29. Oktober 2026
Elf Thesen über die AfDeutschen
Zehn Jahre AfD=Nazi-Kampagnen haben nicht geholfen, die Partei klein zu halten. Es ist also Zeit, das Konzept zu überdenken und zu ändern.
- Zehn Jahre AfD=Nazi-Kampagnen haben nicht geholfen, die Partei klein zu halten. Es ist also Zeit, das Konzept zu überdenken und zu ändern.
- AfD=Nazi hilft deshalb nicht, weil die Kernaussage der Kampagne falsch ist. Die AfDeutschen sind weder faktisch so gewalttätig noch propagandistisch auch nur annähernd so gewaltbereit, wie es die Nazis waren. Die Betroffenen und ihr Umfeld fühlen sich durch die Kampagne nicht getroffen, sondern verleumdet. Das stärkt ihren Zusammenhalt. Allerdings könnte dieser Widerstand dazu beigetragen haben, dass die meisten AfDeutschen bislang vor faschistischer Gewaltverherrlichung zurückschrecken.
- Der Protest gegen die AfDeutschen ist zum Ritual erstarrt. Es geht fast nur noch um den Umgang mit einer Nazivergangenheit, die 90 Jahre her ist. Die Rituale sind unpolitisch, weil sie mit aktuellen politischen Streitfragen wie Klimaschutz, Naturschutz, Aufrüstung, Wirtschaftspolitik, Steuerpolitik, Bildungspolitik, Infrastruktur nichts zu tun haben.
- Die AfDeutschen sind keine Nazis, denn anders als diese zünden sie keine Moscheen oder Synagogen an, ermorden keine Grünen oder Journalisten und bejubeln auch keine solchen Morde. Sie erfüllen also ein zentrales Faschismuskriterium nicht: die offene Verherrlichung von Morden und anderen Gewalttaten.
- Dass die AfD eine faschistische Terrordiktatur errichten wolle, in der konkurrierende Parteien verboten und oppositionelle Politiker inhaftiert und gefoltert werden, wird zwar von einzelnen Faschisten in der Partei angedeutet, aber es ist nicht als Parteiziel beweisbar. Es handelt sich dabei vor allem um eine Befürchtung der Gegner, um eine Prognose also und kein Faktum.
- Das, was als „völkisches Denken“ der AfDeutschen angegriffen wird, eine prinzipielle Unterscheidung zwischen gebürtigen Deutschen und anderen Menschen, ist schwer oder gar nicht vom traditionellen nationalistischen Denken in anderen Ländern wie Frankreich, Großbritannien oder Polen zu unterscheiden. Das alles ist zwar dumm und moralisch verwerflich, aber kaum als verfassungswidriger Tatbestand zu werten.
- Nationalismus ist feige. Er lenkt die gerechte Aggression der Unterdrückten und Ausgebeuteten von starken und herrschenden Figuren, z. B. Großaktionären, ab auf schwächere Personen wie Migrantinnen, Flüchtlinge, mediterrane Länder. Die Feigheit deutscher Nationalisten sollte Thema des Widerstands sein.
- Es wäre jedoch dumm, die AfDeutschen insgesamt für dumm zu halten. Sie haben konkrete Interessen und erwarten von ihrer Partei, dass sie ihre Interessen vertritt. Dazu gehören viele Industriearbeiter und industrielle Angestellte traditionell privilegierter Industrien (Auto, Chemie, Beton, Energie), die vor dem Hintergrund von Strukturwandel, Klimaschutz und Welthandel um ihre Privilegien fürchten. Interessenwidersprüche zwischen industriellen Beschäftigten und Dienstleistenden müssen ausdiskutiert werden. Das geschieht bislang nicht. Die Rituale nach Pkt. 3 dienen auch Antifaschistinnen und Klimaschützern oft dazu, von solchen Konflikten abzulenken.
- Eine weitere Interessengruppe bilden dörfliche Kreise, die unter dem neoliberalen Abbau staatlicher Infrastruktur leiden, den Ärger darüber aber gegen städtische Bevölkerungen (darunter städtische Migranten) richten; sowie Landwirte, Forstwirte und Jäger, die wegen des Naturschutzes um ihren privilegierten Zugriff auf Grund und Boden fürchten. Auch diese Interessenwidersprüche müssen ausdiskutiert werden.
- Eine dritte Interessengruppe hinter den AfDeutschen sind Selbstständige und Scheinselbstständige, die sich vor Konkurrenten mit Migrationshintergrund fürchten, z. B. Gastwirte, Friseurinnen, Taxifahrer, Lkw- und Lieferdienstfahrer, häusliche Pflegekräfte. Dieser Konflikt ist kaum vermittelbar.
- Viele AfDeutsche sind Anhänger eines Feuerkults (Kult um Kohle, Benzin, Kaminholz), eines Kults um überschwere Autos (vor allem Pick-ups) und eines Betonkults. Deshalb sollten diese Kulte im Visier des politischen Widerstands stehen und mit emotional ähnlich starken Themen wie Heimatliebe, Tierliebe oder Solidarität gekontert werden.
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