Anglizismen

»Von den Amerikanern lernen heißt Deutsch lernen«: mein Beitrag für ein Handbuch des Texterverbandes, veröffentlicht 2006, hatte Mut zum Paradox.

Daraus ein Zitat: „Engländer und Amerikaner besitzen die beneidenswerte Wurschtigkeit, ein sehr großes Teleskop einfach »Sehr großes Teleskop (Very Large Telescope, VLT)« zu nennen. Im deutschen Wissenschaftsbetrieb ist das völlig undenkbar. Da würde man das Ding in schlechter alt-akademischer Tradition erst einmal Extremdurchmesser-Höchstleistungs-Spiegelteleskop nennen. Im zweiten Schritt würde man diesen Ausdruck ins Englische übersetzen, um dem Muff unter den Talaren ein weltoffenes Deo hinzuzufügen; etwa so: Extreme Radius High Performance Reflector Telescope (ERHPRT). Der deutsche Handwerker besteht darauf, dass das, was alle Welt einen Schraubenzieher nennt, ein Schraubendreher sei. Der Werkzeughändler verbessert den Kunden, der einen Zollstock verlangt: „Ach, Sie meinen einen Gliedermessstab.“ Niemand sagt Fahrtreppe zur Rolltreppe außer den Rolltreppen-produzenten, auf dem Telefonbuch stand jahrzehntelang Fernsprechbuch, und die Briefmarken heißen offiziell immer noch Postwertzeichen. In diese Reihe, liebe Grafiker, muss ich euch stellen, wenn ihr keine Symbole, Kopfzeilen, Fußzeilen, Schlagzeilen, Textblöcke kennt, sondern nur Icons, Header, Footer, Headlines und Copies. So sprach und spricht der berühmt-berüchtigte deutsche Dünkel, über den schon Heine spottete.“

Das Handbuch komplett als PDF (dort Seite 35)

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