Bäume

Die Eiche von Bielefeld-Hoberge (Korff 2017)

Die standhaften und gut verwurzelten Zeitgenossen waren mir ein Vorbild, als es 1999 galt, in meiner neuen westfälischen Heimat Wurzeln zu schlagen. Schon 1991 war mir bei einem Besuch der Stadt aufgefallen: In #Bielefeld geht der Wald mitten durch die Stadt, so wie in #Köln der Rhein.

Ich stand auf dem Adenauerplatz, sah mich erstaunt um, und die Buchen des Teutoburger Waldes schienen auf den Flachdächern der Cityhäuser zu wachsen. 2007 startete ich das Internet-Projekt bielefelder-bäume.de, der seltene Versuch eines Web-2.0-Projektes im #Naturschutz: Die Biele­felderinnen waren aufgefordert, ihre Lieblingsbäume zu fotografieren und online vorzustellen, damit sie besser vor sägenden Händen geschützt seien. Es entstand ein Netzwerk „Denk mal Baum“, inspiriert von Mathias Wennemann; ich begann 2010, Stadtführungen zu den „schönsten Bäumen Bielefelds“ anzubieten. 2014 wurde daraus das Projekt „Zwitschern der Bäume“: Acht Bielefelder Bäume traten im Rahmen des Stadtjubiläums „Bielefeld 800“ als #Zeitzeugen der Bielefelder #Geschichte auf und erzählten auf #Facebook, Twitter und zwitschern-der-bäume.de, was sie in der Stadt alles erlebt hatten und aktuell erlebten. Entwickelt von meinem Kooperationspartner Uwe Gagelmann und mir. – Und hier ein bisschen #Storytelling:

Künstlerinnen arbeiten im Schatten der Friedenslinde zu Bielefeld (Korff 2014)

Die geschwätzige Linde

Es war einmal ein kleiner Lindenbaum, der mit Mühe und Not den schrecklichen Dreißig­jährigen Krieg überlebt hatte. Als endlich Frieden war, anno 1648, waren die Bielefelder sehr froh. Zur Feier des Friedens gruben sie die kleine Linde aus einem Garten aus und pflanzten sie gleich neben ihre schönste Kirche. Als Friedens­linde wurde sie in Ehren gehalten. Frieli wurde groß und dick und schrundig vor Alter. Ihr Stamm wurde hohl, doch das machte der vitalen Linde nichts aus. Als 2014 die Stadt ihr 800jähriges Jubiläum feierte, war Frieli mitten­mang dabei. Stolz präsentierte Frieli ihre Facebook-Seite und twitterte wie ein amerika­nischer Obertroll.  Denn sie hatte viel zu erzäh­len aus ihrem verwurzelten Leben: von Verfall und Rettung der nahen Sparrenburg, vom Brand der Kirchtürme, von der letzten Postkutschen­fahrt und dem ersten Bielefelder Theater in einem Pferdestall, von zwei großen Kriegen, vom Abriss der Adelshöfe und Handwerkerhäuser, von Kindern und Künstlern.

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