existiert ein Völkerrecht, das nicht verletzt werden darf. Diese wechselseitige Achtung, selbst bei feindseliger Gesinnung, muß nie aufhören unter bedeutenden Geistern, sonst würde jenes Lumpengesindel, das untereinander nur gar zu fest verbündet ist, gar bald gewonnen Spel haben.“<a href="#_ftn31" id="_ftnref31">[31]</a></p>



<p>1826.10. eröffnete Karl Freiherr vom Stein als Landtagsmarschall den Westfälischen Provinzial­landtag in Münster. NW 5.2.2015</p>



<p>1826.10. starb der Essener Gussstahlunternehmer Friedrich Krupp. Die verschuldete Gussstahlfabrik mit knapp zehn Arbeitern wurde zunächst von Krupps Witwe weitergeführt. Der 14jährige Sohn Alfred Krupp übernahm zahlreiche Aufgaben im Betrieb. Brockhaus MM</p>



<p>1826.13. Deutscher Friedhof 1826: Der bayerische Optiker und Physiker Joseph (von) Fraunhofer starb 39jährig an einer Lungen­entzündung. Der holsteinische Komponist Carl Maria von Weber starb 39jährig in London.</p>



<p>1826k Felix Mendelssohns Ouvertüre zu Shakespeares Komödie »Ein Sommernachtstraum« wurde in Berlin erstmals im privaten Kreis aufgeführt. Februar 1827 dirigierte der 18-Jährige erstmals eine Aufführung in Stettin. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Felix_Mendelssohn_Bartholdy#Jugend_(1825%E2%80%931829)">Wik</a>. Meisterstücke <a href="../Geschi/1790-1913/1826_Mendelssohn.mp3">2021</a></p>



<p>1826k Friedrich Fröbel veröffentlichte 44jährig sein Werk »Die Menschenerziehung«, das auf der Lehre Heinrich Pestalozzis aufbaute. Es enthielt das Programm für die später von ihm gegründeten Kindergärten. <a>WDR ZeitZeichen 28.6.</a><a href="https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/froebel-100.html">2020</a></p>



<p>1827. erschien die Komödie »Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung« von Christian Dietrich Grabbe. – Der Bonner Germanist Karl Simrock übersetzte das Nibelungenlied ins Hochdeutsche. – Franz Schubert komponierte den Liederzyklus »Die Winterreise« mit zahlreichen Liedern von Wilhelm Müller, der im gleichen Jahr 33jährig gestorben war. – Wilhelm Hauff veröffentlichte den Märchen-Almanach auf das Jahr 1828, darin die Märchen »Das Wirtshaus im Spessart«, »Das kalte Herz«, »Die Sage vom Hirschgulden«. – Ludwig Börne wurde durch den Tod seines Vaters materiell unabhängig und ließ seine »Gesammelten Schriften« von Campe in Hamburg herausgeben.</p>



<p>1827. formulierte der fränkische Physiker Georg Simon Ohm in seinem Werk »Die galvanische Kette« erstmals das später nach ihm benannte Gesetz U = R*I (die elektrische Spannung ist das Produkt aus Widerstand und Stromstärke). Da Ohm kein Akademiker war – er hatte sein Studium aus finanziellen Gründen abbrechen müssen – ignorierte die deutsche Universitätsphysik zunächst seine Erkenntnis. ZA Ohm 16.03.2004</p>



<p>1827. kehrte Alexander v. Humboldt aus Paris nach Berlin zurück und hielt dort Vorlesungen über die physikalische Weltbeschreibung.</p>



<p>1827. wurde Adam Müller in Wien geadelt und bekam den Titel Ritter von Plittersdorf.</p>



<p>1827. wurde Gotthilf Heinrich Schubert Professor für Naturgeschichte in München. ZA Schubert 26.7.2001 (Zeit) – Im gleichen Jahr wurde Schelling Professor in München. MGTL</p>



<p>1827. wurde in Detmold ein Straf-Arbeitshaus errichtet. Dort wurden Arme eingesperrt und mit Zwangsarbeit für ihr Schicksal bestraft. NW 17.3.<a href="Geschi/1790-1913/1827_Arbeitshaeuser.pdf">2010</a></p>



<p>1827.04. reiste Heine nach England. Er lebte bis August in London und den Seebädern Margate und Ramsgate, traf den Komponisten Ignaz Moscheles, verliebte sich in eine Kitty und beobachtete den fortgeschrittenen englischen Kapitalismus und Liberalismus.<a href="#_ftn32" id="_ftnref32">[32]</a></p>



<p>1827.10. erschien auf Campes Drängen Heinrich Heines »Buch der Lieder«. Der Erfolg kam langsam, aber gewaltig. Um 1834 war die erste Auflage mit 2000 Exemplaren ausverkauft, und Campe wollte eine Neuauflage. Heine in Paris zierte sich zunächst; die 2. Augflage erschien erst 1837, die dritte schon 1839; bis zu Heines Tod erschienen insgesamt 13.<a href="#_ftn33" id="_ftnref33">[33]</a></p>



<p>1827.10. reiste Heine in einer Art Triumphzug von Hamburg über Göttingen, Kassel, Frankfurt, Heidelberg und Stuttgart nach München. In Kassel traf er die Brüder Grimm (wobei der Maler Ludwig Emil Grimm das bekannte Porträt schuf), in Fankfurt Ludwig Börne, in Stuttgart Wolfgang Menzel. In München trat er im November für ein Jahresgehalt von 2000 Gulden eine von Johann Friedrich Cotta von Cottendorf gestiftete Stelle als Redakteur der »Neuen allgemeinen politischen Annalen« an und kommentierte das: „Ich bin eine von Cottas teuersten Puppen.“<a href="#_ftn34" id="_ftnref34">[34]</a></p>



<p>1827.10. veröffentlichte Heinrich Heine den Lyrikband »Buch der Lieder«, eine Zusammenstellung bereits erschienener sowie neuer Gedichte, deren romantischer und oft volkstümlicher Ton den Nerv der Zeit traf. Doch da Heine die Stilmittel des romantischen Gedichts auch für satirische und politische Verse nutzte, bezeichnete er sich selbst schon bald als »entlaufenen Romantiker«.<a href="#_ftn35" id="_ftnref35">[35]</a> Eduard Mörike nannte Heine einen »Dichter ganz und gar«. IGDL 4, 21 – Kein deutscher Dichter wurde häufiger vertont. Es gibt etwa 10.000 Vertonungen von Heine-Liedern; die meisten entstanden noch im 19. Jahrhundert. Das am häufigsten vertonte Lied ist »Du bist wie eine Blume«. Ähnlich wie Goethe seinerzeit gegenüber Schubert verschmähte auch Heine die bedeutendsten Kompositionen darunter, die Vertonungen von Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Liszt und Robert Schumann. Ihm missfiel das starke romantische Eigenleben dieser Vertonungen; der Stil von Mendels­sohn etwa war ihm zu neu, er behauptete, die Lieder hätten keine Melodie. Heine nutzte seine Stellung als Musikkritiker, um sich über diese Vertonungen lustig zu machen, und bevorzugte die konventionellen und ideenlosen Vertonungen seines Freundes Josef Klein. Möglicherweise war er auch vergrätzt, weil er am finanziellen Erfolg der Vertonungen nicht partizipierte.<a href="#_ftn36" id="_ftnref36">[36]</a></p>



<p>1827.13. Deutscher Friedhof 1827: Der rheinische Komponist Ludwig van Beethoven starb 56jährig in Wien. Der Stuttgarter Publizist und Schriftsteller Wilhelm Hauff starb 24jährig in Stuttgart (11. 11.). Der anhaltinische Dichter Wilhelm Müller starb 33jährig in Dessau (1. 10.). Der Schweizer Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi starb 81jährig in Brugg. MGTL</p>



<p>1827k Heinrich Heines »Buch der Lieder« erschien, darin das Lied »Im Rhein, im heiligen [schönen] Strome«; später von Robert Schumann und Franz Liszt vertont. <a href="https://de.wikisource.org/wiki/Im_Rhein,_im_heiligen_Strome">Wik</a>.</p>



<p>1828. begann Heinrich Heine seine Italienreise. IGDL 4, 16</p>



<p>1828. gab Goethe seinen Briefwechsel mit Schiller heraus.</p>



<p>1828. gründete Philipp Reclam in Leipzig den späteren Reclam Verlag. *1828_Reclam.html</p>



<p>1828. synthetisierte der 28jährige hessische Chemiker Friedrich Wöhler erstmals Harnstoff aus Ammoniumcyanat, wobei er die Grenze zwischen anorganischer und organischer Chemie überschritt. Die Wöhlersche Harnstoffsynthese galt später als Geburtsstunde der organischen Chemie.</p>



<p>1828. traten die ersten Zollvereine zwischen einigen deutschen Staaten in Kraft, so zwischen Bayern und Württemberg, zwischen Preußen und Hessen-Darmstadt, zwischen Sachsen, Hannover, Kurhessen und den thüringischen Kleinstaaten. MTL</p>



<p>1828. wurde Ludwig Feuerbach 24jährig Privat­dozent für Philosophie in Erlangen. Seine Theologie- und Religionskritik verhinderte eine akademische Laufbahn. MTL</p>



<p>1828.02. erlebte der 31jährige Franz Schubert das erste öffentliche Konzert mit seinen Werken.<a href="#_ftn37" id="_ftnref37">[37]</a></p>



<p>1828.04. lernte Heine in München den russischen Diplomaten und Lyriker Fjodor Tjutschew kennen, der seine Gedichte später ins Russische übersetzte – womit Heines Weg in die Weltliteratur begann.<a href="#_ftn38" id="_ftnref38">[38]</a></p>



<p>1828.05. tauchte in Nürnberg ein in völliger Isolation aufgewachsenes 16jähriges Findelkind auf, dem man den Namen Kaspar Hauser gab und dessen Rätsel viele Zeitgenossen (und Spätere) jahrzehntelang beschäftigte.<a href="#_ftn39" id="_ftnref39">[39]</a> Der Jurist Paul Johann Anselm Feuerbach nahm sich des Verwirrten an. Im gleichen Jahr erschien Feuerbachs Werk »Aktenmäßige Darstellung merkwürdiger Verbrechen«. Kurt Tucholsky gab sich 1918# das Pseudonym Kaspar Hauser. Georges Moustaki und Reinhard Mey dichteten um 1970# Lieder auf »Gaspard«.</p>



<p>1828.08. verließ Heine München und trat eine Reise nach Italien an. Der rechtskonservative Publizst Hans Ferdinand Maßmann und der reaktionär-katholische Theologe Ignaz von Döllinger hatten ihn scharf bis infam angegriffen; König Ludwig I. hatte ihm eine Professur verweigert und sie stattdessen Maßmann gegeben. Heine reiste über Trient, Verona, Mailand, Marengo und Genua nach Lucca, wo er sich drei Wochen lang in den Bädern aufhielt. Danach fuhr er nach Florenz und weiter nach Venedig.<a href="#_ftn40" id="_ftnref40">[40]</a> Ergebnis waren die vier Reportagen »Reise von München nach Genua«, »Die Stadt Lucca«, »In den Bädern von Lucca« und »Florentinische Nächte«.</p>



<p>1828.13. Deutscher Friedhof 1828: Der Wiener Komponist Franz Schubert starb 32jährig in Wien (19. 11.).</p>



<p>1828k Franz Schubert komponierte auf Wunsch des mit ihm befreundeten Wiener Oberkantors Salomon Sulzer den 92. Psalm für Chor und einen Bariton-Vorsänger. Moses Mendelssohn übersetzte den Psalm aus dem Hebräischen ins Deutsche. Sulzer reformierte den jüdischen Synagogengesang und bezog dabei bewusst zeitgenössische, meist christliche Komponisten ein. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Salomon_Sulzer">Wik</a>.</p>



<p>1829. beantragte die belgische Nonne Maria Clementine Martin in Köln für ihren »Klosterfrau Melissengeist« die wahrscheinlich erste deutsche Produkt­marke. *martin.html</p>



<p>1829. erschien Goethes »Italienische Reise«.</p>



<p>1829. Expedition Alexander v. Humboldts nach Sibirien.</p>



<p>1829. gab der 26jährige Anton Wilhelm v. Zuccalmaglio (unter dem Pseudonym Wilhelm von Waldbrühl) zusammen mit seinem Heidelberger Kommilitonen und Freund E. Baumstark eine erste Sammlung deutscher Volkslieder heraus. Angeregt hatte ihn dazu der Heidelberger Jurist Thibaut. Als Student in Heidelberg hatte Z. den Spitznamen »der große Wodan«, weil er ständig von altdeutscher Mythologie sprach. Er verliebte sich in die Arzttochter Ernestine Thomas, die 1836 an der Cholera starb. A. Trzyna, Zuccalmaglio, 163, 165</p>



<p>1829. Im Park des soeben fertig gestellten Schlosses Rosenstein in Stuttgart wurden Mineralquellen gefunden. König Wilhelm I. von Württemberg (1781-1864) plante deshalb den Bau eines „Badhauses im Maurischen Stil“ im Schlosspark, ergänzt durch eine Orangerie und ein Gewächshaus. Erst 1837 wurde der Architekt Karl Ludwig von Zanth (1796-1857) mit der Planung beauftragt. Da der König zögerte, die hohen Kosten für das ehrgeizige Vorhaben aufzubringen, sollten noch Jahre vergehen, bis das erste Gebäude der Wilhelma fertig gestellt war.</p>



<p>1829. schloss Goethe seinen Roman »Wilhelm Meisters Wanderjahre oder die Entsagenden« ab.</p>



<p>1829. trat der Pianist Friedrich Chopin erstmals in Wien auf und erregte Aufsehen. Kritiker, darunter Heine, lobten die Synthese aus polnischer Ritterlichkeit, deutscher Innigkeit und französischer Anmut. MKL</p>



<p>1829. wurde Christian Dietrich Grabbes Drama »Don Juan und Faust« am Detmolder Hoftheater uraufgeführt, mit einer Musik von Albert Lortzing. Es gab nur eine einzige Aufführung, und es war die einzige Aufführung eines seiner Stücke, die Grabbe erlebte. ZA 13.12.2001 (FR)</p>



<p>1829.01. übersiedelte Heine von München wieder nach Hamburg, dann gleich weiter nach Berlin, und gab seine gut bezahlte Redakteursstelle bei Cotta auf. In Berlin hatte er Kontakt zu Achim und Bettina von Arnim, Felix Mendellsohn Bartholdy und Giacomo Meyerbeer. Auch in Berlin zerschlug sich sein Versuch, eine Professur zu gewinnen.<a href="#_ftn41" id="_ftnref41">[41]</a></p>



<p>1829.03. führte der 20jährige Felix Mendelssohn Bartholdy – von Zelter angeregt – an der Berliner Singakademie Bachs »Matthäuspassion« wieder auf. Sie war mit den meisten Werken Bachs fast in Vergessenheit geraten. Damit begründete er die moderne Bach-Pflege. MTL Musik</p>



<p>1829.08. besuchte der polnische Schriftsteller und Freiheitskämpfer Adam Mickiewicz Goethe in Weimar. Diese Begegnung verarbeitete Louis Fürnberg 1952 in seiner Novelle »Die Begegnung in Weimar«. (Wikip.)</p>



<p>1829.13. Der Ulmer Handwerker, Erfinder und Pilot Albrecht Ludwig Berblinger starb 58jährig verarmt und vergessen in seiner Heimatstadt (28. 1.). Der Berliner Konservative Adam Müller (seit 1826 Ritter von Nittersdorf) starb 49jährig in Wien (17. 1.). Der Schriftsteller und Publizist Friedrich von Schlegel starb 56jährig in Dresden. Der deutsche Maler Heinrich Tischbein starb 78jährig in Eutin (26. 2.).</p>



<p>1830. begann Alexander v. Humboldt in Berlin sein Werk »Kosmos. Entwurf einer physikalischen Weltbeschreibung«. Es erschien in den Jahren 1845-62.</p>



<p>1830. begann Felix Mendelssohn Bartholdy die Arbeit an seinen »Liedern ohne Worte« (bis 1845). MTL Musik</p>



<p>1830. begründete Friedrich Christoph Dahlmann die »Quellenkunde der deutschen Geschichte«. MGTL</p>



<p>1830. breitete sich von Russland aus eine Cholera-Epidemie in den Großstädten Mittel- und Südeuropas aus. Es gab Zehntausende von Todesopfern, vor allem in den Armenvierteln. Heinrich Heine berichtete aus Paris, wie die Reichen, begleitet von Ärzten und rollenden Apotheken, aus der Stadt flohen. Heine: „Mit Unmut sah der Arme, dass das Geld auch ein Schutzmittel gegen den Tod geworden.“</p>



<p>1830. entdeckte der Stuttgarter Ingenieur und Unternehmer Karl von Reichenbach das Paraffin im Holzteer. MKL 14: Reichenbach; MKL 13: Paraffin</p>



<p>1830. gründeten Pfarrer Engelbert Joseph Heynen, der 27jährige Anton Wilhelm v. Zuccalmaglio und sein Bruder Vincenz in Schlebusch (Leverkusen) einen Fortbildungsverein für Dorfburschen, einen Vorläufer der Kolpingschen Gesellenvereine. A. Trzyna, Zuccalmaglio, 162, 168</p>



<p>1830. Gründung des Königreichs Belgien. Erster König wurde Leopold, Prinz von Sachsen-Coburg-Gotha; dessen Nichte Victoria wurde 1837 Königin von Groß­britannien. Eine Verbindung Belgiens mit dem französischen Hause Orléans wurde von Großbritannien nicht gestattet. Zeit 18. 7. 1997</p>



<p>1830. kehrte Friedrich List als amerikanischer Konsul nach Deutschland zurück. dtvl</p>



<p>1830. ließ sich der 25jährige Königsberger Arzt Johann Jacoby als Arzt in seiner Heimatstadt nieder. MKL</p>



<p>1830. trat der 19jährige Franz Liszt erstmals als Konzertpianist auf. dtvl</p>



<p>1<a></a>830. Um 1830 begründeten die Maler Ludwig Emil Grimm (ein Bruder der Gebrüder Grimm) und Gerhardt von Reutern eine Malerkolonie in Willingshausen bei Schwalmstadt (Hessen). Später kamen Hugo Mühlig und andere Vertreter der Düsseldorfer Malerschule dazu. NW 27.8.2005</p>



<p>1830. veröffentlichte Karoline von Wolzogen die Biographie »Schillers Leben«.</p>



<p>1830. wurde Europa von einer großen Grippe-Epidemie heimgesucht; die Epidemien hielten bis 1837 an. MKL 1898</p>



<p>1830.07. Julirevolution in Frankreich. Heinrich Heine in Berlin war begeistert: „Ich weiß jetzt wieder, was ich will, was ich soll, was ich muß… Ich bin der Sohn der Revolution… Reicht mir die Leier, damit ich ein Schlachtlied singe… Der Fscher, welcher mich gestern nach der kleinen Sandinsel, wo man badet, überfuhr, lachte mich an mit den Worten: ‚Die armen Leute haben gesiegt!‘“ Für Campe gab Heine die revolutionäre Schrift »Kahldorf über den Adel« heraus, deren Verfasser, ein linksradikaler Burschenschaftler, seit Jahren im Gefängnis saß.<a href="#_ftn42" id="_ftnref42">[42]</a> In der Einleitung entwickelte Heine ein Bildungsprogramm als Voraussetzung für den Aufbau einer Zivilisation, und beklagte sich über die reaktionäre Hetzjagd: „Es ist jetzt die Zeit der hohen Jagd gegen die liberalen Ideen…, und es fehlt nicht an gelehrten Hunden, die das blutende Wort als gute Beute heranschleppen.“</p>



<p>1830.07. Julirevolution in Frankreich. Ludwig Börne zog begeistert als Korrespondent nach Paris. Er schrieb die »Briefe aus Paris«, die ihn vor allem bei Studenten berühmt machten. Beim Hambacher Fest 1832 wurde er umjubelt.</p>



<p>1830.07. Julirevolution in Paris und Aufstand in Warschau. 1831 beendete Zar ?? die polnische Autonomie in »Kongresspolen«. ZA Gesch. 5.7.2001 (Zeit) – Unruhen in Dresden und Leipzig. Der Advokat Bernhard Moßdorf entwarf eine demokratische Verfassung für Sachsen. Die Zeit 3.8.2000 (n.a.) – Der Jurist und Germanist Karl Simrock begrüßte die Pariser Julirevolution mit dem Gedicht »Drei Farben«, wurde daraufhin von König Friedrich Wilhelm III. aus dem preußischen Staatsdienst entlassen. Im gleichen Jahre erschien seine Übersetzung des »Armen Heinrich« von Hartmann von Aue. – Im August führte die Pariser Julirevolution auch in Köln zu Unruhen. Flugblätter mit der Überschrift »Freiheit oder Tod« wurden verteilt. Aus Furcht vor Ausschreitungen richteten Kölner Unternehmer am 30. August eine Bürgerwehr ein, weil das Militär zum Manöver abgerückt war. Am 31. August gab es eine große Demonstration von Arbeitern und Kleinhandwerkern, die aber friedlich blieb.<a href="#_ftn43" id="_ftnref43">[43]</a> – Unruhen in Aachen; Lehrer und Schüler des KKG bewaffneten sich und versahen Wachdienste.<a href="#_ftn44" id="_ftnref44">[44]</a></p>



<p>1830.09. ging Ludwig Börne als begeisterter Anhänger der Julirevolution erneut nach Paris, das ihm als Mekka der politischen Freiheit galt, und geißelte von dort aus mit seinen »Briefen aus Paris« die reaktionären Zustände in Deutschland. Er polemisierte auch gegen seinen Landsmann Goethe. MKL</p>



<p>1831. begann der Leipziger Maler Julius Schnorr von Carolsfeld die Arbeit an den Nibelungenfresken in der Münchener Residenz. Die Nibelungensage galt ihm und dem Auftraggeber, König Ludwig I., als »der Mythos der Teutschen«.<a href="#_ftn45" id="_ftnref45">[45]</a></p>



<p>1831. brach Charles Darwin zu einer fünfjährigen Weltreise mit der »Beagle« auf. Begeistert las er unterwegs Alexander v. Humboldts Werk über dessen amerikanische Reise (1799-1804), die, so notierte er, »an Verdienst alles übrige bei weitem übertreffen, was ich gelesen habe«. Als Darwin zum ersten Mal einen tropischen Urwald erblickte, notierte er: »Ich bewunderte früher Humboldt, jetzt bete ich ihn beinahe an; er allein gibt einen Begriff von den Empfindungen, welche in der Seele erregt werden beim ersten Betreten der Tropen.«<a href="#_ftn46" id="_ftnref46">[46]</a></p>



<p>1831. errang Giacomo Meyerbeer 40jährig mit der Oper »Robert le diable« (»Robert der Teufel«) seinen ersten großen Erfolg in Paris. Das Libretto stammte von Eugène Scribe. Die Oper wurde in Frankreich zeitweise populärer als die Werke Rossinis und Aubers.</p>



<p>1831. erschien das Drama »Napoleon oder die hundert Tage« von Christian Dietrich Grabbe. 1835 folgte das Drama »Hannibal«, 1838 (postum) das Drama »Die Hermannsschlacht«. MGTL. Parallele zu Kleist!</p>



<p>1831. ging Heinrich Heine als Korrespondent der Augsburger Allgemeinen Zeitung ins Exil nach Paris. Metternich hatte ihn zuvor warnen lassen. IGDL 4, 16</p>



<p>1831. ging Heinrich Heine, entnervt von der politischen Zensur in Deutschland, nach Paris und wurde Korrespondent der »Augsburger Allgemeinen Zeitung«.</p>



<p>1831. scheiterte Schopenhauer bei dem Versuch, als Privatdozent in Berlin dem alternden Hegel Konkurrenz zu machen. Schopenhauer setzte seine Vorlesungen parallel zu denen Hegels an. Später hetzte er gegen die &#8222;Weiber&#8220; und &#8222;jene unverschämtesten&nbsp;aller Sterblichen, die Hegelianer&#8220;. <a href="http://www.schneidercom.ch/schopenhauer2.htm">Link</a></p>



<p>1831. trat in der preußischen Provinz Westfalen eine revidierte Städteordnung in Kraft. <a href="http://www.bi-info.de/">www.bi-info.de</a></p>



<p>1831. verlor die ehemalige Freie Reichsstadt Köln nach langem Rechtsstreit ihr Stapelrecht. Es begann ein rasanter Aufstieg der Hafenstadt Düsseldorf zulasten Kölns. Als preußische Festungsstadt hatte Köln keine Freiflächen für Industrieansiedlungen zur Verfügung. Die Konkurrenz zwischen Kölner und Düsseldorfer Dampfschifffahrts-Gesellschaft führte zu mehreren Beinahe-Havarien. WDR 3, Januar 2012</p>



<p>1831. wurde der Wittenberger Physiker Wilhelm Weber 27jährig Professor in Göttingen und begann zusammen mit dem Mathematiker Karl Friedrich Gauß eine zehnjährige Forschungsreihe zum Erd- und Elektromagnetismus. Gauß erfand das Magnetometer und konstruierte gemeinsam mit Weber 1833 den ersten elektromagnetischen Telegraphen. MKL, MGTL</p>



<p>1831.03. plante Heine eine Studienreise nach Paris, um die »Doctrine de Saint-Simon« vor Ort zu studieren. Die Reise, die seine Emigration einleiten sollte, wurde vom Sozialisten und Saint-Simon-Anhänger Harmut Hesse und von Heines Onkel Henry Heine finanziert. Im Mai traf Heine in Paris ein. Bis dahin waren acht Bücher Heines erschienen: drei Gedichtbände (inklusive der drei Tragödien), vier Bände der »Reisebilder« und das Pamphlet »Kahldorf über den Adel«. Seinen Ruf begründeten vor allem die »Reisebilder«.<a href="#_ftn47" id="_ftnref47">[47]</a> In Paris nahm er gleich Kontakt zu den Saint-Simonisten und ihrer Zeitung »Globe« auf. Die Saint-Simonisten wandten sich gegen den christ­lichen Sünde-Begriff vor allem im Zusammenhang mit Sex, predigten den sinnlchen Genuss, forderten die Befreiung der Frau.<a href="#_ftn48" id="_ftnref48">[48]</a> Sein Monarchismus, sein Eintreten für die konstitutionelle Monarchie des Julikönigtums, brachte ihn in Konflikt mit den radikalen Republikanern. Er erweiterte seinen Revolutionsbegriff zur »Universalrevolution«.<a href="#_ftn49" id="_ftnref49">[49]</a></p>



<p>1831.07. gründeten Giuseppe Mazzini und ?? in Marseille die revolutionäre Geheimorganisation »Giovine Italia« (»Junges Italien«). MGTL, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Junges_Italien">Wikip.</a></p>



<p>1831.08. starb Generalfeldmarschall August Wilhelm Graf Neidhardt von Gneisenau 70jährig als Kommandant des gegen die aufständischen Polen eingesetzten preuß. Korps in Posen an der Cholera. Auch sein langjähriger Assistent Carl von Clausewitz infizierte sich dort und starb am 16. 11. 51jährig in Breslau. MTL</p>



<p>1831.09. wurden der sächsische Demokrat Bernhard Moßdorf und sein Mitstreiter, der Fabrikant Bertholdi, in der Festung Königstein über der Elbe bei Dresden eingekerkert. Beide wurden mutmaßlich in der Haft ermordet oder in den Selbstmord getrieben. Die Zeit 3.8.2000 (n.a.)</p>



<p>1831.10. begann Heine als Korrespondent Cottascher Zeitungen im »Morgenblatt« mit der Veröffentlichung der Schrift »Französische Maler« (auch »Salon 1831«). Er beschrieb u.a. das Gemälde »Freiheitsgöttin« von Eugène Delacroix, das Gemälde »Cromwell vor der Leiche des hinerichteten Karl Stuart« von Paul Delaroche und das Gemälde »Die Schnitter« von Léopold Robert. Um 1833 schrieb er einem Freund, er sehe als als sein Anliegen, „den Franzosen das geistige Leben der Deutschen bekannt zu machen“ und umgekehrt. Es sei „seine jetzige pacifike Mission, die Völker einander näher zu bringen. Das aber fürchten die Aristokraten am meisten“, mit der Zerstörung nationaler Vorurteile verlören sie einen Großteil ihrer Macht über die Völker. An den Vergleich der Bilder von Delaroche und Robert knüpfte er eine Betrachtung über zwei Arten von Geschichte.<a href="#_ftn50" id="_ftnref50">[50]</a> 1832 folgten die »Französischen Zustände«, 1834 die Schrift »Über die franzö­sische Bühne«; alle drei später zusammengefasst unter dem Titel »De la France – für Deutschland«.</p>



<p>1831.11. Aufstand von 38.000 Seidenwebern in Lyon. Wörterbuch Geschichte 2, 678</p>



<p>1831.13. Der preußische Offizier und Politologe Carl von Clausewitz starb 51jährig in Breslau an der Cholera (16. 11.). Der schwäbische Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel starb 61jährig in Berlin (14. 11.). Der preußische Offizier August Wilhelm Graf Neidhardt von Gneisenau starb 70jährig in Posen an der Cholera (23. 8.). Der hessisch-preußische Jurist und Staatsmann Karl Freiherr vom Stein starb 73jährig auf Schloss Cappenberg bei Selm (29. 6.).</p>



<p>1832. begann Adolf Glaßbrenner, seine subversiv-humorigen Berlin-Geschichten vom »Eckensteher Nante«, einem fiktiven Berliner Gelegenheitsarbeiter, über Groschenhefte und Volkskalender auch im einfachen Volk zu verbreiten. Tsp. 1.12.2000 (n.a.)</p>



<p>1832. gab Marie von Clausewitz den Nachlass ihres verstorbenen Mannes unter dem Titel »Vom Kriege« heraus (bis 1834). ZA Clau 7.11.2001 (SZ)</p>



<p>1832. setzte Arthur Wellesley Duke of Wellington als britischer Premierminister eine Demokratisierung des britischen Wahlrechts gegen die Konservativen durch, um den durch die Chartisten drohenden Bürgerkrieg zu vermeiden. Hegel polemisierte kurz vor seinem Tode dagegen und erklärte, die »mehrhundertjährige stille Arbeit der wissenschaftlichen Bildung, der Weisheit und Gerechtigkeitsliebe der Fürsten« habe in Deutschland viel mehr bewirkt als die Demokratie in England.<a href="#_ftn51" id="_ftnref51">[51]</a></p>



<p>1832. wurde der 16jährige Otto von Bayern, ein Sohn König Ludwigs I., König von Griechenland.</p>



<p>1832. wurde Johann Peter Friedrich Ancillon preußischer Außenminister und – ebenso wie sein Vetter Gentz – entschiedener Anhänger des reaktionären Metternich-Regimes. MGTL</p>



<p>1832. zog Anton Wilhelm v. Zuccalmaglio als Erzieher des Sohnes des russischen Fürsten Michail Gortschakow nach Warschau, wo er acht Jahre blieb. Die Stelle hatte ihm sein Onkel verschafft. A. Trzyna, Zuccalmaglio, 163f</p>



<p>1832.01. Am 22. Januar erschossen preußische Wachsoldaten in Fischau im Ermland neun Polen und verletzten etwa zwölf weitere schwer. Es handelte sich um eine Gruppe von ca. 800 ehemaligen polnische Soldaten, Teilnehmern des polnischen Novemberaufstandes von 1830, die in Ostpreußen ein Exil gefunden hatten. Nach „ewigen Händeln mit ihren Quartierwirthen“ wollte man ihnen neue Quartiere anweisen, worauf es zum Konflikt mit der preußischen Wachmannschaft kam. Diejenigen, denen der Zar eine Amnestie zusicherte, kehrten über die Grenze zurück. Ungefähr 700 Polen wollten per Schiff nach Amerika auswandern, wurden aber wegen Meuterei bereits in Le Havre an Land gebracht. Der polnische Nationaldichter Adam Mickiewicz verarbeitet den Vorfall in seinem Gedicht bzw. Gebet „Litania pielgrzymska“: „Erlöse uns, Herr, durch das Blut der Soldaten todtgeschlagen in Fischau von den Preußen!“ (Übers. von Heinrich v. Treitschke).&nbsp; – <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fiszewo_%28Gronowo_Elbl%C4%85skie%29">Wikip</a>.</p>



<p>1832.01. kam es in Fischau in Ostpreußen zu einem Krawall, bei dem neun polnische ehemalige Soldaten von preußischen Soldaten getötet und etwa zwölf weitere schwer verletzt wurden. Es handelte sich dabei um eine Gruppe von ca. 800 Teilnehmern des polnischen Novemberaufstandes von 1830, die nach dem Scheitern des Aufstands 1831 aus dem russisch beherrschten Kongresspolen fliehen mussten und in Preußen aufgenommen worden waren. Anlass für den Krawall war eine geplante Umquartierung der Polen. Der polnische Nationaldichter <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Adam_Mickiewicz">Adam Mickiewicz</a> verarbeitet diesen Vorfall in seinem Gedicht bzw. Gebet „Litania pielgrzymska“: „Erlöse uns, Herr, durch das Blut der Soldaten todtgeschlagen in Fischau von den Preußen!“ Wikipedia: Fischau</p>



<p>1832.02? schloss Johann Wolfgang (von) Goethe seinen »Faust II« ab. Im März starb er 82jährig in Weimar.</p>



<p>1832.05. trafen sich 30.000 Menschen, überwiegend aus der Rheinpfalz, in Hambach bei Neustadt an der Hardt zum Hambacher Fest, um den Jahrestag der bayerischen Verfassung zu feiern. Die Frauen lud man ausdrücklich mit zum Hambacher Fest ein: »Deutsche Frauen und Jungfrauen, deren politische Missachtung in der europäischen Ordnung ein Fehler und Flecken ist, schmücket und belebet die Versammlung durch eure Gegenwart!«<a href="#_ftn52" id="_ftnref52">[52]</a> Die Burschenschaftler Wirth, Siebenpfeiffer u. a. propagierten in flammenden Reden die Volkssouveränität und die Schaffung einer einigen deutschen Republik in einer Konföderation europäischer Freistaaten. Man sang das Lied »Fürsten, zum Land hinaus!«. Die bayerische Regierung schickte Truppen nach Hambach, unterdrückte die Bewegung, ließ Wirth und Siebenpfeiffer verhaften. Am 28. Juni und 5. Juli reagierte der Bundestag mit reaktionären Beschlüssen. MKL Hambacher Fest – Nach dem Hambacher Fest schränkte König Ludwig I. die Presse- und Versammlungsfreiheit in Bayern ein und hielt seine Beamten zu Denunziationen an. Die Pariser Julirevolution hatte ihn stark beunruhigt. Gleichzeitig strich er die Mittel für den Erhalt der Infrastruktur zusammen. Sein Architekt Klenze notierte: »Die Straßen, Flüsse, Brücken, Gebäude verfallen täglich mehr, … die Unterrichts­anstalten sind jämmerlich.«<a href="#_ftn53" id="_ftnref53">[53]</a></p>



<p>1832.07. befahl der preußische König per Kabinettsordre den Bau des Preußischen optischen Telegrafen, einer 588 km langen Reihe von 62 Telegrafenstationen, die mit optischen Signalen Nachrichten von Berlin über Köln nach Koblenz übermitteln konnten und umgekehrt. November 1832 waren die ersten 14 Stationen zwischen Berlin und Magdeburg fertig; Anfangspunkt war die alte Sternwarte Dorotheenstraße. In Magdeburg war die Station auf dem Dach der Kirche St. Johannes angebracht, in Köln gab es eine auf dem Turm von St. Pantaleon. Die Endstation war auf dem Dach des Kurfürstlichen Schlosses in Koblenz. In Köln-Flittard und Hennef-Söven sind Stationen erhalten. Der Telegraf wurde bis 1849 betrieben und dann durch den elektischen Telegrafen abgelöst. Die Übertragung eines Zeichens dauerte im Schnitt 7 bis 14 Minuten. Zur Codierung gab es ein Silbenbuch; jede Silbe wurde als dreistellige Zahl übermittelt. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Preu%C3%9Fischer_optischer_Telegraf">Wik</a>.</p>



<p>1832.07. starb der schwäbische Schriftsteller und Satiriker Karl Julius Weber 65jährig in Kupferzell. Seine nachgelassenen frivolen Schriften begannen unter dem Titel »Demokritos oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen« zu erscheinen (bis 1840). dtvl</p>



<p>1832.12. wurde in Leipzig die Gustav-Adolfs-Stiftung, das spätere Gustav-Adolf-Werk gegründet und veranstaltete November 1833 die erste Gedenkfeier für den schwedischen Warlord in Lützen. Die Hinwendung der evangelischen Kirche zum deutschen Nationalismus lief parallel mit Wagners Germanenkult um Siegfried und die Nibelungen. Der Verein förderte vor allem das protestantische Deutschtum im katholisch geprägten Ausland, z. B. in Polen.<a href="#_ftn54" id="_ftnref54">[54]</a> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav-Adolf-Werk">Wik</a>.</p>



<p>1832.13. Der Verleger Johann Friedrich Cotta (von Cottendorf) starb 68jährig in seiner Geburtsstadt Stuttgart. Der Breslauer Konservative und Publizist Friedrich Gentz starb 68jährig in Wien (9. 6.). Der Frankfurter Dichter usw. Johann Wolfgang von Goethe starb 82jährig in Weimar. Der schwäbische Schriftsteller und Satiriker Karl Julius Weber starb 65jährig in Kupferzell.</p>



<p>1833. begann der 20jährige Richard Wagner, aufgewachsen in Dresden und Leipzig, seine Theaterkarriere als Chordirektor in Würzburg. Es folgten Engage­ments in Lauchstädt, Magdeburg und Königsberg. 1836 heiratete er die vier Jahre ältere Schauspielerin Minna Planer (1809-1866).</p>



<p>1833. begann der Biologe Johannes Müller ein vielbändiges »Handbuch der Physiologie des Menschen« (vollendet 1844). Damit begründete er die Biophysik und die Biochemie. Gleichwohl hing er bis zu seinem Tode dem Vitalismus an.</p>



<p>1833. begann der Streit zwischen Heinrich Heine und Ludwig Börne. Beide waren chronisch krank. Heine spottete über Börnes mangelhafte literarische Qualitäten. Börne hielt Heine für politisch unzuverlässig und unmoralisch. Er schrieb, Heine werde von zwei Meinungen stets die vertreten, die er in klangvollere Worte kleiden könne.</p>



<p>1833. begann der Wiener Komponist und Orchesterleiter Johann Strauß d. Ä., mit seinem Orchester Konzertreisen nach Deutschland, Paris und London zu unternehmen. Damit begründete er die Unter­haltungs­musik in Europa. 1835 wurde Strauß Hofballdirektor und begründete in dieser Funktion alsbald die Wiener Ballkultur.</p>



<p>1833. beschäftigte sich der 28jährige Königsberger Arzt Johann Jacoby in einer Schrift mit der Frage der Judenemanzipation und kritisierte den Oberregierungsrat Streckfuß. MKL</p>



<p>1833. bildete sich um Robert Schumann ein Kreis junger Künstler, der sich regelmäßig im Leipziger Lokal <em>Zum Arabischen Coffe Baum</em> einfand. Sie nannten ihre Gruppe Davidsbund, opponierten gegen die »Philister« und trugen –&nbsp;in der Tradition der damals beliebten Geheimbünde&nbsp;– Phantasienamen. Der Bund tauchte in mehreren Werken Schumanns auf, z. B. in den <em>Davidsbündlertänzen</em> und im <em>Carnaval</em>. Wikip.</p>



<p>1833. brannte es im Hause von Heinrich Heines Mutter in Hamburg. Dabei gingen wahrscheinlich auch Heines Exzerpte und Studien für das Romanprojekt »Der Rabbi von Bacherach« verloren, nicht jedoch, wie Heine später behauptete, ein fertiges Manuskript. H. Heine, Rabbi, 76</p>



<p>1833. erschien postum Goethes Drama »Faust II«.</p>



<p>1833. regte Friedrich List in Leipzig die Gründung der Leipzig-Dresdener Eisenbahn an, bekam aber nicht die erhoffte Anstellung. Er lebte als Schriftsteller in Paris, später in Augsburg. dtvl</p>



<p>1833. reiste der Berliner Militärgerichtsrat Gustav Nicolai auf der klassischen deutschen Bildungsroute durch Italien: Venedig, Florenz, Rom, Neapel. Im folgenden Jahr veröffentlichte er sein Anti-Italienreisebuch »Italien wie es wirklich ist«: verwanzte Hotelbetten, betrügerische Wirte, lästige Bettler, schmutzige Straßen, elendes Brot, widriges Öl, stinkender Fisch, nervtötende Ciceroni. Statt körperlos zu reisen wie die Enthustiasten, zählte er seine Flohstiche. Das Buch löste in Deutschland einen kleinen Skandal aus, alle lästerten über den Philister Nicolai ab. Nachdruck 2016, Rez. Fr 14.6.2018</p>



<p>1833. übersetzte Karl Simrock Gedichte Walthers von der Vogelweide. MKL</p>



<p>1833. wurde Felix Mendelssohn Bartholdy Städt. Musikdirektor in Düsseldorf (bis 1835). MTL Musik</p>



<p>1833. wurden die Werke Heinrich Heines in Preußen verboten, zwei Jahre später auf Beschluss des Frankfurter Bundestages auch in allen anderen Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes.</p>



<p>1833.03. starb Rahel Varnhagen geb. Levin 61jährig in Berlin. Postum erschienen im gleichen Jahr ihre Briefe und Aufzeichnungen in dem Band »Rahel. Ein Buch des Andenkens für ihre Freunde«. 1836 folgte der Band »Galerie von Bildnissen aus Rahels Umgang und Briefwechsel«. MTL</p>



<p>1833.04. stürmten etwa 60 bewaffnete revolutionäre Studenten die Frankfurter Hauptwache und die Konstablerwache, um einen Aufstand gegen den deutschen Bundestag auszulösen. Der Aufstand blieb aus, die Studenten wurden vom Militär zerstreut, einige verhaftet. Am 30. Juni setzte der Bundestag eine Zentral­untersuchungskommission ein, die schließlich etwa 1800 Menschen, hauptsächlich Burschenschaftler, verhaften und einkerkern ließ. MKL Frankfurter Attentat. – Wilhelm Sauerwein dichtete dazu das »Lied der Verfolgten im Turm«, aus dem später das Lied »Die freie Republik« und das Hecker-Lied entstanden.</p>



<p>1833.05. starb der Jurist Paul Johann Anselm Feuerbach, seit 1808 Ritter von F., 57jährig in Frankfurt. Sein Sohn Ludwig F. war 29, sein Enkel Anselm F. war 3. Sein Schützling Kaspar Hauser wurde sieben Monate später in Ansbach ermordet.</p>



<p>1833.07. Im Sommer versuchten preußische Offiziere wahrscheinlich, Heinrich Heine in Paris durch ein provoziertes Duell zu beseitigen.<a href="#_ftn55" id="_ftnref55">[55]</a></p>



<p>1833.08. wurden in den britischen Kolonien Amerikas sämtliche afrikanischen Sklaven freigelassen, insgesamt 639.000, davon 322.000 auf Jamaica. Die Pflanzer erhielten (vom Staat?) 20 Mio. Pfd. Entschädigung. MKL 16, Sklaverei</p>



<p>1833.12. erschien Heines Band »Der Salon. Erster Band« mit der Schrift »Französische Maler«, der Erzählung »Schnebelowopski«, Gedichten und einer heftigen Vorrede über Flüchtlingselend, die den deutschen Monarchen französische Revolutionen androhte. Der Band wurde in Preußen und anderso sofort verboten.<a href="#_ftn56" id="_ftnref56">[56]</a></p>



<p>1833.13. Der Jurist Paul Johann Anselm von Feuerbach starb 57jährig in Frankfurt. Das Nürnberger Findelkind Kaspar Hauser wurde 21jährig in Ansbach ermordet (17. 12.). Die Moderatorin und Schriftstellerin Rahel Varnhagen von Ense geb. Levin starb 61jährig in ihrer Geburtsstadt Berlin.</p>



<p>1834. erschienen die ersten (beiden?) Bände von Heinrich Heines Sammelwerk »Der Salon«. Darüber schrieb Metternich [vielleicht auch erst *<a href="#heine1840">1840</a>] an den Fürsten Wittgenstein: »Ich empfehle ihnen dieses Werk, weil es die Quintessenz der Absichten und Hoffnungen der Bagage, mit der wir uns beschäftigen, enthält. Zugleich ist das Heinesche Produkt ein wahres Meisterwerk in Beziehung auf Styl und Darstellung. Heine ist der größte Kopf unter den Verschworenen«.<a href="#_ftn57" id="_ftnref57">[57]</a></p>



<p>1834. etwa malte Caspar David Friedrich das Bild »Die Lebensstufen«. Abbildung in MGTL</p>



<p>1834. gründete Robert Schumann in Leipzig die »Neue Zeitschrift für Musik«. Ab 1835 veröffentlichte Anton Wilhelm v. Zuccalmaglio dort etliche Beiträge unter Pseudonymen (»Dorfküster Wedel«). Man erkannte ihn immer an seiner übertriebenen Neigung zur Sprachreinigung. Wegen der Herzenswärme, mit der Z. über Musik schrieb, fand Schumann, dass er »eine Perle von Mensch« sei. A. Trzyna, Zuccalmaglio, 164f</p>



<p>1834. trat auf Anregung von Friedrich List der Deutsche Zollverein zwischen Preußen, Hessen-Darmstadt, Kurhessen, Bayern, Württemberg, den thüringischen Staaten und Sachsen in Kraft; Hannover schloss sich 1854 an. MTL</p>



<p>1834. vereinigte Giuseppe Mazzini seine 1831 in Marseille gegründete Freiheitsbewegung »Giovine Italia« mit dem »Jungen Deutschland« und einer polnischen Freiheitsbewegung zum »Jungen Europa«. MTL Mazzini – Ludolf Wienbarg veröffentlichte die Abhandlung »Ästhetische Feldzüge«. Sie galt als theoretisches Manifest der Bewegung »Junges Deutschland«, zu der sich auch Ludwig Börne, Karl Gutzkow, Heinrich Heine, Heinrich Laube und Theodor? Mundt zählten. 1835 wurde die Bewegung als staatsgefährdend verboten. MGTL – Der hessische Publizist und Revolutionär Georg Büchner 20jährig veröffentlichte zusammen mit Ludwig Weidig Kampfschriften unter dem Titel »Der hessische Landbote«. Mit der Parole »Friede den Hütten! Krieg den Palästen!« riefen Büchner und Weidig die Bauern zum Aufstand gegen den Adel auf. Der Aufstand blieb aus; Büchner musste, von den Häschern des Darmstädter Fürstenhauses verfolgt, im Frühjahr 1835 nach Straßburg fliehen. – Der schlesische Student Wilhelm Wolff wurde 25jährig in Breslau unter dem Vorwurf des Verstoßes gegen das Pressegesetz und der Majestätsbeleidigung verhaftet und nach langer Untersuchungshaft zur Festungshaft auf der Festung Silberberg verurteilt. Ein Zellengenosse war der Schriftsteller Fritz Reuter. – <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Wolff_%28Publizist%29">Wikip</a>.</p>



<p>1834. veröffentlichte Leopold Ranke den ersten Band seiner »Neun Bücher preußischer Geschichte« und den ersten Band seines Werks »Die römischen Päpste«. In diesen Werken entwickelte Ranke sein Prinzip des Eigenwerts jeder Epoche und den sog. Objektivitätsanspruch der Geschichtswissenschaft. MGTL</p>



<p>1834. wurde der 33jährige Hamburger Architekt Gottfried Semper Professor in Dresden.</p>



<p>1834. wurde in London die erste kohlensäurehaltige Limonade eingeführt: Schweppes. Sie war einer der ersten Markenartikel der Welt. Der Name geht auf den hessischen Erfinder Johann Jakob Schweppe zurück, der 1783 ein Verfahren zur Herstellung von Sodawasser erfunden hatte. <a href="http://www.schweppes.de/">www.schweppes.de</a></p>



<p>1834.04. der zweite Aufstand der Seidenweber von Lyon. Wörterbuch Geschichte 2, 678</p>



<p>1834.10. Im Herbst verliebte sich Heinrich Heine ##jährig in die ##jährige Französin Crescentia Eugénie Mirat, genannt Mathilde, und heiratete sie sieben Jahre später, August 1841&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; . Heines Biograf Jochanan Trilse-Finkelstein spricht von einer „armseligen Beziehung“, reiht sie ein in andere „kümmerliche Beziehungen“ deutscher Klassiker.<a href="#_ftn58" id="_ftnref58">[58]</a></p>



<p>1834.13. Der mecklenburgische Offizier und Freiheitskämpfer Adolf Wilhelm von Lützow starb 52jährig in Berlin (6. 12.).</p>



<p>1835. begann der deutsche Eisenbahnbau mit der Strecke Nürnberg-Fürth. Bis 1913 wurden in Deutschland 63.000 km Eisenbahngleise gebaut. Das deutsche Roheisen wurde 1835 noch zu 95 % mit Holzkohle hergestellt. Als 1837 die Linie Dresden-Leipzig gebaut wurde, wurden 5650 t Koksroheisen benötigt – 90 % der Jahresproduktion in Preußen. Deshalb mussten Roheisen, Schienen und Loko­motiven zunächst aus England importiert werden. 1843 stammten erst 10 % der Schienen aus deutscher Produktion, 1854 waren es bereits 58 % und 1863 sogar 85 %. Als 1838 die Linie Berlin-Potsdam eröffnet wurde, seufzte König Friedrich Wilhelm III.: »Alles soll Karriere gehen, die Ruhe und Gemütlichkeit aber leiden darunter. Kann mir keine große Seligkeit davon versprechen, ein paar Stunden früher in Berlin und Potsdam zu sein.«<a href="#_ftn59" id="_ftnref59">[59]</a> &#8211; Die Finanzierung erfolgte über die Ausgabe von Aktien. Schon die Finanzierung der Linie Magdeburg-Leipzig 1836 löste einen Aktienboom aus: 2,3 Mio. Taler sollten finanziert werden, doch schon in zwei Tagen waren 5,2 Mio. Taler gezeichnet. 1837 war das Kapital für den Bau der Linie Frankfurt/Oder-Breslau sogar schon innerhalb eines einzigen Tages zusammen. Ulrike Herrmann resümiert: »Geld ist nie knapp, sondern stets im Überfluss vorhanden.«</p>



<p>1835. bekam Carl Bertelsmann die Konzession für eine Buchdruckerei in Güters­loh. Er druckte dort vor allem Liederbücher und Predigertexte für die prote­stantische Erweckungsbewegung. ZA 1.1.2000 (Medien)</p>



<p>1835. brachte Baedeker den ersten Reiseführer heraus, natürlich über den Rhein »von Straßburg bis Düsseldorf«. 1850 kreuzten bereits eine Million Passagiere auf Rheindampfern stromauf und -ab,&nbsp; überwiegend Engländer. taz 13.5.2000 (n.a.)</p>



<p>1835. dichtete August Heinrich Hoffmann von Fallersleben das Lied »Morgen kommt der Weihnachts­mann«. Es gilt als erste literarische Erwähnung des Weihnachtsmanns. Postfrisch 6.2011</p>



<p>1835. erschien das Werk »Das Leben Jesu« v. David Friedrich Strauß. – Vgl. auch das 1863 ersch. gleichnamige Werk von Ernest Renan.</p>



<p>1835<a></a>. erschien Georg Büchners Drama »Dantons Tod«. Büchners Vater hatte seinen Revoluzzersohn unter Hausarrest gestellt und zum Medizinstudium gezwungen. Während des Schreibens wandte sich Büchner vom Gedanken der Revolution ab und verzweifelte schier ob des »grässlichen Fatalismus der Geschichte«. Uraufführung *<a href="#danton1902">1902</a>. WDR 5, 5.1.2002, ZeitZeichen</p>



<p>1835. erschien in Paris Heinrich Heines Werk »Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland«, mit dem Heine den Franzosen die deutschen Tiefen und Untiefen verständlich machen wollte. Maßgeblich für Krockow: Die Deutschen in ihrem Jahrhundert (Vorwort, S. 13).</p>



<p>1835. gründeten # in München die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank. Sie gab noch im gleichen Jahr die ersten deutschen Banknoten aus. 1838 folgte die Leipziger Bank.<a href="#_ftn60" id="_ftnref60">[60]</a></p>



<p>1835. kam der 27jährige Magdeburger Schneidergeselle Wilhelm Weitling nach Paris und schloss sich dort dem »Bund der Geächteten« an. 1836 traten Weitling und andere Handwerker aus dem Bund aus und gründeten den »Bund der Gerechtigkeit« (oder »Bund der Gerechten«). Sie beriefen sich auf die Ideen Babeufs.<a href="#_ftn61" id="_ftnref61">[61]</a></p>



<p>1835. liierte sich der 24jährige Star-Pianist Franz Liszt mit der Gräfin Marie d’Agoult in Paris und lebte bis 1839 in wilder Ehe mit ihr zusammen, wobei drei Kinder gezeugt wurden, darunter die Tochter Cosima. Heinrich Heine schilderte die »Lisztomania«, in die der Pianist sein überwiegend weibliches Publikum versetzen konnte, vor allem durch den plötzlichen Wechsel zwischen Bruta­lität und Weichheit.<a href="#_ftn62" id="_ftnref62">[62]</a></p>



<p>1835. löste Karl Gutzkows Roman »Wally, die Zweiflerin« einen Skandal aus. Gutzkow war 24. MGTL</p>



<p>1835. verbot der Bundesrat zu Frankfurt auf Betreiben des reaktionären Journalisten Wolfgang Menzel sämtliche vergangenen und zukünftigen Schriften des »Jungen Deutschland«, darunter die Schriften Börnes. Ludwig Börne polemisierte dagegen mit der Streitschrift »Menzel, der Franzosenfresser« (1836). MKL</p>



<p>1835. veröffentlichte Ludwig Bechstein den »Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes«. MKL</p>



<p>1835. veröffentlichte Wilhelm Sauerwein das »Lied der Verfolgten« mit den Zeilen: <em>Wenn die Fürsten fragen: / Was macht Absalom? / Lasset ihnen sagen: / Ei, der hänget schon &#8211; / Doch an keinem Baume, / Und an keinem Strick, / Sondern an dem Traume / Einer Republik! </em>Die biblische Gestalt Absalom (Altes Testa­ment: 2. Samuel 18, 9) verkörperte hier die deutschen Repu­blikaner und Demokraten, die nach dem Hambacher Fest 1832 wegen scharfer Verfol­gungen durch die Fürsten ins Ausland emigrieren mussten. Aus dieser Vorlage entstand später das Lied »Die freie Republik« (auf sechs Studenten, die 1836 am Sturm auf die Frankfurter Hauptwache teilgenommen hatten und 1837 aus der Haft fliehen konnten) und nach 1849 das Hecker-Lied.<a href="#_ftn63" id="_ftnref63">[63]</a></p>



<p>1835.03. starb Kaiser Franz I. von Österreich (bis 1806 Kaiser Franz II.) 67jährig in Wien.</p>



<p>1835.07. versuchte Heine, seinen Verleger zu einer hohen Erstauflage der Schrift »Die romantische Schule« zu überreden. Er schrieb ihm: „Ich bin Ihr einzger Classiker… Sie wissen genauso gut wie ich, daß meine Bücher, egal welche, noch oft aufgelegt werden müssen – und ich wiederhole meine Bitte, handeln Sie kristlich in der Exemplar-Zahl meiner Auflage. O, liebster Campe, ch gäbe was drum, wenn Sie mehr Religion hätten! Aber das Lesen meiner Schriften hat Ihrem Gemüthe viel geschadet, jenes zarte gläübige Gefhl, das Sie sonst besaßen, ist verloren gegangen. Sie glauben nicht mehr, durch gute Werke selig zu werden, nur der Schund ist Ihnen angenehm, Sie sind ein Pharisäer geworden, der in den Büchern nur den Buchstaben sieht und nicht den Geist, ein Saduzäer, der an keine Auferstehung der Bücher … glaubt, ein Atheist, der im Geheim meinen heiligen Namen lästert – o thun Sie Buße, bessern Sie sich!“<a href="#_ftn64" id="_ftnref64">[64]</a></p>



<p>1835.09. übernahm Felix Mendelssohn Bartholdy 26jährig die Leitung des Leipziger Gewandhaus-Orchesters. Damit begann die Glanzzeit der Leipziger Musikszene. Der Schriftsteller Barthold Senff notierte 1842: „Überall Concert, und überall Publicum.“ Am 9. November 1835 führten Mendelssohn, Louis Rakemann und die 16jährige Pianistin Clara Wieck&nbsp; Johann Sebastian Bachs Konzert für drei Klaviere und Orchester in d-Moll auf. Damit begann die Bach-Renaissance. Zeitläufte 25.2.2010 – Mendelssohn Bartholdy begründete das dortige Konservatorium. 1836 entstand in Leipzig sein Oratorium »Paulus«. MTL Musik</p>



<p>1835.09. veröffentlichte der konservative Publizist Wolfgang Menzel eine polemische Abrechnung mit der „Unmoralischen Literatur“ der Literaten des »Jungen Deutschland«. Die Bezeichnung ging auf Ludolf Wienbarg zurück. Menzels Hetze richtete sich speziell gegen einen Roman von Karl Gutzkow. Der Bundestag griff die Vorlage dankbar auf und verfügte Dezember 1835 ein Verbot der Schriften aller Autoren der Gruppe einschließlich Heines. Gutzkow und andere machten Rückzieher; Wienbarg blieb standhaft und verarmte; Heinrich Laube wurde trotz seiner Taktierens zu Festungshaft verurteilt, die er aber auf einem Landsitz des Fürsten von Pückler-Muskau absitzen durfte.<a href="#_ftn65" id="_ftnref65">[65]</a> Heine wurde durch diese Ereignisse endgültig ins Exil gezwungen.</p>



<p>1835.12. wurde Clemens August von Droste zu Vischering, bislang Weihbischof von Münster, zum Kölner Erzbischof gewählt. Im seit 1825 schwelenden Mischehenstreit nahm er scharf gegen die preußische Regierung Stellung. Seit 1825 galt das Gesetz, dass Kinder in Mischehen nach der Konfession des Vaters erzogen werden mussten; das war im Rheinland meist die protestantische. November 1837 verbot Droste-Vischering alle Vorlesungen am Priesterseminar, weil der Bonner Theologe Hermes die preußische Position unterstützt hatte. Deshalb wurde Droste-Vischering am 20. November vom preußischen Militär verhaftet und auf die Festung Minden verbracht. Erst eine im Frühjahr 1838 erschienene Streitschrift von Joseph Görres machte Drostes Aufstand im Rheinland populär.<a href="#_ftn66" id="_ftnref66">[66]</a></p>



<p>1835.13. Der Potsdamer Philologe und Bildungsreformer Wilhelm von Humboldt starb 67jährig in Tegel (8. 4.).</p>



<p>1835.13. Kaiser Franz I. von Österreich starb 67jährig in Wien (2. 3.). Der brandenburgische Sprachforscher, Philosoph und Bildungsreformer Wilhelm von Humboldt starb 67jährig in Tegel bei Berlin.</p>



<p>1835k erschien Georg Büchners Drama »Dantons Tod«, warm empfohlen von Karl Gutzkow, nach MKL »ein Torso voller Phantasie, charakteristischer Kraft und gewaltiger historischer Wahrheit, um der letztern willen auch voll Cynismen und Greuelszenen«.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> &nbsp;&nbsp; Ausstellung »Mythos Heimat« im Landesmuseum Hannover, nach NW 25.3.2016</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> &nbsp;&nbsp; P. Waldbauer: Lexikon antisemitischer Klischees, S.&nbsp; 157</p>



<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> &nbsp;&nbsp; Das Volksliederbuch, S. 287</p>



<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> &nbsp;&nbsp; Küsse für den Fuß der Venus. Monumente 11/12, 2007, S. 53 (Ordner Geschi: Ludwig)</p>



<p><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> &nbsp;&nbsp; J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 39ff</p>



<p><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> &nbsp;&nbsp; Das Volksliederbuch, S. 283</p>



<p><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> &nbsp;&nbsp; Das Volksliederbuch, S. 291</p>



<p><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> &nbsp;&nbsp; MTL Musik, Klassik</p>



<p><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> &nbsp;&nbsp; IGDL 4, 21</p>



<p><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 42f</p>



<p><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 45, 55, 57</p>



<p><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 59</p>



<p><a href="#_ftnref13" id="_ftn13">[13]</a> Zit. nach J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 61f</p>



<p><a href="#_ftnref14" id="_ftn14">[14]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 46ff</p>



<p><a href="#_ftnref15" id="_ftn15">[15]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 48</p>



<p><a href="#_ftnref16" id="_ftn16">[16]</a> H. Heine in einem Brief an seinen Schwager Moritz Embden, nach J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 32</p>



<p><a href="#_ftnref17" id="_ftn17">[17]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 10, 64. Gemeint sind der deutschnationale Historiker und Antisemit Friedrich Rühs (1781-1820) und der Philosoph und Antisemit Jakob Friedrich Fries (1773-1843). Dieser war Vordenker einer sog. »Urburschenschaft«.</p>



<p><a href="#_ftnref18" id="_ftn18">[18]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 62, das folgende S. 63</p>



<p><a href="#_ftnref19" id="_ftn19">[19]</a> Küsse für den Fuß der Venus. Monumente 11/12, 2007, S. 53 (Ordner Geschi: Ludwig)</p>



<p><a href="#_ftnref20" id="_ftn20">[20]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 77. Mit den Büchern sind das »Buch der Lieder« und das »Lyrische Intermezzo« gemeint.</p>



<p><a href="#_ftnref21" id="_ftn21">[21]</a> H. Heine, Rabbi, 73; Gedenktafel an der Wernerkapelle in B. (2001)</p>



<p><a href="#_ftnref22" id="_ftn22">[22]</a> Peter Weiß: Die Bibliothek in Berlin. Reportage für »Stockholms Tidningen«, Juni 1947. ~Werke in 6 Bänden, Bd. 1, Frankfurt 1991, S. 129</p>



<p><a href="#_ftnref23" id="_ftn23">[23]</a> H. Mayer: Georg Büchner, S. 336</p>



<p><a href="#_ftnref24" id="_ftn24">[24]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 50, 69</p>



<p><a href="#_ftnref25" id="_ftn25">[25]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 67f</p>



<p><a href="#_ftnref26" id="_ftn26">[26]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 78f</p>



<p><a href="#_ftnref27" id="_ftn27">[27]</a> Küsse für den Fuß der Venus. Monumente 11/12, 2007, S. 51ff (Ordner Geschi: Ludwig)</p>



<p><a href="#_ftnref28" id="_ftn28">[28]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 66f</p>



<p><a href="#_ftnref29" id="_ftn29">[29]</a> Die Heine-Box. Argon Verlag, Berlin 2005</p>



<p><a href="#_ftnref30" id="_ftn30">[30]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 84</p>



<p><a href="#_ftnref31" id="_ftn31">[31]</a> Zitiert nach J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 81</p>



<p><a href="#_ftnref32" id="_ftn32">[32]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 89f</p>



<p><a href="#_ftnref33" id="_ftn33">[33]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 85f</p>



<p><a href="#_ftnref34" id="_ftn34">[34]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 91f</p>



<p><a href="#_ftnref35" id="_ftn35">[35]</a> Die Heine-Box. Argon Verlag, Berlin 2005</p>



<p><a href="#_ftnref36" id="_ftn36">[36]</a> Ausstellung »Loreley und andere Lieder« im Düsseldorfer Heinrich-Heine-Institut, 2013. Nach WDR 3, 22.7.2013</p>



<p><a href="#_ftnref37" id="_ftn37">[37]</a> WDR 3, Klassik am Morgen, 19.11.2003</p>



<p><a href="#_ftnref38" id="_ftn38">[38]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 96</p>



<p><a href="#_ftnref39" id="_ftn39">[39]</a> H. Mayer: Georg Büchner, S. 336</p>



<p><a href="#_ftnref40" id="_ftn40">[40]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 93f</p>



<p><a href="#_ftnref41" id="_ftn41">[41]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 95ff</p>



<p><a href="#_ftnref42" id="_ftn42">[42]</a> H. Heine: Briefe aus Helgoland. Zit. nach J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 99. Zu Kahldorf S. 100f.</p>



<p><a href="#_ftnref43" id="_ftn43">[43]</a> Chronik Kölns, S. 237</p>



<p><a href="#_ftnref44" id="_ftn44">[44]</a> Chronik des Kaiser-Karls-Gymnasiums auf <a href="http://www.kaiser-karls-gymnasium.de/">www.kaiser-karls-gymnasium.de</a> (2008)</p>



<p><a href="#_ftnref45" id="_ftn45">[45]</a> Küsse für den Fuß der Venus. Monumente 11/12, 2007, S. 53 (Ordner Geschi: Ludwig)</p>



<p><a href="#_ftnref46" id="_ftn46">[46]</a> Zit. nach L. Lütkehaus: Hinaus, immer nur hinaus. Die Zeit 30.4.2009</p>



<p><a href="#_ftnref47" id="_ftn47">[47]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 102, zu den »Reisebildern« S. 105.</p>



<p><a href="#_ftnref48" id="_ftn48">[48]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 132</p>



<p><a href="#_ftnref49" id="_ftn49">[49]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 134</p>



<p><a href="#_ftnref50" id="_ftn50">[50]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 166ff</p>



<p><a href="#_ftnref51" id="_ftn51">[51]</a> W. Hegemann: Entlarvte Geschichte, S. 224ff</p>



<p><a href="#_ftnref52" id="_ftn52">[52]</a> Zeitläufte 25.8.2005</p>



<p><a href="#_ftnref53" id="_ftn53">[53]</a> Küsse für den Fuß der Venus. Monumente 11/12, 2007, S. 53f (Ordner Geschi: Ludwig)</p>



<p><a href="#_ftnref54" id="_ftn54">[54]</a> WDR3 Lebenszeichen 22.11.2020</p>



<p><a href="#_ftnref55" id="_ftn55">[55]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 142</p>



<p><a href="#_ftnref56" id="_ftn56">[56]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 136f</p>



<p><a href="#_ftnref57" id="_ftn57">[57]</a> Literaturkurier 6.10.2005 über eine Sendung des SWR-Fernsehens am 11.10.2005</p>



<p><a href="#_ftnref58" id="_ftn58">[58]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 143ff</p>



<p><a href="#_ftnref59" id="_ftn59">[59]</a> U. Herrmann: Die Krise des Kapitals, S. 53f</p>



<p><a href="#_ftnref60" id="_ftn60">[60]</a> U. Herrmann: Die Krise des Kapitals, S. 116</p>



<p><a href="#_ftnref61" id="_ftn61">[61]</a> W. Seidel-Höpfner: Der liberale Selbstbetrug. Zeitläufte 9.10.<a href="../vita/Weitling.doc">2008</a></p>



<p><a href="#_ftnref62" id="_ftn62">[62]</a> MTL Musik und WDR 3 Klassikforum, 5.1.2018</p>



<p><a href="#_ftnref63" id="_ftn63">[63]</a> Steinitz II.91</p>



<p><a href="#_ftnref64" id="_ftn64">[64]</a> Zit. nach J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 149</p>



<p><a href="#_ftnref65" id="_ftn65">[65]</a> J. Trilse-F.: Gelebter Widerspruch, S. 137f</p>



<p><a href="#_ftnref66" id="_ftn66">[66]</a> Chronik Kölns, S. 237</p>
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		<title>Deutschland ohne Nazis: Vorwort</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jejko]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Dec 2022 15:07:56 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Teil des Buchprojekts &#8222;Deutschland ohne Nazis 1790-1990. Ein Geschichtsbuch aus dem Blickwinkel der Biographien von 70 Menschen, die ich mag&#8220; Ich wollte weinen, wo ich einst / Geweint die bittersten Tränen &#8211;&#160;Ich glaube, Vaterlandsliebe nennt / Man dieses törichte Sehnen.Ich spreche nicht gerne davon; es ist / Nur eine Krankheit im Grunde.&#160;Verschämten Gemütes, verberge ich &#8230; <a href="https://jejko.de/deutschland-ohne-nazis-vorwort/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Deutschland ohne Nazis: Vorwort“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
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<p><strong>Teil des Buchprojekts &#8222;<a href="https://jejko.de/deutschland-ohne-nazis-1790-1990/" data-type="post" data-id="921">Deutschland ohne Nazis 1790-1990.</a> Ein Geschichtsbuch aus dem Blickwinkel der Biographien von 70 Menschen, die ich mag&#8220;</strong></p>



<p><em>Ich wollte weinen, wo ich einst / Geweint die bittersten Tränen &#8211;<br>&nbsp;Ich glaube, Vaterlandsliebe nennt / Man dieses törichte Sehnen.<br>Ich spreche nicht gerne davon; es ist / Nur eine Krankheit im Grunde.<br>&nbsp;Verschämten Gemütes, verberge ich stets / Dem Publiko meine Wunde.<br>Fatal ist mir das Lumpenpack, / Das, um die Herzen zu rühren,<br>Den Patriotismus trägt zur Schau / Mit allen seinen Geschwüren.<br></em>Heinrich Heine<a id="_ftnref1" href="#_ftn1">[1]</a></p>



<span id="more-927"></span>



<p>Ein Vogelschiss in der deutschen Geschichte, sagte ein deutschnationaler Politiker 2018, sei die Nazizeit gewesen. Die Empörung war gewaltig, denn in dem flapsig ausgesprochenen Satz steckte eine Herabwürdigung der Opfer der Nazi­verbrechen und derjenigen, die dieser Opfer gedenken, wie auch ich es tue. Doch mir fiel es schwer, in den Chor der Empörten einzustimmen; denn ich teile einen Gedanken dieses Politikers: dass etwas nicht stimmt, wenn tausend Jahre deutscher Geschichte routinemäßig hinter zwölf Jahren dieser Geschichte zurücktreten. </p>



<p>Dieser Gedanke scheint kontaminiert zu sein, weil er allzu häufig von Leuten geäußert wurde, die die deutsche Geschichte für besonders wertvoll und »ruhmreich« halten,<a id="_ftnref3" href="#_ftn3">[3]</a> ruhmreicher zum Beispiel als die polnische, und sich ihre Verehrung nicht von einer räuberischen Eskapade verderben lassen möchten. Kurz nach Kriegs­ende 1945 war diese Haltung im nationalkonservativen deutschen Großbürgertum weit verbreitet, also bei Leuten, die gute Gründe hatten, von eigener Schuld abzulenken.<a id="_ftnref4" href="#_ftn4">[4]</a> Mir selbst liegt diese Haltung so fern, wie sie meinen Eltern fern lag.</p>



<p>Was mich an der Dominanz der Nazizeit in der Darstellung deutscher Geschichte stört, ist etwas anderes: Mich stört, wenn über den Widerling mit dem bizarren Bärtchen und dem verkniffenen Grinsen rund 40.000 Bücher im Angebot sind, über Beethoven dagegen, selbst in seinem Jubiläumsjahr 2020, nur 10.000, von und über Heine nur 5000 und von Hitlers zeitgenössischem Feind Tucholsky oder über ihn gar nur 1000.<a href="#_ftn5" id="_ftnref5">[5]</a> In der nicht nachlassenden unermesslichen Aufmerksamkeit, die der brüllende Mörder 75 Jahre nach seinem schmählichen Ende genießt, erblicke ich einen späten Sieg und einen Schritt in jenes Tausendjährige Reich, von dem der puber­tierende Jüngling in Linz einst geträumt hatte.</p>



<p>Um dieser Verzerrung entgegenzuwirken und den Deutschnationalen ihr Ruhmreich ein wenig zu zu vermasseln, bin ich seit vielen Jahren dabei, dieses Buch zu schreiben. Ich bin davon überzeugt, dass man den Ruhm der Üblen<a id="_ftnref6" href="#_ftn6">[6]</a> kaum bekämpfen kann, indem man von ihrer Schande singt. Dadurch geben wir ihren Verehrern nämlich Gelegenheit, sich heldenhaft für ihre Idole in die Bresche zu werfen. Wir bekämpfen das Gift wirksamer, hoffe ich, wenn wir ein positives Gegenangebot machen und das Ruhmlied der Gütigen singen. Das ist schwierig, weil die Heldinnen und Helden des Friedens, der Freiheit, der Achtsamkeit und der Solidarität fast stets Menschen voller Selbstzweifel waren,&nbsp; denen Siegesrausch und Heldenkult fern lagen.</p>



<p>Der Titel dieses Buches spielt auf ein Buch von Bernt Engelmann an: <em>Deutschland ohne Juden</em>, erschienen 1970. Darin hat der Autor versucht, eine Bilanz zu ziehen, welchen Nutzen und welchen Schaden Deutschland durch die Vertreibung und Ermordung der deutschen Juden hatte. Mein Geschichtsbuch geht in gewisser Hinsicht einen ähnlichen Weg: Es fragt, welchen Nutzen Deutschland daraus hätte ziehen können, seinen Pazifistinnen und Pazifisten zu folgen und nicht den Kriegstreibern; seinen Humanistinnen und Humanisten und nicht den Technokraten.  </p>



<p>Die <strong>biographischen Notizen</strong> zu den 99 Schlüsselfiguren sind in die Erzählung eingebunden als Rückblick in die Vorgeschichte der jeweiligen Person und ihres spezifischen Bei­trags zur unter­suchten Zeit. Auswahlkriterium ist, dass sich in ihnen ein Scheideweg, z.&nbsp;B. ein zeitgenössischer Streit oder eine Entscheidung, widerspiegelt. Einzelne biographisch wich­tige Ereignisse (z. B. Hugo Haases Kampf gegen den Krieg 1914, Heinrich Bölls Erzählung von Katharina Blum 1974) werden im Zusammenhang der Zeit erwähnt, in der sie geschahen. Eine übergreifende Würdigung der Schlüsselfiguren ist im Rahmen des Werkes nicht möglich – nicht nur aus Platzgründen, sondern auch konzeptionell durch die Verteilung der biogra­phischen Notizen zu jeder Person auf verschiedene Kapitel.</p>



<p><strong>Graphiken </strong>von Heinrich Zille, Käthe Kollwitz oder Gerhard Seyfried, Episoden aus <strong>Romanen und Erzählungen </strong>von Émile Zola, Heinrich Mann, Anna Seghers oder Heinrich Böll schildern anschaulich und prägnant, wie die Menschen in bestimmten Zeiten gelebt haben. Kein Fachhistoriker könnte das leisten; das ist die Arbeit eines Arrangeurs.</p>



<p>Auf <strong>Fotos </strong>habe ich bewusst verzichtet, weil ich ihre suggestive Kraft kritisch sehe: Sie erwecken beim Betrachten oft den Eindruck, man sei unmittelbar beim Ereignis anwesend. Sie verdecken dabei gern, dass sie nur winzige Ausschnitte der Geschichte zeigen, die erst der Fotograf und dann der Autor oder Herausgeber willkürlich ausgewählt hat. Graphiken haben gegenüber Fotos zwei Vorteile: Sie verbinden sich optisch besser mit den Zeilen des Textes, und sie gehen ehrlich mit der Tatsache um, dass sie ihren Weg ins Buch durch das Gehirn einer Zeichnerin oder eines Zeichners gefunden haben.</p>



<p></p>



<p></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; Deutschland. Ein Wintermärchen. Cap. XXIV</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; unter dem Eindruck einer WDR3-Sendung über das Buch »Jemand musste Josef K. verleumdet haben« des Lteraturhistorikers Peter-André Alt über »erste Sätze der Weltliteratur«, 13.3.2020</p>



<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; So auch Alexander Gauland in seiner Vogelschiss-Rede vom 2. Juni 2018: »Wir haben eine ruhmreiche Geschichte, die länger dauerte als 12 Jahre.«</p>



<p><a id="_ftn4" href="#_ftnref4">[4]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; darunter Ernst Jünger, Walter von Molo, Frank Thiess</p>



<p><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; Laut den Suchen »Hitler«, »Beethoven«, »Heinrich Heine« und »Tucholsky« auf amazon.de (Kategorie Bücher), 14.3.2020</p>



<p><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; Im Sinne von Heinrich Heines Gedicht »Die Frage bleibt«: <em>Warum schleppt sich blutend, elend / unter Kreuzlast der Gerechte, / während glücklich als ein Sieger / trabt auf hohem Roß der Schlechte?</em> Ich nominiere hier als Beispiele Bismarck, Wagner, Nietzsche, Hindenburg, Schmitt und Jünger, die, anders als Hitler, tatsächlich immer noch verehrt werden.</p>
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		<title>Deutschland ohne Nazis: 1790-1990</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jejko]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Dec 2022 13:40:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Projekte]]></category>
		<category><![CDATA[Autor]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Recherche]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Geschichtsbuch aus dem Blickwinkel der Biographien von 99 Menschen, die ich mag / Von Jens Jürgen Korff Inhalt in 15 Akten Personen Jaja, es kommen leider doch Nazis darin vor. Aber nur als Statisten. Die Hauptfiguren sind, in der Reihenfolge ihres Auftritts: Wolfgang von Goethe, Georg Forster, Alexander von Humboldt, Wilhem Schlegel, Wilhelm von &#8230; <a href="https://jejko.de/deutschland-ohne-nazis-1790-1990/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Deutschland ohne Nazis: 1790-1990“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
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<p><strong>Ein Geschichtsbuch aus dem Blickwinkel der Biographien von 99 Menschen, die ich mag / Von Jens Jürgen Korff</strong></p>



<span id="more-921"></span>



<h2 class="wp-block-heading">Inhalt in 15 Akten</h2>



<ol class="wp-block-list">
<li>Deutsche und Franzosen: 1790-1815</li>



<li>Fürsten und Romantiker: 1815-1830</li>



<li>Weber und Verleger: 1830-1848</li>



<li>Blut und Eisen: 1848-1870</li>



<li>Bismarckturm und Bebelbuch: 1870-1890</li>



<li>Hunnen und Verräter: 1890-1914</li>



<li>Arbeiter und Soldaten: 1914-1920</li>



<li>Richter und Regisseure: 1920-1930</li>



<li>Volksgenossen und Emigranten: 1930-1939</li>



<li>Mörder und Kämpfer: 1939-1945</li>



<li>Eingeborene und Vertriebene: 1945-1950</li>



<li>Pinscher und Patriarchen: 1950-1960</li>



<li>Monarchisten und Studenten: 1960-1970</li>



<li>Bewegung und Beton: 1970-1980</li>



<li>Latschen und Aussitzen: 1980-1990</li>
</ol>



<h2 class="wp-block-heading">Personen</h2>



<p>Jaja, es kommen leider doch Nazis darin vor. Aber nur als Statisten. Die Hauptfiguren sind, in der Reihenfolge ihres Auftritts: Wolfgang von Goethe, Georg Forster, Alexander von Humboldt, Wilhem Schlegel, Wilhelm von Humboldt, Karl von Clausewitz, Caspar David Friedrich, Rahel Varnhagen, Heinrich Heine, Franz Schubert, Annette von Droste-Hülshoff, Mathilde Franziska Anneke, Karl Marx, Ignaz Semmelweis, Malwida von Meysenbug, Theodor Fontane, August Bebel, Franz Mehring, Eduard Bernstein, Heinrich Zille, Clara Zetkin, Bertha von Suttner, Anita Augspurg, Hellmut von Gerlach, Marianne Weber, Hugo Haase, Heinrich Vogeler, Ricarda Huch, Käthe Kollwitz, Rosa Luxemburg, Kurt Eisner, Heinrich Mann, Willi Münzenberg, Ernst Bloch, Hans Paasche, Leonhard Frank, Carl von Ossietzky, Max Beckmann, Otto Dix, Paul Frölich, Martin Niemöller, Stefan Zweig, Egon Friedell, Kurt Tucholsky, Emil Julius Gumbel, Ernst Toller, Arnold Zweig, Bertolt Brecht, Jakob Haringer, Walter Mehring, Joachim Ringelnatz, Elias Canetti, Helene Weigel, Hermynia Zur Mühlen, Anton Ackermann, Jürgen Kuczynski, Friedrich Wolf, Wolfgang Abendroth, Marlene Dietrich, Hans Fallada, Wilhelm Knöchel, Lise Meitner, Axel Eggebrecht, Harro Schulze-Boysen, Willi Bleicher, Willy Brandt, Robert Havemann, Anna Seghers, Herbert Wehner, Peter Weiß, Gustav Heinemann, Heinrich Böll, Otto Grotewohl, Hildegard Hamm-Brücher, Stefan Heym, Hermann Kant, Horst-Eberhard Richter, Wolfgang Staudte, Erich Kuby, Hanns Dieter Hüsch,  Egon Bahr, Erhard Eppler, Wolf Biermann, Hanns Werner Schwarze, Christa Wolf, Dieter Hildebrandt, Konrad Wolf, Robert Jungk, Fritz Bauer, Franz Josef Degenhardt, Hoimar von Ditfurth, Petra Kelly, Alice Schwarzer, Bernt Engelmann, Hermann Gremliza, Günter Amendt, Rudolf Bahro, Franziska Becker, Gerhard Seyfried. </p>



<p>Dazu kommen noch einige potente Gegenspieler, die es spannend machen: Otto von Bismarck, Richard Wagner, Friedrich Nietzsche, Friedrich Ebert, Konrad Adenauer, Carl Schmitt, Ernst Jünger, Walter Ulbricht, Helmut Schmidt, Helmut Kohl.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auszüge</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong><a href="https://jejko.de/deutschland-ohne-nazis-vorwort/" data-type="post" data-id="927">Vorwort</a></strong></li>



<li><strong><a href="https://jejko.de/deutschland-ohne-nazis-1914/" data-type="post" data-id="942">Arbeiter und Soldaten: 1914</a></strong></li>



<li><strong><a href="https://jejko.de/deutschland-ohne-nazis-chronik-1820-1835-material/" data-type="post" data-id="935">Chronik 1820-1835 (Material)</a></strong></li>



<li><strong><a href="https://jejko.de/deutschland-ohne-nazis-chronik-1970-1977-material/" data-type="post" data-id="937">Chronik 1970-1977 (Material)</a></strong></li>



<li><strong>Nachwort: Fragen und Antworten</strong></li>
</ul>



<p class="has-small-font-size">Foto: Bundesarchiv, Bild 183-B0527-0001-810 / Autor/-in unbekanntUnknown author / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en">https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en</a>, via Wikimedia Commons</p>
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		<title>Lexikon der Erzählungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jejko]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Dec 2022 12:30:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Projekte]]></category>
		<category><![CDATA[Autor]]></category>
		<category><![CDATA[Lexika]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[Helden, Handlungen und Schauplätze von 500 Romanen, Erzählungen, Sagen, Dramen, Hörspielen und Balladen der Weltliteratur / Gesammelt von Jens Jürgen Korff Der Nutzen des Lexikons: Sie können damit In diesem Auszug sind erfasst: A-Z Abstieg: In *Berlin brachte sich das Mädchen Doris über die Runden, indem sie sich immer wieder von Männern einladen ließ. Selbstkritisch &#8230; <a href="https://jejko.de/lexikon-der-erzaehlungen/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Lexikon der Erzählungen“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Helden, Handlungen und Schauplätze von 500 Romanen, Erzählungen, Sagen, Dramen, Hörspielen und Balladen der Weltliteratur / Gesammelt von Jens Jürgen Korff</strong></p>



<span id="more-917"></span>



<p>Der Nutzen des Lexikons: Sie können damit</p>



<ol class="wp-block-list" type="1">
<li>Erzählungen anhand einzelner erinnerter Szenen wiederfinden,</li>



<li>Szenen aus Erzählungen zu einem gegebenen Thema finden, ähnlich wie bei der Bildersuche (z. B. zu Städten, Ländern, Berufen, Arbeitsplätzen, Lebensphasen, historischen Zeiten und Ereignissen, Charakterzügen, Prominenten, Gebrauchsgegenständen),</li>



<li>gute Beispiele für bestimmte Genres schnell auffinden (z. B. Entwicklungsroman, Reise­erzählung, Naturbeschreibung, Fabel, Märchen, Liebesgeschichte, Komödie, Tragödie, Ballade, Krimi, Happy End),</li>



<li>Zusammenfassungen bekannter Erzählungen lesen (offline und in gleich bleibender literari­scher Qualität, anders als bei Wikipedia); Bildungslücken effizient füllen.</li>
</ol>



<h3 class="wp-block-heading">In diesem Auszug sind erfasst:</h3>



<ol class="wp-block-list" type="1">
<li>Aitmatow, Tschingis: Dshamilja. Erzählung, UdSSR 1958, dt. 1962 (*<a href="#wagen">Wagen</a>)</li>



<li>Böll, Heinrich: Doktor Murkes gesammeltes Schweigen. Satire, BRD 1955 (*<a href="#rundfunk">Rundfunk</a>)</li>



<li>Eco, Umberto: Der Name der Rose. Roman, Italien 1980 (*<a href="#kloster">Kloster</a>)</li>



<li>Ende, Michael: *<a href="#momo">Momo</a>. Roman, BRD 1973</li>



<li>Hauff, Wilhelm: Märchen. Die Geschichte vom *<a href="#kalif">Kalif</a> Storch. Deutschland 1825</li>



<li>Hoffmann, Ernst Theodor: Das Fräulein von Scuderi. Kriminalnovelle, Deutschland 1820 (*<a href="#juwelen">Juwelen</a>)</li>



<li>Keun, Irmgard: Das kunstseidene Mädchen. Tagebuchroman, Deutschland 1932 (*<a href="#berlin">Berlin</a>)</li>



<li>Mann, Heinrich: Professor Unrat. Roman, Deutschland 1905 (*<a href="#lehrer">Lehrer</a>)</li>



<li>Sophokles: *<a href="#oedipus">Ödipus</a> der Tyrann. Tragödie, Griechenland um 350 v. Chr.</li>



<li>Spyri, Johanna: *<a href="#heidi">Heidi</a>, 1. Bd.: Heidis Lehr- und Wanderjahre. Kinderroman, Schweiz 1880</li>
</ol>



<h2 class="wp-block-heading">A<a></a>-Z</h2>



<p><strong>Abstieg:</strong> In *<a href="#berlin">Berlin</a> brachte sich das Mädchen Doris über die Runden, indem sie sich immer wieder von Männern einladen ließ. Selbstkritisch beobachtete sie ihren eigenen Abstieg in die Obdachlosigkeit und an den Rand der Prostitution. In der Silvesternacht entschloss sie sich, ein einziges Mal Geld für die Nacht zu nehmen, um sich ein Startkapital zu schaffen.</p>



<p><strong>Alm-Öhi,</strong> der Großvater von *<a href="#heidi">Heidi</a></p>



<p><strong>Antike: </strong>In der<strong> </strong>A. spielen u. a. die Geschichten von Troja und Odysseus (Homer, um 700 v. Chr.); Moses, Abraham, Josef und seinen Brüdern (Altes Testament, um 540 v. Chr.); *Antigone (Sophokles, um 350 v. Chr.); *<a href="#oedipus">Ödipus</a> (Sophokles, um 350 v. Chr.); Orpheus und Eurydike (Vergil, 29 v. Chr.); Jesus (Neues Testament, um 100); den *Nibelungen (Nibelungenlied, 12. Jhdt.); dem *Attentat (F. Schiller, 1797); den *Kranichen des Ibykus (F. Schiller, 1797); …<strong></strong></p>



<p><strong>Aristoteles:</strong> In der Bibliothek eines Cluniazenser-*<a href="#kloster">Klosters</a> in Norditalien war die einzige Abschrift des als verschollen geltenden zweiten Buches des A. zur Poetik versteckt, das von der Komödie handelt. Doch jeder, der unbefugt darin blätterte, starb den Gifttod.</p>



<p><strong>Aul: </strong>Der junge Kirgise Danijar, der als verwundeter Soldat in den Aul, das Kirgisendorf, gekommen war, die junge Kirgisin Dshamilja und der halbwüchsige Said, jüngerer Bruder von Dshamiljas Verlobtem, mussten im Zweiten Weltkrieg Kornsäcke aus dem Aul mit Pferde-*<a href="#wagen">Wagen</a> zur Bahnstation transportieren.</p>



<p><strong>Aussetzen: </strong>Das Orakel von Delphi prophezeite Laios, dem König von Theben, dass sein Sohn ihn dereinst töten und seine Frau heiraten werde. Darauf ließ Laios dem Neugeborenen die Füße durchstechen und zusammenbinden und befahl einem Hirten, ihn im Gebirge auszusetzen. Doch der Hirte hatte Mitleid und übergab das verstoßene Kind dem Königspaar von Korinth. Das Paar adoptierte das Kind und nannte es nach seinen geschwollenen Füßen *<a href="#oedipus">Ödipus</a>. &amp;<em> </em><em>Sophokles: Ödipus der Tyrann. Tragödie, Griechenland um 350 v. Chr.</em></p>



<p><strong>Bagdad:</strong> *<a href="#kalif">Kalif</a> Chasid von Bagdad war guter Laune… Später verwandelte er sich in einen Storch.</p>



<p><strong>Bahnstation: </strong>Der junge Kirgise Danijar, der als verwundeter Soldat in den Aul, das Kirgisendorf, gekommen war, die junge Kirgisin Dshamilja und der halbwüchsige Said, jüngerer Bruder von Dshamiljas Verlobtem, mussten im Zweiten Weltkrieg Kornsäcke aus dem Aul mit Pferde-*<a href="#wagen">Wagen</a> zur Bahnstation transportieren.</p>



<p><strong>Bauernmädchen:</strong> Der britische Franziskanermönch William von Baskerville und sein junger öster­reichischer Schüler, der Novize Adson von Melk, erreichten 1327 ein einsam in den Bergen gelegenes Cluniazenser-*<a href="#kloster">Kloster</a> in Norditalien. Adson begegnete eines Nachts einem B. aus dem Dorf, das gelegentlich auf geheimen Wegen ins Kloster kam, um beim Cellerar ihre weiblichen Reize gegen Nahrungsmittel einzutauschen; die beiden verbrachten eine rauschende Liebesnacht miteinander. Da es im Kloster Morde gegeben hatte, begann der Großinquisitor Bernard Gui mit Ermittlungen, konzentrierte sich aber auf einige ehemalige Mystiker und Ketzer, die im Kloster Zuflucht gefunden hatten, sowie auf das B., das er alsbald als Hexe „entlarvte“ und zum Tode verurteilte.</p>



<p><strong>Beppo&nbsp;Straßenkehrer:</strong> Der schweigsame, wunderliche B. St. und der quirlige, leichtfertige Gigi Fremdenführer waren die beiden liebsten Freunde des Mädchens *<a href="#momo">Momo</a>. Den grauen Herren gelang es, ihn von Momo zu trennen, indem sie ihn erpressten.</p>



<p><strong>B<a id="berlin"></a>erlin: 1)</strong> Das Mädchen Doris arbeitete in einer rheinischen Mittelstadt als Sekretärin bei einem Rechtsanwalt und träumte davon, ein Glanz (Filmstar) zu werden. Er entließ sie, als sie nicht mit ihm schlafen wollte. Sie wurde Schauspielschülerin und schaffte es durch einen Trick, eine Konkurrentin einzusperren und einmalig deren kleine Rolle auf der Bühne zu übernehmen, wo sie ihr Talent zeigte. Als die Sache aufflog und sie zudem einer Dame einen Feh (Pelz) gestohlen hatte, floh sie nach B. Dort brachte sie sich illegal über die Runden, indem sie sich immer wieder von Männern einladen ließ. Selbstkritisch beobachtete sie ihren eigenen Abstieg in die Obdachlosigkeit und an den Rand der Prostitution. In der Silvesternacht entschloss sie sich, ein einziges Mal Geld für die Nacht zu nehmen, um sich ein Startkapital zu schaffen. Der Mann, der schüchterne Intellektuelle Ernst, der gerade von seiner Frau verlassen worden war, nahm sie aus Mitleid mit nach Hause und wollte gar nicht mit ihr schlafen. Sie blieb wochenlang bei ihm und fing sogar an, sich in den schwer zugänglichen Mann zu verlieben, doch eines Tages kehrte dessen Frau zurück. Deren ersten Brief hatte sie noch abgefangen, doch dann ging sie selbst zu der Frau, um ihr zu sagen, dass ihr Mann sie immer noch liebe. Sie ging fort und war wieder obdachlos. &amp;<em> Irmgard Keun: Das kunstseidene Mädchen. Tagebuchroman, Deutschland 1932 –</em></p>



<p><strong>beten:</strong> *<a href="#heidi">Heidi</a> erzählte ihrem Großvater, dem Alm-Öhi, vom Beten, wie sie es von der Frankfurter Großmama gelernt hatte, und las ihm die Geschichte vom verlorenen Sohn vor. Ein Volltreffer…</p>



<p><strong>Bibliothek:</strong> Anno 1327 wurden in einem Cluniazenser-*<a href="#kloster">Kloster</a> in Norditalien mehrere Mönche unter mysteriösen Umständen vergiftet. Der Franziskanermönch William von Baskerville verfolgte bei der Aufklärung eine Spur, die auf die B. des Klosters hindeutete. Diese war berühmt, weil sie viele äußerst seltene Abschriften von Werken antiker Autoren enthielt. Nur der Bibliothekar und sein Gehilfe hatten Zugang zum Magazin der B. und wussten, wie man die Bücher dort fand. Eines Nachts drangen William und sein Schüler Adson in die Bibliothek ein und entschlüsselten das Geheimnis ihres Labyrinths.</p>



<p><strong>Bilderbücher:</strong> Als Herr Sesemann wieder abgereist war, kam seine Mutter zu Besuch, Klaras Großmama. Die gewann *<a href="#heidi">Heidi</a> lieb und schaffte es, mit Hilfe von B.n &nbsp;Heidis Widerstand gegen das Lesenlernen zu überwinden.</p>



<p><strong>Blauer&nbsp;Engel:</strong> Der *<a href="#lehrer">Lehrer</a> Professor Raat machte sich daran, eine Schauspielerin dingfest zu machen, für die sein Schüler Lohmann eine Hymne gedichtet hatte. Auf diese Weise wollte er Lohmann fertig machen. Er fand sie schließlich in einem Tingeltangel namens „Blauer Engel“. Doch bald erlag Raat selber dem Charme der Dame und verliebte sich in sie.</p>



<p><strong>blinde&nbsp;Großmutter:</strong> *<a href="#heidi">Heidi</a> besuchte fast täglich die b. G. des Geißenpeter in ihrem baufälligen Haus.</p>



<p><strong>blinder&nbsp;Mönch:</strong> Der b. M. Jorge von Burgos war die graue Eminenz eines Clunia­zenser-*<a href="#kloster">Klosters</a> in Norditalien und seiner berühmten Bibliothek. Um eine Mordserie unter den Mönchen aufzuklären, drangen der Franziskanermönch William von Baskerville und sein Schüler Adson in die Bibliothek ein. Dort wartete Jorge auf sie, auf dem Tisch das geheimnisvolle Buch: das verschollene zweite Buch des Aristo­teles zur Poetik, das von der Komödie handelt. William rührte es nicht an, da er bereits erraten hatte, dass die Buchseiten vergiftet waren und alle, die darin geblättert hatten, gestorben waren. Jorge bekannte sich zu den Morden; die Schrift des Aristoteles sei so antichristlich, dass unbefugte Leser nur durch physisches Gift vor dem geistigen Gift des Buches geschützt werden könnten.</p>



<p><strong>Buch:</strong> – <strong>2)</strong> Anno 1327 wurden in einem Cluniazenser-*<a href="#kloster">Kloster</a> in Norditalien mehrere Mönche unter mysteriösen Umständen vergiftet. Dem Franziskanermönch William von Baskerville und seinem Schüler Adson von Melk gelang es, die Mordserie aufzuklären. Die Tatwaffe war ein geheimnisvolles Buch, dessen Seiten vergiftet waren. &amp; <em>Umberto Eco: Der Name der Rose (Il nome della rosa), Roman, Italien 1980 (dt. 1982 v. Burkhart Kroeber) – Verfilmt v. Jean-Jaques Annaud, BRD/Frankreich/Italien 1986</em></p>



<p><strong>Bur-Malottke: </strong>Der berühmte Professor Bur-Malottke wollte einen seiner schwülstigen&nbsp; *<a href="#rundfunk">Rundfunk</a>-Vorträge überarbeiten lassen, weil darin das Wort »Gott« vorkam. Der Rundfunk­redakteur Dr. Murke bekam die unangenehme Aufgabe, das zu organisieren.<strong></strong></p>



<p><strong>Chasid: </strong>*<a href="#kalif">Kalif</a> Chasid von Bagdad war guter Laune… Später verwandelte er sich in einen Storch.</p>



<p><strong>Danijar: </strong>Auf einem<strong> </strong>Pferde-*<a href="#wagen">Wagen</a> saßen der junge Kirgise Danijar und die junge Kirgisin Dshamilja nebeneinander. Danijar sang mit kräftiger Stimme ein Lied nach dem anderen in die nächtliche Steppe…</p>



<p><strong>Delphi: </strong>Das Orakel von D. prophezeite Laios, dem König von Theben, dass sein Sohn ihn dereinst töten und seine Frau heiraten werde. Darauf ließ Laios dem Neugeborenen die Füße durchstechen und zusammenbinden und befahl einem Hirten, ihn im Gebirge auszusetzen. Doch der Hirte hatte Mitleid und übergab das verstoßene Kind dem Königspaar von Korinth. Das Paar adoptierte das Kind und nannte es nach seinen geschwollenen Füßen *<a href="#oedipus">Ödipus</a>. &amp;<em> </em><em>Sophokles: Ödipus der Tyrann. Tragödie, Griechenland um 350 v. Chr.</em></p>



<p><strong>Dete, </strong>die Base und Ziehmutter von *<a href="#heidi">Heidi</a></p>



<p><strong>Diener:</strong> –<strong>2)</strong> Der D. Sebastian in Frankfurt war *<a href="#heidi">Heidi</a> zugetan und amüsierte sich über ihre Einfälle.</p>



<p><strong>Doktor:</strong> <em>1) Doktor Murkes gesammeltes Schweigen. Satire v. Heinrich Böll, BRD 1955 </em>(*<a href="#rundfunk">Rundfunk</a>) – <em>2) Doktor Schiwago. Roman v. Boris Pasternak, UdSSR 1957 </em>(*<a href="#bürgerkrieg">Bürgerkrieg</a>)</p>



<p><strong>Dose:</strong> In einer Schublade des Krämers entdeckte *<a href="#kalif">Kalif</a> Chasid eine Dose mit einem geheimnisvollen schwarzen Pulver und ein Pergament mit einer fremdartigen Schrift. Er kaufte auch diese Dinge und ließ einen Gelehrten kommen, um die fremde Schrift zu entziffern…</p>



<p><strong>Dshamilja: </strong>Auf einem<strong> </strong>Pferde-*<a href="#wagen">Wagen</a> saßen der junge Kirgise Danijar und die junge Kirgisin Dshamilja nebeneinander. Danijar sang mit kräftiger Stimme ein Lied nach dem anderen in die nächtliche Steppe…</p>



<p><strong>einladen:</strong> In *<a href="#berlin">Berlin</a> brachte sich das Mädchen Doris illegal über die Runden, indem sie sich immer wieder von Männern einladen ließ. Selbstkritisch beobachtete sie ihren eigenen Abstieg in die Obdachlosigkeit und an den Rand der Prostitution. In der Silvesternacht entschloss sie sich, ein einziges Mal Geld für die Nacht zu nehmen, um sich ein Startkapital zu verschaffen.</p>



<p><strong>E<a id="eule"></a>ule:</strong> Auf dem Weg nach Mekka machten der in einen Storch verwandelte *<a href="#kalif">Kalif</a> und sein Großwesir in der Ruine eines alten Palastes Rast. Dort trafen sie eine weinende Eule, die ihre Sprache sprach und sich als verzauberte indische Prinzessin vorstellte. Der Kalif musste ihr später einen Heiratsantrag machen, um eine wichtige Information zu bekommen.</p>



<p><strong>Feh:</strong> Das Mädchen Doris wurde Schauspielschülerin und schaffte es durch einen Trick, eine Konkurrentin einzusperren und einmalig deren kleine Rolle auf der Bühne zu übernehmen, wo sie ihr Talent zeigte. Als die Sache aufflog und sie zudem einer Dame einen Feh (Pelz) gestohlen hatte, floh sie nach *<a href="#berlin">Berlin</a>.</p>



<p><strong>Fernsehen:</strong> Gigi Fremdenführer war plötzlich berühmt geworden, trug seine Geschichten im F. vor, und da ihm keine neuen mehr einfielen, erzählte er auch die, die er nur für das Mädchen *<a href="#momo">Momo</a> gedichtet hatte, und begann schließlich, alle Geschichten ein zweites Mal zu erzählen, wobei er alle Selbstachtung verlor.</p>



<p><strong>Filmstar:</strong> Das Mädchen Doris arbeitete in einer rheinischen Mittelstadt als Sekretärin bei einem Rechtsanwalt und träumte davon, ein Glanz (Star) zu werden. Er entließ sie, als sie nicht mit ihm schlafen wollte. Später floh sie nach *<a href="#berlin">Berlin</a>.</p>



<p><strong>Frankfurt: </strong>Anderntags kam überraschend *<a href="#heidi">Heidis</a> Tante Dete wieder zum Alm-Öhi und nahm Heidi mit sich nach Frankfurt. Der Alm-Öhi und die Großmutter blieben verbittert und verzweifelt zurück. Dete hatte in F. die reiche Familie Sesemann kennen gelernt. Klara, die zwölfjährige Tochter des Geschäftsmannes Sesemann, saß gelähmt im Rollstuhl und wünschte sich eine Spielgefährtin. Dete vermittelte H. in das Haus Sesemann. Doch Heidi wurde dort vor Heimweh mondsüchtig.<strong></strong></p>



<p><strong>Franziskaner:</strong> Der britische Franziskanermönch William von Baskerville und sein junger öster­reichischer Schüler, der Novize Adson von Melk, erreichten 1327 ein einsam in den Bergen gelegenes Cluniazenser-*<a href="#kloster">Kloster</a> in Norditalien. William sollte dort ein Streitgespräch zwischen dem Franziskanergeneral Michael von Cesena und einer Delegation des Papstes vorbereiten.</p>



<p><strong>Fräulein:</strong> <em>Das Fräulein von Scuderi. Erzählung v. Ernst Th. Hoffmann </em>(*<a href="#juwelen">Juwelen</a>)</p>



<p><strong>Fremdenführer:</strong> Der schweigsame, wunderliche Beppo Straßenkehrer und der quirlige, leichtfertige Gigi F. waren die beiden liebsten Freunde des Mädchens *<a href="#momo">Momo</a>.</p>



<p><strong>Freunde:</strong> Das Mädchen *<a href="#momo">Momo</a> hatte viele F., weil es so gut zuhören konnte; ihre liebsten F. waren Beppo Straßenkehrer und Gigi Fremdenführer. Doch es gelang den grauen Herren, sie von ihren Freunden zu trennen.</p>



<p><strong>Fröhlich, </strong>Rosa, Schauspielerin im Tingeltangel „Blauer Engel“, in die sich zuerst der Schüler Lohmann, dann auch der *<a href="#lehrer">Lehrer</a> Professor Raat, genannt Professor Unrat, verliebte</p>



<p><strong>Frühstück:</strong> Die Schildkröte Kassiopeia führte das Mädchen *<a href="#momo">Momo</a> sicher ins Nirgend-Haus zu Meister Hora, wo sie ein köstliches F. genoss: goldgelbe Brötchen mit goldgelbem Honig.</p>



<p><strong>Füße: </strong>Das Orakel von Delphi prophezeite Laios, dem König von Theben, dass sein Sohn ihn dereinst töten und seine Frau heiraten werde. Darauf ließ Laios dem Neugeborenen die Füße durchstechen und zusammenbinden und befahl einem Hirten, ihn im Gebirge auszusetzen. Doch der Hirte hatte Mitleid und übergab das verstoßene Kind dem Königspaar von Korinth. Das Paar adoptierte das Kind und nannte es nach seinen geschwollenen Füßen *<a href="#oedipus">Ödipus</a>. &amp;<em> </em><em>Sophokles: Ödipus der Tyrann. Tragödie, Griechenland um 350 v. Chr.</em></p>



<p><strong>Galanterie:</strong> Zur Zeit König Ludwigs XIV. beunruhigten mehrere Mordserien die Stadt Paris: Zuerst eine Reihe von Giftmorden; dann wurden regelmäßig Männer, die nachts unterwegs waren, um ihre Geliebte mit einem *<a href="#juwelen">Juwelen</a>-Geschenk zu überraschen, unterwegs überfallen, erstochen und ausgeraubt. Man vermutete eine Bande dahinter, und ein Sondertribunal, die Chambre ardente (Feurige Kammer), rief nach neuen Vollmachten. Der König zögerte jedoch. Man beschwor ihn, im Namen der Galanterie den verängstigten Kavalieren beizustehen. Als der König sie nach ihrer Meinung dazu fragte, erwiderte das Fräulein von Scuderi, eine alte Dichterin, bei Hofe: Ein Liebhaber, der die Diebe fürchte, sei der Liebe nicht würdig.</p>



<p><strong>Geißenpeter: </strong>Unterwegs trafen sie den G., der seine Geißenschar den Berg hinauf zur Alm hochtrieb. *<a href="#heidi">Heidi</a> folgte ihm auf eine Wiese und zog rasch ihre vielen Kleider, Röcke und Schuhe aus, um den Ziegen (Geißen) nachspringen zu können.</p>



<p><strong>Gericht: </strong>Gerichtsszenen kommen in zahllosen Erzählungen vor.<strong> 1) </strong>Die Schauspielerin Rosa Fröhlich verkehrte gelegentlich mit drei Schülern des *<a href="#lehrer">Lehrers</a> Professor Raat, genannt Unrat, und bei einer nächtlichen Eskapade dieser Art beschädigten die drei ein Hünengrab. Sie wurden erwischt und vor Gericht gestellt. Raat hielt als Zeuge vor Gericht eine flammende Philippika gegen seine „verkommenen“ Schüler und gegen deren Familien, mit der er sich in der Stadt unmöglich machte, zumal sein eigener Umgang mit Rosa Fröhlich bekannt war. Auch diese hatte einen Auftritt vor Gericht, der das Publikum ebenso beeindruckte wie erheiterte.</p>



<p><strong>Gift:</strong> <strong>2)</strong> Anno 1327 wurden in einem Cluniazenser-*<a href="#kloster">Kloster</a> in Norditalien mehrere Mönche unter mysteriösen Umständen vergiftet. Dem Franziskanermönch William von Baskerville und seinem Schüler Adson von Melk gelang es, die Mordserie aufzuklären. Die Tatwaffe war ein geheimnisvolles Buch, dessen Seiten vergiftet waren.</p>



<p><strong>Gigi&nbsp;Fremdenführer:</strong> Der schweigsame, wunderliche Beppo Straßenkehrer und der quirlige, leichtfertige G. F. waren die beiden liebsten Freunde des Mädchens *<a href="#momo">Momo</a>. Den grauen Herren gelang es, ihn von Momo zu trennen, indem sie ihn zu einem berühmten Fernsehstar werden ließen.</p>



<p><strong>Glanz:</strong> Das Mädchen Doris arbeitete in einer rheinischen Mittelstadt als Sekretärin bei einem Rechtsanwalt und träumte davon, ein Glanz (Star) zu werden. Er entließ sie, als sie nicht mit ihm schlafen wollte. Später floh sie nach *<a href="#berlin">Berlin</a>.</p>



<p><strong>G<a></a>laskutsche:</strong> Das Fräulein von Scuderi fuhr mit einer G. über den Pont neuf in Paris. Im Gedränge näherte sich ein junger Mann der Kutsche und warf dem Fräulein einen Zettel zu. Die Haushälterin erkannte den Mann wieder, der einige Nächte zuvor ein geheimnisvolles Kästchen mit *<a href="#juwelen">Juwelen</a> gebracht hatte.</p>



<p><strong>Goldschmied:</strong> In der Nacht klopfte es am Tor des Fräuleins von Scuderi, und ein junger Mann begehrte heftig Einlass. Da die Haushälterin ihn nicht zu ihrer Herrin vorließ und draußen eine Wache erschien, übergab er ihr hastig ein Kästchen für das Fräulein und entfloh. In dem Kästchen befanden sich äußerst kostbare, perfekt gearbeitete *<a href="#juwelen">Juwelen</a>. Die Scuderi begab sich mit dem Schmuck zu ihrer Freundin bei Hofe, und die erkannte darin sofort ein Werk des berühmten G. Cardillac. Cardillac wurde gerufen, erschien und erkannte seine Juwelen, behauptete, sie seien ihm vor Kurzem gestohlen worden. Er bestand darauf, dass das Fräulein sie behalten solle, da er es hoch verehre. – Später stellte sich heraus, dass der G. regelmäßig seine Kunden nächtens überfallen, erstochen und ihnen die Juwelen wieder abgenommen hatte. Als er selbst an einer Stichwunde starb, kam sein Gehilfe Olivier in Verdacht, ihn im Auftrag einer Juwelenräuberbande ermordet zu haben.</p>



<p><strong>graue&nbsp;Herren:</strong> Die Menschen wurden immer gehetzter und un­freundlicher. Dahinter steckten die grauen Herren, die sich als Agenten der „Zeit-Spar-Kasse“ ausgaben und die Menschen dazu überredeten, Zeit für die Zukunft zu sparen. In Wirklichkeit stahlen sie diese Zeit und lebten davon, indem sie die Stunden-Blumen einfroren, trockneten und als Zigarren rauchten. Das Mädchen *<a href="#momo">Momo</a> konnte sie am Ende besiegen und die gestohlene Zeit befreien.</p>



<p><strong>Griechischstunden: </strong>Die Schauspielerin Rosa Fröhlich lebte mit dem ehemaligen *<a href="#lehrer">Lehrer</a> Professor Raat, genannt Unrat, zusammen. Sie versuchte immer wieder, selber eine Liebe für ihr »Unratchen« zu entwickeln, nahm sogar Griechischstunden bei ihm, aber sein destruktives Tyrannentum stieß sie ab.</p>



<p><strong>Großmama:</strong> Als Herr Sesemann wieder abgereist war, kam seine Mutter zu Besuch, Klaras Großmama. Die gewann *<a href="#heidi">Heidi</a> lieb und schaffte es, mit Hilfe von Bilderbüchern *Heidis Widerstand gegen das Lesenlernen zu überwinden.</p>



<p><strong>Großwesir:</strong> *<a href="#kalif">Kalif</a> Chasid von Bagdad war guter Laune, als der G. zu ihm kam. Dieser war traurig… Später verwandelten sich beide in Störche.</p>



<p><strong>Gymnasium:</strong> <strong>1)</strong> Der alte Latein-, Griechisch- und Deutsch-*<a href="#lehrer">Lehrer</a> Professor Raat wurde von den meisten Schülern, Ex-Schülern und sogar von Kollegen »Unrat« genannt, da er sich immer aufregte, wenn er dieses Wort hinter seinem Rücken rufen hörte.</p>



<p><strong>Haushälterin:</strong> Das Haus Sesemann in Frankfurt, in das die achtjährige*<a href="#heidi">Heidi</a> gebracht wurde, wurde von einer schreckhaften H., Fräulein Rottenmeier, geführt.</p>



<p><strong>H<a id="heidi"></a>eidi:</strong> Dete, ein gut 20jähriges Mädchen, stieg mit dem fünfjährigen Mädchen H. von Mayenfeld hinauf zum Dörfli und von dort noch höher zum Alm-Öhi, der oben am Berg einsam in einer Sennhütte lebte. H. war ein Waisenkind, die Tochter von Detes Schwester Adelheid und Alm-Öhis Sohn Tobias, die beide gestorben waren, als H. ein Jahr alt war. Dete hatte das Bäslein vier Jahre lang groß gezogen und wollte es nun seinem Großvater übergeben, um eine Stellung in Frankfurt annehmen zu können. Unterwegs trafen sie den Geißenpeter, der seine Geißenschar den Berg hinauf zur Alm hochtrieb. H. folgte ihm auf eine Wiese und zog rasch ihre vielen Kleider, Röcke und Schuhe aus, um den Ziegen nachspringen zu können. Dete hatte ihr alle Kleider übereinander angezogen, um sie nicht schleppen zu müssen. Der Alm-Öhi lebte verbittert in Zwist mit der Dorfgemeinschaft, seit er seinen Hof verspielt hatte und sein Sohn bei einem Unfall umgekommen war. Barsch schickte er Dete weg, nahm die kleine Heidi aber, wenn auch zurückhaltend, auf. Diese fand sich sofort in seiner Hütte zurecht, machte sich auf dem Heuboden ein Bett aus Heu zurecht und genoss die frische Ziegenmilch und den gebratenen Ziegenkäse, den der Alm-Öhi ihr zubereitete. Anderntags stieg sie mit dem Geißenpeter hoch auf die Alm und half ihm, die Geißen (Ziegen) zu hüten, lernte auch schnell alle ihre Namen. Am liebsten hatte sie Schwänli und Bärli, die beiden Geißen des Großvaters. Peter schreckte plötzlich auf und rannte zum felsigen Abgrund der Weide, weil Distelfink, eine der Ziegen, abzustürzen drohte. H. lief hinterher und konnte Distelfink mit einer Handvoll Kräuter wieder zurücklocken. Einige Tage später besuchte H. Peters blinde Großmutter und seine Mutter Brigitte, die in einem baufälligen Häuschen unterhalb der Sennhütte lebten. Die alte Großmutter gewann die fröhliche H. sofort lieb und freute sich jeden Tag auf deren nächsten Besuch. H. überredete ihren Großvater, das Häuschen der Nachbarin zu reparieren, was er tat, ohne mit ihnen zu sprechen. So ging es jahrein, jahraus, bis H. acht Jahre alt wurde. Sie liebte das Leben auf der Alm und war kräftig und gesund. Eines Tages stieg der Pfarrer zu Alm-Öhi hinauf, sein früherer Nachbar, als dieser noch unten im Dörfli gewohnt hatte. Der Pfarrer versuchte, den Alm-Öhi zu überzeugen, dass er im kommenden Winter H. zur Schule schicken und selber wieder ins Dörfli hinunterziehen solle, doch der weigerte sich. Anderntags kam überraschend Dete wieder und nahm H. mit sich nach Frankfurt. Der Alm-Öhi und die Großmutter blieben verbittert und verzweifelt zurück. Dete hatte in Frankfurt die reiche Familie Sesemann kennen gelernt. Klara, die zwölfjährige Tochter des Geschäftsmannes Sesemann, saß gelähmt im Rollstuhl und wünschte sich eine Spielgefährtin. Dete vermittelte H. in das Haus Sesemann, das, da Herr Sesemann meist geschäftlich unterwegs war, von einer schreckhaften Haushälterin, Fräulein Rottenmeier, geführt wurde. Diese fühlte sich von Dete betrogen, als sie merkte, dass H. weder lesen konnte noch eine Ahnung von großbürgerlichen Manieren hatte. Doch Klara gewann die Gefährtin schnell lieb und genoss vor allem die Abwechslung, die diese ins Haus brachte. In der Tat mischte H. mit ihrer unbekümmerten, fröhlichen und direkten Art sofort den ganzen Haushalt auf. Der Diener Sebastian war ihr gleich zugetan. H. schaute mit seiner Hilfe aus allen Fenstern des Hauses heraus und sah überall nur Hauswände und weitere Fenster. Wo waren die Wiesen, die Bäume, die Berge geblieben? Sie lief davon und suchte mit Hilfe eines Straßenjungen einen Kirchturm auf, um einen Blick über die Stadt und das Tal hinweg werfen zu können. Beim Türmer entdeckte sie einen Wurf junger Kätzchen und durfte zwei davon gleich mitnehmen. Als sie ins Haus Sesemann zurückkehrte, war Fräulein Rottenmeier empört über ihren Ungehorsam, und als H. die miauenden Kätzchen freiließ, kriegte das Fräulein eine Panikattacke, worüber Sebastian, der alles vom Flur aus beobachtete, sich beinahe totlachte. Er versprach Klara und H., ein geheimes Nest für die Kätzchen zu bauen. Als Herr Sesemann aus Paris heimkehrte, beklagte sich Fräulein Rottenmeier bitter über H. und die schrecklichen Tiere, die sie ins Haus geschleppt hätte. Auch hielt sie H. für verrückt, weil sie immer wieder merkwürdige Geschichten über ihren Großvater, den Geißenpeter und dessen Großmutter erzählte. Doch Herr Sesemann befragte seine Tochter, und die legte ein gutes Wort für ihre Spielgefährtin ein. Als Herr Sesemann wieder abgereist war, kam seine Mutter zu Besuch, Klaras Großmama. Die gewann H. lieb und schaffte es, mit Hilfe von Bilderbüchern H.s Widerstand gegen das Lesenlernen zu überwinden. Plötzlich hatte der Kandidat, der täglich als Hauslehrer ins Haus kam, Erfolg mit seinen Bemühungen, und H. lernte in kurzer Zeit Lesen, um etwas über die schönen Geschichten in dem Buch erfahren und sie Klara vorlesen zu können. Doch H. wurde vor Heimweh immer unglücklicher und aß kaum noch etwas. Sie traute sich nicht, jemandem etwas über ihren Kummer zu erzählen. Großmama bemerkte ihren Kummer, und da H. auch ihr nichts über den Grund sagen wollte, ermunterte sie H., abends zu beten und Gott ihren Kummer zu erzählen, ihn auch um Hilfe zu bitten. Das half H. eine Weile, doch nach Großmamas Abreise wurde ihr Heimweh übermächtig. Plötzlich hieß es, es spuke im Hause. Jeden Morgen fand man die Haustür offen vor, so sehr man sie auch abends verriegelt hatte. Die Diener Sebastian und Johann legten sich nachts auf die Lauer, und Johann sah tatsächlich, wie ein weißes Gespenst die Treppe hinaufhuschte. Fräulein Rottenmeier schrieb Herrn Sesemann einen Brief, und dieser reiste an, um der Sache auf den Grund zu gehen. Er bezog zusammen mit einem alten Freund, dem Doktor Claasen, die Nachtwache, und die beiden entdeckten, dass H. nachts als Mondsüchtige (Schlafwandlerin) die Haustür öffnete. Der Arzt fand schnell den Grund heraus: H.s übermächtiges Heimweh, das sie jede Nacht von Alm-Öhis Sennhütte und vom Rauschen der Tannen hinter der Hütte träumen ließ. Er verordnete ihr die sofortige Heimreise auf die Alm. Herr Sesemann war vernünftig genug, um schon am nächsten Tag H.s Heimreise in die Wege zu leiten. Sebastian begleitete sie bis nach Mayenwald. Dort nahm der Bäcker sie auf seinem Wagen mit zum hinauf zum Dörfli, und sie stieg sofort zu Peters Großmutter hinauf, in banger Erwartung, ob sie sie noch lebend antreffen würde. Doch sie lebte noch und verging fast vor Freude über H.s Rückkehr. H. hatte ihr auch Weißbrot aus Frankfurt mitgebracht, weil die Alte das billige Schwarzbrot so schlecht vertrug. Dann stieg H. hinauf zum Alm-Öhi, der wie ehedem auf der Bank vor seiner Hütte saß und vor Freude zum ersten Mal seit vielen Jahren weinen musste. H. erzählte ihm vom Beten, wie sie es von der Frankfurter Großmama gelernt hatte, und las ihm die Geschichte vom verlorenen Sohn vor. Ein Volltreffer: In der Nacht stieg der Großvater immer wieder zu H.s Heubett hinauf, um nachzusehen, ob sie vielleicht wieder mondsüchtig würde – Herr Sesemann hatte ihn in einem Brief gewarnt. Doch er fand das Mädchen friedlich schlafend, und aus Dank rang er sich ein Gebet ab. Am folgenden Sonntag legte er seinen Sonntagsstaat an, den H. noch nie gesehen hatte, und ging mit H. ins Dörfli hinab in die Kirche, was dort großes Aufsehen erregte. Er besuchte seinen alten Nachbarn, den Pfarrer, und versprach ihm, im Winter Quartier im Dörfli zu nehmen und H. zur Schule gehen zu lassen. Alle waren froh, ihn wieder im Dörfli zu sehen, doch am glücklichsten war Peters Großmutter, als ihr Nachbar nach vielen Jahren der Sprachlosigkeit zu ihr hereinkam und sie begrüßte. &amp;<em> Johanna Spyri: Heidi, Bd. 1: Heidis Lehr- und Wanderjahre. Kinderroman, Schweiz 1880</em></p>



<p><strong>Heimweh:</strong> <strong>1)</strong> *<a href="#heidi">Heidi</a> wurde in Frankfurt vom H. immer unglücklicher, aß kaum noch etwas und wurde zuletzt mondsüchtig. &amp;<em> Johanna Spyri: Heidi, Bd. 1: Heidis Lehr- und Wanderjahre. Kinderroman, Schweiz 1880</em></p>



<p><strong>Heiratsantrag:</strong> <strong>1) </strong>Auf dem Weg nach Mekka machten der in einen Storch verwandelte *<a href="#kalif">Kalif</a> und sein Großwesir in der Ruine eines alten Palastes Rast. Dort trafen sie eine weinende Eule, die ihre Sprache sprach und sich als verzauberte indische Prinzessin vorstellte. Der Kalif musste ihr später einen H. machen, um eine wichtige Information zu bekommen. –</p>



<p><strong>Inquisitor:</strong> Anno 1327 kam mit einer päpstlichen Delegation der I. Bernard Gui in ein einsam in den Bergen gelegenes Cluniazenser-*<a href="#kloster">Kloster</a> in Norditalien. Da es im Kloster Morde gegeben hatte, begann er – neben dem Franziskanermönch William von Baskerville –&nbsp; mit Ermittlungen, konzentrierte sich aber auf einige ehemalige Mystiker und Ketzer, die im Kloster Zuflucht gefunden hatten, sowie auf ein dort nächtlich verkehrendes Bauernmädchen, das er alsbald als Hexe „entlarvte“ und zum Tode verurteilte.</p>



<p><strong>Intellektueller: </strong>In der Silvesternacht 1931/32 in *<a href="#berlin">Berlin</a> entschloss sich das Mädchen Doris, ein einziges Mal Geld für die Nacht zu nehmen, um sich ein Startkapital zu schaffen. Der Mann, ein schüchterner Intellektueller namens Ernst, der gerade von seiner Frau verlassen worden war, nahm sie aus Mitleid mit nach Hause und wollte gar nicht mit ihr schlafen.</p>



<p><strong>Intendant:</strong> *<a href="#rundfunk">Rundfunk</a></p>



<p><strong>Inzest: </strong>*<a href="#oedipus">Ödipus</a> gelang es, das Rätsel der Sphinx zu lösen und so Theben von der Sphinx zu befreien. Zur Belohnung wurde er zum König von Theben ernannt und bekam Iokaste, seine leibliche Mutter, zur Frau. Die Prophezeiung vom I. erfüllte sich. Von ihrer Verwandtschaft nichts wissend, hatten die beiden vier Kinder miteinander. &amp;<em> </em><em>Sophokles: Ödipus der Tyrann. Tragödie, Griechenland um 350 v. Chr.</em></p>



<p><strong>Iokaste: </strong>*<a href="#oedipus">Ödipus</a> gelang es, das Rätsel der Sphinx zu lösen und so Theben von der Sphinx zu befreien. Zur Belohnung wurde er zum König von Theben ernannt und bekam I., seine leibliche Mutter, zur Frau. Die Prophezeiung vom Inzest erfüllte sich. Von ihrer Verwandtschaft nichts wissend, hatten die beiden vier Kinder miteinander. &amp;<em> </em><em>Sophokles: Ödipus der Tyrann. Tragödie, Griechenland um 350 v. Chr.</em></p>



<p><strong>J<a id="junge"></a>unge:</strong> Bekannte Jungenfiguren sind *Émile (J. J. Rousseau, F 1762); *Zwerg Nase (W. Hauff, D 1826); *Oliver Twist in London (Ch. Dickens, GB 1837); *David Copperfield (Ch. Dickens, GB 1849); der *Schiffsjunge Dick Sand (J. Verne, F 1878); Jack auf der *Schatzinsel (R. L. Stevenson, GB 1881); Mogli im *Dschungel (R. Kipling, GB 1894); der Waisenjunge Dick Harding in *London (E. Nesbit, GB 1909); *Kai aus der Kiste in Berlin (W. Durian, D 1924); *Emil als Detektiv in Berlin (E. Kästner, D 1929); *Kalle Blomqvist, der Meisterdetektiv (A. Lindgren, S 1946); *Memed, der türkische Bauernjunge und spätere Räuber (Y. Kemal, T 1955); Tobbi, der Erfinder des *Fliewatüüts (B. Lornsen, BRD 1967); die Grünhaut Atréju in *Fantasien (M. Ende, BRD 1979); der Büchernarr Bastian Baltasar Bux in *Fantasien (M. Ende, BRD 1979); Adson von Melk im *<a href="#kloster">Kloster</a> (U. Eco, I 1980). Vgl. *<a href="#kinder">Kinder</a>; *<a href="#mädchen">Mädchen</a></p>



<p><strong>J<a id="juwelen"></a>uwelen:</strong> Zur Zeit König Ludwigs XIV. beunruhigten mehrere Mordserien die Stadt Paris: Zuerst eine Reihe von Giftmorden; dann wurden regelmäßig Männer, die nachts unterwegs waren, um ihre Geliebte mit einem J.-Geschenk zu überraschen, unterwegs überfallen, erstochen und ausgeraubt. Man vermutete eine Bande dahinter, und ein Sondertribunal rief nach neuen Vollmachten. Der König zögerte jedoch. Man beschwor ihn, im Namen der Galanterie den verängstigten Kavalieren beizustehen. Als der König sie nach ihrer Meinung dazu fragte, erwiderte das Fräulein von Scuderi, eine alte Dichterin, bei Hofe: Ein Liebhaber, der die Diebe fürchte, sei der Liebe nicht würdig. In der Nacht nach diesem Vorfall klopfte es am Tor des Fräuleins, und ein junger Mann begehrte heftig Einlass. Da die Haushälterin ihn nicht zu ihrer Herrin vorließ und draußen eine Wache erschien, übergab er ihr hastig ein Kästchen für das Fräulein und entfloh. In dem Kästchen befanden sich perfekt gearbeitete J. sowie ein Zettel, in dem „die Unsichtbaren“ dem Fräulein von Scuderi ihre Verehrung ausdrückten. Die Scuderi begab sich mit dem Schmuck zu ihrer Freundin bei Hofe, und die erkannte darin ein Werk des berühmten Goldschmieds Cardillac. Cardillac wurde gerufen, erkannte seine J., behauptete, sie seien ihm vor Kurzem gestohlen worden. Er bestand darauf, dass das Fräulein sie behalten solle, da er es hoch verehre. Einige Tage später fuhr das Fräulein von Scuderi mit einer Glaskutsche über den Pont neuf. Im Gedränge näherte sich ein junger Mann der Kutsche und warf dem Fräulein einen Zettel zu. Die Haushälterin erkannte den Mann wieder, der das Kästchen gebracht hatte. Auf dem Zettel stand, das Fräulein solle die J. so schnell wie möglich zu Cardillac bringen; andernfalls sei ihr Leben in Gefahr. Das Fräulein schaffte es aber erst am übernächsten Morgen, zu Cardillac zu fahren. Vor dessen Haus war großer Aufruhr: Cardillac war offenbar in der Nacht zuvor erstochen worden, und Desgrais, der Chefermittler des Sondertribunals, führte dessen Gehilfen Olivier Brusson als Tatverdächtigen ab, obwohl Cardillacs Tochter Madelon dessen Unschuld beteuerte. Die Scuderi nahm das verzweifelte Mädchen zu sich, und Madelon konnte das Fräulein von der Unschuld Oliviers, der ihr Geliebter war, überzeugen. Die Scuderi bewirkte, dass sie Olivier im Gefängnis besuchen durfte, und musste entsetzt feststellen, dass er der junge Mann war, der das Kästchen und den Zettel gebracht hatte, der also offenbar doch mit der Räuberbande zu tun hatte. Nun glaubte sie doch an dessen Schuld. Tage später meldete sich Desgrais bei ihr und berichtete, Brusson, der nach wie vor leugne, wolle unbedingt das Fräulein von Scuderi sprechen. Desgrais hoffte, Brusson werde der Scuderi endlich das Geheimnis der Räuberbande verraten, und bat sie um Mithilfe. Sie willigte ein. Man führte Brusson nachts in das Haus der Scuderi, und er gab sich als Sohn einer armen Ziehtochter der Scuderi zu erkennen, der 23 Jahre zuvor mit seinen Eltern nach Genf gezogen war. Er enthüllte nun der Scuderi Folgendes: – Er hatte eines Nachts seinen Meister Cardillac bei einem tödlichen Raubüberfall ertappt. Niemand anderes als Cardillac war der lange gesuchte Täter. Es war Brusson aber nicht möglich, die Wahrheit aufzudecken, weil diese seine geliebte Madelon in tödliche Verzweiflung stürzen musste. Cardillac hatte ihm gegenüber zugegeben, dass eine Art Dämon ihn zwinge, alle, für die er J. gemacht hatte, zu töten und ihnen die J. wieder abzunehmen. Cardillac hatte Brusson gebeten, die besten J., die er jemals gemacht, dem Fräulein von Scuderi zu bringen. Da er die Dichterin so hoch verehrte, hatte er gehofft, auf diese Weise den bösen Dämon besiegen zu können. Das hatte nicht geklappt; nach ein paar Tagen hatte es Cardillac dann doch getrieben, das Fräulein von Scuderi umzubringen. Um das zu verhindern, war Brusson ihm durch seinen Geheimgang gefolgt. Kurz vor dem Haus der Scuderi hatte sich Cardillac auf einen zufällig vorbei kommenden Offizier gestürzt und war von diesem schwer verletzt worden. Brusson hatte ihn nach Hause getragen, wo er der Verletzung erlegen war. – Zum Glück meldete sich der Offizier bei der Scuderi. Mit Hilfe seiner Aussage konnten die Scuderi und ein Rechtsanwalt das Verfahren gegen Brusson verzögern. Mit einem Auftritt bei Hofe gelang es der Scuderi dank ihrer mitreißenden Erzählkunst, den König für den ganzen Fall mit allen seinen Verwicklungen zu interessieren. Der König wünschte, Madelon zu sehen, und war ganz entzückt von ihrer Schönheit. Er stellte nun selber Ermittlungen an und verfügte nach einem Monat Oliviers Freilassung. Überglücklich konnten Olivier und Madelon einander in die Arme schließen und heiraten. &amp; <em>Ernst Theodor Hoffmann: Das Fräulein von Scuderi. Erzählung (Kriminalnovelle), Deutschland 1820</em></p>



<p><strong>K<a id="kalif"></a>alif:</strong> Kalif Chasid von Bagdad war guter Laune, als der Großwesir zu ihm kam. Dieser war traurig, weil ein fahrender Krämer wunderschöne Waren auf der Straße anbot und er kein Geld übrig hatte, um sich etwas zu kaufen. Der Kalif ließ den Krämer in den Palast holen und kaufte schließlich zwei prächtige Pistolen für sich selbst und den Wesir und einen goldenen Kamm für dessen Frau. In einer Schublade entdeckte er noch eine Dose mit einem geheimnisvollen schwarzen Pulver und ein Pergament mit einer fremdartigen Schrift. Er kaufte auch diese Dinge und ließ einen Gelehrten kommen, um die fremde Schrift zu entziffern. Dieser erkannte, dass sie lateinisch war, und übersetzte sie wie folgt: „Wenn Du das Pulver schnupfst und dazu das Wort ‹Mutabor› ausspricht, verwandelst du dich in ein beliebiges Tier und kannst die Sprache der Tiere verstehen. Um dich wieder zurück zu verwandeln, musst Du dich dreimal nach Osten bücken und das Zauberwort sprechen. Lachst du aber während der Verwandlung, vergisst du das Zauberwort und muss immer ein Tier bleiben.“ Am nächsten Morgen gingen der Kalif und der Großwesir vor die Stadt zu einem Teich, wo sich zwei Störche befanden, nahmen von dem Schnupfpulver und verwandelten sich in Störche. Tatsächlich konnten sie das Gespräch der anderen beiden Störche verfolgen. Als einer davon einen wunderlichen Tanz aufführte, mussten die beiden Verwandelten laut lachen. Danach hatten sie das Zauberwort vergessen und konnten sich nicht mehr in Menschen zurückverwandeln. Nach einigen Tagen sahen sie von einem Dach aus zu, wie ein neuer Herrscher in die Stadt einzog und das Volk dem Herrscher Mizra huldigte. Da erkannte Kalif Chasid, wer ihm die Sache eingebrockt hatte: Mizra war der Sohn des Zauberers Kaschnur, der dem Kalifen einst Rache geschworen hatte. Die beiden Störche machten sich auf dem Weg nach Mekka, um am Geburtsort des Propheten vielleicht Rettung zu finden. Unterwegs machten sie in der Ruine eines alten Palastes Rast. Dort trafen sie eine weinende Eule, die ihre Sprache sprach und sich als verzauberte indische Prinzessin vorstellte. Auch sie war von Kaschnur verzaubert und entführt worden, weil ihr Vater sie nicht hatte Kaschnurs Sohn zur Frau geben wollen. Die Eule konnte nur wieder frei kommen, wenn ihr jemand einen Heiratsantrag machen würde. Sie wusste aber, dass der Zauberer und seine Kumpanen gelegentlich in einem Saal der Ruine feierte, und dass sich die Zauberer bei dieser Gelegenheit ihre Abenteuer zu erzählen pflegten; vielleicht würde einer dann das Zauberwort für die Störche aussprechen. Diesen Saal zeigte sie den beiden Störchen aber nur unter der Bedingung, dass einer sie zur Frau nehmen müsse. Nach einer Beratung mit seinem Wesir erklärte sich der Kalif widerstrebend dazu bereit. Die Zauberer erschienen noch in der selben Nacht, und die Störche, die die Szene beobachteten, erkannten unter ihnen den Krämer wieder. Dieser erzählte in der Tat seine Geschichte von dem Schnupfpulver und der Schrift und plauderte auch das Zauberwort ‹Mutabor› aus. So konnten sich die Störche zurückverwandeln, und die Eule verwandelte sich in eine schöne Prinzessin, die der Kalif erfreut zur Frau nahm. Sie fuhren nach Bagdad, und der Kalif ließ den Zauberer Kaschnur aufhängen und verwandelte seinen Sohn Mizra in einen Storch, den er in einen Käfig sperrte. &amp;<em> Wilhelm Hauff: Märchen. Die Geschichte vom&nbsp; Kalif Storch. Deutschland 1825</em></p>



<p><strong>Kaschnur:</strong> Der in einen Storch verwandelte *<a href="#kalif">Kalif</a> musste mit ansehen, wie M., der Sohn des Zauberers Kaschnur, zum neuen Herrscher von Bagdad ausgerufen wurde.</p>



<p><strong>Kassiopeia:</strong> Die Schildkröte K.&nbsp; tauchte beim Mädchen *<a href="#momo">Momo</a> auf…</p>



<p><strong>Kästchen:</strong> In der Nacht klopfte es am Tor des Fräuleins von Scuderi, und ein junger Mann begehrte heftig Einlass. Da die Haushälterin ihn nicht zu ihrer Herrin vorließ und draußen eine Wache erschien, übergab er ihr hastig ein K. für das Fräulein und entfloh. In dem K. befanden sich äußerst kostbare, perfekt gearbeitete *<a href="#juwelen">Juwelen</a>.</p>



<p><strong>Kätzchen:</strong> Von ihrem Ausflug zum Kirchturm brachte *<a href="#heidi">Heidi</a> zwei junge K. ins Haus Sesemann. Fräulein Rottenmeier bekam deshalb eine Panikattacke.</p>



<p><strong>Ketzer:</strong> Anno 1327 hatten einige ehemalige Mystiker und Ketzer, darunter der berühmte Ubertin von Casale, in einem einsam gelegenen Cluniazenser-*<a href="#kloster">Kloster</a> in Norditalien Zuflucht gefunden. Dort entdeckte sie der britische Franziskanermönch William von Baskerville und später leider auch der päpstliche Inquisitor Bernard Gui.</p>



<p><strong>K<a id="kinder"></a>inder:</strong> Bekannte K.-Paare (Geschwister) sind *Hänsel und Gretel (Grimms Märchen); die K. von *Arden (E. Nesbit)… – Einzelne K.: *<a href="#junge">Junge</a>, *<a href="#mädchen">Mädchen</a>. – K. als Gruppe: <strong>1) </strong>Die Marketenderin Anna Fierling, genannt Mutter Courage, zog im *Dreißigjährigen Krieg mit ihrem Planwagen und ihren drei Kindern im Tross der evangelischen Armee mit. &amp; <em>Mutter Courage und ihre Kinder. Tragödie v. Bertolt Brecht, Schweiz 1941 – </em><strong>2) </strong>Nirgendwo konnten die K. so gut spielen wie im alten Amphitheater beim Mädchen *<a href="#momo">Momo</a>. Später veranstalteten Momo und die K. einen Demonstrationszug durch die Stadt, um die Erwachsenen über die Machenschaften der grauen Herren und ihrer „Zeit-Spar-Kasse“ aufzuklären. Später sorgten die grauen Herren dafür, dass alle „vernachlässigten“ K. in K.-Depots gesperrt und dort zu nützlichen Spielen angeleitet wurden.</p>



<p><strong>Kirche:</strong> Der Alm-Öhi zog seinen Sonntagsstaat an, den *<a href="#heidi">Heidi</a> noch nie gesehen hatte, und ging mit seiner Enkeltochter nach unten ins Dörfli in die K.</p>



<p><strong>Kirchturm:</strong> *<a href="#heidi">Heidi</a> bestieg in Frankfurt einen K., um das ganze Tal überblicken und etwas anderes als Steinwände sehen zu können. Vom Türmer bekam sie zwei Kätzchen geschenkt.</p>



<p><strong>Klara:</strong> Anderntags kam überraschend Dete zum Alm-Öhi und nahm die achtjährige *<a href="#heidi">Heidi</a> mit sich nach Frankfurt. Dete hatte in F. die reiche Familie Sesemann kennen gelernt. Klara, die zwölfjährige Tochter des Geschäftsmannes Sesemann, saß gelähmt im Rollstuhl und wünschte sich eine Spielgefährtin.</p>



<p><strong>K<a id="kloster"></a>loster:</strong> – <strong>2)</strong> Der britische Franziskanermönch William von Baskerville und sein junger öster­reichischer Schüler, der Novize Adson von Melk, erreichten 1327 ein einsam in den Bergen gelegenes Clunia­zenserkloster in Norditalien. William sollte dort ein Streitgespräch zwischen dem Franziskaner­general Michael von Cesena und einer Delegation des Papstes vorbereiten. Noch vor dem Klostertor lieferte er eine Kostprobe seines detektivischen Scharfsinnes ab, indem er ein entlaufenes *<a href="#pferd">Pferd</a> beschreiben konnte, ohne es gesehen zu haben. Kurz vor seiner Ankunft war einer der Mönche unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommen; der Abt bat William, den Fall aufzuklären. William erkannte gleich, dass der Mönch ermordet worden war. Kurz danach wurden zwei weitere junge Mönche ermordet aufgefunden; beide mit Symptomen einer Ver­giftung. Einige Indizien deuteten auf eine Beziehungstat unter Homosexuellen hin, doch William glaubte nicht daran. Die älteren Mönche deuteten die Mordserie als Vorzeichen der Apokalypse, weil es in der Inszenie­rung der Leichen Parallelen zur Offenbarung des Johannes gab. Der dritte Tote war Gehilfe des Bibliothekars gewesen. William verfolgte eine Spur, die auf die Bibliothek des Klosters hindeutete. Diese war berühmt, weil sie viele äußerst seltene Abschriften von Werken antiker Autoren enthielt. Nur der Bibliothekar und sein Gehilfe hatten Zugang zum Magazin der Bibliothek und wussten, wie man die Bücher dort fand. Adson begegnete eines Nachts in der Küche einem Bauernmädchen aus dem Dorf, das gelegentlich auf geheimen Wegen ins Kloster kam, um beim Cellerar ihre weiblichen Reize gegen Nahrungsmittel einzutauschen; die beiden verbrachten eine rauschende Liebesnacht miteinander. Unterdessen trafen Michael von Cesena und die päpstliche Delegation im Kloster ein, darunter der berüchtigte Inquisitor Bernard Gui. Dieser begann ebenfalls mit Ermittlungen, konzentrierte sich aber auf einige ehemalige Mystiker und Ketzer, die im Kloster Zuflucht gefunden hatten, sowie auf den Cellerar und das Bauernmädchen, das er alsbald als Hexe „entlarvte“ und zum Tode verurteilte. Während des Prozesses wurde der Botanikus Severin erschlagen, kurz nachdem er William eine Nachricht hatte zukommen lassen. In seiner Werkstatt stieß Adson auf ein merkwürdiges Buch, das kurze Zeit später wieder verschwand. William ermittelte, dass der Bibliothekar Severin erschlagen haben musste, und dass es dabei um dieses Buch gegangen war. Anderntags starb auch der Bibliothekar, offenbar vergiftet. In der Nacht drangen William und Adson in die Bibliothek ein, und es gelang ihnen, das Geheimnis ihres Labyrinths zu entschlüsseln und bis in den innersten Raum vorzudringen. Dort wartete der blinde Mönch Jorge von Burgos auf sie, die graue Eminenz des Klosters, auf dem Tisch das geheimnisvolle Buch: Es war das verschollene zweite Buch des Aristo­teles zur Poetik, das von der Komödie handelt. William rührte es nicht an, da er bereits erraten hatte, dass die Buchseiten vergiftet und alle, die darin geblättert hatten, gestorben waren. Jorge bekannte sich zu den Morden; die Schrift des Aristoteles sei so antichristlich, dass unbefugte Leser nur durch physisches Gift vor dem geistigen Gift des Buches geschützt werden könnten. Jorge löschte die Lampe und war als Blinder im Dunkeln im Vorteil; es gelang ihm, das Buch zu verbrennen, wobei die ganze Bibliothek Feuer fing. Das Feuer griff schließlich auch auf die Kirche über und vernichtete das ganze Kloster. Das verurteilte Bauernmädchen konnte im Chaos entkommen, der Inquisitor kam ums Leben. &amp; <em>Umberto Eco: Der Name der Rose (Il nome della rosa), Roman, Italien 1980 (dt. 1982 v. Burkhart Kroeber) – Verfilmt v. Jean-Jaques Annaud, BRD/Frankreich/Italien 1986</em></p>



<p><strong>K<a id="köln"></a>öln: </strong>1) Der Kölner *<a href="#rundfunk">Rundfunkredakteur</a> Dr. Murke fuhr jeden Morgen mit dem Paternoster…</p>



<p><strong>König:</strong> Zur Zeit König Ludwigs XIV. beunruhigten mehrere Mordserien die Stadt Paris: Zuerst eine Reihe von Giftmorden; dann wurden regelmäßig Männer, die nachts unterwegs waren, um ihre Geliebte mit einem *<a href="#juwelen">Juwelen</a>-Geschenk zu überraschen, unterwegs überfallen, erstochen und ausgeraubt. Man vermutete eine Bande dahinter, und ein Sondertribunal rief nach neuen Vollmachten. Der K. zögerte jedoch. Man beschwor ihn, im Namen der Galanterie den verängstigten Kavalieren beizustehen. Als der K. sie nach ihrer Meinung dazu fragte, erwiderte das Fräulein von Scuderi, eine alte Dichterin, bei Hofe: Ein Liebhaber, der die Diebe fürchte, sei der Liebe nicht würdig.</p>



<p><strong>Korinth: </strong>Das Orakel von Delphi prophezeite Laios, dem König von Theben, dass sein Sohn ihn dereinst töten und seine Frau heiraten werde. Darauf ließ Laios dem Neugeborenen die Füße durchstechen und zusammenbinden und befahl einem Hirten, ihn im Gebirge auszusetzen. Doch der Hirte hatte Mitleid und übergab das verstoßene Kind dem Königspaar von K. Das Paar adoptierte das Kind und nannte es nach seinen geschwollenen Füßen *<a href="#oedipus">Ödipus</a>. &amp;<em> </em><em>Sophokles: Ödipus der Tyrann. Tragödie, Griechenland um 350 v. Chr.</em></p>



<p><strong>Kornsack:</strong> Der junge Kirgise Danijar, der als verwundeter Soldat in den Aul, das Kirgisendorf, gekommen war, die junge Kirgisin Dshamilja und der halbwüchsige Said, jüngerer Bruder von Dshamiljas Verlobtem, mussten im Zweiten Weltkrieg Kornsäcke aus dem Aul mit Pferde-*<a href="#wagen">Wagen</a> zur Bahnstation transportieren. Dshamilja und Said spielten Danijar, dem Sonderling, einen üblen Streich: Sie deponierten unter seinen Kornsäcken einen überschweren Zwei-Zentner-Sack. In der Bahnstation musste jeder Sack über einen schwankenden Steg zur Spitze des Kornspeichers getragen werden. Danijar lud sich den Zwei-Zentner-Sack auf, verweigerte jede Hilfe und trug ihn schwankend bis nach oben, obwohl sein verwundetes Bein immer wieder versagte. Alle bangten mit ihm und befürchteten, dass er abstürzt, doch er schaffte es. Dshamilja hatte danach ein furchtbar schlechtes Gewissen ihm gegenüber. [Schlüsselszene aus:] &amp; <em>Tschingis Aitmatow: Dshamilja. Erzählung, UdSSR 1958 (*</em><a href="#wagen"><em>Wagen</em></a><em>)</em></p>



<p><strong>Krämer:</strong> Der *<a href="#kalif">Kalif</a> Chasid ließ den Krämer, den sein Großwesir gesehen hatte, in den Palast holen und kaufte schließlich zwei prächtige Pistolen für sich selbst und den Wesir und einen goldenen Kamm für dessen Frau. In einer Schublade entdeckte er noch eine Dose mit einem geheimnisvollen schwarzen Pulver und ein Pergament…</p>



<p><strong>Kunst:</strong> Ein *<a href="#rundfunk">Rundfunk</a>-Redakteur zuckte jedes Mal hysterisch zusammen, wenn er das Wort »K.« hörte.</p>



<p><strong>Labyrinth:</strong> Die berühmte Bibliothek eines Cluniazenser-*<a href="#kloster">Klosters</a> in Norditalien war wie ein L. angelegt, um zu verhindern, dass wissenshungrige Mönche dort eigenmächtig nach seltenen Büchern forschen konnten. Dem Franziskanermönch William von Baskerville gelang es, das Geheimnis des L. zu entschlüsseln und in den geheimen Innenraum »Finis Africae« vorzudringen.</p>



<p><strong>Lachen:</strong> Mit einem Zauberpulver und einem Zauberwort verwandelten sich *<a href="#kalif">Kalif</a> Chasid und sein Großwesir in Störche. Da sie während der Verwandlung lachen mussten, vergaßen sie das Zauberwort und konnten sich nicht mehr zurück verwandeln.</p>



<p><strong>Laios:</strong> Das Orakel von Delphi prophezeite L., dem König von Theben, dass sein Sohn ihn dereinst töten und seine Frau heiraten werde. Darauf ließ Laios dem Neugeborenen die Füße durchstechen und zusammenbinden und befahl einem Hirten, ihn im Gebirge auszusetzen. Doch der Hirte hatte Mitleid und übergab das verstoßene Kind dem Königspaar von Korinth. Das Paar adoptierte das Kind und nannte es nach seinen geschwollenen Füßen *<a href="#oedipus">Ödipus</a>. &amp;<em> </em><em>Sophokles: Ödipus der Tyrann. Tragödie, Griechenland um 350 v. Chr.</em></p>



<p><strong>L<a id="lehrer"></a>ehrer:</strong> L. als Hauptpersonen kommen vor bei &amp;<em> </em><em>Heinrich Mann: Professor Unrat. Roman, Deutschland 1905 (s. u.) – </em>&nbsp;&amp; <em>Ödön v. Horváth: Jugend ohne Gott. Roman, A 1937 (s.u.)</em> – &amp;<em> </em><em>Hermann Kant: Die Aula. Roman, DDR 1965 – </em>&nbsp;&amp;<em> </em><em>Alfred Wellm: Pause für Wanzka oder die Reise nach Descansar. Roman, DDR 1968 – </em>&amp;<em> Tschingis Aitmatow: Ein Tag länger als das Leben. Roman, UdSSR 1981 </em>(*<a href="#steppe">Steppe</a>).<em></em></p>



<p><strong>Lehrer (1905): </strong>Der alte L. Professor Raat wurde von den meisten Schülern, Ex-Schülern und sogar von Kollegen »Unrat« genannt, da er sich immer aufregte, wenn er dieses Wort hinter seinem Rücken rufen hörte. Professor Unrat war ein Tyrann und von Hass gegen seine Schüler und die ganze Hafenstadt erfüllt. Er sah es als seine Lebensaufgabe an, Schüler – vor allem die Sprösslinge angesehener und wohlhabender Familien – mit unlösbaren Klausur­aufgaben „hineinzulegen“, ihnen die Karriere zu erschweren und vor allem diejenigen zu „fassen“, die ihn Unrat genannt hatten. Eines Tages erwischte er den Schüler von Ertzum, der eindeutig in seine Richtung „Unrat“ gerufen hatte, und drohte ihm an, ihm die geplante Offizierslaufbahn zu verbauen. Ertzums Freund Lohmann ging, um diesen zu schützen, zum Gegenangriff über, lieferte bei der Deutsch­klausur, in der es um Schillers Drama „Die Jungfrau von Orleans“ ging, eine provozierend kurze, geistreiche und respektlose Antwort auf die hinterlistige Frage des Lehrers ab und beschwerte sich bei Raat direkt über den Geruch von Unrat. Raat beschloss, dass dieser intelligente, widerborstige und poetisch veranlagte Schüler der bei weitem schlimmste Aufrührer und Erzfeind und unter allen Umständen zu vernichten sei. Lohmann hatte mit der Klausur versehentlich drei Zeilen einer selbstgedichteten Hymne auf die „verruchte Künstlerin Rosa Fröhlich“ abgegeben, bei der er anscheinend verkehrte. Raat machte sich daran, diese Schauspielerin dingfest zu machen, um Lohmann zu vernichten. Er fand sie in einem Tingeltangel namens „Blauer Engel“. Doch bald erlag Raat selber dem Charme der Dame, vor allem ihrer zwanglosen Lebensart, und verliebte sich in sie. Rosa verkehrte unterdessen weiter gelegentlich mit den Schülern, und bei einer nächtlichen Eskapade dieser Art beschädigten drei von ihnen, darunter Lohmann und von Ertzum, ein Hünengrab. Sie wurden erwischt und vor Gericht gestellt. Raat hielt als Zeuge vor Gericht eine flammende Philippika gegen seine „verkommenen“ Schüler und gegen deren Familien, mit der er sich in der Stadt unmöglich machte, zumal sein eigener Umgang mit Rosa Fröhlich bekannt war. Auch diese hatte einen Auftritt vor Gericht, der das Publikum ebenso beeindruckte wie erheiterte. Raat wurde von seiner Schule entlassen und schloss sich Rosas Tingeltangelbetrieb an. Die beiden eröffneten mit geliehenem Geld ein Spielkasino, in dem Männer aus den besten Familien verkehrten und viel Geld verspielten – Unrats Rache. Rosa versuchte immer wieder, selber eine Liebe für ihr »Unratchen« zu entwickeln, nahm sogar Griechischstunden bei ihm, aber sein destruktives Tyrannentum stieß sie ab. Eines Tages tauchte Lohmann bei ihr auf, und sie flirtete mit ihm; der allerdings blieb auf Distanz. Raat erwischte die beiden, bekam endlich seinen Lohmann zu fassen und entriss ihm die Brieftasche. Als Räuber wurde Raat zusammen mit Rosa festgenommen, und endlich erscholl der „Unrat“-Ruf, der ihm folgte, mit vollem Recht. &amp; <em>Heinrich Mann: Professor Unrat. Roman, Deutschland 1905 (verfilmt unter dem Titel »Der blaue Engel« v. Josef von Sternberg, mit Emil Jannings und der jungen Marlene Dietrich in den Hauptrollen, Deutschland 1931)</em></p>



<p><strong>Lesen:</strong> Als Herr Sesemann wieder abgereist war, kam seine Mutter zu Besuch, Klaras Großmama. Die gewann *<a href="#heidi">Heidi</a> lieb und schaffte es, mit Hilfe von Bilderbüchern Heidis Widerstand gegen das Lesenlernen zu überwinden.</p>



<p><strong>Liebe: </strong>*Liebespaare gibt es unzählige in den Erzählungen. Zur L. in einem weiteren Sinne z.&nbsp;B.: <strong>1)</strong> Auf einem<strong> </strong>Pferde-*<a href="#wagen">Wagen</a> saßen der junge Kirgise Danijar und die junge Kirgisin Dshamilja nebeneinander. Danijar sang mit kräftiger Stimme ein Lied nach dem anderen in die nächtliche Steppe, Lieder, in denen sich seine ganze Liebe zur Heimat, zur Erde und zu Dshamilja&nbsp; entfaltete. Dshamilja war erschüttert von der Kraft dieser Lieder und lehnte ihren Kopf weinend gegen Danijars Schulter. Sie war voller Glück über die gefundene Liebe und voller Unglück, weil diese Liebe nicht sein durfte. Zeuge der Szene war der halbwüchsige Junge Said, und Said beschloss, das Liebespaar auf dem Wagen in der nächtlichen Landschaft zu malen…</p>



<p><strong>Liebesnacht:</strong> Der britische Franziskanermönch William von Baskerville und sein junger öster­reichischer Schüler, der Novize Adson von Melk, erreichten 1327 ein einsam in den Bergen gelegenes Cluniazenser-*<a href="#kloster">Kloster</a> in Norditalien. Adson begegnete eines Nachts einem Bauernmädchen aus dem Dorf, das gelegentlich auf geheimen Wegen ins Kloster kam, um beim Cellerar ihre weiblichen Reize gegen Nahrungsmittel einzutauschen; die beiden verbrachten eine rauschende L. miteinander.</p>



<p><strong>Lieder: </strong>Auf einem<strong> </strong>Pferde-*<a href="#wagen">Wagen</a> saßen der junge Kirgise Danijar und die junge Kirgisin Dshamilja nebeneinander. Danijar sang mit kräftiger Stimme ein Lied nach dem anderen in die nächtliche Steppe, Lieder, in denen sich seine ganze Liebe zur Heimat, zur Erde und zu Dshamilja&nbsp; entfaltete. Dshamilja war erschüttert von der Kraft dieser Lieder und lehnte ihren Kopf weinend gegen Danijars Schulter…</p>



<p><strong>Lohmann,</strong> ein Schüler, der dem verhassten *<a href="#lehrer">Lehrer</a> Professor Raat, genannt Professor Unrat, die Stirn bot</p>



<p><strong>M<a id="mädchen"></a>ädchen:</strong> <strong>1)</strong> Bekannte Mädchenfiguren sind *Rotkäppchen (Grimms Märchen); Aschenputtel bei *Frau Holle (Grimms Märchen); Margarete bei *Faust (J. W. Goethe); Lisei, die Tochter des *Puppenspielers (Th. Storm); *<a href="#heidi">Heidi</a> (J. Spyri); das doppelte *Lottchen (E. Kästner); *Pippi Langstrumpf (A. Lindgren); Hatçe, die Geliebte des türkischen Bauernjungen *Memed (Y. Kemal); *Hanni und Nanni (E. Blyton); *<a href="#momo">Momo</a> (M. Ende); das Bauern-M. im *<a href="#kloster">Kloster</a> (U. Eco). Vgl. *<a href="#kinder">Kinder</a> – <strong>2) </strong>In einem kleinen Amphitheater am Rande einer großen Stadt in Südeuropa quartierte sich eines Tages ein vagabundierendes M. namens *<a href="#momo">Momo</a> ein. –</p>



<p><strong>Malen: </strong>Auf einem<strong> </strong>Pferdewagen<strong> </strong>saßen der junge Kirgise Danijar und die junge Kirgisin Dshamilja nebeneinander. Danijar sang mit kräftiger Stimme ein Lied nach dem anderen in die nächtliche Steppe, Lieder, in denen sich seine ganze Liebe zur Heimat, zur Erde und zu Dshamilja&nbsp; entfaltete. Dshamilja war erschüttert von der Kraft dieser Lieder und lehnte ihren Kopf weinend gegen Danijars Schulter. Sie war voller Glück über die gefundene Liebe und voller Unglück, weil diese Liebe nicht sein durfte. Zeuge der Szene war der halbwüchsige Junge Said, und Said beschloss, das Liebespaar auf dem Wagen in der nächtlichen Landschaft zu malen…</p>



<p><strong>Manieren:</strong> Die Haushälterin des Hauses Sesemann in Frankfurt fühlte sich betrogen, weil die achtjährige *<a href="#heidi">Heidi</a> keine Ahnung von großbürgerlichen M. hatte.</p>



<p><strong>Meister&nbsp;Hora:</strong> Die Schildkröte Kassiopeia führte das Mädchen *<a href="#momo">Momo</a> sicher ins Nirgend-Haus zu M. H., wo sie ein köstliches Frühstück genoss. Aus diesem Haus kam, wie M. H. ihr sagte, die Zeit aller Menschen, und M. H. teilte jedem Menschen seine Zeit zu. Später wurde das Haus von den grauen Herren belagert, und M. H. musste den Strom der Zeit für eine Stunde abstellen.</p>



<p><strong>Mekka:</strong> Der in einen Storch verwandelte *<a href="#kalif">Kalif</a> und sein Großwesir machten sich auf den Weg nach Mekka, um dort vielleicht Rettung zu finden.</p>



<p><strong>Mitleid:</strong> In der Silvesternacht 1931/32 in *<a href="#berlin">Berlin</a> entschloss sich das Mädchen Doris, ein einziges Mal Geld für die Nacht zu nehmen, um sich ein Startkapital zu schaffen. Der Mann, ein schüchterner Intellektueller, der gerade von seiner Frau verlassen worden war, nahm sie aus M. mit nach Hause und wollte gar nicht mit ihr schlafen.</p>



<p><strong>M<a id="momo"></a>omo:</strong> Am Rande einer großen Stadt in Südeuropa gab es ein kleines antikes Amphitheater. Dort quartierte sich eines Tages ein vagabundierendes Mädchen namens Momo ein, das keine Familie hatte. Die Nachbarn freundeten sich mit ihr an, halfen ihr mit Möbeln und Essen und stellten bald fest, dass Momo eine ungewöhnliche Eigenschaft hatte: Sie konnte so gut zuhören, dass Kindern und Erwachsenen die besten Ideen kamen, dass Zögernde zu einem Entschluss kamen, Schüch­terne mutig wurden und Zer­strittene sich versöhnten. Momos engste Freunde waren der schweig­same, wunderliche Beppo Straßenkehrer und der quirlige, leichtfertige Gigi Fremdenführer. Gigi erzählte den wenigen Touristen, die dort hin kamen, gerne die phan­tastischsten Geschichten, und dank Momo fielen ihm immer bessere Geschichten ein. In der Stadt jedoch vollzog sich ein schrecklicher Wandel: Die Menschen wurden immer gehetzter und un­freundlicher. Dahinter steckten die grauen Herren, die sich als Agenten der „Zeit-Spar-Kasse“ ausgaben und die Menschen dazu überredeten, Zeit für die Zukunft zu sparen, indem sie alle angeblich überflüssigen, nutzlosen Tätigkeiten aufgaben. Einer davon sprach eines Tages Momo an und versuchte, auch sie zum Zeitsparen zu überreden, wobei er ständig eine Zigarre rauchte. Momo hörte ihm zu, und so kam es, dass er ihr das Geheimnis der grauen Herren verriet: In Wirklichkeit sparten sie die Zeit der Menschen nicht für diese auf, sondern stahlen sie und lebten davon. Momo erzählte ihr Erlebnis ihren Freunden und den Kindern. Die Kinder, die bereits gemerkt hatten, wie sehr sie von ihren Eltern vernachlässigt wurden, zogen in einem Demonstrationszug durch die Stadt, um die Erwachsenen zum Amphitheater einzuladen und dort über die Machenschaften der „Zeit-Spar-Kasse“ aufzuklären. Doch kein Erwachsener erschien zur Versammlung. Die Kinder und auch Beppo und Gigi ließen Momo allein. Spät in der Nacht tauchte die Schildkröte Kassiopeia bei Momo auf. Sie Sie konnte stets die nächste halbe Stunde voraussehen und sprach mit Momo, indem sie Wörter auf ihrem Panzer erscheinen ließ. Auf verschlungenen Wegen führte sie Momo quer durch die große Stadt. Beppo Straßenkehrer, der zu einer Nachtschicht auf die große Müllhalde der Stadt kommandiert worden war, wurde dort Zeuge einer Versammlung von grauen Herren: eine Gerichtsverhandlung, bei der der Agent, der Momo angesprochen hatte, wegen Hochverrats zum Entzug sämtlicher Zeit verurteilt wurde. Man entriss ihm seine Zigarre, und er löste sich in Rauch auf. Vorher allerdings hatte er die anderen vor Momo und ihrer ungewöhnlichen Fähigkeit gewarnt. Die grauen Herren fuhren zum Amphitheater, fanden Momo nicht und starteten eine große Suchaktion. Kassiopeia führte Momo sicher ins Nirgend-Haus zu Meister Hora, wo sie ein köstliches Frühstück aus Semmeln, Butter, Honig und Trinkschokolade genoss. Aus diesem Haus kam, wie Meister Hora ihr sagte, die Zeit aller Menschen, und Meister Hora teilte jedem Menschen seine Zeit zu. Mit seiner Allsichtbrille konnte er alles sehen, was draußen vor sich ging. Er zeigte Momo die Stunden-Blumen in ihrem eigenen Herzen: Ihre Zeit nahm dort die Gestalt herrlicher Blumen an, die jeweils für eine Stunde aus einem dunklen Teich aufsteigen und wieder verblühen. Eine von oben kommende Säule aus klingendem Licht lässt die Stunden-Blumen entstehen. Im Klang dieses Lichts hörte Momo Gold, Silber und alle Metalle singen und sogar die Sonne, den Mond und die Sterne zu ihr sprechen. Da sie ihren Freunden erzählen und vorsingen wollte, was sie gehört hatte, ließ sie sich von Meister Hora in einen einjährigen Schlaf versetzen. Mit dem Gefühl, dass nur ein Tag vergangen sei, wachte sie in ihrem Amphitheater wieder auf und fand ihre Freunde nicht mehr wieder – nur Kassiopeia, die Schildkröte. Gigi Fremdenführer war plötzlich berühmt geworden, trug seine Geschichten im Fernsehen vor, und da ihm keine neuen mehr einfielen, erzählte er auch die, die er nur für Momo gedichtet hatte, und begann schließlich, alle Geschichten ein zweites Mal zu erzählen, wobei er alle Selbstachtung verlor. Beppo Straßenkehrer hatte der Polizei von Momos angeblicher Entführung durch die grauen Herren erzählt und wurde in ein Sanatorium gesteckt. Dort machte ihm ein grauer Herr eines Nachts das Angebot, er könne gegen 100.000 Stunden eingesparter Zeit Momo freikaufen. Man ließ ihn laufen, und er dachte nur noch ans Straßenkehren und Zeitsparen. Die Kinder wurden alle in Kinder-Depots gesteckt, wo man sie den ganzen Tag zu nützlichen Spielen anhielt. Momo erfuhr diese Dinge von Nino, dem Wirt, der inzwischen ein Schnellrestaurant führte. Nino saß an der Kasse, und um mit ihm sprechen zu können, musste sich Momo dreimal in die Schlange der Gäste stellen und wurde stets schon nach wenigen Sätzen von den Wartenden weitergeschoben. Momo ging zu Gigis Villa auf dem Grünen Hügel. Gigis Auto kam herausgefahren, es gab ein kurzes, trauriges Wiedersehen, Gigi nahm Momo auf der Fahrt zum Flugplatz mit, aber seine Sekretärinnen hinderten ihn daran, privat mit Momo zu sprechen. Weil alles so schnell gegangen war, hatte sie auch Kassiopeia verloren und war nun völlig allein. Auch den Weg zu Meister Hora fand sie nicht. Monate später umstellten sie die grauen Herren um Mitternacht auf einem großen, leeren Platz und boten ihr an, ihr alle Freunde zurückzugeben, wenn sie sie zu Meister Hora führen würde. Dort wollten sie sich die gesamte Zeit aller Menschen aneignen und nur Momo und ihre Freunde verschonen. Momo sagte ihnen, nur die Schildkröte Kassiopeia kenne den Weg. Als die Herren weg waren, tauchte Kassiopeia wieder auf und führte Momo zu Meister Hora. Leider zeigte sie dabei auch den grauen Herren, die den beiden insgeheim folgten, den Weg. Die grauen Herren belagerten das Nirgend-Haus. Ihre Zigarren bestanden, wie Meister Hora wusste, aus getrockneten Stunden-Blumen. In der Not entschloss er sich dazu, den Strom der Zeit anzuhalten. Die ganze Welt blieb stehen; nur die grauen Herren, Kassiopeia und Momo konnten sich noch bewegen – Momo hatte eine Stunden-Blume in der Hand. Sie hatte eine Stunde Zeit, um die grauen Herren zu besiegen und die von ihnen gestohlene und eingefrorene Zeit der Menschen zu befreien. Die grauen Herren zogen sich in ihre Zentrale zurück und Momo folgte ihnen. Unterwegs in der Stadt traf sie Beppo Straßenkehrer wieder: aber erstarrt. In ihrer unterirdischen Zentrale dezimierten sich die grauen Herren selbst bis auf sechs Mann, um die Notzeit länger überstehen zu können. Momo schlich sich an ihnen vorbei und schloss mit Hilfe ihrer Stunden-Blume die Tür zum Zeitspeicher, wo alle geraubten Stunden-Blumen in gefrorenem Zustand lagen. Auf der Jagd nach Momo und ihrer Stunden-Blume verloren die sechs Herren ihre Zigarren und lösten sich auf. Momo öffnete die Tür, die Stunden-Blumen tauten auf und kehrten wie ein warmer Frühlingswind zu ihren Menschen zurück. Alle Menschen hatten plötzlich ganz viel Zeit. Momo traf Beppo wieder, und beide gingen glücklich zum Amphitheater, wo Gigi und alle Freunde schon auf sie warteten. &amp; <em>Michael Ende: Momo. Roman, BRD 1973 (verfilmt v. Johannes Schaaf, BRD 1986)</em></p>



<p><strong>mondsüchtig:</strong> *<a href="#heidi">Heidi</a> wurde in Frankfurt vom Heimweh immer unglücklicher, aß kaum noch etwas und wurde zuletzt mondsüchtig. Sie öffnete jede Nacht die Haustür von innen.</p>



<p><strong>Mordserie:</strong> <strong>1)</strong>&nbsp; Zur Zeit Ludwigs XIV. wurden in Paris Höflinge und reiche Edelleute, die beim Goldschmied Cardillac *<a href="#juwelen">Juwelen</a> gekauft haben, regelmäßig nachts des Schmuckes beraubt und ermordet. <strong>2)</strong> Anno 1327 wurden in einem Cluniazenser-*<a href="#kloster">Kloster</a> in Norditalien mehrere Mönche unter mysteriösen Umständen vergiftet. Die älteren Mönche deuteten die M. als Vorzeichen der Apokalypse, weil es in der Inszenie­rung der Leichen Parallelen zur Offenbarungdes Johannes gab.&nbsp; Dem Franziskanermönch William von Baskerville und seinem Schüler Adson von Melk gelang es, die M. aufzuklären. Die Tatwaffe war ein geheimnisvolles Buch, dessen Seiten vergiftet waren. <strong>3)</strong> Kurz nachdem der *<a href="#parfum">Parfumeur</a> Grenouille in Grasse eine Anstellung als Geselle gefunden hatte, begann in der Umgebung eine Serie von Mädchenmorden.</p>



<p><strong>Müllhalde:</strong> Beppo Straßenkehrer war zu einer Nachtschicht auf die große M. kommandiert worden. Dort wurde er Zeuge einer Gerichtsverhandlung der grauen Herren. Der Agent, der dem Mädchen *<a href="#momo">Momo</a> das Geheimnis der grauen Herren verraten hatte, wurde verurteilt und löste sich in Rauch auf.</p>



<p><strong>Murke:</strong> Der berühmte Professor Bur-Malottke wollte einen seiner schwülstigen&nbsp; *<a href="#rundfunk">Rundfunk</a>-Vorträge überarbeiten lassen, weil darin das Wort »Gott« vorkam. Der Rundfunk­redakteur Dr. Murke bekam die unangenehme Aufgabe, das zu organisieren. <em>Doktor Murkes gesammeltes Schweigen. Satire v. Heinrich Böll, BRD 1955</em></p>



<p><strong>Mystiker:</strong> Anno 1327 hatten einige ehemalige Mystiker und Ketzer, darunter der berühmte Ubertin von Casale, in einem einsam gelegenen Cluniazenser-*<a href="#kloster">Kloster</a> in Norditalien Zuflucht gefunden. Dort entdeckte sie der britische Franziskanermönch William von Baskerville und später leider auch der päpstliche Großinquisitor Bernard Gui.</p>



<p><strong>Nazi:</strong> Ein berühmter Professor, ein zum katholischen Glauben konvertierter ehemaliger N., wollte seine *<a href="#rundfunk">Rundfunk</a>-Vorträge überarbeiten lassen, weil darin das Wort »Gott« vorkam.</p>



<p><strong>Novize:</strong> Der britische Franziskanermönch William von Baskerville und sein junger öster­reichischer Schüler, der Novize Adson von Melk, erreichten 1327 ein einsam in den Bergen gelegenes Cluniazenser-*<a href="#kloster">Kloster</a> in Norditalien. William sollte dort ein Streitgespräch zwischen dem Franziskanergeneral Michael von Cesena und einer Delegation des Papstes vorbereiten.</p>



<p><strong>Obdachlosigkeit:</strong> In *<a href="#berlin">Berlin</a> brachte sich das Mädchen Doris illegal über die Runden, indem sie sich immer wieder von Männern einladen ließ. Selbstkritisch beobachtete sie ihren eigenen Abstieg in die O. und an den Rand der Prostitution. In der Silvesternacht entschloss sie sich, ein einziges Mal Geld für die Nacht zu nehmen, um sich ein Startkapital zu schaffen.</p>



<p><strong>Ö<a></a>dipus<a id="oedipus"></a>:</strong> Das Orakel von Delphi prophezeite Laios, dem König von Theben, dass sein Sohn ihn dereinst töten und seine Frau heiraten werde. Darauf ließ Laios dem Neugeborenen die Füße durchstechen und zusammenbinden und befahl einem Hirten, ihn im Gebirge auszusetzen. Doch der Hirte hatte Mitleid und übergab das verstoßene Kind dem Königspaar von Korinth. Das Paar adoptierte das Kind und nannte es nach seinen geschwollenen Füßen Ödipus. So wuchs Ödipus in Korinth auf, ohne von seiner Herkunft zu wissen. Als ihm ein Orakel verkündete, dass er seinen Vater töten werde, verließ er aus Sorge um seinen vermeintlichen Vater Korinth und machte sich auf den Weg nach Theben. Unterwegs begegnete er an einer Wegekreuzung dem mit kleinem Gefolge reisenden Laios; dieser hielt Ödipus für einen Räuber und wollte ihn nicht durchlassen. Ödipus erschlug ihn und die meisten seiner Gefolgsleute, womit sich die erste Prophezeiung erfüllte. Ödipus gelang es, das Rätsel der Sphinx zu lösen und so Theben von der Sphinx zu befreien. Zur Belohnung wurde er zum König von Theben ernannt und bekam Iokaste, seine Mutter, zur Frau. Die zweite Prophezeiung erfüllte sich. Von ihrer Verwandtschaft nichts wissend, hatten die beiden vier Kinder miteinander. Als nach einigen glücklichen Jahren in Theben eine Seuche ausbrach, verkündete das Orakel von Delphi, der Mörder des Laios müsse gefunden werden. Ödipus untersuchte den Fall und fand heraus, dass er selbst der gesuchte Mörder war und seine eigene Mutter geheiratet hatte. Darauf erhängte sich Iokaste und Ödipus blendete sich. &amp;<em> </em><em>Sophokles: Ödipus der Tyrann. Tragödie, Griechenland um 350 v. Chr.</em></p>



<p><strong>Offenbarung:</strong> Anno 1327 wurden in einem Cluniazenser-*<a href="#kloster">Kloster</a> in Norditalien mehrere Mönche unter mysteriösen Umständen vergiftet. Die älteren Mönche deuteten die Mordserie als Vorzeichen der Apokalypse, weil es in der Inszenie­rung der Leichen Parallelen zur Offenbarungdes Johannes gab.&nbsp; Dem Franziskanermönch William von Baskerville und seinem Schüler Adson von Melk gelang es, die Mordserie aufzuklären. Die Tatwaffe war ein geheimnisvolles Buch, dessen Seiten vergiftet waren.</p>



<p><strong>Orakel: </strong>Das O. von Delphi prophezeite Laios, dem König von Theben, dass sein Sohn ihn dereinst töten und seine Frau heiraten werde. Darauf ließ Laios dem Neugeborenen die Füße durchstechen und zusammenbinden und befahl einem Hirten, ihn im Gebirge auszusetzen. Doch der Hirte hatte Mitleid und übergab das verstoßene Kind dem Königspaar von Korinth. Das Paar adoptierte das Kind und nannte es nach seinen geschwollenen Füßen *<a href="#oedipus">Ödipus</a>. &amp;<em> </em><em>Sophokles: Ödipus der Tyrann. Tragödie, Griechenland um 350 v. Chr.</em></p>



<p><strong>P<a id="paris"></a>aris:</strong> <strong>1)</strong> Zur Zeit König Ludwigs XIV. beunruhigten mehrere Mordserien die Stadt Paris: Zuerst eine Reihe von Giftmorden; dann wurden regelmäßig Männer, die nachts unterwegs waren, um ihre Geliebte mit einem *<a href="#juwelen">Juwelen</a>-Geschenk zu überraschen, unterwegs überfallen, erstochen und ausgeraubt. –</p>



<p><strong>Paternoster:</strong> Ein Kölner *<a href="#rundfunk">Rundfunk</a>-Redakteur fuhr jeden Morgen mit dem P. zuerst bis ganz nach oben, genoss dort die Angst, wenn sich die Kabine quietschend in die Gegenrichtung schob, und fuhr dann wieder hinunter zu seinem Büro.</p>



<p><strong>Pelz: </strong>Das Mädchen Doris wurde Schauspielschülerin und schaffte es durch einen Trick, eine Konkurrentin einzusperren und einmalig deren kleine Rolle auf der Bühne zu übernehmen, wo sie ihr Talent zeigte. Als die Sache aufflog und sie zudem einer Dame einen Feh (Pelz) gestohlen hatte, floh sie nach *<a href="#berlin">Berlin</a>.</p>



<p><strong>Pfarrer:</strong> Eines Tages stieg der Pf. zu Alm-Öhi hinauf, sein früherer Nachbar, als dieser noch unten im Dörfli gewohnt hatte. Der Pf. versuchte, den Alm-Öhi zu überzeugen, dass er im kommenden Winter *<a href="#heidi">Heidi</a> zur Schule schicken und selber wieder ins Dörfli hinunterziehen solle.</p>



<p><strong>P<a id="pferd"></a>ferd:</strong> Der britische Franziskanermönch William von Baskerville und sein Schüler, der Novize Adson von Melk, erreichten 1327 ein einsam in den Bergen gelegenes Cluniazenser-*<a href="#kloster">Kloster</a> in Norditalien. Noch vor dem Klostertor lieferte William eine Kostprobe seines detektivischen Scharfsinnes ab: Eine Gruppe von Mönchen, angeführt vom Cellerar des Klosters, kam den beiden entgegen, offenbar auf der Suche nach etwas. William konnte ihnen sagen, wo das entlaufene Pferd war, das sie suchten, wie es aussah und wie es hieß, ohne das Pferd selbst gesehen zu haben. Alles erschloss sich ihm aus Spuren, die er am Wege gesehen hatte, und aus den wenigen Worten des Cellerars. &amp; <em>Umberto Eco: Der Name der Rose (Il nome della rosa). </em><em>Eröffnungsszene des Romans, Italien 1980 (dt. 1982 v. Burkhart Kroeber) – Verfilmt v. Jean-Jaques Annaud, BRD/Frankreich/Italien 1986</em></p>



<p><strong>Pferdewagen,</strong> *<a href="#wagen">Wagen</a></p>



<p><strong>Professor:</strong> <strong>1)</strong> <em>P. Unrat. Roman v. Heinrich Mann, Deutschland 1905 (*</em><a href="#lehrer"><em>Lehrer</em></a><em>) </em>&nbsp;<strong>… 3)</strong> Der berühmte P. Bur-Malottke, ein früherer Nazi, wollte einen seiner schwülstigen&nbsp; *<a href="#rundfunk">Rundfunk</a>-Vorträge überarbeiten lassen, weil darin das Wort »Gott« vorkam. Der Rundfunkredakteur Dr. Murke bekam die unangenehme Aufgabe, das zu organisieren.</p>



<p><a><strong>Prostitution:</strong> In *</a><a href="#berlin">Berlin</a> brachte sich das Mädchen Doris illegal über die Runden, indem sie sich immer wieder von Männern einladen ließ. Selbstkritisch beobachtete sie ihren eigenen Abstieg in die Obdachlosigkeit und an den Rand der P. In der Silvesternacht entschloss sie sich, ein einziges Mal Geld für die Nacht zu nehmen, um sich ein Startkapital zu schaffen.</p>



<p><strong>Pulver:</strong> In einer Schublade des Krämers entdeckte *<a href="#kalif">Kalif</a> Chasid eine Dose mit einem geheimnisvollen schwarzen P. und ein Pergament mit einer fremdartigen Schrift. Er kaufte diese Dinge und ließ einen Gelehrten kommen, um die fremde Schrift zu entziffern. Durch Schnupfen des Pulvers konnte man sich in ein beliebiges Tier verwandeln.</p>



<p><strong>Raat, </strong>Professor, genannt Professor Unrat, war *<a href="#lehrer">Lehrer</a> in einem Gynmasium der Hafenstadt. Er führte einen Kleinkrieg gegen den Schüler Lohmann und verliebte sich in die Schauspielerin Rosa Fröhlich.</p>



<p><strong>Radio:</strong> *<a href="#rundfunk">Rundfunk</a></p>



<p><strong>Rätsel: </strong>*<a href="#oedipus">Ödipus</a> gelang es, das R. der Sphinx zu lösen und so Theben von der Sphinx zu befreien. Zur Belohnung wurde er zum König von Theben ernannt und bekam Iokaste, seine leibliche Mutter, zur Frau. Die Prophezeiung vom Inzest erfüllte sich. Von ihrer Verwandtschaft nichts wissend, hatten die beiden vier Kinder miteinander. &amp;<em> </em><em>Sophokles: Ödipus der Tyrann. Tragödie, Griechenland um 350 v. Chr.</em></p>



<p><strong>Raub:</strong> Zur Zeit König Ludwigs XIV. beunruhigten mehrere Mordserien die Stadt Paris: Zuerst eine Reihe von Giftmorden; dann wurden regelmäßig Männer, die nachts unterwegs waren, um ihre Geliebte mit einem *<a href="#juwelen">Juwelen</a>-Geschenk zu überraschen, unterwegs überfallen, erstochen und ausgeraubt.</p>



<p><strong>Rechtsanwalt: </strong>Das Mädchen Doris arbeitete in einer rheinischen Mittelstadt als Sekretärin bei einem R. und träumte davon, ein Glanz (Star) zu werden. Er entließ sie, als sie nicht mit ihm schlafen wollte. Später floh sie nach *<a href="#berlin">Berlin</a>.</p>



<p><strong>Rottenmeier:</strong> Das Haus Sesemann in Frankfurt, in das die achtjährige *<a href="#heidi">Heidi</a> gebracht wurde, wurde von einer schreckhaften Haushälterin, Fräulein R., geführt.</p>



<p><strong>Ruine:</strong> Auf dem Weg nach Mekka machten der in einen Storch verwandelte *<a href="#kalif">Kalif</a> und sein Großwesir in der Ruine eines alten Palastes Rast. Dort trafen sie eine weinende Eule, die ihre Sprache sprach und sich als verzaubert indische Prinzessin vorstellte.</p>



<p><strong>R<a id="rundfunk"></a>undfunk:</strong> Der Kölner Rundfunkredakteur Dr. Murke fuhr jeden Morgen mit dem Paternoster zuerst bis ganz nach oben, genoss dort die Angst, wenn sich die Kabine quietschend in die Gegenrichtung schob, und fuhr dann wieder hinunter zu seinem Büro. Eines Tages bekam er von seinem Chef den Auftrag, zwei anderthalbstündige Radiovorträge des berühmten Professors Bur-Marlottke über die Kunst zu überarbeiten. Bur-Marlottke war ein ehemaliger Nazi und nach dem Kriege heftig zum katholischen Glauben konvertiert. In den bereits aufgenommenen Vorträgen kam oft das Wort »Gott« vor. Jetzt aber hatte sich seine religiöse Einstellung wieder verändert, und er wollte nachträglich das Wort »Gott« durch die Formulierung »jenes höhere Wesen, das wir verehren« ersetzen. Murke war vom Abhören der unerträglich schwülstigen Vorträge so nervös geworden, dass er jedes Mal hysterisch zusammenzuckte, wenn er nur das Wort »Kunst« hörte. Er stellte fest, dass Bur-Marlottke das Wort »Gott« in verschiedenen grammatikalischen Fällen verwendet hatte, und beschloss, den unsympathischen Mann damit dezent zu quälen. Bur-Marlottke kam ins Tonstudio und musste nach den höflich vorgetragenen Anweisungen Murkes fünfzehn Mal ins Mikrofon sprechen: »jenes höhere Wesen, das wir verehren«; sieben Mal »jenes höheren Wesens, das wir verehren«; fünf Mal »jenem höheren Wesen, das wir verehren«; und einmal »Oh du höheres Wesen, das wir verehren«. Murke zog die Prozedur genüsslich in die Länge. Dennoch ging Bur-Malottke danach zum Intendanten und verlangte zu dessen stillem Entsetzen, dass alle Vorträge, die er seit 1945 gehalten hatte, entsprechend überarbeitet werden müssten. Unterdessen erlebte der Tontechniker eine Sternstunde: Ein Regisseur brachte ihm eine Hörspielszene, in der ein Atheist in eine hallende Kirche hineinruft: »Wer denkt noch an mich, wenn ich der Würmer Raub geworden bin?« Die Antwort auf diese und ähnliche Fragen war Schweigen. Regisseur und Autor wollten das Schweigen jedoch am liebsten durch eine Stimme ersetzen, die ohne Hall »Gott« sagt. Damit konnte der Tontechniker dienen: Er hatte noch 27 Tonbandschnipsel, auf denen Bur-Malottke »Gott« sagte. Die herausgeschnittenen Schweige­sekunden bewahrte er für Dr. Murke auf, der einen Spleen hatte: Er sammelte Tonbandschnipsel, auf denen nur das Schweigen von Menschen zu „hören“ war und die man beim Schneiden von Rundfunkbeiträgen weggeschnitten hatte. Dieses „gesammelte Schweigen“ hörte er sich abends an, um sich von der geschwätzigen Hektik des Tagesgeschäfts zu erholen. &amp; <em>Heinrich Böll: Doktor Murkes gesammeltes Schweigen. Satire, BRD 1955. Verfilmt v. Hess. Rundfunk (Rolf Hädrich) 1964.</em></p>



<p><strong>Schauspielerin:</strong> <strong>1) </strong>Der *<a href="#lehrer">Lehrer</a> Professor Raat machte sich daran, eine Schauspielerin dingfest zu machen, für die sein Schüler Lohmann eine Hymne gedichtet hatte. Auf diese Weise wollte er Lohmann fertig machen. Er fand sie schließlich in einem Tingeltangel namens „Blauer Engel“. Doch bald erlag Raat selber dem Charme der Dame und verliebte sich in sie.</p>



<p><strong>Schauspielschülerin:</strong> Das Mädchen Doris wurde Sch. und schaffte es durch einen Trick, eine Konkurrentin einzusperren und einmalig deren kleine Rolle auf der Bühne zu übernehmen, wo sie ihr Talent zeigte. Als die Sache aufflog und sie zudem einer Dame einen Feh (Pelz) gestohlen hatte, floh sie nach *<a href="#berlin">Berlin</a>.</p>



<p><strong>S<a id="schildkröte"></a>childkröte:</strong> Die Sch. Kassiopeia tauchte beim Mädchen *<a href="#momo">Momo</a> auf und führte sie ins Nirgend-Haus zu Meister Hora, wo die Zeit aller Menschen herkam. Sie konnte stets die nächste halbe Stunde voraussehen und mit Momo sprechen, indem sie Wörter auf ihrem Panzer erscheinen ließ.</p>



<p><strong>Schillers&nbsp;Drama:</strong> Der Gymnasiast Lohmann ging, um seinen vom *<a href="#lehrer">Lehrer</a> angegriffenen Freund zu schützen, zum Gegenangriff über, lieferte bei der Deutschklausur, in der es um Schillers Drama „Die Jungfrau von Orleans“ ging, eine provozierend kurze, geistreiche und respektlose Antwort auf die hinterlistige Frage des Lehrers ab und beschwerte sich bei Professor Raat direkt über den Geruch von Unrat.</p>



<p><strong>Schlafwandeln:</strong> *<a href="#heidi">Heidi</a> wurde in Frankfurt vom Heimweh immer unglücklicher, aß kaum noch etwas und wurde zuletzt mondsüchtig. Sie öffnete beim&nbsp; S. jede Nacht die Haustür von innen.</p>



<p><strong>Schnellrestaurant:</strong> Das Mädchen *<a href="#momo">Momo</a> erfuhr in Ninos Sch. vom Schicksal ihrer Freunde. Nino saß an der Kasse, und um mit ihm sprechen zu können, musste sich Momo dreimal in die Schlange der Gäste stellen und wurde stets schon nach wenigen Sätzen von den Wartenden weitergeschoben.</p>



<p><strong>Schüler:</strong> Der *<a href="#lehrer">Lehrer</a> Professor Raat, genannt Unrat, war ein Tyrann und von Hass gegen seine Schüler und die ganze kleine Hafenstadt erfüllt. Er sah es als seine Lebensaufgabe an, Schüler – vor allem die Sprösslinge angesehener und wohlhabender Familien – mit unlösbaren Klausuraufgaben „hineinzulegen“, ihnen die Karriere zu erschweren und vor allem diejenigen zu „fassen“, die ihn Unrat genannt hatten.</p>



<p><strong>Schweigen:</strong> Ein *<a href="#rundfunk">Rundfunk</a>-Redakteur sammelte Tonbandschnipsel, auf denen man nur das Sch. eines Menschen „hören“ konnte. &amp; <em>Doktor Murkes gesammeltes Sch. Satire v. Heinrich Böll, BRD 1955</em></p>



<p><strong>Sebastian:</strong> Der Diener S. in Frankfurt war *<a href="#heidi">Heidi</a> zugetan und amüsierte sich über ihre Einfälle.</p>



<p><strong>Sekretärin:</strong> Das Mädchen Doris arbeitete in einer rheinischen Mittelstadt als S. bei einem Rechtsanwalt und träumte davon, ein Glanz (Star) zu werden. Er entließ sie, als sie nicht mit ihm schlafen wollte. Später floh sie nach *<a href="#berlin">Berlin</a>.</p>



<p><strong>Sennhütte:</strong> Alm-Öhi, der Großvater von *<a href="#heidi">Heidi</a>, lebte in einer S. auf der Alm.</p>



<p><strong>Sesemann:</strong> Anderntags kam überraschend Dete zum Alm-Öhi und nahm die achtjährige *<a href="#heidi">Heidi</a> mit sich nach Frankfurt. Dete hatte in F. die reiche Familie Sesemann kennen gelernt. Klara, die zwölfjährige Tochter des Geschäftsmannes Sesemann, saß gelähmt im Rollstuhl und wünschte sich eine Spielgefährtin.</p>



<p><strong>Silvesternacht:</strong> In *<a href="#berlin">Berlin</a> brachte sich das Mädchen Doris illegal über die Runden, indem sie sich immer wieder von Männern einladen ließ. Selbstkritisch beobachtete sie ihren eigenen Abstieg in die Obdachlosigkeit und an den Rand der Prostitution. In der S. entschloss sie sich, ein einziges Mal Geld für die Nacht zu nehmen, um sich ein Startkapital zu schaffen.</p>



<p><strong>Singen: </strong>Auf einem<strong> </strong>Pferde-*<a href="#wagen">Wagen</a> saßen der junge Kirgise Danijar und die junge Kirgisin Dshamilja nebeneinander. Danijar sang mit kräftiger Stimme ein Lied nach dem anderen in die nächtliche Steppe, Lieder, in denen sich seine ganze Liebe zur Heimat, zur Erde und zu Dshamilja&nbsp; entfaltete. Dshamilja war erschüttert von der Kraft dieser Lieder und lehnte ihren Kopf weinend gegen Danijars Schulter…</p>



<p><strong>Sondertribunal:</strong> Zur Zeit König Ludwigs XIV. beunruhigten mehrere Mordserien die Stadt Paris: Zuerst eine Reihe von Giftmorden; dann wurden regelmäßig Männer, die nachts unterwegs waren, um ihre Geliebte mit einem *<a href="#juwelen">Juwelen</a>-Geschenk zu überraschen, unterwegs überfallen, erstochen und ausgeraubt. Man vermutete eine Bande dahinter, und ein Sondertribunal, die Chambre ardente (Feurige Kammer), rief nach neuen Vollmachten.</p>



<p><strong>Sphinx: </strong>*<a href="#oedipus">Ödipus</a> gelang es, das Rätsel der S. zu lösen und so Theben von der S. zu befreien. Zur Belohnung wurde er zum König von Theben ernannt und bekam Iokaste, seine leibliche Mutter, zur Frau. Die Prophezeiung vom Inzest erfüllte sich. Von ihrer Verwandtschaft nichts wissend, hatten die beiden vier Kinder miteinander. &amp;<em> </em><em>Sophokles: Ödipus der Tyrann. Tragödie, Griechenland um 350 v. Chr.</em></p>



<p><strong>Spielkasino: </strong>Der *<a href="#lehrer">Lehrer</a> Professor Raat, genannt Unrat, wurde nach seinem peinlichen Auftritt vor Gericht aus dem Schuldienst entlassen und schloss sich dem Tingeltangelbetrieb der Schauspielerin Rosa Fröhlich an. Die beiden eröffneten mit geliehenem Geld ein Spielkasino, in dem Männer aus den besten Familien verkehrten und viel Geld verspielten: Unrats Rache an den gehobenen Familien der Hafenstadt.</p>



<p><strong>Sprache der Tiere:</strong> Von einem Krämer hatte der *<a href="#kalif">Kalif</a> Chasid ein Pulver erstanden, mit dessen Hilfe man sich in ein beliebiges Tier verwandeln und die Sprache der Tiere verstehen konnte.</p>



<p><strong>Stadt: </strong>Viele Geschichten spielen in einer Stadt. Hier eine Auswahl besonders geschichtenreicher Städte: *<a href="#berlin">Berlin</a>; *Hamburg; *<a href="#köln">Köln</a>; *London; *Moskau; *München; *New York; *<a href="#paris">Paris</a>; *Rom; *Seldwyla; *Sevilla; *Venedig; *Verona</p>



<p><strong>stehlen:</strong> Das Mädchen Doris wurde Schauspielschülerin und schaffte es durch einen Trick, eine Konkurrentin einzusperren und einmalig deren kleine Rolle auf der Bühne zu übernehmen, wo sie ihr Talent zeigte. Als die Sache aufflog und sie zudem einer Dame einen Feh (Pelz) gestohlen hatte, floh sie nach *<a href="#berlin">Berlin</a>.</p>



<p><strong>Storch: </strong><em>Die Geschichte vom&nbsp; *</em><a href="#kalif"><em>Kalif</em></a><em> Storch. Märchen v. Wilhelm Hauff, Deutschland 1825</em></p>



<p><strong>S<a id="storch"></a>törche:</strong> Mit einem Zauberpulver und einem Zauberwort verwandelten sich *<a href="#kalif">Kalif</a> Chasid und sein Großwesir in Störche. Da sie während der Verwandlung lachen mussten, vergaßen sie das Zauberwort und konnten sich nicht mehr zurück verwandeln.</p>



<p><strong>Straßenkehrer:</strong> Der schweigsame, wunderliche Beppo St. und der quirlige, leichtfertige Gigi Fremdenführer waren die beiden liebsten Freunde des Mädchens *<a href="#momo">Momo</a>.</p>



<p><strong>Stunden-Blumen:</strong> Meister Hora führte das Mädchen *<a href="#momo">Momo</a> in ihr eigenes Herz. Dort sah sie ihre eigene Zeit: Jede Stunde hatte die Gestalt einer wunderbaren Blume, die aus einem dunklen Teich aufstieg und schließlich verblühte und versank. Die grauen Herren stahlen den Menschen die St., froren sie ein, trockneten sie, verarbeiteten sie zu Zigarren und rauchten sie. Später konnte Momo, während die Zeit für eine Stunde still stand, mit Hilfe einer St. die grauen Herren besiegen und die gestohlenen St. befreien.</p>



<p><strong>Theater:</strong> <strong>1)</strong> Das Mädchen Doris wurde Schauspielschülerin und schaffte es durch einen Trick, eine Konkurrentin einzusperren und einmalig deren kleine Rolle auf der Bühne zu übernehmen, wo sie ihr Talent zeigte. Als die Sache aufflog und sie zudem einer Dame einen Feh (Pelz) gestohlen hatte, floh sie nach *<a href="#berlin">Berlin</a>.</p>



<p><strong>Theben:</strong> Das Orakel von Delphi prophezeite Laios, dem König von Th., dass sein Sohn ihn dereinst töten und seine Frau heiraten werde. Darauf ließ Laios dem Neugeborenen die Füße durchstechen und zusammenbinden und befahl einem Hirten, ihn im Gebirge auszusetzen. Doch der Hirte hatte Mitleid und übergab das verstoßene Kind dem Königspaar von Korinth. Das Paar adoptierte das Kind und nannte es nach seinen geschwollenen Füßen *<a href="#oedipus">Ödipus</a>. &amp;<em> </em><em>Sophokles: Ödipus der Tyrann. Tragödie, Griechenland um 350 v. Chr.</em></p>



<p><strong>Tier:</strong> Von einem Krämer hatte der *<a href="#kalif">Kalif</a> Chasid ein Pulver erstanden, mit dessen Hilfe man sich in ein beliebiges T. verwandeln und die Sprache der Tiere verstehen konnte.</p>



<p><strong>Tiere: </strong>T. kommen in vielen Geschichten vor, z. B.: *<a href="#drache">Drache</a>, *<a href="#frosch">Frosch</a>, *<a href="#esel">Esel</a>, *<a href="#eule">Eule</a>, *Hahn, *Hund, *Katze, *<a href="#nachtigall">Nachtigall</a>, *<a href="#pferd">Pferd</a>, *<a href="#schildkröte">Schildkröte</a>, *<a href="#storch">Storch</a></p>



<p><strong>Tingeltangel:</strong> Der *<a href="#lehrer">Lehrer</a> Professor Raat machte sich daran, eine Schauspielerin dingfest zu machen, für die sein Schüler Lohmann eine Hymne gedichtet hatte. Auf diese Weise wollte er Lohmann fertig machen. Er fand sie schließlich in einem Tingeltangel namens „Blauer Engel“. Doch bald erlag Raat selber dem Charme der Dame und verliebte sich in sie.</p>



<p><strong>Tontechniker:</strong> *<a href="#rundfunk">Rundfunk</a></p>



<p><strong>Tyrann:</strong> <strong>1)</strong> <em>*<a href="#oedipus">Ödipus</a> der Tyrann (Tragödie) – </em><strong>2) </strong>Der *<a href="#lehrer">Lehrer</a> Professor Raat, genannt Unrat, war ein Tyrann und von Hass gegen seine Schüler und die ganze kleine Hafenstadt erfüllt. Er sah es als seine Lebensaufgabe an, Schüler – vor allem die Sprösslinge angesehener und wohlhabender Familien – mit unlösbaren Klausuraufgaben „hineinzulegen“, ihnen die Karriere zu erschweren und vor allem diejenigen zu „fassen“, die ihn Unrat genannt hatten.</p>



<p><strong>Unrat, </strong>der Spitzname eines *<a href="#lehrer">Lehrer</a>s in &amp;<em> </em><em>Heinrich Mann: Professor Unrat. Roman, Deutschland 1905</em></p>



<p><strong>Vatermord: </strong>*<a href="#oedipus">Ödipus</a> wuchs als Findelkind in Korinth auf, ohne von seiner Herkunft zu wissen. Als ihm ein Orakel verkündete, dass er seinen Vater töten werde, verließ er aus Sorge um seinen vermeintlichen Vater Korinth und machte sich auf den Weg nach Theben. Unterwegs begegnete er an einer Wegekreuzung dem mit kleinem Gefolge reisenden Laios, seinem leiblichen Vater; dieser hielt Ödipus für einen Räuber und wollte ihn nicht durchlassen. Ödipus erschlug ihn und die meisten seiner Gefolgsleute, womit sich die Prophezeiung vom V. erfüllte. &amp;<em> </em><em>Sophokles: Ödipus der Tyrann. Tragödie, Griechenland um 350 v. Chr.</em></p>



<p><strong>Vergessen:</strong> Mit einem Zauberpulver und einem Zauberwort verwandelten sich *<a href="#kalif">Kalif</a> Chasid und sein Großwesir in Störche. Da sie während der Verwandlung lachen mussten, vergaßen sie das Zauberwort und konnten sich nicht mehr zurück verwandeln.</p>



<p><strong>Vergiftung:</strong> Anno 1327 wurden in einem Cluniazenser-*<a href="#kloster">Kloster</a> in Norditalien mehrere Mönche unter mysteriösen Umständen vergiftet. Dem Franziskanermönch William von Baskerville und seinem Schüler Adson von Melk gelang es, die Mordserie aufzuklären. Die Tatwaffe war ein geheimnisvolles Buch, dessen Seiten vergiftet waren.</p>



<p><strong>V<a></a>erliebte</strong> oder <strong>Liebespaare</strong> kommen in etwa der Hälfte aller Romane, Erzählungen und Dramen vor. Hier ein Versuch, zwanzig berühmte Fälle der Weltliteratur zusammenzutragen: ¤ Siegfried und Kriemhild in Worms (*Nibelungen, 12. Jhdt.) ¤ Romeo und Julia in *Verona (W. Shakespeare, 1597) ¤ Faust und Margarete (J. W. Goethe, 1805) ¤ Quasimodo, der missgestaltete Glöckner von Notre-Dame, und die schöne Gauklerin Esmeralda (V. Hugo, 1831) ¤ Kapitän Dantès und die Katalanin Mercedes in Marseille, Opfer einer *Intrige (A. Dumas, 1845) ¤ Sali und Vrenchen auf dem *Acker, Kinder zweier verfeindeter Bauern (G. Keller, 1856) ¤ Der Junge Paul und Lisei, die Tochter von *Puppenspielern, die in die Stadt gekommen waren (Th. Storm, 1875) ¤ Gustav von Aschenbach und der schöne Jüngling in *Venedig (Th. Mann, 1912) ¤ Winston und Julia in der *Diktatur des Jahres 1984 (G. Orwell, 1948) ¤ *Memed und Hatçe in einem türkischen Dorf (Y. Kemal, 1955) ¤ Der Arzt Doktor Schiwago und Lara im russischen *Bürgerkrieg (B. Pasternak, 1957) ¤ Die Kirgisen Danijar und Dshamilja auf einem Pferde-*<a href="#wagen">Wagen</a> in der nächtlichen Steppe (T. Aitmatow, 1958) ¤ Der Novize Adson von Melk und das Bauernmädchen im *<a href="#kloster">Kloster</a> (U. Eco, 1980)</p>



<p><strong>verlorener Sohn:</strong> *<a href="#heidi">Heidi</a> erzählte ihrem Großvater, dem Alm-Öhi, vom Beten, wie sie es von der Frankfurter Großmama gelernt hatte, und las ihm die Geschichte vom verlorenen Sohn vor. Ein Volltreffer…</p>



<p><strong>W<a id="wagen"></a>agen: </strong>Auf einem<strong> </strong>Pferdewagen<strong> </strong>saßen der junge Kirgise Danijar und die junge Kirgisin Dshamilja nebeneinander. Danijar sang mit kräftiger Stimme ein Lied nach dem anderen in die nächtliche Steppe, Lieder, in denen sich seine ganze Liebe zur Heimat, zur Erde und zu Dshamilja&nbsp; entfaltete. Dshamilja war erschüttert von der Kraft dieser Lieder und lehnte ihren Kopf weinend gegen Danijars Schulter. Sie war voller Glück über die gefundene Liebe und voller Unglück, weil diese Liebe nicht sein durfte. Zeuge der Szene war der halbwüchsige Junge Said, und Said beschloss, das Liebespaar auf dem Wagen in der nächtlichen Landschaft zu malen und in das Bild etwas von der Liebe zu legen, die er in Danijars Liedern hörte. Die drei hatten auf ihren Wagen *Kornsäcke zur Bahnstation gebracht und befanden sich auf dem Rückweg zu ihrem Aul, einem kirgisischen Dorf am Fluss Kurukeu. Danijar war als Waisenkind und verwundeter Soldat des Zweiten Weltkriegs erst kürzlich in das Heimatdorf seiner frühen Kindheit zurückgekehrt. Dshamilja war die Dshene Saids, die Verlobte von Saids älterem Bruder, der als Soldat im Krieg war und im Lazarett lag. Danijar war als Sonderling im Dorf unbeliebt, und Dshamilja hatte ihn zuvor häufig verspottet. [Schlüsselszene aus:] &amp; <em>Tschingis Aitmatow: Dshamilja. Erzählung, UdSSR 1958</em></p>



<p><strong>Waisenkind:</strong> Dete, ein gut 20jähriges Mädchen, stieg mit dem fünfjährigen Mädchen *<a href="#heidi">Heidi</a> von Mayenfeld hinauf zum Dörfli und von dort noch höher zum Alm-Öhi, der oben am Berg einsam in einer Sennhütte lebte. Heidi war ein W.</p>



<p><strong>Wegekreuzung: </strong>*<a href="#oedipus">Ödipus</a> wuchs als Findelkind in Korinth auf, ohne von seiner Herkunft zu wissen. Als ihm ein Orakel verkündete, dass er seinen Vater töten werde, verließ er aus Sorge um seinen vermeintlichen Vater Korinth und machte sich auf den Weg nach Theben. Unterwegs begegnete er an einer W. dem mit kleinem Gefolge reisenden Laios, seinem leiblichen Vater; dieser hielt Ödipus für einen Räuber und wollte ihn nicht durchlassen. Ödipus erschlug ihn und die meisten seiner Gefolgsleute, womit sich die Prophezeiung vom Vatermord erfüllte. &amp;<em> </em><em>Sophokles: Ödipus der Tyrann. Tragödie, Griechenland um 350 v. Chr.</em></p>



<p><strong>Weißbrot:</strong> *<a href="#heidi">Heidi</a> brachte der blinden Großmutter des Geißenpeter W. aus Frankfurt mit, weil die Alte das billige Schwarzbrot so schlecht vertrug.</p>



<p><strong>Zauberer:</strong> <strong>1) </strong>Der in einen Storch verwandelte *<a href="#kalif">Kalif</a> musste mit ansehen, wie Mizra, der Sohn des Z. Kaschnur, zum neuen Herrscher von Bagdad ausgerufen wurde. –</p>



<p><strong>Zauberwort:</strong> Mit einem Zauberpulver und einem Z. verwandelten sich *<a href="#kalif">Kalif</a> Chasid und sein Großwesir in Störche. Da sie während der Verwandlung lachen mussten, vergaßen sie das Z. und konnten sich nicht mehr zurück verwandeln.</p>



<p><strong>Zeit:</strong> Die Menschen wurden immer gehetzter und un­freundlicher. Dahinter steckten die grauen Herren, die sich als Agenten der „Zeit-Spar-Kasse“ ausgaben und die Menschen dazu überredeten, Zeit für die Zukunft zu sparen. In Wirklichkeit stahlen sie diese Zeit und lebten davon, indem sie die Stunden-Blumen einfroren, trockneten und als Zigarren rauchten. Das Mädchen *<a href="#momo">Momo</a> konnte sie am Ende besiegen und die gestohlene Zeit befreien.</p>



<p><strong>Zeit-Spar-Kasse:</strong> *Zeit; *<a href="#momo">Momo</a></p>



<p><strong>Ziegen (Geißen): </strong>Unterwegs trafen sie den Geißenpeter, der seine Geißenschar den Berg hinauf zur Alm hochtrieb. *<a href="#heidi">Heidi</a> folgte ihm auf eine Wiese und zog rasch ihre vielen Kleider, Röcke und Schuhe aus, um den Ziegen nachspringen zu können… Anderntags stieg sie mit dem Geißenpeter hoch auf die Alm und half ihm, die Geißen (Z.) zu hüten, lernte auch schnell alle ihre Namen. Am liebsten hatte sie Schwänli und Bärli, die beiden Geißen des Großvaters.</p>



<p><strong>Ziegenmilch:</strong> *<a href="#heidi">Heidi</a> genoss die frische Z. bei ihrem Großvater, dem Alm-Öhi.</p>



<p><strong>zuhören:</strong> Das Mädchen *<a href="#momo">Momo</a> konnte so gut z., dass den Leuten dabei die besten Ideen kamen, dass Zögernde zu einem Entschluss kamen, Schüch­terne mutig wurden und Zer­strittene sich versöhnten.</p>
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		<title>Der hilfsbereite Mensch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jejko]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Nov 2022 23:22:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine kurze Philososphiegeschichte der #Dienstleistung und Kulturgeschichte der Kooperation, dargestellt in 14 Brückenschlägen zu einer guten Zukunft der Menschheit. Ein Sachbuchprojekt von Jens Jürgen Korff, begonnen 2021 Foto: Thorsten Försterling und Prof. Grit Behrens auf einer Klimaschutztagung in Bielefeld-Sennestadt 2016 (Fotograf: Peter Wehowsky) Das Recht der Klügeren Mit viel Lärm blockieren sie Straßen, bearbeiten Abgeordnete, &#8230; <a href="https://jejko.de/der-hilfsbereite-mensch/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Der hilfsbereite Mensch“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Eine kurze Philososphiegeschichte der <a href="https://jejko.de/dienstleister/" data-type="post" data-id="366">#Dienstleistung</a> und Kulturgeschichte der Kooperation, dargestellt in 14 Brückenschlägen zu einer guten Zukunft der Menschheit. Ein Sachbuchprojekt von Jens Jürgen Korff, begonnen 2021</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Vorwort: Das Recht der Klügeren (siehe unten)</li>



<li><a href="https://jejko.de/das-liebesgebot/" data-type="post" data-id="1715">Das Liebesgebot:</a> Nächstenliebe und Feindesliebe von Salomo bis Hüther (Auszüge)</li>



<li><a href="https://jejko.de/der-hilfsbereite-mensch-gastfreundschaft/" data-type="post" data-id="1037">Der heilige Gast:</a> Gastfreundschaft (Auszüge)</li>



<li><a href="https://jejko.de/der-hilfsbereite-mensch-mass-und-oekologie/" data-type="post" data-id="1130">Das weiche Wasser:</a> Maß und Ökologie von Laozi bis Paech (Auszüge)</li>
</ul>



<p><em>Foto: Thorsten Försterling und Prof. Grit Behrens auf einer Klimaschutztagung in Bielefeld-Sennestadt 2016 (Fotograf: Peter Wehowsky)</em></p>



<span id="more-890"></span>



<h2 class="wp-block-heading">Das Recht der Klügeren</h2>



<p>Mit viel Lärm blockieren sie Straßen, bearbeiten Abgeordnete, verteidigen Privilegien, streben zur Herrschaft: Heilige Hausbesitzer, die ihr Recht verteidigen, ungedämmte Häuser mit Öl und Buchenholz zu beheizen und dort auch im Winter im T-Shirt abzuhängen; heilige Pendler, die ihr Recht verteidigen, auf dem Lande zu leben und den weiten Weg zur Arbeitsstelle jeden Tag mit zwei Tonnen Stahl und billigem Dieselkraftstoff zurückzulegen; heilige Landwirte, die ihr Recht verteidigen, auf Kosten der Steuerzahler riesige Maschinenparks über ihre heiligen Äcker rollen zu lassen. Eine Horde von Berlusconis, Bolsonaros, Palins, Le Pens, Melonis, Wilders und Höckes eilt ihnen jederzeit beflissen zur Seite und trompetet das einzige Recht, die einzige Freiheit in die Welt, das sie alle anerkennen: das Recht und die Freiheit des Stärkeren, seine egoistischen Privatinteressen gegen alle Ansprüche des Gemeinwohls skrupellos, hemmungs- und rücksichtslos durchzusetzen. Das, so sagt die ganze Bande unisono, das ist nun einmal die Natur des Menschen, der Kampf ums Dasein, das Grundprinzip des Lebens; es gilt für Pflanzen und Tiere, für die Menschen der Steinzeit, für die Menschen der Digitalzeit. Naturwissenschaftler und Psychologen wie Richard Dawkins, Philip Zimbardo&nbsp;oder Wolf Singer&nbsp;sekundieren ihnen mit passenden Studien, liefern dazu Stichworte wie das »egoistische Gen«, den »Luzifer-Effekt«, den »natürlichen Determinismus« als Musterfreisprüche für arrogante Brutalitäten aller Art.</p>



<p>Die herrschsüchtige Minderheit ist klein, aber laut. Selbst innerhalb von hochgradig manipulierten Versuchen wie Zimbardos Stanford-Prison-Experiment<a href="#_ftn1" id="_ftnref1">[1]</a> blieben sie in der Minderheit. Dieses Buch widme ich jener Mehrheit der Menschheit, die in aller Regel dazu neigt, freundlich und hilfsbereit mit ihren Mitmenschen umzugehen. Jener Mehrheit, deren Kooperationsbereitschaft die Menschheit wahrscheinlich ihren biologischen Erfolg und ihre gesamte Kultur und Zivilisation verdankt. Sie ist die Grundlage für alle sozialen, kulturellen und ökologischen Dienstleistungsberufe. Die Skrupellosen erklären uns für Looser und Opfer, aber ohne unsere Arbeit würden sie alle schnell verhungern und erfrieren.</p>



<p>Als im Sommer 2021 das Hochwasser des Flusses Inde durch meinen Wohnort Eschweiler geflossen und Hunderte von Ladenlokalen, Arztpraxen, Kindergärten, Schulen und Wohnungen mit stinkendem graubraunem Schlamm gefüllt hatte, kamen auch Hunderte von Helfern aus zahllosen Orten in die Stadt, um den Betroffenen unentgeltlich zu helfen. Ich selbst habe auch mitgeholfen beim Entschlammen einer Arztpraxis und einer fremden Wohnung, beim Wegräumen von Sandsäcken und beim Reinigen der Straßen. Meine Beobachtung war: Sobald einer anfängt, packen andere, die das sehen, mit an. Viele Menschen treibt es in solchen Situationen, anzupacken und zu helfen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Überlieferungslücke schließen</h3>



<p>Mit dem Buch möchte ich eine Überlieferungslücke schließen. Ich meine damit Sprüche wie »der Krieg aller gegen alle«, »Der Mensch ist des Menschen Wolf«, «der edle Wilde«, »Unter dem dünnen Firnis der Zivilisation lauert die blutrünstige Bestie« oder »Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken«. Diese Sprüche greifen Vermutungen oder angebliche Erkenntnisse über das Verhalten von Steinzeitmenschen heraus und versuchen, damit das Verhalten von Menschen der Autobahn- und Digitalzeit zu erklären. Zwischen Höhlenmalerei und Non-Fungible Token klafft eine Überlieferungslücke von rund 50.000 Jahren. Können wir die Entstehung von Ackerbau und Viehzucht, die Antike, das sog. Mittelalter, die sog. Neuzeit, die sog. Moderne bei solchen Analogieschlüssen einfach überspringen? Warum sollte ein Verhalten, das wir seit dem 18. Jahrhundert im Kapitalismus beobachten, zum Beispiel das Zeitsparen, ein Erbe der Steinzeit sein, wenn wir es im Zeitalter des Barock oder der Gotik nicht beobachten können? Da wir über das Verhalten der Menschen in diesen Zeiten viel mehr wissen als über das Verhalten von Steinzeitmenschen, warne ich als Historiker vor der Versuchung, Erfahrungen aus dem eigenen Alltag in die Steinzeit zurückzuprojizieren.</p>



<p>Was wir hingegen in der gesamten Kulturgeschichte der Menschheit, also seit mindestens 2700 Jahren, fast durchgängig beobachten können, sind Notizen über Menschen, die sich freundlich, hilfsbereit, kooperativ und nachhaltig verhalten. Diese Notizen haben erstaunliche Ähnlichkeiten, egal, ob sie von chinesischen Religionsstiftern, griechischen Philosophen, christlichen Theologen, arabischen Ärzten, italienischen Äbten, spanischen Mystikerinnen, persischen Dichtern, jüdischen Gelehrten, französischen Aufklärern, britischen Ökonomen, deutschen Mathematikern, deutschen Geographen, österreichischen Psychologen, amerikanischen Biologinnen, vietnamesischen Mönchen, indischen Sozialreformern, brasilianischen Kommunalpolitikern oder südafrikanischen Freiheitskämpfern kommen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Autor</h3>



<p>Seit fast fünfzig Jahren versuche ich, in meiner Person naturwissenschaftliche, geistes- und sozial­wissenschaftliche Forschung und Betrachtung zu vereinigen. Fasziniert wechselte ich im Studium zwischen dem Entziffern alter Sitzungsprotokolle, dem Zeichnen mikroskopischer Zellpräparate und der quantitativen Inhaltsanalyse von Zeitungsberichten hin und her. Später, im Berufsleben, ebenso fasziniert zwischen meinen Rollen als Werbetexter, als Aktivist der Friedens- und Ökobewegung, als Stadtführer und Waldschrat. Daher meine Wertschätzung für höchst unterschiedliche Blickwinkel auf Menschen und andere Lebewesen. Diese Freude an der Vielfalt von Gegensätzen konnte ich beim Schreiben des Buches fortsetzen. Ich lade dich ein zu einer Welt- und Zeitreise zu jenen Beobachtungen und Gedanken, die deinen Glauben an Liebe, Vernunft und Verantwortung bestärken und deine Freude am Bedienen anderer Menschen begründen werden.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; Zu den Manipulationen R. Bregman: Im Grunde gut (2020), S. 183ff; Ben Blum: The Lifespan of a Lie. gen.medium.com 7.6.<a href="https://gen.medium.com/the-lifespan-of-a-lie-d869212b1f62">2018</a></p>



<p></p>
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