Tagliamento

Wildfluss Tagliamento bei Pinzano

Der Tagliamento ist ein 170 km langer Fluss in Norditalien (Wikipedia). Er entspringt in den Friauler Dolomiten, am Mauriapass, erreicht bei Gemona del Friuli, nördlich von Udine, die norditalienische Tiefebene, durchfließt diese in südlicher, später südöstlicher Richtung und mündet bei San Michele al Tagliamento, nördlich von Venedig, in die Adria. Der Tagliamento ist der bedeutendste noch verbliebene Wildfluss der Alpen. Er wurde im gesamten Mittellauf nirgends begradigt, befestigt oder aufgestaut. Erst unterhalb von Latisana, auf den letzten rund 30 Flusskilometern, wurden die Ufer befestigt. Typisch ist das teilweise hunderte Meter breite Flussbett, in dem sich der Fluss zopfförmig zwischen zahllosen Kiesbänken aufteilt und wieder vereinigt. Die bei Niedrigwasser trockenfallenden Kiesbänke nennt man Torrente. Im Mittellauf wurden 32 Fischarten bestimmt.

Im Mai 2021 habe ich den wilden Gesellen aufgesucht und seine Ufer und umgebende Höhen bei Ponte della Delizia, Pinzano und Cornino erwandert.

Reisebericht 7. Mai 2021

Von C. ging es zunächst rund 30 km in nordöstlicher Richtung zur Tagliamentobrücke der SS 13 bei Ponte della Delizia. Ich pausierte in Ponte Tagliamento  und erkundete dort zwischen dichtem Gebüsch und über pfützenreiche Sandwege das Ostufer des Flusses.

Tagliamento-Unterlauf bei Ponte Tagliamento (Korff 2021)

Weiter 23 km nördlich, flussaufwärts, über die Brücke bei Dignano nach Spilimbergo. Sehr hübsche Altstadt mit rund zehn Ristorantes und Cafés, also das ideale Basislager für Tagliamento-Exkursionen. 10 km weiter nördlich liegt Pinzano al Taglimanto (Karte), die Straße wird am Ende bereits gebirgig. An der Straße nach San Pietro, die über eine hohe Tagliamentobrücke führt, liegt noch am Westufer der Colle Pion mit dem Ossario Germanico (deutschen Beinhaus). Auf dem Weg dahin leider verpasst: den Wasserfall Cascata di Fôs (wäre vom gleichen Parkplatz in der Kurve zu erreichen gewesen). Aufstieg auf den Hügel zu den Ruinen des Beinhauses für getötete deutsche Soldaten des I. Weltkriegs, das der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge um 1936 errichten ließ. Es stehen lange Mauern, die den Grundriss einer Basilika andeuten, und die Apsis, das eigentliche Beinhaus, das wie ein Wehrturm über dem Steilhang thront. Überall grasen Ziegen und verhindern die Verbuschung des eingezäunten Geländes. Da Ziegen sehr schlau sind, müssen die Menschen am Schließmechanismus der kleinen Tore kurz beweisen, dass sie etwas schlauer sind als die geländegängigen Vierbeiner. Auf dem Colle Pion oberhalb der Tagliamento-Enge befinden sich weitere Überbleibsel des I., des II. und des seinerzeit angedachten III. Weltkriegs: Es gab eine Radarstellung, die den östlichen Nachbarstaat Jugoslawien im Auge behielt. Alles ist mit ausführlichen Erklärungstafeln erschlossen. Man hat einen atemberaubenden Blick über den blaugrauen Fluss hinweg auf den gegenüberliegenden Berg von San Pietro und blickt von oben auf die elegante weiße Brücke, den Ponte di Pinzano, die selbst für ihre Aussicht über das Flusstal mit seinen Kiesbänken berühmt ist.  In San Pietro lockt ein ländliches Restaurant mit Gartenterrasse, die Locanda al Borcolan.

Weiter 10 km über gebirgige Straßen nordostwärts nach Cornino. Unterwegs Überquerung des Nebenflusses Arzino bei Flagogna, in dem ich meine Füße badete. Verpasst: Flussbadestrand am Arzino bei Vallata und das Val d’Arzino weiter oberhalb bei San Francesco, ein felsiges Gebirgstal mit Wasserfällen, Klamm und natürlichen Wasserbecken mit Wildbadeplatz (Cerdevol Curnila). Vom Parkplatz in Cornino Wanderung zum Lago di Cornino im Naturschutzgebiet (Karte). Von einem Aussichtsturm aus sichtete ich Gänsegeier, Steinadler und Kolkraben, die in einem abgesperrten Gelände gefüttert werden. Der See hat eine spektakulär tieftürkise Färbung und extrem klares Wasser, in dem sich Cornino-Vipern aufhalten sollen. Im Wald ein isoliertes Vorkommen der Steineiche (leider nicht gesichtet). Vom Parkplatz der SP 22 oberhalb des Sees hat man eine barrierefreie Aussicht. Von dort stieg ein Mann durchs Geröll zum See ab, wir trafen am Ufer aufeinander. Er war auf der Suche nach Cornino-Vipern. Kaffee getrunken im Minimarket im Dorf. Rückfahrt nach Pinzano über Forgaria, San Francesco, Flagogna.

Zurück in Pinzano nutzte ich das phänomenale Abendlicht zu einem Aufstieg auf das Castello di Pinzano (geparkt an der Linkskurve der Via Castello, Aufstieg über den Fußweg links von der Auffahrt zur Burg, durch den Wald nördlich der Burg). Phänomenale Aussicht über das Tagliamentotal flussauf- wie flussabwärts mit Picknickplätzen. Wie der Tagliamento aus den Alpen in die Poebene eintritt, ist von dort prächtig zu sehen. Danach noch Abstecher zu den weiten Kiesbänken des Westufers unterhalb von Pinzano, über die Via Tagliamento, vorbei an der Chiesa della Santissima Trinitá (weiter auf Feldweg, keine Parkplätze). 2 km Fußweg durch den Auwald und über die Kiesbänke bis zum Fluss, der hier ganz am Ostufer fließt.

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