Feindlichkeit und Friedfertigkeit
Der Mannheimer Ingenieur und Philosoph Rainer Dyckerhoff und der Historiker Jens Jürgen Korff versuchen, in einem phänomenologischen Dialog das Wesen der Haltungen zu ergründen, die zu Krieg und Frieden führen. 2025 führten sie phänomenologische Dialoge über das Wesen aktueller politischer Schlagworte wie Steuern, Bürokratie, Stolz, Volk und Nation. Dabei nutzen sie eine Methodik, die Dyckerhoff 2021 in dem Buch »Erkenntnisphilosophie« vorgeschlagen hat: Sie versuchen, auf dem Wege einer fortschreitenden Begriffsbildung das Wesen von Phänomenen zu beschreiben und auf diese Weise wahre Aussagen über Teile der Wirklichkeit zu treffen.
Bild: anonykitten, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons, not edited
Jens Jürgen Korff: Krieg und Frieden sind seit 2022 und 2023 ein brennendes Thema, leider in dieser Reihenfolge. Da es wenig Streit darum gibt, was Krieg ist, und Frieden einfach als das Gegenteil, als Abwesenheit von Krieg verstanden werden kann, möchte ich unser Instrumentarium des phänomenologischen Dialogs lieber dafür nutzen, die hinter Krieg und Frieden steckenden Haltungen besser zu erkennen. Das ist beim Krieg, denke ich, die Feindschaft, beim Frieden die Friedfertigkeit.
Rainer Dyckerhoff: Ich stutze etwas bei diesem Wortpaar. Setzt man nicht sonst eher Freundschaft und Feindschaft gegeneinander?
JJK: Ja, das ist wohl so. Allerdings geht es dann in der Regel um zwischenmenschliche Beziehungen, also um die Freundschaft oder die Feindschaft zwischen Einzelpersonen. Wenn wir über Gründe und Hintergründe von Krieg und Frieden sprechen wollen, sollten wir Haltungen benennen, die auf der Gruppenebene liegen. Vielleicht ist Feindschaft dann doch nicht das richtige Wort. Eher Feindlichkeit – bekannt aus der Zusammensetzung »Ausländerfeindlichkeit«.
RD: Also sprechen wir über Feindlichkeit und Friedfertigkeit. Warum Friedfertigkeit und nicht Freundlichkeit?
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